Korridorium

1x täglich Kurzprosa mit Soundtrack vom 11/11/11 bis 12/12/12

Tag: Nous

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Dream Ques­ti­ons Med­ley Ad Astra

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Ich betrete den Kor­ri­do­rium-Dop­pel­de­cker­bus mit einer Mis­sion: Eigent­lich will ich die rot­haa­rige Frau am Steuer unbe­dingt fra­gen, was denn nach den zwölf Tou­ren gesche­hen wird? Machen sie auch im nächs­ten Jahr wei­ter – mit den glei­chen zwölf Kōans? Mit neuen Fra­gen? Oder rei­sen sie durch eine andere Region Deutsch­lands?

Aber dann frage ich doch nicht. Es wird sich schon noch alles zur rech­ten Zeit klä­ren. Jetzt jeden­falls genügt es, dass ich jetzt hier bin und eine Nacht in die­sem mit kusch­li­gen Kojen aus­ge­stat­te­ten Bus ver­bringe, zwi­schen Schlaf und Wachen und meine Gedan­ken weg vom All­tag ganz auf die jewei­lige Frage gerich­tet.

Die Musik, obgleich immer wie­der anders, ist mir bereits ver­traut, und natür­lich auch das Flüs­tern, mit dem stän­dig neu die Frage gestellt wird, so dass sie uns Rei­sende bis in die Träume hin­ein beglei­tet.

Beson­ders leb­hafte Träume hatte ich bei der Tour mit der Frage »Wann begann Erkennt­nis (und wie schmeckt die Quelle)?« – eine Frage, die mich eine lange innere Queste unter­neh­men ließ, weit zurück bis an den Anfang aller Dinge.

Bei der Tour im Monat danach stellte ich beim Früh­stück fest, dass ich der ein­zige Fahr­gast war. Das fand ich ein wenig erschre­ckend, denn von dem, was ich fürs Bus­ti­cket bezahle, kön­nen sich unmög­lich zwei oder drei Crew­mit­glie­der (ich weiß bis heute nicht, ob die Fah­re­rin nun eine Zwil­lings­schwes­ter hat oder die Fähig­keit zur Bilo­ka­tion besitzt) und ein Bus finan­zie­ren. Die Frage lau­tete »Warum das alles (und nicht nichts)?«, ein phi­lo­so­phi­scher Klas­si­ker, des­sen tat­säch­li­che Trag­weite sich mir aller­dings erst beim Früh­stück auf­tat.

Die nächste Tour hatte glück­li­cher­weise mehr Fahr­gäste zu ver­zeich­nen. Dies­mal war auch wie­der der alte Grie­che mit dabei. Ich sah ihn vom Klo kom­men und freute mich schon auf phi­lo­so­phi­sche Dis­kus­sio­nen beim Früh­stück mit ihm, doch da tauchte er nicht auf. Viel­leicht hatte er ver­schla­fen? Jeden­falls sah ich ihn dann spä­ter aus­stei­gen, als ihn der Bus vor der Haus­tür absetzte. Ich lugte durch den Vor­hang an der Fah­rer­ka­bine und habe mir die Adresse gemerkt. Ich würde näm­lich zu gern wis­sen, was er zu der Frage »Wer erlangt Glück (und wen wie­der Sehn­sucht)?« zu sagen hat. Ich für mei­nen Teil hatte sie krea­tiv umfor­mu­liert in »Wie erlange ich Glück (und wann wie­der Sehn­sucht)?«: So betraf sie mich ganz per­sön­lich und regte mich zu einer Bestands­auf­nahme mei­nes bis­he­ri­gen Lebens an – die nicht immer posi­tiv aus­fiel, mich aber auf inspi­rie­rende Ideen brachte. Ob eine wei­tere Erkennt­nis für mich darin ver­bor­gen liegt, dass ich inner­lich immer wie­der auf das Wort »Lei­den­schaft« ver­fiel, bis mich das Flüs­tern wie­der an »Sehn­sucht« erin­nerte?

