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And the Day is Far Spent

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Ich betrete den Kor­ri­dor. Hier, hat man mir gesagt, soll ich war­ten, bis ich abge­holt werde. Es ste­hen Stühle an der Wand zwi­schen den Türen, aber ich setze mich nicht, denn ich hasse es zu war­ten. So kann ich wenigs­tens auf- und abge­hen, was mir etwas zu tun gibt und den ande­ren zeigt, dass ich unge­dul­dig bin und sie schnell machen sol­len. Nur sind keine ande­ren da. Ich bin allein. Und bin gezwun­gen, zu war­ten, bis man Zeit für mich hat. Wie ich es hasse!

War­ten ist mein Trauma. Als Baby, nach der Geburt, haben sie mich im Kran­ken­haus mei­ner Mut­ter weg­ge­nom­men, und sie kam mich immer nur kurz besu­chen, um mich zu stil­len. Es war nie genug. Damals war das viel­leicht so üblich. Aber ich kam nie dar­über hin­weg, auf die Wärme, die Nähe, die Mut­ter und ihre Milch war­ten zu müs­sen. Allein zu sein und zu war­ten.

Wie jetzt. Nichts pas­siert. Die Zeit bleibt ein­fach ste­hen und quält mich zu Tode. Ich könnte explo­die­ren, schreien, jeman­dem an die Gur­gel gehen. Irgend­was soll pas­sie­ren, bitte! Lasst mich nicht län­ger hier allein! Meine Knie zit­tern, merke ich. Ich setze mich jetzt doch. Starre die Bil­der an. Starre die Türen an. Bis mein Blick ins Leere geht. Ich bin so wütend! Immer las­sen sie mich war­ten, lässt das Leben mich war­ten. Ich will nicht mehr. Ich kann nicht mehr. Ich kaue auf mei­nen Nägeln, aber auch das hilft nicht.

Es kommt jemand. Eine junge Frau, rote gelockte Haare, beschwing­ter Schritt. Der Mann hin­ter ihr – ich höre die Stimme durch die offene Tür – sagt ihr das Glei­che wie vor­her mir: »Bitte war­ten Sie hier. Sie wer­den abge­holt.« Die Tür schließt sich wie­der. Ich will schreien, dass es eine Lüge ist, dass kei­ner mich abholt, jemals abge­holt hat. Dass War­ten noch nie zu irgend­was geführt hat!

Die junge Frau sieht sich um, nickt mir lächelnd zu. Sie geht zum Fens­ter und sieht hin­aus. Ich hatte gar nicht bemerkt, dass es ein Fens­ter gibt. Sie pro­biert, ob sie es öff­nen kann. Doch es ist ver­rie­gelt. Viel­leicht haben sie Angst, dass jemand wie ich da raus­springt, wenn das War­ten kein Ende nimmt.

Die junge Rot­haa­rige scheint es nicht wei­ter zu stö­ren. Sie geht zu den ande­ren Türen, drückt die Klin­ken run­ter, um zu tes­ten, ob sie abge­schlos­sen sind. Eine ist es nicht. Sie öff­net sie, geht hin­ein, und die Tür fällt hin­ter ihr ins Schloss. Dann pas­siert erst ein­mal nichts. Ich warte dar­auf, dass sie zurück­kehrt. Doch sie bleibt ver­schwun­den.

Und wenn jetzt jemand kommt, sie abzu­ho­len? Ich setze meine Füße mit auf den Stuhl und umfasse meine Knö­chel. Am liebs­ten würde ich mir in die Knie bei­ßen, aber ich lege nur meine Stirn dar­auf und weine leise vor mich hin.

Viel­leicht haben sie mich ver­ges­sen? Ich weiß es nicht, der Gedanke jedoch macht mich rasend. Immer, wenn ich war­ten muss, kom­men diese schreck­li­chen Gedan­ken.

Also warte ich. Dass diese Rot­haa­rige zurück­kommt. Viel­leicht kön­nen wir beide zusam­men etwas gegen die­ses gott­ver­dammte ewige War­ten unter­neh­men …?