Korridorium

1x täglich Kurzprosa mit Soundtrack vom 11/11/11 bis 12/12/12

Kategorie: Story

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The Glub­dub­drib Inci­dent

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Ich betrete den Kor­ri­dor, den die Gar­den des Gou­ver­neurs von Glub­dub­drib für meine Audi­enz bil­den. Sie sind in sehr alt­mo­di­scher Weise geklei­det und bewaff­net, und ihr Spa­lier im Schloss­hof erweckt einen Schau­der in mir, wie er kaum in Wor­ten aus­zu­drü­cken ist. Anschlie­ßend werde ich durch meh­rere Zim­mer gelei­tet, in denen sich, in Rei­hen auf­ge­stellt, Die­ner der­sel­ben Art befin­den, bis ich in den Audi­enz­saal gelange. Ich mache drei tiefe Ver­beu­gun­gen vor dem Throne Sei­ner Hoheit.

Glub­dub­drib bedeu­tet, soweit ich die Spra­che ver­stehe, »Insel der Hexen­meis­ter und Zau­be­rer«. Der hie­sige Gou­ver­neur ist durch seine nekro­man­ti­schen Fer­tig­kei­ten imstande, jeden belie­bi­gen Toten zu sich zu zitie­ren und sei­nen Dienst vier­und­zwan­zig Stun­den lang, jedoch nicht län­ger, in Anspruch zu neh­men.

Mit dem Winke eines Fin­gers ent­lässt der Fürst jetzt all seine Beglei­ter, die dar­auf­hin im Nu ver­schwin­den wie Traum­bil­der beim plötz­li­chen Erwa­chen. Er lässt eine neue Reihe Geis­ter das Essen auf­tra­gen und bei Tische auf­war­ten. Nach dem Des­sert befiehlt mir der Fürst, ihm drei belie­bige Tote, von Anfang der Welt bis heute, zu nen­nen. Er werde ihnen befeh­len, alle Fra­gen, nach denen mir der Sinn stehe, zu beant­wor­ten, unter der Bedin­gung, die Fra­gen blei­ben auf die Leb­zei­ten des jewei­li­gen Toten beschränkt. Ich könne mich, fügt er an, indem er sich jovial zu mir her­über­beugt, voll­kom­men dar­auf ver­las­sen, dass sie mir die Wahr­heit sagen, da das Lügen in der Unter­welt durch­aus zu nichts nütze sei.

Wäh­rend ich Sei­ner Hoheit auf die ver­bind­lichste Weise für diese Gna­den­be­zei­gung danke, lasse ich im Geiste all die Gestal­ten vor mich tre­ten, deren Befra­gung mir von Wert sein könnte.

Jesus, damit er Aus­kunft dar­über geben mag, ob der Papst in Rom oder die Bischöfe von Can­ter­bury und York sein recht­mä­ßi­ges Erbe ver­wal­ten und ob nun die Gläu­bi­gen römisch-katho­li­scher oder doch die angli­ka­ni­scher Kon­fes­sion ein Anrecht auf das ver­spro­chene Him­mel­reich haben? (Aber wenn ich so recht über­lege: Hat er nicht zeit­le­bens sehr unbe­queme Ant­wor­ten auf alles gege­ben? Nicht, dass ich so Unfrie­den stifte!)

Dann doch lie­ber Aris­to­te­les, der mir viel­leicht sagen kann, wo ein Exem­plar des zwei­ten Ban­des sei­ner Poe­tik zu fin­den ist, da doch lei­der seine Phi­lo­so­phie des Lachens im Laufe der Geschichte ver­lo­ren­ge­gan­gen ist? (Aber er wird seine Bücher ja nicht gerade so ver­steckt haben, dass sie Jahr­tau­sende unver­sehrt über­ste­hen konn­ten …)

Nein, ich könnte Sokra­tes fra­gen, ob sein Schü­ler Pla­ton die Phi­lo­so­phie des Leh­rers unver­fälscht nie­der­ge­schrie­ben hat. (Aber dann müsste ich zuerst den gan­zen Pla­ton zitie­ren, wenn ich die­sen nicht gleich selbst dazu­hole, was aller­dings wie­derum zu Strei­te­reien füh­ren könnte.)

Wie wäre es mit Alex­an­der dem Gro­ßen, damit er end­lich in per­sona Aus­kunft dar­über gebe, ob er, wie es heißt, ver­gif­tet wurde? (Aber wird er wis­sen, woran genau er gestor­ben ist, oder sich nicht ein­fach nur an Tat­sa­che und Umstände sei­nes Able­bens erin­nern?)

Robin Hood könnte mir und damit sei­ner gesam­ten Nach­welt Mit­tei­lung geben, ob er nur, wie man­che behaup­ten, ein schmäh­li­cher Wege­la­ge­rer war oder doch, wie andere nicht müde wer­den zu ver­brei­ten, ein Vor­kämp­fer für soziale Gerech­tig­keit? (Aber wird er, Kind sei­ner Zeit, den Unter­schied über­haupt ver­ste­hen?)

Ich könnte König Artus erschei­nen las­sen, um von ihm zu erfah­ren, ob er in der Tat nach Ava­lon ent­rückt wurde, wie es der Roman de Brut behaup­tet. (Aber womög­lich ist er da noch quick­le­ben­dig und kann jetzt gar nicht als Toter her­bei­zi­tiert wer­den?)

Sollte ich nicht gleich Mer­lin höchst­selbst um genaue Mit­tei­lung über Artus und seine Tafel­runde bit­ten und so die Dis­pute der His­to­ri­ker über die his­to­ri­sche Wahr­heit ein für alle Mal zu einem Ende brin­gen? (Aber ist es kom­mod, am Hofe eines Zau­be­rers von die­sem einen ande­ren Magier beschwö­ren zu las­sen?)

Jeden­falls kann ich den Gou­ver­neur nicht län­ger war­ten las­sen und nenne ihm den Namen mei­nes seli­gen Groß­va­ters müt­ter­li­cher­seits, von dem es in der Fami­lie hieß, er habe einen Gold­schatz ver­gra­ben für schlechte Zei­ten, der aber starb, bevor er das Ver­steck ver­ra­ten konnte. Ein Mann erscheint, des­sen Schä­del kahl ist und dem die Haare aus der dicken roten Nase wach­sen. Mein Groß­va­ter? Ich habe ihn nie ken­nen­ge­lernt. Er beschimpft mich und zetert, er fühle sich in sei­ner Ruhe und Ehre gestört, und er ver­stummt erst, als ich ihn nach dem Golde frage. Das Gerücht von dem Schatz habe er in die Welt gesetzt, gibt er schließ­lich an, um Kre­dit zu erhal­ten für sein schlecht­ge­hen­des Gewerbe, seit er sich im Eng­li­schen Bür­ger­krieg auf die Seite König Karls I. geschla­gen hatte und alles Ver­mö­gen dabei ver­lor.

Ich bli­cke den Gou­ver­neur an, der mei­nen Groß­va­ter mit einem Wink auf die vor­dem genannte gespens­ti­sche Weise ver­schwin­den lässt. Mit eini­gem Zögern nenne ich ihm nun den Namen Esther Van­hom­righ. Es ist mir ein wenig unheim­lich, meine frü­here Geliebte her­bei­zu­zi­tie­ren, aber so könnte ich sie schließ­lich doch noch dafür um Ver­zei­hung bit­ten, ihr so viele Jahre lang meine Ehe ver­heim­licht zu haben. Es tritt jedoch an ihrer Statt ein Herr mit lan­ger Nase und wal­len­den Locken auf, in dem ich sofort John Par­tridge erkenne. Er stellt sich mir nase­rümp­fend als der hoch­wohl­ge­bo­rene Isaac Bicker­staff vor. »Vanessa« habe ihn geschickt: Sie sei mir immer noch böse. Mich packt dar­auf eine der­ar­tig hef­tige Wut, dass ich hand­greif­lich werde, ihn jedoch nicht zu packen bekomme, da seine Form und Erschei­nung von geis­ter­haf­ter Natur ist. Der Gou­ver­neur betrach­tet kopf­schüt­telnd den gro­tes­ken Tanz, den wir auf­füh­ren, indem ich alles dar­an­gebe, die­sem Betrü­ger die Gur­gel zuzu­dre­hen, bis er ihn schließ­lich eben­falls mit einem blo­ßen Fin­ger­zeig zum augen­blick­li­chen Ver­schwin­den bringt.

Er erachte mich nicht für wür­dig, gibt mir der Fürst jetzt zu ver­ste­hen, mit wei­te­ren von ihm her­auf­be­schwör­ten Toten Umgang zu haben, da er sich des Ein­drucks nicht erweh­ren könne, ich stellte ihnen keine Fra­gen, deren Beant­wor­tung von Nut­zen sei. Er lächelt dabei milde, doch kann einen ver­ächt­li­chen Zug um die Lip­pen nicht ver­ber­gen, und mir wird schänd­lich bewusst, welch ein­ma­lige Gele­gen­heit, die jeden His­to­ri­ker in Ent­zü­cken und selbst das gemeine Volk in eine gewisse bange Neu­gierde ver­setzt hätte, ich so acht­los ver­tan habe. Es ist mir unmög­lich, die Beschä­mung mei­nes Her­zens so zu beschrei­ben, dass der Leser einen Begriff davon erhält.