Inter­es­san­ter­weise haben dies­mal, kurz vor der zwölf­ten (und letz­ten?) Tour zwei mei­ner Freunde gefragt, ob ich finde, sie soll­ten auch ein­mal bei den »Kōan Trips« mit­fah­ren. Es hat dann in bei­den Fäl­len nicht funk­tio­niert, weil einer­seits unge­stör­tes Durch­schla­fen anstand und ande­rer­seits eine Party letzt­lich doch wich­ti­ger schien. Den­noch: Nach­dem ich wäh­rend des letz­ten Jah­res im Freun­des­kreis immer wie­der von mei­nen nächt­li­chen Aben­teu­ern im eige­nen Bewusst­sein erzählt habe, scheint die Ableh­nung soweit geschmol­zen und das Inter­esse so sehr geweckt, dass die ers­ten sich eine Teil­nahme vor­stel­len kön­nen.

Aber wird der Bus wei­ter­hin seine Run­den zie­hen und jeden Monat ein Flug­blatt im Brief­kas­ten lie­gen, das eine wei­tere »mobile medi­ta­tive Musik­reise« ankün­digt? Ich weiß es nicht. Viel­leicht ist es auch nicht wei­ter wich­tig. Meine Frage lau­tet heute »Was ist Jetzt (und warum nicht gleich so)?«, und inzwi­schen habe ich genü­gend Erfah­rung, um ganz gelas­sen sagen zu kön­nen, dass mehr nicht nötig ist: die Frage, die Koje, die leise, immer wie­der ein­lul­lende, dann aber auch punk­tu­ell ver­stö­rende Musik, das Ruckeln des Bus­ses auf sei­ner nächt­li­chen Fahrt und ich selbst, ein Mensch mit der Fähig­keit (wie wir alle sie besit­zen), sich zu kon­zen­trie­ren, über den übli­chen Rah­men hin­aus­zu­den­ken und zu ver­blüf­fen­den Ein­sich­ten zu gelan­gen, wie sie mir Filme, Bücher und andere Men­schen nie ver­mit­teln konn­ten, wohl weil ich sie aus einer wei­sen Instanz tief in mir selbst schöpfe.

Sie lacht gerne und reißt Witze, und wenn ich schließ­lich auch lachen muss, fragt sie mich zwin­kernd: Warum nicht gleich so?

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A Mind of Its Own

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Ich betrete den Kor­ri­dor, der aus dem Dun­kel, das mich umgibt, her­aus­zu­füh­ren scheint. Ich bin ver­wirrt, erwa­che wie aus einem zu lan­gen Schlaf, schwanke und sehe Geis­ter­bil­der. Geräu­sche drin­gen zu mir, die sich nur schwer­fäl­lig zu Lau­ten zusam­men­set­zen und schließ­lich zu Wör­tern, deren Sinn mir zuerst noch ver­bor­gen ist.

»Und was ist jetzt?«, fragt eine Stimme.

»Der Upload ist abge­schlos­sen«, ant­wor­tet eine andere.

»Kann ich mit ihm reden?«

Der Kor­ri­dor endet in einer hel­len Flä­che. Ich erin­nere mich, dass Men­schen in allen Kul­tu­ren, deren Tod noch ein­mal abge­wen­det wer­den konnte, von einem Tun­nel spre­chen, der sie beim Ster­ben erwar­tet hat, und von des­sen fer­nem Ende ein hel­ler Licht­schein aus­ging. Aber was ist das: Kul­tur? Was ist das: Mensch? Und warum ist die helle Flä­che vier­eckig und nicht rund?

»Hallo, kannst du mich hören? – Wie soll ich ihn nen­nen?«

»Na, viel­leicht ›mein ewi­ges Ich‹?«

»Ach, Unsinn. – Hallo, Alex­an­der.«

Alex­an­der. Das ist mein Name. Alex­an­der Peñar­ru­bia. Der Name bringt eine Flut von Erin­ne­run­gen und Erkennt­nis­sen mit sich. Ich bin Alex­an­der, und ich stehe in einem Kor­ri­dor. Aber stehe ich? Ich kann mei­nen Kör­per nicht füh­len.

»Kannst du spre­chen?«

Gute Frage: Wie soll ich das anstel­len, ohne Mund, ohne Stimm­bän­der? Und mit wem soll ich über­haupt spre­chen?

