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Das Titelbild zeigt ein großes, spiralförmiges, metallisches Objekt in einem dunklen, technischen Raum mit Monitoren und Steuerpulten. Ein digitaler Button unten links zeigt eine runde Öffnung mit einem Blick nach unten in den Sternenhimmel.

♫ A Modi­cum of Sense ♫


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Ich betrete den Kor­ri­dor, um die rich­tige Tür zu fin­den: die Tür, die mich zurück­bringt ins »Schne­cken­haus«. Schne­cken­haus, so nann­ten wir die verz­wir­belte Magnet­kam­mer, die uns unser Super­com­pu­ter berech­net hatte. Nach zwei Jah­ren Bau­zeit zusam­men mit mei­nen Stu­den­ten war die Kam­mer fast fer­tig: ein selt­sam ver­dreh­tes und in sich selbst zurück­ge­fal­te­tes Gebilde aus schim­mern­dem Metall mit hun­der­ten auf­ge­setz­ten Magne­ten, die ver­hin­dern sol­len, dass die in der Vaku­um­kam­mer erzeugte Mate­rie mit irgend­et­was in Berüh­rung kommt. Wie die Magnet­kam­mer da so im gro­ßen Labor­raum hing, sah sie aus wie ein Kunst­werk aus einer ande­ren Welt. Fast über­ir­disch schön, aber auch erschre­ckend fremd­ar­tig, so, als dürfe es diese Form eigent­lich gar nicht geben.

Ich weiß nicht, wie ich es beschrei­ben soll: Das Schne­cken­haus übte eine immer stär­ker wer­dende Fas­zi­na­tion auf mich aus. Schließ­lich redete ich mir ein, ich müsse vor dem Ver­sie­geln der Kam­mer unbe­dingt noch die Schweiß­nähte über­prü­fen, und kroch eines Nachts heim­lich hin­ein.

Aber nicht wie­der hin­aus.

Statt­des­sen sitze ich in der Tri­este. Als Kind hatte mir die­ser Welt­re­kord unheim­lich impo­niert. Ich erkenne die Tauch­kap­sel sofort, die Beschrei­bun­gen müs­sen sich mir damals tief ein­ge­gra­ben haben. Auch Pic­card erkenne ich, und damit weiß ich auch, in wes­sen Kopf ich ste­cke und mit wes­sen Augen ich das alles sehe: mit denen sei­nes Mit­rei­sen­den Don Walsh – ich bin mit Jac­ques Pic­card unter­wegs zu einem der tiefs­ten Punkte der Welt­meere im Maria­nen­gra­ben.

Es ist eng, sti­ckig, die Metall­hülle ächzt schwer unter dem unge­heu­ren Außen­druck. Das Was­ser, in das Schein­wer­fer hin­ein­strah­len, wirkt trüb. Ein Uni­ver­sum aus undurch­dring­li­cher Schwärze umgibt uns.

Ich bin ein Geist und hocke in Walshs Kopf. Walsh scheint davon nichts zu mer­ken. Ich drifte immer wie­der weg, als wäre ich ein Fremd­kör­per, der nicht hier­her­ge­hört – was ja irgend­wie auch stimmt. Das Erleb­nis erreicht mich wie ein Sen­der, der immer wie­der mal stark ver­rauscht ist. Und dann bran­den mich auch immer wie­der Kopf­schmer­zen an, was selt­sam ist, weil ich doch eigent­lich gar kei­nen eige­nen Kopf mehr habe. Walsh scheint von dem Geist und den Schmer­zen in sei­nem Kopf nichts mit­zu­be­kom­men.

Pic­card erklärt mir in schlech­tem Eng­lisch, dass wir hier unten auch ster­ben könn­ten, wenn wir auf einem Wrack auf­set­zen, uns ver­fan­gen und nicht mehr zurück an die Ober­flä­che stei­gen kön­nen. Doch wir lan­den weich. Ein Platt­fisch vor unse­rem win­zi­gen Fens­ter fühlt sich gestört, wühlt sich aus dem Schlick und schwimmt davon. Hier unten gibt es Leben. In ewi­ger Dun­kel­heit und mit der Last von fast elf Kilo­me­tern Was­ser dar­über! Pic­card schreibt in sein Log­buch. Dann klin­ken wir unse­ren Bal­last aus und begin­nen wie­der zu stei­gen.

Ich ver­stehe das alles nicht. Wie bin ich hier­her­ge­ra­ten? Wie kann ich plötz­lich in einer ande­ren Zeit lan­den, im Kopf eines Frem­den?

Ist es ein Traum, oder bin ich viel­leicht in Wahr­heit tot, im Schne­cken­haus erstickt? Aber hat man Kopf­schmer­zen und Aus­set­zer, wenn man tot ist? Es fällt mir nicht leicht, klare Gedan­ken zu fas­sen, doch ich glaube, dass das alles nur in mei­nem Bewusst­sein statt­fin­det. Ich bin kein Zeit­rei­sen­der, son­dern ein Geist­rei­sen­der. Und irgend­wie muss ich ver­su­chen, den Weg zurück ins Schne­cken­haus zu fin­den, in die Magnet­kam­mer, deren ver­schlun­gene Form, wie sie nur die Mathe­ma­tik und ein leis­tungs­star­ker Com­pu­ter erschaf­fen kön­nen, mich in die Tri­este geschickt hat. Ich muss zurück!

Wir tau­chen auf. Es gibt Cham­pa­gner, um die Rekord­fahrt zu fei­ern. Walsh muss drin­gend auf die Toi­lette. Er ent­schul­digt sich, betritt im Mut­ter­schiff einen Kor­ri­dor – und plötz­lich wirble ich fort von ihm, halt­los, kopf­über, zer­sprengt in unzäh­lige Split­ter, die sich aber wie magne­ti­sche Teil­chen wie­der zusam­men­fin­den – doch nicht etwa im Schne­cken­haus, son­dern in einer ande­ren Zeit, im Kopf eines ande­ren Men­schen, einer wei­te­ren Kind­heits­fas­zi­na­tion …