 

aus den gehei­men Auf­zeich­nun­gen des Lemuel Gul­li­ver

 

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Into Intert­win­gu­la­rity

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Ich betrete den Kor­ri­dor, der die große Wei­he­halle umläuft. Die pochen­den Kopf­schmer­zen sind mit einem Mal ver­flo­gen. Trotz­dem bin ich ver­wirrt. Wo bin ich hier? Woher weiß ich, dass es sich um die »Wei­he­halle« han­delt? Ich werde – zur Untä­tig­keit ver­ur­teilt im Geist eines Betei­lig­ten hockend, der nichts davon mit­be­kommt – wie­der einem Hel­den mei­ner Kind­heit begeg­nen, soviel ist klar. Bis­her habe ich immer gleich gewusst, wohin es mich ver­schla­gen hat – ob es nun die Tri­este war, Lhasa, Xu Fus Flotte oder ob es sich um Vasco da Gama oder Albrecht Lud­wig Berblin­ger, den Schnei­der von Ulm, bei sei­nem tra­gi­schen Flug­ver­such han­delte.

Die Stadt ist präch­tig. Die impo­san­ten Bau­ten und die gepflas­ter­ten Stra­ßen sind mit bun­ten Blu­men geschmückt, und über die brei­ten Kanäle weht eine fri­sche, sal­zige Brise. Ich wandle durch präch­tige Säu­len­gänge aus schim­mern­dem Mar­mor, grüße einen Bär­ti­gen in einem bestick­ten Gewand, der mich »Criph« nennt, besteige ein Boot, das einer vene­zia­ni­schen Gon­del ähnelt. Doch dies ist nicht das antike Vene­dig. Die Kanäle sind kreis­för­mig ange­legt. Lang­sam däm­mert mir, dass das hier Atlan­tis sein muss. Aber es kann nicht sein! Atlan­tis hat es nie gege­ben – außer als Erzäh­lung von Pla­ton. Es ging ihm, soweit ich mich erin­nere, bei sei­nem Gleich­nis um Gerech­tig­keit und den idea­len Staat. Und doch bin ich hier, im Kopf die­ses »Criph«, und weiß nicht, ob es ein Traum ist, Wahn oder geis­ter­hafte Wirk­lich­keit.

Eben schien noch die Sonne, doch nun ver­heißt der Blick in den Him­mel Unheil: Über den gol­de­nen Zin­nen der Stadt braut sich mit erschre­cken­der Geschwin­dig­keit ein Unwet­ter zusam­men. Dann erschüt­tert ein Erd­be­ben die Mau­ern, das die Men­schen zu Boden schleu­dert und die mäch­ti­gen Gebäude ein­stür­zen lässt. Ich bin Zeuge des Unter­gangs von Atlan­tis, von dem Pla­ton schrieb, er sei inner­halb eines ein­zi­gen Tages und einer unglück­se­li­gen Nacht erfolgt!

Der Junge, Criph, eilt in die Höhle mit den außer Kon­trolle gera­te­nen Wet­ter­kris­tal­len, um sie zu deak­ti­vie­ren. Doch das Ver­der­ben ist nicht auf­zu­hal­ten.

Werde ich zusam­men mit ihm ster­ben? Ist hier meine Irr­fahrt durch die Welt­ge­schichte zu Ende?

Der Junge kon­zen­triert sich. Sein Geist ist geschult. Er ver­setzt sich inner­lich an einen ganz ande­ren, fried­li­chen Ort. Es scheint eine kleine pal­men­be­stan­dene Insel zu sein, und es sind Besu­cher dort. Gleich­zei­tig droht Criphs Kör­per zu ertrin­ken, und ich spüre, dass seine Kräfte nicht aus­rei­chen wer­den, um sich ret­ten – nicht seine kör­per­li­chen und auch nicht seine geis­ti­gen Kräfte.

Aber ich kann Criph hel­fen: mit mei­ner Kraft und mei­nem Über­le­bens­wil­len. Wie soll das gehen? Bin ich ange­sichts des dro­hen­den Unter­gangs end­gül­tig ver­rückt gewor­den? Nein. Ich spüre, dass ich nicht län­ger zur Untä­tig­keit ver­dammt bin. Im Geist die­ses Jun­gen, in sei­nem Kopf, ist es anders als bis­her. Ihm kann ich meine Ent­schluss­kraft, ja selbst mein Wis­sen und meine Erfah­rung zur Ver­fü­gung stel­len. Aller­dings nur, indem ich mich selbst auf­gebe. Die anste­hende Ent­schei­dung steht klar vor mei­nem inne­ren Auge.

Bin ich bereit, in etwas Grö­ße­rem auf­zu­ge­hen und mich selbst los­zu­las­sen? Die nächs­ten Sekun­den ent­schei­den, ob Criph ertrinkt oder über­lebt. Könnte der hei­mat- und ruhe­lose Geist, zu dem ich gewor­den bin, hier am Ende sei­ner Reise ange­kom­men sein? Es ist, als stünde ich am Rand eines boden­lo­sen Abgrunds, wan­kend, von Schwin­del erfasst, den Halt ver­lie­rend. Etwas Unbe­kann­tes erwar­tet mich. Ich hoffe, es ist mir freund­lich gesinnt.

Der Augen­blick ist gekom­men. Ich muss meine Ent­schei­dung tref­fen. Wie ver­ab­schie­det man sich von sich selbst?

Vie­len Dank für alles. Lebe wohl!

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And the Day is Far Spent

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Ich betrete den Kor­ri­dor. Hier, hat man mir gesagt, soll ich war­ten, bis ich abge­holt werde. Es ste­hen Stühle an der Wand zwi­schen den Türen, aber ich setze mich nicht, denn ich hasse es zu war­ten. So kann ich wenigs­tens auf- und abge­hen, was mir etwas zu tun gibt und den ande­ren zeigt, dass ich unge­dul­dig bin und sie schnell machen sol­len. Nur sind keine ande­ren da. Ich bin allein. Und bin gezwun­gen, zu war­ten, bis man Zeit für mich hat. Wie ich es hasse!

War­ten ist mein Trauma. Als Baby, nach der Geburt, haben sie mich im Kran­ken­haus mei­ner Mut­ter weg­ge­nom­men, und sie kam mich immer nur kurz besu­chen, um mich zu stil­len. Es war nie genug. Damals war das viel­leicht so üblich. Aber ich kam nie dar­über hin­weg, auf die Wärme, die Nähe, die Mut­ter und ihre Milch war­ten zu müs­sen. Allein zu sein und zu war­ten.

Wie jetzt. Nichts pas­siert. Die Zeit bleibt ein­fach ste­hen und quält mich zu Tode. Ich könnte explo­die­ren, schreien, jeman­dem an die Gur­gel gehen. Irgend­was soll pas­sie­ren, bitte! Lasst mich nicht län­ger hier allein! Meine Knie zit­tern, merke ich. Ich setze mich jetzt doch. Starre die Bil­der an. Starre die Türen an. Bis mein Blick ins Leere geht. Ich bin so wütend! Immer las­sen sie mich war­ten, lässt das Leben mich war­ten. Ich will nicht mehr. Ich kann nicht mehr. Ich kaue auf mei­nen Nägeln, aber auch das hilft nicht.

Es kommt jemand. Eine junge Frau, rote gelockte Haare, beschwing­ter Schritt. Der Mann hin­ter ihr – ich höre die Stimme durch die offene Tür – sagt ihr das Glei­che wie vor­her mir: »Bitte war­ten Sie hier. Sie wer­den abge­holt.« Die Tür schließt sich wie­der. Ich will schreien, dass es eine Lüge ist, dass kei­ner mich abholt, jemals abge­holt hat. Dass War­ten noch nie zu irgend­was geführt hat!

Die junge Frau sieht sich um, nickt mir lächelnd zu. Sie geht zum Fens­ter und sieht hin­aus. Ich hatte gar nicht bemerkt, dass es ein Fens­ter gibt. Sie pro­biert, ob sie es öff­nen kann. Doch es ist ver­rie­gelt. Viel­leicht haben sie Angst, dass jemand wie ich da raus­springt, wenn das War­ten kein Ende nimmt.

Die junge Rot­haa­rige scheint es nicht wei­ter zu stö­ren. Sie geht zu den ande­ren Türen, drückt die Klin­ken run­ter, um zu tes­ten, ob sie abge­schlos­sen sind. Eine ist es nicht. Sie öff­net sie, geht hin­ein, und die Tür fällt hin­ter ihr ins Schloss. Dann pas­siert erst ein­mal nichts. Ich warte dar­auf, dass sie zurück­kehrt. Doch sie bleibt ver­schwun­den.

Und wenn jetzt jemand kommt, sie abzu­ho­len? Ich setze meine Füße mit auf den Stuhl und umfasse meine Knö­chel. Am liebs­ten würde ich mir in die Knie bei­ßen, aber ich lege nur meine Stirn dar­auf und weine leise vor mich hin.

Viel­leicht haben sie mich ver­ges­sen? Ich weiß es nicht, der Gedanke jedoch macht mich rasend. Immer, wenn ich war­ten muss, kom­men diese schreck­li­chen Gedan­ken.