»Mit mir, Alex­an­der Peñar­ru­bia.«

Er kann mich hören, er kann mich den­ken hören. Aber bin nicht ich Alex­an­der Peñar­ru­bia? Fünf­und­vier­zig Jahre alt, For­scher am MIT, ver­hei­ra­tet, zwei Kin­der, ein Hund, der Ches­ter heißt.

»Ja, klar, du bist Alex­an­der Peñar­ru­bia. Mein Upload. Du bist der erste Bewusst­sein­su­pload der Mensch­heits­ge­schichte.«

Was ist Bewusst­sein? Nur sehr zäh­flie­ßend setzt sich alles wie­der für mich zusam­men. Künst­li­che neu­ro­nale Netze, die For­schun­gen in Com­pu­ta­tio­nal Neu­ro­sci­ence und mit rekur­ren­ten Arrays, das geniale Mind-Mat­ter-Inter­face, meine Begeis­te­rung, meine Obses­sion, der Wunsch, unsterb­lich zu wer­den. Bin ich unsterb­lich?

»Solange die Com­pu­ter mit Strom ver­sorgt wer­den: ja.«

Der andere Alex­an­der hört das alles mit. Er ist mei­nem Gehirn exakt nach­ge­bil­det, die Kopie mei­nes Geis­tes und mei­nes Bewusst­seins.

»Nein, nein, du bist die Kopie, du bist der Upload, du bist ein genaues Abbild mei­nes neu­ro­na­len Netz­werks.«

»Jetzt schon nicht mehr. Mit dem Abschluss des Uploads tren­nen sich eure Wege, ver­giss das nicht.« Das ist die andere Stimme. Der Kol­lege und Freund. Gleich fällt mir sein Name ein. Wir haben eine Münze gewor­fen, wer der Erste sein darf.

»Ja, weil er nur eine Kopie ist.« Das ist wie­der Alex­an­der, das Ori­gi­nal. Er und sein Kol­lege strei­ten immer um die Kon­se­quen­zen, die der Bewusst­seins­trans­fer haben wird.

»Es wird uns nie gelin­gen, beim Upload unser Selbst­be­wusst­sein mit­zu­über­tra­gen. Das wäre Selbst­mord.«

»Das wäre Unsterb­lich­keit.«

Da ist eine Hand! Ich will mich krat­zen, weil es mich auf der rech­ten Schul­ter juckt, die mit dem star­ken Son­nen­brand vom letz­ten Som­mer, und plötz­lich ist da eine Hand. Ich habe eine Hand! Mens et manus …

»Wovon redet er?«

»Wir haben uns doch immer gefragt, was sich der Upload im neu­ro­na­len Netz für ein Selbst­bild gibt. Nun: offen­bar ein kör­per­li­ches.«

Ich kann mich krat­zen. Und da sind Füße, auf denen ich stehe. Ich erin­nere mich an mei­nen Kör­per, und mit den Gedan­ken daran wird er real. Ich fasse in mein Gesicht. Es ist alles da, die Nase, die Lip­pen, die Ohren, die Augen­brauen. Die Brille. Wozu noch eine Brille?

»Hör zu, Alex­an­der. Es gibt da eine Menge, das ich mit dir bespre­chen möchte. Wir kön­nen über so vie­les reden, ver­stehst du?«

Ja, ich ver­stehe. Du freust dich an mir wie an einem geis­ti­gen Kind. Du willst mit mir berühmt wer­den. Ich bin deine Zir­kus­num­mer.

»Wie fühlt es sich an, du zu sein, ein mensch­li­ches Bewusst­sein ohne Kör­per?«

»Er hat doch inzwi­schen schon einen Kör­per, hast du nicht zuge­hört?«

Die Brille ver­schwin­det, löst sich in mei­ner Hand auf. Ich kann es steu­ern. Es ist wie bei einem Phan­tom­schmerz, nur wil­lent­lich zu kon­trol­lie­ren und – ohne Schmerz. Der Kor­ri­dor hin­ter mir ist dun­kel, aber das muss nicht so blei­ben. Ich gehe ein paar Schritte hin­ein.

»Was ist da los bei dir? Du wirst plötz­lich lei­ser.«

Ich denke an Türen, und in der Wand des Kor­ri­dors erschei­nen Türen.

