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The Glub­dub­drib Inci­dent

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Ich betrete den Kor­ri­dor, den die Gar­den des Gou­ver­neurs von Glub­dub­drib für meine Audi­enz bil­den. Sie sind in sehr alt­mo­di­scher Weise geklei­det und bewaff­net, und ihr Spa­lier im Schloss­hof erweckt einen Schau­der in mir, wie er kaum in Wor­ten aus­zu­drü­cken ist. Anschlie­ßend werde ich durch meh­rere Zim­mer gelei­tet, in denen sich, in Rei­hen auf­ge­stellt, Die­ner der­sel­ben Art befin­den, bis ich in den Audi­enz­saal gelange. Ich mache drei tiefe Ver­beu­gun­gen vor dem Throne Sei­ner Hoheit.

Glub­dub­drib bedeu­tet, soweit ich die Spra­che ver­stehe, »Insel der Hexen­meis­ter und Zau­be­rer«. Der hie­sige Gou­ver­neur ist durch seine nekro­man­ti­schen Fer­tig­kei­ten imstande, jeden belie­bi­gen Toten zu sich zu zitie­ren und sei­nen Dienst vier­und­zwan­zig Stun­den lang, jedoch nicht län­ger, in Anspruch zu neh­men.

Mit dem Winke eines Fin­gers ent­lässt der Fürst jetzt all seine Beglei­ter, die dar­auf­hin im Nu ver­schwin­den wie Traum­bil­der beim plötz­li­chen Erwa­chen. Er lässt eine neue Reihe Geis­ter das Essen auf­tra­gen und bei Tische auf­war­ten. Nach dem Des­sert befiehlt mir der Fürst, ihm drei belie­bige Tote, von Anfang der Welt bis heute, zu nen­nen. Er werde ihnen befeh­len, alle Fra­gen, nach denen mir der Sinn stehe, zu beant­wor­ten, unter der Bedin­gung, die Fra­gen blei­ben auf die Leb­zei­ten des jewei­li­gen Toten beschränkt. Ich könne mich, fügt er an, indem er sich jovial zu mir her­über­beugt, voll­kom­men dar­auf ver­las­sen, dass sie mir die Wahr­heit sagen, da das Lügen in der Unter­welt durch­aus zu nichts nütze sei.

Wäh­rend ich Sei­ner Hoheit auf die ver­bind­lichste Weise für diese Gna­den­be­zei­gung danke, lasse ich im Geiste all die Gestal­ten vor mich tre­ten, deren Befra­gung mir von Wert sein könnte.

Jesus, damit er Aus­kunft dar­über geben mag, ob der Papst in Rom oder die Bischöfe von Can­ter­bury und York sein recht­mä­ßi­ges Erbe ver­wal­ten und ob nun die Gläu­bi­gen römisch-katho­li­scher oder doch die angli­ka­ni­scher Kon­fes­sion ein Anrecht auf das ver­spro­chene Him­mel­reich haben? (Aber wenn ich so recht über­lege: Hat er nicht zeit­le­bens sehr unbe­queme Ant­wor­ten auf alles gege­ben? Nicht, dass ich so Unfrie­den stifte!)

Dann doch lie­ber Aris­to­te­les, der mir viel­leicht sagen kann, wo ein Exem­plar des zwei­ten Ban­des sei­ner Poe­tik zu fin­den ist, da doch lei­der seine Phi­lo­so­phie des Lachens im Laufe der Geschichte ver­lo­ren­ge­gan­gen ist? (Aber er wird seine Bücher ja nicht gerade so ver­steckt haben, dass sie Jahr­tau­sende unver­sehrt über­ste­hen konn­ten …)

Nein, ich könnte Sokra­tes fra­gen, ob sein Schü­ler Pla­ton die Phi­lo­so­phie des Leh­rers unver­fälscht nie­der­ge­schrie­ben hat. (Aber dann müsste ich zuerst den gan­zen Pla­ton zitie­ren, wenn ich die­sen nicht gleich selbst dazu­hole, was aller­dings wie­derum zu Strei­te­reien füh­ren könnte.)

Wie wäre es mit Alex­an­der dem Gro­ßen, damit er end­lich in per­sona Aus­kunft dar­über gebe, ob er, wie es heißt, ver­gif­tet wurde? (Aber wird er wis­sen, woran genau er gestor­ben ist, oder sich nicht ein­fach nur an Tat­sa­che und Umstände sei­nes Able­bens erin­nern?)

Robin Hood könnte mir und damit sei­ner gesam­ten Nach­welt Mit­tei­lung geben, ob er nur, wie man­che behaup­ten, ein schmäh­li­cher Wege­la­ge­rer war oder doch, wie andere nicht müde wer­den zu ver­brei­ten, ein Vor­kämp­fer für soziale Gerech­tig­keit? (Aber wird er, Kind sei­ner Zeit, den Unter­schied über­haupt ver­ste­hen?)