Also warte ich. Dass diese Rot­haa­rige zurück­kommt. Viel­leicht kön­nen wir beide zusam­men etwas gegen die­ses gott­ver­dammte ewige War­ten unter­neh­men …?

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Mo ghra mo bhea­tha (A Mello Romance)

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Ich betrete den Kor­ri­dor. Mein Herz klopft wild, mein Busen bebt. Wer­den meine geheims­ten Wün­sche Wirk­lich­keit? Lord McT­row­don hat mich in sein Arbeits­zim­mer rufen las­sen. Seit er sich vom Pferd schwang und mich behut­sam in seine Arme nahm, habe ich ihn nicht wie­der­ge­se­hen. Meine Stute war vor einem Fuchs zurück­ge­schreckt, der plötz­lich aus dem Gebüsch schoss und mei­nen Weg über Län­de­reien kreuzte, von denen ich nun weiß, dass sie dem Lord gehö­ren. Ich konnte mich nicht hal­ten, fiel zu Boden und muss kurz ohn­mäch­tig gewor­den sein. Zu mei­nem Glück fand mich der Lord und ließ mich sogleich in sein Schloss schaf­fen.

Der knur­rige Dorf­arzt sprach von einer leich­ten Gehirn­er­schüt­te­rung, aber dass ich so benom­men wirkte, hatte einen ganz ande­ren Grund. In den Armen die­ses hoch­ge­wach­se­nen Man­nes zu lie­gen, sei­nem kan­ti­gen Gesicht mit den war­men, brau­nen Augen so nahe zu sein – ich war noch ganz beseelt davon, und gleich­zei­tig zer­riss es mir das Herz, dass er mich sei­nen Bediens­te­ten über­ließ und gleich wie­der davon­ritt, um meine Stute ein­zu­fan­gen, als er sich über­zeugt hatte, dass ich nicht ernst­haft ver­letzt war.

Ich klopfe an seine schwere, holz­ge­tä­felte Tür. Ist es ihm wie mir ergan­gen? Kann auch er die Bli­cke nicht mehr ver­ges­sen, mit denen wir förm­lich inein­an­der ver­san­ken? Hat auch er die­ses tiefe Wie­der­erin­nern gespürt, als wür­den wir uns schon Ewig­kei­ten lang ken­nen? Nein, schelte ich mich, ich darf nicht sol­che Gedan­ken und Hoff­nun­gen hegen. Lord McT­row­don lie­gen die schöns­ten und begeh­rens­wer­tes­ten Frauen der Welt zu Füßen. Was sollte er an mir fin­den, einer unschein­ba­ren Tou­ris­tin, die ihr Pferd nicht im Griff hat und kein Wort des Dan­kes über ihre Lip­pen gebracht hat.

»Ja bitte?«, erklingt seine Stimme hin­ter der Tür, kraft­voll und doch auch sanft, fast zärt­lich. Mit zit­tern­den Fin­gern drü­cke ich die Klinke her­un­ter. Er sitzt hin­ter einem geschwun­ge­nen Schreib­tisch mit wun­der­schö­nen Intar­sien, springt, als er mich sieht, jedoch gleich auf und tritt mir federn­den Schrit­tes ent­ge­gen. Mir wird schwind­lig vor Ver­lan­gen, und ich muss mich an der Tür fest­hal­ten.

Lord McT­row­don sinkt vor mir in die Knie. »Schöne Rei­te­rin, deren Namen ich nicht kenne, du hast mein Herz im Sturm erobert, und ich weiß nicht, wie mir geschieht. Eine unge­heure Macht, die mir vor unse­rer unver­hoff­ten Begeg­nung gänz­lich unbe­kannt war, treibt mich dazu, das Unmög­li­che zu hof­fen: dass es dir ebenso ergeht wie mir.«

Er blickt zu mir hoch, die Augen vol­ler Hin­gabe und Hoff­nung, und ich bringe wie­der kein Wort über die Lip­pen. Sollte ich ihm das sagen, mit der »unge­heu­ren Macht« und wer dahin­ter­steckt. Wird er über­haupt wis­sen, was ein Gro­schen­heft ist? Mir zit­tern die Knie. Kann es wirk­lich wahr sein?

»Willst du«, haucht er, »meine Frau wer­den?« Ich falle erneut in Ohn­macht, aber dies­mal fan­gen mich seine star­ken Arme auf.

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Les joies les plus chau­des

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Ich betrete den Kor­ri­dor-Pla­ne­ten. Zuerst sieht es ganz so aus, als sei er unbe­wohnt. Eine Treppe führt ins Innere, und dann begin­nen die Kor­ri­dore. Hin­ter den Türen in den Kor­ri­do­ren, die ich neu­gie­rig öffne, begin­nen neue Kor­ri­dore, und hin­ter ihren Türen wei­tere. Alle sehen gleich aus. Nach kur­zer Zeit habe ich mich ver­irrt. Zum Glück ist es hier nicht dun­kel. Jemand hat in die Kor­ri­dore eine lange grüne Schnur mit klei­nen elek­tri­schen Ker­zen gelegt, die rhyth­misch blin­ken. Ich folge der Schnur, denn ent­we­der muss sie irgendwo enden oder ich finde ihren Anfang.

Dann wird es sehr laut. Ein Kor­ri­dor, den ich betrete, ist noch unfer­tig. Seine Wände sind nack­ter Fels, und es steht ein Mann da mit einem Press­luft­boh­rer, der den Stein bear­bei­tet und den Kor­ri­dor wei­ter hin­ein in den Pla­ne­ten treibt.

»Hallo«, rufe ich, aber der Mann hat einen Gehör­schutz auf und bemerkt mich nicht. Ich tippe ihn an. Er erschreckt und dreht sich um. End­lich stellt er den lär­men­den Press­luft­ham­mer aus, so dass wir uns unter­hal­ten kön­nen.

»Wer bist du denn? Wo kommst du her?«

»Was machst du da?«, frage ich ihn. Er ist jung und vol­ler Staub.

»Ich baue ein Laby­rinth aus Gän­gen und Türen. Aber was machst denn du hier?«

»Ich sehe ja«, sage ich sanft, »dass du dei­nen Pla­ne­ten aus­höhlst und lau­ter Kor­ri­dore hin­ein­baust. Aber warum tust du das?«

Der Mann lehnt sich an die Stein­wand. Er wirkt erschöpft. »Das ist nicht ganz leicht zu erklä­ren«, sagt er.

»Dann erklär es mir ein­fach«, sage ich.

Er zieht sich die Bau­ar­bei­ter­hand­schuhe aus und betrach­tet eine Zeit­lang seine Hände.

»Ich liebe Über­ra­schun­gen«, sagt er schließ­lich. »Weißt du, klei­ner Mann, auf mei­nem Pla­ne­ten konnte mich ein­fach nichts mehr über­ra­schen. Ich kannte schon alles.«

»Aber die Son­nen­un­ter­gänge!«, wende ich ein. »Außer­dem kann immer ein Samen­korn her­we­hen, und es wächst eine Blume, wie du sie noch nie vor­her gese­hen hast. Hast du Vul­kane hier?«

Der Mann schüt­telt den Kopf. Schade, denke ich, denn auch wenn ein Vul­kan erlo­schen ist: Man kann nie wis­sen.

»Jeden­falls baue ich die­ses Laby­rinth, weil ich mich dann hier drin ver­ir­ren kann und nicht mehr weiß, wo ich bin. Des­halb sieht hier alles gleich aus. Sag mal, wie hast du mich eigent­lich gefun­den?«

Ein wenig erin­nert mich der Mann an den Later­nen­wäch­ter: jemand mit einer Mis­sion. Könnte er ein Freund für mich wer­den?

»Willst du denn gerne ver­lo­ren gehen?«, frage ich.

Er nickt. »Hin­ter jeder Tür könnte mich etwas Über­ra­schen­des erwar­ten, weißt du?«

»Aber es sehen doch alle Kor­ri­dore gleich aus. Und hin­ter jeder Tür beginnt ein neuer. Das ist doch nichts Über­ra­schen­des.«

Der Mann run­zelt die Stirn. Hat er dar­über noch nie nach­ge­dacht? »Doch. Es könnte ja mal der Aus­gang sein. Oder das Ende der Kor­ri­dore. Und außer­dem könnte ich ja auch noch etwas in die Kor­ri­dore hin­ein­stel­len, das mich dann spä­ter über­rascht, wenn ich zufäl­lig dar­auf stoße.«

»Das ver­stehe ich nicht«, sage ich ver­wun­dert. »Wenn du etwas hin­ein­stellst, über­rascht es dich doch nicht wirk­lich, wenn du es dann spä­ter hin­ter einer Tür fin­dest.«

»Doch«, sagt der Mann, »wenn ich es näm­lich ver­ges­sen habe.«

»Also willst du dich nicht nur in den Kor­ri­do­ren ver­ir­ren, son­dern auch noch ver­ges­sen, was in ihnen zu fin­den ist?«

Der Mann lächelt erfreut. »Genau.«

Ich kenne noch so einen, der ver­ges­sen will. Und ich weiß nicht, wel­cher von bei­den ver­rück­ter ist. Selt­same Leute, die gro­ßen Leute.