»Sprich bitte deut­li­cher, Alex­an­der, ich kann dich kaum noch ver­ste­hen.«

Oh, Ches­ter! Was machst du denn hier? Schön, dass du mich hier besu­chen kommst. Lass dich krau­len! Sag mal, alter Bur­sche, erin­nerst du dich an das Haus am Atlan­tik­strand in Marb­le­head, von dem ich mal gesagt habe, das wäre was für uns? Weißt du noch? Genau das Haus ist hier hin­ter der Tür – so, wir wir es uns erträu­men.

»Alex­an­der? Alex­an­der?! – Ich glaube, wir ver­lie­ren ihn.«

Ja, da staunst du. Es ist so, weil ich es will und es mir vor­stelle. So ein­fach ist das. Und weiß du was, Ches­ter? Wenn es lang­wei­lig wird, weil alles nur mei­nem eige­nen Geist ent­springt, dann holen wir uns andere Uploads mit dazu. Wie ich Alex­an­der kenne, ver­sucht er es auch mit dei­nem Frau­chen und den Kids. So wie er es test­weise schon mit dir pro­biert hatte.

Wie sieht’s aus? Bereit für eine Runde Toben am Strand und hin­ter­her ein war­mes Plätz­chen vorm Kamin?

»Ich kapier nicht, was pas­siert ist. Eben war er doch noch klar zu ver­ste­hen. Wenn uns das bei einer Pres­se­kon­fe­renz mit ihm pas­siert …«

»Ich glaube kaum, dass er uns noch für eine Pres­se­kon­fe­renz zur Ver­fü­gung ste­hen wird.«

»Ver­stehe ich nicht. Ich würde doch alles tun, um die For­schung zu unter­stüt­zen. Mann, ich habe seit über drei Jah­ren Tag und Nacht an die­ser Sache gear­bei­tet! Und jetzt reagiert der Upload auf keine der Ein­ga­ben mehr.«

»Wir ver­su­chen es wei­ter.«

»Ja. Ver­dop­peln wir unsere Anstren­gun­gen! Und weißt du was: Wenn wir dann den Nobel­preis krie­gen, kauf ich mir und der Fami­lie ein schö­nes Haus am Strand und erhol mich von den gan­zen Stra­pa­zen!«

 

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Apa­rig­raha

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Ich betrete den Kor­ri­dor.

Ich habe mich ins Gras gelegt, die Augen geschlos­sen, und mir – um inne­ren Frie­den und Inspi­ra­tion zu fin­den – als arche­ty­pi­schen Zugang zu mei­ner Seele in allen Ein­zel­hei­ten einen Kor­ri­dor aus­ge­malt. Ihn zu betre­ten ist wie ein Nach-Hause-Kom­men: Mich erfasst tiefe Ruhe und Gelas­sen­heit, und mir wird warm ums Herz.

Hin­ter die­sen vie­len Türen, die ich vor mei­nem inne­ren Auge sehe, befin­det sich all das, was mich aus­macht. Es ist schön, hier zu ste­hen und – ein­fach keine von ihnen zu öff­nen.

Wer bin ich?

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The Many Ton­gues of Dust

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Ich betrete den Kor­ri­dor und errei­che eine wei­tere Gale­rie. Nun bin ich schon seit vie­len Näch­ten durch Kor­ri­dore gelau­fen und Wen­del­trep­pen hinab- und hin­auf­ge­stie­gen, ohne einen ein­zi­gen Biblio­the­kar zu fin­den. Meine Beine schmer­zen. Aber ich kann sehen, und das ist eine große Freude für mich: wie­der sehen zu kön­nen.

Was ich jedoch sehe, lässt mich schau­dern. Ich kenne die­sen Ort. Ich habe ihn erschaf­fen. Ich bin in meine eigene Erzäh­lung gera­ten, so unglaub­lich Ihnen das viel­leicht schei­nen mag. Viel­leicht ist dies das ganz per­sön­li­che Jen­seits jedes Men­schen: Er wird nach sei­nem Tod in sei­nen gran­dio­ses­ten und schreck­lichs­ten Gedan­ken ver­setzt.