Ich könnte König Artus erschei­nen las­sen, um von ihm zu erfah­ren, ob er in der Tat nach Ava­lon ent­rückt wurde, wie es der Roman de Brut behaup­tet. (Aber womög­lich ist er da noch quick­le­ben­dig und kann jetzt gar nicht als Toter her­bei­zi­tiert wer­den?)

Sollte ich nicht gleich Mer­lin höchst­selbst um genaue Mit­tei­lung über Artus und seine Tafel­runde bit­ten und so die Dis­pute der His­to­ri­ker über die his­to­ri­sche Wahr­heit ein für alle Mal zu einem Ende brin­gen? (Aber ist es kom­mod, am Hofe eines Zau­be­rers von die­sem einen ande­ren Magier beschwö­ren zu las­sen?)

Jeden­falls kann ich den Gou­ver­neur nicht län­ger war­ten las­sen und nenne ihm den Namen mei­nes seli­gen Groß­va­ters müt­ter­li­cher­seits, von dem es in der Fami­lie hieß, er habe einen Gold­schatz ver­gra­ben für schlechte Zei­ten, der aber starb, bevor er das Ver­steck ver­ra­ten konnte. Ein Mann erscheint, des­sen Schä­del kahl ist und dem die Haare aus der dicken roten Nase wach­sen. Mein Groß­va­ter? Ich habe ihn nie ken­nen­ge­lernt. Er beschimpft mich und zetert, er fühle sich in sei­ner Ruhe und Ehre gestört, und er ver­stummt erst, als ich ihn nach dem Golde frage. Das Gerücht von dem Schatz habe er in die Welt gesetzt, gibt er schließ­lich an, um Kre­dit zu erhal­ten für sein schlecht­ge­hen­des Gewerbe, seit er sich im Eng­li­schen Bür­ger­krieg auf die Seite König Karls I. geschla­gen hatte und alles Ver­mö­gen dabei ver­lor.

Ich bli­cke den Gou­ver­neur an, der mei­nen Groß­va­ter mit einem Wink auf die vor­dem genannte gespens­ti­sche Weise ver­schwin­den lässt. Mit eini­gem Zögern nenne ich ihm nun den Namen Esther Van­hom­righ. Es ist mir ein wenig unheim­lich, meine frü­here Geliebte her­bei­zu­zi­tie­ren, aber so könnte ich sie schließ­lich doch noch dafür um Ver­zei­hung bit­ten, ihr so viele Jahre lang meine Ehe ver­heim­licht zu haben. Es tritt jedoch an ihrer Statt ein Herr mit lan­ger Nase und wal­len­den Locken auf, in dem ich sofort John Par­tridge erkenne. Er stellt sich mir nase­rümp­fend als der hoch­wohl­ge­bo­rene Isaac Bicker­staff vor. »Vanessa« habe ihn geschickt: Sie sei mir immer noch böse. Mich packt dar­auf eine der­ar­tig hef­tige Wut, dass ich hand­greif­lich werde, ihn jedoch nicht zu packen bekomme, da seine Form und Erschei­nung von geis­ter­haf­ter Natur ist. Der Gou­ver­neur betrach­tet kopf­schüt­telnd den gro­tes­ken Tanz, den wir auf­füh­ren, indem ich alles dar­an­gebe, die­sem Betrü­ger die Gur­gel zuzu­dre­hen, bis er ihn schließ­lich eben­falls mit einem blo­ßen Fin­ger­zeig zum augen­blick­li­chen Ver­schwin­den bringt.

Er erachte mich nicht für wür­dig, gibt mir der Fürst jetzt zu ver­ste­hen, mit wei­te­ren von ihm her­auf­be­schwör­ten Toten Umgang zu haben, da er sich des Ein­drucks nicht erweh­ren könne, ich stellte ihnen keine Fra­gen, deren Beant­wor­tung von Nut­zen sei. Er lächelt dabei milde, doch kann einen ver­ächt­li­chen Zug um die Lip­pen nicht ver­ber­gen, und mir wird schänd­lich bewusst, welch ein­ma­lige Gele­gen­heit, die jeden His­to­ri­ker in Ent­zü­cken und selbst das gemeine Volk in eine gewisse bange Neu­gierde ver­setzt hätte, ich so acht­los ver­tan habe. Es ist mir unmög­lich, die Beschä­mung mei­nes Her­zens so zu beschrei­ben, dass der Leser einen Begriff davon erhält.

 

aus den gehei­men Auf­zeich­nun­gen des Lemuel Gul­li­ver

 

John Par­tridge:Link

Gul­li­vers offi­zi­elle Ver­sion:Link