»Ich möchte gerne wei­ter­rei­sen. Weißt du, wo der Aus­gang ist?«

Der Mann nickt lang­sam und unwil­lig. »Ja, lei­der. Ich wünschte, ich hätte es ver­ges­sen. Komm mit, ich bring dich hin.«

Und so gehen wir durch die Kor­ri­dore des Man­nes, und alle sehen genau gleich aus, aber der Mann weiß, wel­che Türen er öff­nen muss und wo es lang­geht.

»Was hat dich eigent­lich zuletzt über­rascht?«, frage ich. Der Mann bleibt ste­hen und sieht zu mir run­ter.

»Na, du natür­lich. Als du eben uner­war­tet auf­ge­taucht bist.«

»Und dazu muss­test du gar keine Tür auf­ma­chen.«

»Das stimmt«, sagt der Mann, »du bist ein­fach so auf­ge­taucht.«

»Und jetzt gehe ich wie­der.« Wir errei­chen näm­lich gerade die Treppe, und dar­über fun­keln die Sterne.

»Gute Reise«, wünscht mir der Mann.

»Komm doch mit«, sage ich, »ich habe auf mei­ner Reise schon viele Über­ra­schun­gen erlebt.«

Der Mann sieht trau­rig aus und jetzt auch viel älter, als ich anfangs gedacht habe. Er schüt­telt den Kopf. »Ich muss mich wie­der an die Arbeit machen.«

Und damit betritt er den Kor­ri­dor mit den blin­ken­den Lämp­chen und ist bald dar­auf im Inne­ren sei­ner Welt ver­schwun­den.

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From the Flip­side of Time

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Ich betrete den Kor­ri­dor. Einer die­ser häss­li­chen Zwerge hat die Tür zu mei­ner Zelle geöff­net und faucht mich an. Er ist über und über mit schim­mern­den Blät­tern und klei­nen Tier­schä­deln behängt und tritt nun zäh­ne­ble­ckend zurück, um mir den Weg frei­zu­ge­ben.

Sie haben mich tage­lang hun­gern las­sen, und ich habe nur ein klein wenig Regen­was­ser mit der hoh­len Hand auf­fan­gen kön­nen, um mei­nen Durst zu stil­len. Jetzt bin ich völ­lig aus­ge­dörrt und ent­spre­chend schwach auf den Bei­nen. Die grau­häu­tige Wache, die mir kaum bis zur Hüfte reicht, knurrt und macht Bewe­gun­gen mit den Armen, als wolle sie mich vor­wärts schie­ben. Der aus Boh­len gefer­tigte Kor­ri­dor ist nied­rig. Ich muss den Kopf ein­zie­hen und gebückt lau­fen. Unter mir klingt es hohl, als laufe ich über eine rundum geschlos­sene Brü­cke. Folg­sam trotte ich in die Rich­tung, in die der Zwerg mich gehen heißt. Viel­leicht geben sie mir ja end­lich etwas zu trin­ken.

Ich irre jetzt schon Jahre über die­sen ver­wir­ren­den Kon­ti­nent. Noch nie hat es so lange gedau­ert, meine Auf­gabe zu fin­den. Ich bin müde und kraft­los. Aber am schlimms­ten ist die Ein­sam­keit. Immer wie­der muss ich an Enra’daí den­ken.

Wohin ich gelange, wenn ich mich auf die Rück­seite der Zeit begebe, kann ich mir nicht aus­su­chen. Es ist immer ein Ort, an dem man mich braucht – ob als Krie­ger, Scha­mane, Reli­gi­ons­stif­ter oder Frie­dens­brin­ger. Auch wenn ich mein Bes­tes ver­su­che und meist auch hel­fen kann: Oft zweifle ich daran, dass ich der Rich­tige bin für die Auf­gabe – oder auch schon daran, ob ich die Auf­gabe, die mir zuge­dacht ist, über­haupt rich­tig ver­stehe.

Wie haben die ande­ren Wan­de­rer es geschafft, die stän­dige Kon­fron­ta­tion mit fremd­ar­ti­gen Völ­kern zu über­le­ben – in Wel­ten, für die Men­schen nicht geschaf­fen zu sein schei­nen? Meine ein­zige Hoff­nung ist, dass irgend­wann einer von uns Zwöl­fen ersetzt wer­den muss. Dann wer­den sie mich rufen, und wir kom­men – nicht kör­per­lich natür­lich – zusam­men, um einen neuen Wan­de­rer zu küren. Bei die­ser Gele­gen­heit will ich Enra’daí fra­gen, ob wir nicht doch gemein­sam wan­dern kön­nen. Ich bin älter gewor­den, seit wir uns tra­fen, zu einem Mann gereift – und nie hat eine der Frauen, die ich auf mei­nen Streif­zü­gen durch die Zei­ten traf, meine Sehn­sucht nach Enra’daí stil­len kön­nen. Auch sie wird geal­tert sein. Doch der Alters­un­ter­schied würde mich nicht stö­ren. Bevor ich sie traf, wusste ich nicht, dass mir etwas fehlt. Ich will ein­fach nur in ihrer Nähe sein.

Im Boden des Kor­ri­dors ist ein Loch. Es ist qua­dra­tisch, reicht bis zu den Wän­den und ist zu groß, um es mit einem Sprung zu über­win­den. Unten sehe ich Tages­licht – und Sand. Im Sand liegt mein treues Schwert, das mich seit vie­len Jah­ren beglei­tet. Ich habe es Hin­ter­tref­fen getauft.

Mein zwer­gen­haf­ter Auf­pas­ser faucht, zischt und droht: Ich soll offen­bar hin­un­ter­sprin­gen. Es wäre kein Pro­blem, ihm den Hals umzu­dre­hen. Aber meine Mord­lust war nie sehr aus­ge­prägt. Gewalt lässt nur neue Gewalt ent­ste­hen. Und davon gibt es in die­sen Wel­ten schon mehr als genug. Ich springe.

Der Sand­bo­den liegt tie­fer als gedacht. Ich komme mit den Füßen auf und rolle mich ab. Sogleich greife ich zu mei­nem Schwert. Ver­mut­lich wol­len sie, dass ich kämpfe.

Tat­säch­lich befinde ich mich in einer Arena. Hohe Pali­sa­den­wände umge­ben mich, und dar­über bli­cken von den Rän­gen Hun­derte der grau­häu­ti­gen Zwer­gen­we­sen zu mir herab. Es ist heiß, und ein schwa­cher süß­li­cher Geruch von Ver­we­sung liegt über allem.

Vor der Pali­sa­den­wand sitzt die beein­dru­ckend lebens­echt gear­bei­tete Stein­sta­tue eines Raub­tiers mit rie­si­gen Fang­zäh­nen. Hin­ter mir höre ich ein Knur­ren. Blitz­schnell drehe ich mich um. Auch hier zwei Sta­tuen sol­cher Tiere. Sie sind etwa ein Dut­zend Schritte von mir ent­fernt, und ich stehe mit­ten zwi­schen ihnen. Ein Geräusch von Pfo­ten auf Sand lässt mich erneut her­um­fah­ren. Die Sta­tue ist näher­ge­kom­men! Wie­der drehe ich mich herum. Auch die bei­den ande­ren Sta­tuen sind, obwohl sie jetzt bewe­gungs­los daste­hen, näher her­an­ge­rückt. Lang­sam beschleicht mich Panik. Was ist hier los? Die rundum ver­klei­dete Boh­len­brü­cke über der Arena, von der ich her­ab­ge­sprun­gen bin, ist zu hoch, um sie mit einem Sprung errei­chen zu kön­nen.

Immer wie­der drehe ich mich um, wende den Kopf, und wenn ich eine der Sta­tuen wie­der in mei­nen Blick nehme, hat sie sich ein Stück vor­wärts­be­wegt. Ein­mal glaube ich aus dem Augen­win­kel zu sehen, wie sich die Raub­katze nach einem Sprung in Stein ver­wan­delt und noch ein klei­nes Stück­chen wei­ter rutscht. Ich kann immer nur zwei von den drei Bes­tien gleich­zei­tig in mein Blick­feld neh­men. Die dritte wird offen­bar solange leben­dig und macht Jagd auf mich. Schon bald wird mir eine von ihnen ihre Kral­len und Zähne in den Rücken schla­gen.

Das Volk der Klein­wüch­si­gen schaut mir gebannt zu – aber nicht, weil sie mei­nen Tod erwar­ten. Die Span­nung, die in der Luft liegt, ist eine andere. Als wür­den sie sich wün­schen, dass ich den Kampf über­lebe. Doch meine Chan­cen ste­hen schlecht, da ich nicht alle drei Kat­zen gleich­zei­tig im Blick behal­ten kann. Oder viel­leicht doch? Ich hebe mein Schwert in Augen­höhe. Unter­halb der Klinge habe ich eine der Sta­tuen im Blick, und in dem polier­ten Metall spie­geln sich die bei­den ande­ren. Alle drei ste­hen reg­los im Sand. Ein Rau­nen geht durch die Menge. Die Zuschauer haben mei­nen Trick durch­schaut.