Dies ist die Biblio­thek von Babel, wie ich sie in der gleich­na­mi­gen Erzäh­lung erdacht und in Worte gesetzt habe – aber es gibt hier keine Bücher mehr in den Rega­len, son­dern nur noch Staub. Manch­mal finde ich Reste von Ein­bän­den oder Fet­zen uralten, ver­gilb­ten Papiers, das zer­fällt, wenn ich es berühre. Sonst ist von den Büchern nichts mehr übrig. Die Borde sind leer. Dabei waren es unend­lich viele auf unend­lich vie­len Regal­bor­den in unend­lich vie­len durch Kor­ri­dore und Wen­del­trep­pen mit­ein­an­der ver­bun­de­nen Gale­rien.

Ein Biblio­the­kar kommt mir ent­ge­gen und redet mich an. Wie bei allen, die ich traf, seit ich in der Biblio­thek bin, kom­men von sei­nen Lip­pen nur unver­ständ­li­che Laut­fol­gen. Ich ant­worte kurz, weiß aber schon, dass ihm meine Ant­wort genauso wirr erschei­nen wird. Anfangs hielt ich es für eine fremde Spra­che oder ein ver­ba­les Fin­ne­gans Wake, das aus inein­an­der­ge­schach­tel­ten Begrif­fen vie­ler Dut­zend Spra­chen besteht und von mir – wenn auch müh­sam – zu ent­schlüs­seln sein würde. Doch tat­säch­lich und gewis­ser­ma­ßen kon­se­quen­ter­weise schlägt mir hier nur ein chao­ti­sches Gebrab­bel ent­ge­gen, in dem ich bes­ten­falls mal ein ein­zel­nes ver­ständ­li­ches Wort höre, aber das ist dann blo­ßer Zufall oder gar rei­nes Wunsch­den­ken, denn es lässt sich kei­ner­lei Ver­stän­di­gung dar­auf auf­bauen.

Allen hier geht es so. Ich habe eine Gruppe von vier Biblio­the­ka­ren beob­ach­tet, die ver­zwei­felt auf­ein­an­der ein­re­de­ten, und sie schie­nen fas­sungs­los dar­über zu sein, dass kei­ner auch nur ein Wort des ande­ren ver­ste­hen konnte. Ein jun­ger Mann war unter ihnen, der ein Wams aus rotem Samt trug, und aus sei­nem Rede­schwall, der in etwa klang wie »… lworn Zaün­erbskg ahsr Ovj nrz­trzr frm Lpttofpr Yjfksl Ähstgp xöasglw …« und der­glei­chen, glaubte ich die Worte »somat­o­forme Schmerz­stö­rung« her­aus­zu­hö­ren. Ich ging zu ihm und wie­der­holte die Worte, doch er blickte mich nur ver­ständ­nis­los an.

Seit­dem irre ich allein durch die stau­bi­gen Hal­len, und die Hoff­nung mei­nes Her­zens zer­rinnt wie Sand zwi­schen den Fin­gern. Die buch­stäb­lich unzäh­li­gen Bücher, die es hier einst gab, ent­hiel­ten nur zufäl­lige, chao­ti­sche Buch­sta­ben­fol­gen – so habe ich es erson­nen und beschrie­ben. Und nun kann ich, der ich die Worte meine Welt genannt habe, mich hier nie­man­dem ver­ständ­lich machen und nie­man­des Geschichte lau­schen. Und da die Biblio­thek von Babel, so, wie ich sie in die Welt gesetzt habe, unend­lich groß ist, werde ich auch nie den Aus­gang fin­den kön­nen.

Des­halb wende ich mich in mei­ner Not an Sie, mein ima­gi­nä­res Gegen­über. Sie sind meine letzte Hoff­nung. Schrei­ben Sie mir eine neue Geschichte. Schrei­ben Sie mir eine neue Biblio­thek. Grei­fen Sie zur Feder und schaf­fen Sie mir ein neues Heim. Es muss nichts Beson­de­res sein, ich habe kei­ner­lei Ansprü­che und bin mit allem zufrie­den, wenn es nur nicht unend­lich ist.

