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Les joies les plus chaudes
Ich betrete den Korridor-Planeten. Zuerst sieht es ganz so aus, als sei er unbewohnt. Eine Treppe führt ins Innere, und dann beginnen die Korridore. Hinter den Türen in den Korridoren, die ich neugierig öffne, beginnen neue Korridore, und hinter ihren Türen weitere. Alle sehen gleich aus. Nach kurzer Zeit habe ich mich verirrt. Zum Glück ist es hier nicht dunkel. Jemand hat in die Korridore eine lange grüne Schnur mit kleinen elektrischen Kerzen gelegt, die rhythmisch blinken. Ich folge der Schnur, denn entweder muss sie irgendwo enden oder ich finde ihren Anfang.
Dann wird es sehr laut. Ein Korridor, den ich betrete, ist noch unfertig. Seine Wände sind nackter Fels, und es steht ein Mann da mit einem Pressluftbohrer, der den Stein bearbeitet und den Korridor weiter hinein in den Planeten treibt.
»Hallo«, rufe ich, aber der Mann hat einen Gehörschutz auf und bemerkt mich nicht. Ich tippe ihn an. Er erschreckt und dreht sich um. Endlich stellt er den lärmenden Presslufthammer aus, so dass wir uns unterhalten können.
»Wer bist du denn? Wo kommst du her?«
»Was machst du da?«, frage ich ihn. Er ist jung und voller Staub.
»Ich baue ein Labyrinth aus Gängen und Türen. Aber was machst denn du hier?«
»Ich sehe ja«, sage ich sanft, »dass du deinen Planeten aushöhlst und lauter Korridore hineinbaust. Aber warum tust du das?«
Der Mann lehnt sich an die Steinwand. Er wirkt erschöpft. »Das ist nicht ganz leicht zu erklären«, sagt er.
»Dann erklär es mir einfach«, sage ich.
Er zieht sich die Bauarbeiterhandschuhe aus und betrachtet eine Zeitlang seine Hände.
»Ich liebe Überraschungen«, sagt er schließlich. »Weißt du, kleiner Mann, auf meinem Planeten konnte mich einfach nichts mehr überraschen. Ich kannte schon alles.«
»Aber die Sonnenuntergänge!«, wende ich ein. »Außerdem kann immer ein Samenkorn herwehen, und es wächst eine Blume, wie du sie noch nie vorher gesehen hast. Hast du Vulkane hier?«
Der Mann schüttelt den Kopf. Schade, denke ich, denn auch wenn ein Vulkan erloschen ist: Man kann nie wissen.
»Jedenfalls baue ich dieses Labyrinth, weil ich mich dann hier drin verirren kann und nicht mehr weiß, wo ich bin. Deshalb sieht hier alles gleich aus. Sag mal, wie hast du mich eigentlich gefunden?«
Ein wenig erinnert mich der Mann an den Laternenwächter: jemand mit einer Mission. Könnte er ein Freund für mich werden?
»Willst du denn gerne verloren gehen?«, frage ich.
Er nickt. »Hinter jeder Tür könnte mich etwas Überraschendes erwarten, weißt du?«
»Aber es sehen doch alle Korridore gleich aus. Und hinter jeder Tür beginnt ein neuer. Das ist doch nichts Überraschendes.«
Der Mann runzelt die Stirn. Hat er darüber noch nie nachgedacht? »Doch. Es könnte ja mal der Ausgang sein. Oder das Ende der Korridore. Und außerdem könnte ich ja auch noch etwas in die Korridore hineinstellen, das mich dann später überrascht, wenn ich zufällig darauf stoße.«
»Das verstehe ich nicht«, sage ich verwundert. »Wenn du etwas hineinstellst, überrascht es dich doch nicht wirklich, wenn du es dann später hinter einer Tür findest.«
»Doch«, sagt der Mann, »wenn ich es nämlich vergessen habe.«
»Also willst du dich nicht nur in den Korridoren verirren, sondern auch noch vergessen, was in ihnen zu finden ist?«
Der Mann lächelt erfreut. »Genau.«
Ich kenne noch so einen, der vergessen will. Und ich weiß nicht, welcher von beiden verrückter ist. Seltsame Leute, die großen Leute.
»Ich möchte gerne weiterreisen. Weißt du, wo der Ausgang ist?«
Der Mann nickt langsam und unwillig. »Ja, leider. Ich wünschte, ich hätte es vergessen. Komm mit, ich bring dich hin.«
Und so gehen wir durch die Korridore des Mannes, und alle sehen genau gleich aus, aber der Mann weiß, welche Türen er öffnen muss und wo es langgeht.
»Was hat dich eigentlich zuletzt überrascht?«, frage ich. Der Mann bleibt stehen und sieht zu mir runter.
»Na, du natürlich. Als du eben unerwartet aufgetaucht bist.«
»Und dazu musstest du gar keine Tür aufmachen.«
»Das stimmt«, sagt der Mann, »du bist einfach so aufgetaucht.«
»Und jetzt gehe ich wieder.« Wir erreichen nämlich gerade die Treppe, und darüber funkeln die Sterne.
»Gute Reise«, wünscht mir der Mann.
»Komm doch mit«, sage ich, »ich habe auf meiner Reise schon viele Überraschungen erlebt.«
Der Mann sieht traurig aus und jetzt auch viel älter, als ich anfangs gedacht habe. Er schüttelt den Kopf. »Ich muss mich wieder an die Arbeit machen.«
Und damit betritt er den Korridor mit den blinkenden Lämpchen und ist bald darauf im Inneren seiner Welt verschwunden.