Das Schwert vor mich hal­tend gehe ich auf die Sta­tue vor mir zu, ein präch­ti­ges Tier, dem zwei furcht­ein­flö­ßende Reiß­zähne aus dem Maul ragen. Als ich die Katze mit der freien Hand am Kopf berühre, höre ich wie­der ein Rau­nen. Ich strei­che ihr im Vor­bei­ge­hen über den stei­ner­nen Rücken. Sobald ich hin­ter der Sta­tue stehe, drehe ich mich um und habe jetzt alle drei Tiere im Blick. Das Schwert lasse ich sin­ken. Nie hätte ich gedacht, dass Hin­ter­tref­fen mir ein­mal auf diese Weise nütz­lich sein würde.

Ich könnte die Tiere töten, mein Schwert über ihren Rücken heben und es ihnen – kurz die Augen schlie­ßend, damit sich der kühle Mar­mor in war­mes Fleisch ver­wan­delt – ins Herz jagen, eines nach dem ande­ren. Aber es sind wun­der­schöne Kat­zen, und es ist ihr Instinkt, der sie angrei­fen lässt – keine Feind­schaft.

»Was­ser!«, rufe ich in die schwei­gende Menge. Dann noch ein­mal in der Spra­che des Sumpf­volks, bei dem ich lange gelebt habe. Das schei­nen sie zu ver­ste­hen. Mir wird ein Seil zuge­wor­fen. Ich klet­tere daran hoch – was mir fast zum Ver­häng­nis wird, denn indem ich mei­nen Blick abwende, erwa­chen die drei Sta­tuen zum Leben und jagen in gro­ßen Sprün­gen auf mich zu. Ich ent­komme ihnen knapp und schwinge mich über die Pali­sa­den­wand. Einer der Klein­wüch­si­gen reicht mir ein Horn, gefüllt mit Was­ser. Gie­rig trinke ich es leer.

Dann bli­cke ich hin­un­ter in die Arena. Der Zau­ber, der die Raub­kat­zen durch mei­nen Blick ver­stei­nern ließ, wirkt von hier oben nicht. Unru­hig und hung­rig knur­rend strei­chen sie durch den Sand. Ihr Fell glänzt in der Sonne. Eine springt an die Pali­sa­den unter­halb von mir, ver­sucht, sich dort fest­zu­kral­len, rutscht aber wie­der ab.

»Wer hat hier das Sagen?«, frage ich in der Spra­che des Sumpf­volks. Hun­derte Augen­paare star­ren mich wort­los an. Dann drängt sich eine Zwer­gin zu mir durch.

»Wir vom Volk der Zau­be­rer«, sagt sie, »haben Dämo­nen geru­fen, derer wir nicht mehr Herr wer­den.«

»Diese … Tiere?«, frage ich mit Blick in die Arena.

Die kleine Frau schüt­telt den Kopf: »Die haben wir im Berg­land gefun­den, als Kat­zen­junge. Die Mut­ter wurde durch eine Lawine getö­tet. Die Ahnen haben zu mir gespro­chen und gesagt, ein mäch­ti­ger Krie­ger würde kom­men und uns hel­fen.«

»Und des­halb werft ihr mich euren Haus­kat­zen zum Fraß vor?«

»Damit hast du bewie­sen, dass du wür­dig bist.« Sie fasst meine Hand. »Die Dämo­nen – sie kom­men des Nachts. Kannst du uns hel­fen, unser Volk zu ret­ten? Wirst du es tun?«

End­lich weiß ich, wel­che Auf­gabe mich in diese Welt und Zeit geführt hat. Als ich mit der Ober­zau­be­rin durch die Menge schreite, schla­gen viele ihrer Unter­ta­nen zwei der klei­nen Tier­schä­del, mit denen sie sich schmü­cken, gegen­ein­an­der, ein hun­dert­fa­ches Kla­cken, Pochen und Tocken, mit dem sie mir ihren Respekt erwei­sen.

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Eis­op­tro­pho­bia

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Ich betrete den Kor­ri­dor: links die Kinos 2 und 3, rechts das Kino 5 und dahin­ter die Toi­let­ten. Ich halte mich genau an die Anwei­sun­gen. Sonn­tag­nachts gibt es hier immer einen Musik­film im Pro­gramm. Ich habe ein Ticket für Oli­ver Stones The Doors gekauft. Der läuft zwar schon seit ein paar Minu­ten, aber das soll so sein. Ich gehe am Kino vor­bei. Auch an den Toi­let­ten gehe ich vor­bei. Es ist nie­mand außer mir im Kor­ri­dor. Gut so. Ich öffne am hin­te­ren Ende die Stahl­tür, über der das Not­aus­gangs­sym­bol leuch­tet. Dahin­ter liegt ein dunk­les Trep­pen­haus. Die Tür fällt hin­ter mir ins Schloss. Mir geht der Arsch auf Grund­eis. Ich halte mich an die Anwei­sun­gen und steige die Treppe hin­un­ter. Die schmale Tür ein Stock­werk tie­fer ist ver­schlos­sen, aber tat­säch­lich fin­det sich der Schlüs­sel unter der Fuß­matte. Ich schließe auf. Zuerst glaube ich, hier falsch zu sein. Es ist düs­ter in dem fens­ter­lo­sen Raum. Hüft­hohe Müll­ei­mer mit dem typi­schen Plas­tik­wip­pen­ver­schluss ver­sper­ren mir den Weg, und ein paar alte Film­auf­stel­ler mit lebens­gro­ßen Stars. Aber dann erkenne ich im Däm­mer­licht, dass es tat­säch­lich ein klei­nes Kino ist. Die Bestuh­lung, ganze vier Rei­hen, ist aus abge­nutz­tem rotem Samt. Auf der ers­ten Sitz­reihe liegt Weih­nachts­deko. Der mitt­lere Sitz in der zwei­ten Reihe, den ich mir her­un­ter­klappe, ist total durch­ge­ses­sen. Ich nehme den dane­ben.

Von irgend­wo­her kom­men dumpfe Geräu­sche. The Doors ver­mut­lich, aus dem Kino drü­ber. Es war Wahn­sinn, hier­her­zu­kom­men. Ich hätte es nicht tun sol­len.

Ver­mut­lich ist es eine rie­sen Ver­ar­schung. Aber irgend­was muss Trobi pas­siert sein. Er ist nur noch ein Schat­ten sei­ner selbst. Und dabei kann den nichts scho­cken. Der sieht sich die här­tes­ten Strei­fen an, bal­lert sich durch die bru­tals­ten Games und hat sich bei der Mai-Demo auch schon mit ech­ten Poli­zis­ten ange­legt. Eines Mor­gens schlich er dann in die Klasse und wirkte wie sein eige­ner Geist. »Na, schlech­ten Trip gehabt?«, fragte ich ihn, und er packte mich an der Schul­ter, drückte mich an die Wand und erzählte es mir.

Du musst dir Sonn­tag­nacht ein Kino­ti­cket kau­fen, sagte er mir, und gehst durch den Not­aus­gang run­ter, schließt dir mit dem Schlüs­sel unter der Matte einen ver­ges­se­nen alten Kino­saal auf, setzt sich da rein und siehst dir die Vor­stel­lung an. Ich garan­tier dir: Wenn du da raus­kommst, wirst du nie wie­der der Alte sein.

Hu-huh! Da will mir einer Angst machen, was? Aber Trobi war es ernst. Er sagte, er erzählt’s mir nur, weil ich der Klas­sen­phi­lo­soph bin und immer so abge­klärt tue, seit mein klei­ner Bru­der im Bag­ger­see ertrun­ken ist. So, als würde ich über allen Din­gen ste­hen. Viel­leicht gefällt’s dir sogar, hat Trobi ange­fügt und den Mund dabei ver­zo­gen.

Es knackt in den Laut­spre­chern und fla­ckert auf der Lein­wand. Ich kriege einen gewal­ti­gen Schreck. Scheiße. Irgend­je­mand muss den Pro­jek­tor ange­schal­tet haben. Tag Null heißt der Film. Steht jeden­falls kom­men­tar­los auf der Lein­wand. Und dann zeigt die Kamera die Dächer der Stadt, so, als ob man mit einem Bal­lon knapp drü­ber weg­schwebt. Sonst pas­siert erst mal nichts. Ich steh noch mal auf und geh nach hin­ten zum klei­nen Fens­ter für den Pro­jek­tor. Mit der Hand schirme ich sein Licht ab. Der kleine Raum ist leer. Selt­sam. Aber irgend­wie hab ich mir das schon gedacht. Ich setz mich wie­der.

Über Trobi hab ich lange nach­ge­dacht. Der zog sich immer mehr in sich zurück und redete schließ­lich nach zwei, drei Tagen quasi mit kei­nem mehr. Irgend­was muss mit ihm pas­siert sein. Aber das mit dem ver­ges­se­nen Kino und dem Film – das muss er sich doch aus­ge­dacht haben. Ich meine, man macht doch auch nicht irgend­eine Müll­tonne auf und guckt plötz­lich tief run­ter in die Hölle – mit Flam­men und Teu­feln und allem drum und dran. So was gibt’s nur im Kino.

Die Kamera taucht jetzt run­ter und in ein Fens­ter von einem der gro­ßen Bun­ker mit Miet­woh­nun­gen rein. Es liegt jemand im Bett, obwohl schon hel­ler Tag ist. Er stöhnt und rich­tet sich auf. Er hat mein Gesicht, älter zwar und mit Bart­stop­peln, aber es ist unver­kenn­bar meins. Das bin ich. Scheiße. Ich wusste es. Trobi hat mir die Wahr­heit gesagt.

Die Kamera folgt dem Typen, der ich bin, nur älter, ins Bad.

Da läuft ein Film von dei­nem letz­ten Tag, hat Trobi gesagt, und ich hab sein hei­se­res Flüs­tern noch im Ohr. Und am Ende siehst du, wie du stirbst.

Ich hab ungläu­big gelacht, aber Trobi ver­zog keine Miene. Du musst mir nicht glau­ben, hat er gesagt, sieh’s dir selbst an. Wenn du dich traust.

Auf der Lein­wand schalt ich im Wohn­zim­mer die Glotze ein und schmier mir in der Küche auf dem ver­keim­ten Tisch ein Brot dick mit Nutella zum Früh­stück. Dabei kann ich das süße Zeug nicht aus­ste­hen. Und was soll das mit dem Fern­se­her? Brauch ich das, weil ich sonst die Stille nicht ertra­gen würde? Es ist ekel­haft, wie ich das Zeug in mich rein­stopfe. Wie alt mag ich sein? Paar­und­zwan­zig. Du siehst scheiße aus!, würde ich mir am liebs­ten zuru­fen, aber es ist ja nur ein Film. Nur ein Film?

Ich werde ster­ben. Irgend­wann an die­sem ver­ratz­ten Tag in mei­ner nicht allzu fer­nen Zukunft werde ich den Löf­fel abge­ben. Will ich das sehen? Nein, ganz sicher nicht! Aber irgend­was nagelt mich fest, und ich komm nicht vom Sitz hoch, fas­zi­niert von die­sen ganz all­täg­li­chen Auf­nah­men, die mich zei­gen, wie ich mich noch nie gese­hen habe. Die Kata­stro­phe rückt näher, und ich bin wie gelähmt und kann nichts unter­neh­men.

Der Typ im Film tele­fo­niert mit einer Katja. Kenn ich nicht. Gibt in der Par­al­lel­klasse eine, aber die wird’s nicht sein, das ist ’ne arro­gante Möch­te­gern-Tusse, die zuhause bestimmt noch mit Lil­li­fee spielt. Die Tür­klin­gel geht. Erst bleibe ich sit­zen, dann stehe ich doch auf und öffne die Ein­gangs­tür. Trobi steht da, Den­nis Trob­bert, unver­kenn­bar. Auch er älter, auch er nicht gerade auf der Höhe sei­ner Zeit. »Heut ist der Tag«, sagt er. Ich nicke. Trobi geht rein, sieht das Chaos auf dem Küchen­tisch, blät­tert kurz in einem zer­fled­der­ten Death-Metal-Maga­zin und schmiert sich dann auch eine Nutel­las­tulle.

Ich stelle fest, dass ich nicht atme. Hab vor Schreck auf­ge­hört zu atmen. Jetzt ver­schlu­cke ich mich und muss hus­ten. Trä­nen stei­gen mir in die Augen. Dabei will ich doch unbe­dingt mit­krie­gen, was die bei­den reden.

»… wohl gerade dabei«, sagt Trobi mit vol­lem Mund. Ich stehe am Herd. »Und?«, frage ich. »Nichts«, sagt Trobi. Dann schwei­gen beide, bis Trobi zu Ende geges­sen hat. Er fragt schließ­lich, ohne mich dabei anzu­se­hen: »Und, hast du’s getan?« Als ich nicke, sagt er: »Scheiße.«

Was immer mich auf mei­nem Sitz fest­ge­hal­ten hat: Einen Moment lang lässt die Kraft kurz nach. Ich springe auf und ramme mir dabei unbe­ab­sich­tig­ter­weise meine Weich­teile in einen Christ­baum­stän­der oder so was, der zwi­schen den Stüh­len raus­ragt. Keu­chend gehe ich zu Boden.

»Brin­gen wir’s hin­ter uns«, sagt Trobi. »Und wir kön­nen nichts tun?«, fragt mein ande­res, tod­ge­weih­tes Ich. Trobi schüt­telt den Kopf. Die bei­den ver­las­sen die Woh­nung.

Mir ist spei­übel von den höl­li­schen Schmer­zen im Unter­leib. Gekrümmt taste ich mich durch die Stuhl­reihe, schmeiße schep­pernd meh­rere Müll­ei­mer und einen Bruce Wil­lis aus Pappe um. Bloß raus hier!

Ich stehe im Trep­pen­haus, und die Tür zum ver­ges­se­nen Kino­saal fällt hin­ter mir ins Schloss. Ich ver­su­che, zu Atem zu kom­men und irgend­wie wie­der einen kla­ren Gedan­ken zu fas­sen. Aber alles, was mir in den Sinn kommt, sind die Anwei­sun­gen: wie­der abschlie­ßen und den Schlüs­sel unter die Matte ste­cken. So, wie sie Trobi auch bekom­men hatte. Ich schließe ab, zwei­mal, hätte auch drei­mal abge­schlos­sen, wenn sich der Schlüs­sel noch wei­ter­ge­dreht hätte. Aber ich ste­cke ihn nicht wie­der unter die Matte. Ich nehme ihn mit.

Der Typ an der Theke sieht mich schräg an. Wahr­schein­lich sehe ich jetzt wie Trobi aus am Tag danach: wie mein eige­ner Geist. Das Ende kenn ich schon, sag ich ihm, und natür­lich glaubt er, ich meine The Doors.

Drau­ßen regnet’s. Es schüt­tet aus allen Löchern. Und ich bin froh drü­ber, lasse das Was­ser in mein Gesicht plat­schen, bis ich das Gefühl habe, das alles ist ein böser Traum gewe­sen. Aber ich weiß natür­lich, was ich gese­hen habe.

Nächs­ten Sonn­tag werde ich wie­der­kom­men. Ich werde wie­der ein Ticket lösen, den Not­aus­gang neh­men, die Treppe run­ter­stei­gen und mich in die­ses Hor­ror­kino set­zen. Ich muss wis­sen, ob der­selbe Film läuft oder ein ganz ande­rer. Ist der Tag Null unaus­weich­lich fest­ge­legt, oder ändert sich jetzt meine Zukunft, weil ich einen Blick drauf wer­fen konnte? Mann, Scheiße, ich bin doch keine Mario­nette! Ich kann selbst bestim­men, was ich tu. Und was ich lasse – wie Nutel­laes­sen bei­spiels­weise. Und ich will’s auf kei­nen Fall vor­her wis­sen.

Eigent­lich will ich auch gar nicht wis­sen, ob ein ande­rer Film läuft. Oder der­selbe Tag Null. Ich werde ein­fach den Schlüs­sel jetzt schon in den Fluss wer­fen.

Soll ich?

Ja. Muss sein. Mit Schwung.

Weg ist er, irgendwo tief unten bei den Fischen!

Trobi werde ich erzäh­len, dass ich einen uralten Mann gese­hen hab, der auf einer Ter­rasse an einer Steil­küste auf einem Deck­stuhl saß, so, wie man auf einem Kreuz­fahrt­schiff sitzt, in eine Decke ein­ge­wi­ckelt und mit einem damp­fen­den Tee neben sich. Und dass ich ein Tele­fon in der Hand hatte und eine Num­mer wählte: »He, Trobi, altes Haus. Hab ich’s nicht gesagt? Weil wir das Ende kann­ten, konn­ten wir’s bes­ser machen!«

Und dann sagte der alte Mann im Film noch: »Ja. Heute ist wohl der Tag. Ich mag’s, wenn’s drau­ßen auf dem Meer Schaum­kro­nen gibt.« Und als Ant­wort wohl auf ein »Mach’s gut« von Trobi sagte er grin­send »Mach’s bes­ser!«, bevor er auf­legte.

Dann flog die Kamera von ihm weg, von der Ter­rasse weg und von der Steil­küste weg, immer wei­ter weg, bis die Erde nur noch ein win­zi­ger Punkt zwi­schen den Ster­nen war.

Das habe ich gese­hen. So war das, mein Tag Null. Kann man mit leben, oder?

Und Nutella rühr ich mei­nen Leb­tag nicht an, ich schwör’s!

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Cos­mic Gestalt

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Ich betrete den Kor­ri­dor, wenn man denn außer­halb von Zeit und Raum von so etwas wie einem Kor­ri­dor spre­chen kann. Jeden­falls steht hier unter dem Fens­ter der Was­ser­spen­der, ein Ort, an dem sich das Team gerne zu zwang­lo­sen Gesprä­chen trifft. Gott füllt sich gerade einen Papp­be­cher. Ich stelle mich zu ihm.

»Mir ist da letzt­hin die Idee zu einem neuen Uni­ver­sum gekom­men«, sage ich. Er blickt inter­es­siert auf. »Bis­her haben wir ja immer auf detail­liert aus­ge­tüf­telte Sze­na­rien gesetzt, kom­plett von vorne bis hin­ten durch­ge­plant und gelenkt durch stra­te­gisch ein­ge­setzte Insze­nie­run­gen. Wie ja auch momen­tan mit all den fal­schen Hin­wei­sen, dass die Welt mög­li­cher­weise viel älter ist, als geschrie­ben steht, und durch einen Urknall ent­stan­den sein könnte.«

»Stimmt«, bestä­tigt er und nimmt einen Schluck vom Was­ser des Lebens, »die Sache mit Ster­nen­ent­ste­hung und Erd­zeit­al­tern wird von ihnen gut ange­nom­men. Zu gut fast.«

»Ich habe mir über­legt, wir könn­ten doch wirk­lich mal ein Uni­ver­sum mit einem Urknall begin­nen las­sen und nur die Anfangs­pa­ra­me­ter vor­ge­ben – statt müh­sam das Hin­ter­grund­rau­schen des Was­ser­stoffs abzu­spie­len, fal­sche Dino­sau­ri­er­kno­chen ein­zu­gra­ben und all das.«

Gott reißt über­rascht die Augen auf.

»Ich weiß, ich weiß, fast schon ein ket­ze­ri­scher Gedanke. Aber wäre es nicht äußerst span­nend, ein­fach nur zu beob­ach­ten und nicht stän­dig ein­grei­fen zu müs­sen?«

»Das würde«, wen­det er ein, »aber deut­lich mehr als sechs­tau­send Jahre von der Erschaf­fung der Welt bis zum Jüngs­ten Tag dau­ern.«

»Ja, klar. Mil­li­ar­den von Jah­ren. Und es würde kei­nen Jüngs­ten Tag geben.«

»Würde es nicht?!«

»Nein. Wie gesagt schlage ich vor, die Anfangs­pa­ra­me­ter vor­zu­ge­ben, so, dass sich Leben und natür­lich auch intel­li­gen­tes Leben bil­den …«

Gott unter­bricht mich: »Wir haben nicht mehr genü­gend Engel für noch ein Uni­ver­sum.«

»Wir wür­den keine Engel ein­set­zen.«

Ihm steht der Mund offen. Das muss er erst­mal ver­dauen.

»Wir wür­den ein­fach nur beob­ach­ten, was pas­siert.«

»Und kei­nen Erlö­ser schi­cken?«

Ich schüttle den Kopf. »Bis­her«, erläu­tere ich, »haben wir immer alles vor­ge­ge­ben. Wir haben sie nach unse­rem Bild gestal­tet, Pro­phe­ten und Mys­ti­ker gebrieft und an neur­al­gi­schen Stel­len das eine und andere Wun­der gewirkt. Alles in allem ist es ein Hau­fen Arbeit, die Sache in unse­rem Sinne am Lau­fen zu hal­ten. Dies­mal –«, und an die­ser Stelle mache ich eine bewusste Pause, »wür­den wir nicht wis­sen, was pas­siert.«

Gott lässt noch etwas Was­ser aus dem Spen­der in sei­nen Becher glu­ckern. Der Titel »Gott« ist eine Art Run­ning Gag, und wir ver­lei­hen ihn reihum, so dass jeder im Team sich mal als Chef füh­len kann. Er sieht nach­denk­lich aus.

»Ein gene­ra­ti­ves Uni­ver­sum«, sagt er gedan­ken­ver­lo­ren. Ich nicke. »Es könnte sein, dass sich gar kein Leben ent­wi­ckelt«, fährt er fort. Wie­der nicke ich: »Dann wür­den wir ein­fach von vorne anfan­gen.«

»Kein Erlö­ser …«, mur­melt er ver­son­nen.

»Und auch kein Him­mel und keine Hölle«, füge ich an.

»Es wäre auf jeden Fall span­nend.« Ent­de­cke ich da bei die­sen Wor­ten ein Blit­zen in sei­nen Augen? »Lass uns das mal mor­gen früh beim Mee­ting in die Runde wer­fen«, sagt er. Er scheint inner­lich schon abzu­che­cken, wie wir die ande­ren von der Idee über­zeu­gen kön­nen. Dann knufft er mir aner­ken­nend in die Schul­ter. Das hat er noch nie getan.

Zufrie­den gehe ich zurück an meine Arbeit.

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Fljó­tandi tími rafall

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Ich betrete den Kor­ri­dor zum Hei­zungs­kel­ler, einen Korb mit Wäsche in der Hand. Andere mögen, wenn sie sich auf den Weg zur Wasch­ma­schine machen, auf Fast­For­ward schal­ten, aber ich bevor­zuge Nor­mal­ge­schwin­dig­keit. Klar, auch ich habe damals zur Kom­mu­nion einen Fast­For­war­der geschenkt bekom­men, wie andere zur Bar Mitzwa oder spä­tes­tens zum Abitur. Nur habe ich mich nie damit anfreun­den kön­nen.

Eine geniale Erfin­dung? Die größte Errun­gen­schaft des Jahr­tau­sends? Das sehe ich anders. Die tech­ni­sche Mög­lich­keit, ver­meint­lich lang­wei­lige Lebens­ab­schnitte im Schnell­durch­lauf abfei­ern zu kön­nen, hätte nie­mals auf Markt gewor­fen wer­den dür­fen.

Inzwi­schen trägt so ziem­lich jeder einen Fast­For­ward-Knopf hin­term Ohr und checkt jede Situa­tion dar­auf­hin ab, ob er sie nicht bes­ser schnell vor­spu­len sollte, von Rou­ti­ne­tä­tig­kei­ten und ner­vi­gen Auf­ga­ben des All­tags bis hin zu solch harm­lo­sen Momen­ten wie dem Durch­schrei­ten eines Kor­ri­dors.

Zäh­ne­put­zen, Klo­gang, der Weg zur Arbeit, War­te­zei­ten, Kochen, Repa­ra­tur­ar­bei­ten, Ein­käufe, Bügeln, Fahr­ten auf der Auto­bahn oder Flug­rei­sen – die Liste ist, wenn man erst ein­mal anfängt, end­los. All das kann man auch »wie im Traum« schnell an sich vor­bei­zie­hen las­sen, um sich damit ein Zeit­kon­tin­gent für die SlowMo auf­zu­bauen, die Momente im Leben also, die man ver­lang­sa­men und mög­lichst lange deh­nen möchte.

»Ver­weile, Augen­blick, du bist so schön« – wer hätte gedacht, dass das mal tech­nisch mach­bar wird? Ein klas­si­sches Kon­zert zum Bei­spiel, oder je nach Vor­liebe auch die Bun­des­liga, Sex für die einen, Party und ein edler Bour­bon auf Eis für die ande­ren, und der Urlaub natür­lich – wenn auch davon nur die Son­nen­tage: Da wird dann auf SlowMo geschal­tet und das im All­tag ange­häufte Fast­For­ward-Kon­tin­gent auf­ge­braucht.

Ich war erstaunt und auch ein wenig erfreut dar­über, wie schnell anfangs die Poli­tik reagierte und sofort Ver­bote aus­sprach. Zuerst in den Schu­len, als Schü­ler anfin­gen, im Unter­richt auf Fast­For­ward zu schal­ten. Und natür­lich wollte kaum ein Arbeit­ge­ber, dass seine Ange­stell­ten ihre Arbeits­zeit im Schnell­durch­lauf hin­ter sich brin­gen. Aber in vie­len Fäl­len konn­ten die Per­so­nal­räte eine ent­spre­chende Erlaub­nis durch­set­zen, und der Damm­bruch war dann natür­lich, als das Recht auf freie Zeit­ein­tei­lung sogar in den Men­schen­rech­ten ver­an­kert wurde.

Und was bitte ist mit mei­nem Recht dar­auf, dass mein Gegen­über mir die volle Auf­merk­sam­keit schenkt?!

Sie ken­nen das: Men­schen im Fast­For­ward-Modus glei­chen Zom­bies. Sie wir­ken wie Schlaf­wand­ler, sehen dich nicht rich­tig an, geben nur, quä­lend lang­sam lal­lend, irgend­wel­che Bana­li­tä­ten von sich. Kein Wun­der: Dank Fast­For­ward wird der IQ schlag­ar­tig ein­stel­lig, und jeder noch so kleine Anflug von Krea­ti­vi­tät wird erfolg­reich ver­hin­dert. Der Schnell­vor­lauf ist eben doch kein »Traum«, denn Träume – zumin­dest meine und soweit ich mich an sie erin­nere – sind höchst krea­tiv.

Letzt­hin ging durch die Presse, dass ein Wis­sen­schaft­ler die Mög­lich­keit gefun­den haben will, auch den Schlaf des Men­schen zu fast­for­war­den. Der Jubel ist groß: Das Kon­tin­gent für die per­sön­li­che SlowMo wäre so auf einen Schlag ver­viel­facht! Aber ich halte das für prin­zi­pi­ell unmög­lich, weil das Bewusst­sein im Schlaf doch sowieso fast durch­weg auf Durch­zug schal­tet. Wie will man also etwas, das nicht da ist, anzap­fen?

Und warum will man es über­haupt anzap­fen? Ich habe mich dem immer ver­wei­gert, was mich ver­mut­lich schreck­lich alt­mo­disch macht. Wer hat heute schon noch die Ein­stel­lung, dass das ganze Leben, jeder ein­zelne Moment davon, sei­nen Wert hat – einen Wert, den man weder durch Schnell­vor­lauf min­dern noch durch ein zeit­lu­pen­haf­tes Durch­le­ben künst­lich ver­stär­ken sollte! (Okay, zuge­ge­ben: Ein­mal bin ich von die­sem Prin­zip abge­wi­chen und habe dann doch mal gefast­for­wardet oder wie immer man dazu sagt: Ich hatte schlim­men Lie­bes­kum­mer, und dann kriegte ich zu allem Über­fluss auch noch fürch­ter­li­che Zahn­schmer­zen …)

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Zea­li­fied

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Ich betrete den Kor­ri­dor, um ins Innere von Pro­fes­sor Cerils wie­der mal fast turn­hal­len­gro­ßer Maschine zu gelan­gen. Nach dem Unfall bei mei­nem Test­lauf in sei­ner unaus­ge­reif­ten Anti­kriegs­ma­schine habe ich ihm klar­ge­macht, dass ich nicht län­ger sein Ver­suchs­ka­nin­chen sein will. Er nickte, lächelte ver­schmitzt, setzte sich an seine Werk­bank und fing auf der Stelle an, Berech­nun­gen anzu­stel­len.

Zwei Wochen danach stellte mir der Pro­fes­sor dann seine neuste Kon­struk­tion vor und meinte, ich sei es gewe­sen, der ihn auf diese geniale Idee gebracht habe.

»Was unter­schei­det die Arbeit an der Steu­er­erklä­rung …« Er blickte zu mir run­ter und ver­bes­serte sich: »Sagen wir: das Ler­nen von Latein­vo­ka­beln von einer Tüte Kar­tof­fel­chips?« – »Na ja, die einen sind scheuß­lich, und von den ande­ren kann ich gar nicht genug krie­gen.« Ceril nickte zustim­mend. Ich fügte an: »Lei­der sind sie alle.« – »Die Chips?« – »Nein, die Latein­vo­ka­beln. Hab alle gelernt. Und dann mit Sans­krit ange­fan­gen.« Der Pro­fes­sor rang die Hände – ein Zei­chen dafür, dass für ihn etwas nicht in die gewünschte Rich­tung läuft.

»Junge, es gibt doch Dinge, die du gern machst, auf die du dich freust, und zu denen dich kei­ner zwin­gen muss. Und bei ande­ren braucht es zehn Pferde oder zumin­dest einen hohen Lei­dens­druck, bis du dich end­lich dar­an­machst. Stimmt’s? Und der Unter­schied ist das Maß an Moti­va­tion!«

Des­halb also seine »Moti­va­ti­ons­ma­schine«. Diese Kon­struk­tion von der Größe eines Bun­ga­lows sei aller­dings nur der Pro­to­typ. Spä­ter würde er das Ganze minia­tu­ri­sie­ren, und bald schon wür­den wir alle mit einem Mikro­mo­ti­va­tor am Gür­tel her­um­lau­fen und nur noch Dinge tun, auf die wir große Lust hät­ten. Und damit ich – nach dem Desas­ter mit dem Welt-Har­mo­nie-Gene­ra­tor – wie­der Lust dar­auf bekomme, die Erfin­dun­gen des Pro­fes­sors zu tes­ten, soll ich ein­fach nur in den Pro­to­ty­pen hin­ein­ge­hen und »mich moti­vie­ren las­sen«.

Am Ende des Kor­ri­dors in der laut sum­men­den Maschine steht ein Pult mit einem sil­ber­nen Mikro­fon an einem Schwa­nen­hals. Davor liegt ein Zet­tel. Ich erkenne die Hand­schrift des Pro­fes­sors. Er hat sich Mühe gemacht, leser­lich zu schrei­ben: »Was wür­dest du gern gern tun?« Ich brau­che eine kurze Weile, um zu kapie­ren, dass er hier mit dem dop­pel­ten Wort kei­nen Feh­ler gemacht hat.

Schon will ich brav ins Mikro­fon sagen: »Die Erfin­dun­gen des Pro­fes­sors tes­ten«, da geht mir auf, dass ich noch gar nicht rich­tig dar­über nach­ge­dacht habe, was ich denn eigent­lich wirk­lich gern tun würde. Zwar weiß ich sofort, was meine Schul­ka­me­ra­den jetzt sagen wür­den. Aber da mir der ganze Stoff kei­ner­lei Schwie­rig­kei­ten berei­tet, ich gerne pauke und lese und mich bren­nend für quan­ten­phy­si­ka­li­sche Phä­no­mene inter­es­siere, brau­che ich da keine zusätz­li­che Moti­va­tion. Auch tue ich nichts lie­ber, als mein Zim­mer auf­zu­räu­men und viel­leicht bei der Gele­gen­heit meine Biblio­thek umzu­sor­tie­ren, chro­no­lo­gisch viel­leicht oder nach Brei­ten­grad des Ver­lags­sit­zes. Blöd finde ich eigent­lich nur, dass meine Eltern andau­ernd irgend­wel­che Ver­wand­ten ein­la­den und ich dann vor­füh­ren muss, was ich alles kann und weiß.

Aber will ich mich dar­auf freuen? Oder auf die läs­ti­gen Piek­ser in meine Fin­ger­kup­pen, vier­mal täg­lich zur Blut­ab­nahme, um mei­nen Blut­zu­cker­spie­gel zu bestim­men?

Der Pro­fes­sor hat mir dies­mal gar nicht erklärt, wie seine Maschine funk­tio­niert. Wenn sie mich nun Lust auf etwas ent­wi­ckeln lässt: Packt mich dann viel­leicht bei etwas ande­rem, das mir sonst gro­ßen Spaß macht, plötz­lich die Unlust? Seit der Anti­kriegs­ma­schine sollte ich doch eigent­lich wis­sen, dass Cerils Erfin­dun­gen uner­war­tete Neben­wir­kun­gen haben kön­nen. Und das mit der Moti­va­tion könnte letzt­lich mein doch ganz gut gere­gel­tes Leben völ­lig aus der Bahn wer­fen.

Soll ich die Maschine also boy­kot­tie­ren? Nein. »Ich selbst sein«, sage ich ins Mikro­fon und ziehe unwill­kür­lich den Kopf ein, weil ich nicht weiß, was mich erwar­tet. Ich selbst bin ich eigent­lich fast immer ganz gern. Nur manch­mal, wenn andere mich so angu­cken, als sei ich ein Freak, denke ich, viel­leicht wäre es bes­ser, kein Wun­der­kind zu sein.

Nichts pas­siert.

Ich warte noch ein wenig, kann aber keine Ver­än­de­run­gen in mei­nen Gefüh­len oder mei­nem Den­ken erken­nen. Lang­sam schlen­dere ich den Kor­ri­dor wie­der zurück. Ist doch eigent­lich eine groß­ar­tige Sache, all diese ver­rück­ten Maschi­nen tes­ten zu dür­fen. Und dass ich der Assis­tent des Pro­fes­sors sein darf, der nicht nur ein­fach ein Genie ist, son­dern ein plu­ri­di­men­sio­na­les Genie, seit er Kon­takt mit sei­nen Alter Egos in diver­sen Par­al­lel­wel­ten auf­ge­nom­men hat. Und für jeman­den wie mich, der nach ein, zwei Rega­len vol­ler Psy­cho­lo­gie­bü­cher fast immer schon vor­her weiß, wie sich Men­schen ver­hal­ten wer­den, ist es ein ech­tes Aben­teuer, in Cerils Pro­to­ty­pen zu stei­gen und keine Ahnung davon zu haben, was mich erwar­tet.

Der Pro­fes­sor sitzt geis­tes­ab­we­send vor einem Dis­play in sei­nem Labor, auf dem sich lang­sam, ganz lang­sam ein Fort­schritts­bal­ken nach vorne bewegt. »Und?«, frage ich, »Wol­len Sie nicht wis­sen, wie es war?« Ceril blickt müde auf. »Wie was war?« – »Na, die Moti­va­ti­ons­ma­schine.« – »Ach die«, ant­wor­tet Ceril und starrt wie­der auf den Fort­schritts­bal­ken.

»Pro­fes­sor?«, frage ich. Ceril blickt mich an. »Wo holt Ihre Moti­va­ti­ons­ma­schine die Moti­va­tion eigent­lich her?« Ceril zuckt die Schul­tern: »Ach, weißt du, Moti­va­tion ist über­all. Die Maschine ent­zieht sie ein­fach ihrer unmit­tel­ba­ren Umge­bung.« – »Aha«, sage ich, »waren Sie nicht eben noch mit der Neu­kon­struk­tion des Welt-Har­mo­nie-Gene­ra­tors beschäf­tigt?« Cerils Augen hän­gen wie­der am Bal­ken auf sei­nem Dis­play. »Ach, das hat Zeit.«

»Sie soll­ten mal in Ihre Moti­va­ti­ons­ma­schine stei­gen, Pro­fes­sor.« Der Fort­schritts­bal­ken hat sich schon län­ger nicht wei­ter­be­wegt. Ceril erhebt sich müh­sam. »Viel­leicht sollte ich das tun, ja. Funk­tio­niert sie?«

Als er auf den Ein­stieg zugeht, sehe ich zu, dass ich davon­komme. Nicht, dass mir meine Moti­va­tion wie­der abge­saugt wird! Ich hab noch rich­tig viel vor heute. Keine Zeit zu ver­lie­ren!

(Inter­es­san­ter­weise schien mit mei­ner gestei­ger­ten Moti­va­tion ein­her­zu­ge­hen, dass sämt­li­che Unter­hal­tungs­elek­tro­nik in mei­ner Umge­bung ver­sagte. Aber das ist nun wirk­lich eine völ­lig andere Geschichte.)