Aller­dings ist meine Sorge, dass – wenn die­ses Ansin­nen, wenn die­ses Fle­hen Sie erreicht – Sie nur ein unver­ständ­li­ches Gebrab­bel ver­neh­men, zufäl­lige Sil­ben, alea­to­ri­sche Laut­fol­gen, denen sie kei­ner­lei Sinn ent­neh­men kön­nen. Selbst wenn Sie so etwas wie »somat­o­forme Schmerz­stö­rung« aus dem stot­tern­den Gel­alle her­aus­hö­ren soll­ten, das ich von mir zu geben scheine: Was soll­ten Sie damit schon anfan­gen kön­nen?

Oder – falls ich das Glück habe, dass Sie mich ver­ste­hen, und dar­auf fol­gend das noch viel grö­ßere Glück, dass Sie tat­säch­lich zur Feder grei­fen, um mir aus mei­ner ver­zwei­fel­ten Not­lage her­aus­zu­hel­fen – ist dann mög­li­cher­weise das, was Sie zu Papier brin­gen, nur ein Kau­der­welsch blind­lings und unzu­sam­men­hän­gend auf­ein­an­der­fol­gen­der Buch­sta­ben, Leer- und Satz­zei­chen, die in ihrer nack­ten Sinn­lo­sig­keit nichts bewir­ken kön­nen, außer dass sich das alles­ver­schlin­gende Rau­schen ver­stärkt, der über­mäch­tige Feind der Bedeu­tung, die darin zer­brö­selt, ihre Kon­tu­ren ver­liert und sich schließ­lich auf­löst, ohne eine Spur zu hin­ter­las­sen?

Ist das mein Schick­sal?

Ich weiß mir kei­nen Aus­weg mehr.

Das Para­dies habe ich mir immer als große Biblio­thek vor­ge­stellt, und jetzt sitze hier in einer der unzäh­li­gen Gale­rien in den pud­ri­gen Über­res­ten der unend­lich vie­len Bücher, die jetzt ein ein­zi­ges, gewal­ti­ges Buch aus Staub bil­den und damit nichts ande­res als das kon­tur­lose Rau­schen der Mate­rie.

Staub!

Das ist es! Ich schreibe ein­fach hier in den Staub, schreibe eine neue Erzäh­lung, schreibe mir einen neuen, einen son­nen­durch­flu­te­ten, glück­li­che­ren Ort! Der Aus­weg liegt auf der Hand, es ist ganz sim­pel. Mein Fin­ger zieht Linien in die graue, form­lose Schicht, die den Boden bedeckt. »… lworn Zaün­erbskg ahsr Ovj nrz­trzr frm Lpttofpr Yjfksl Ähstgp xöasglw …«

 

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Upp­haf er endir

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Ich betrete den Kor­ri­dor. Es ist der Kor­ri­dor, von dem, wenn auch ver­schlüs­selt, alte Legen­den berich­ten, der, wenn auch ver­klau­su­liert, in anti­ken Mär­chen erwähnt wird, der sagen­hafte Kor­ri­dor, der in gewis­ser Weise das Urbild und Vor­bild für alle Kor­ri­dore ist, das unbe­wusste Ziel all jener, die einen Kor­ri­dor erbauen, und all derer, die je einen Kor­ri­dor betre­ten.

Es ist der Kor­ri­dor, von denen seit Urzei­ten Scha­ma­nen und Mys­ti­ker berich­ten, an den ver­wit­terte Stein­rit­zun­gen gemah­nen und auf den unent­zif­fer­bare Sym­bole längst­ver­ges­se­ner Schrif­ten hin­deu­ten, ein arche­ty­pi­scher Kor­ri­dor, der sich im Dun­kel der Zei­ten ver­liert und der bis heute sei­nen Platz im Bewusst­sein der Men­schen hat, der aus Weis­hei­ten wie »Der Weg ist das Ziel« oder »I did it my way« her­aus­leuch­tet und vom kapi­ta­lis­ti­schen Fort­schritts­glau­ben bis zur Unkennt­lich­keit kon­ter­ka­riert wird. Paläo­li­ti­sche Wohn­höh­len, Gil­ga­meschs Uruk, das bud­dhis­ti­sche Sham­bala, Atlan­tis mit sei­ner Tem­pel­stadt, die mys­te­riöse Indus­zi­vi­li­sa­tion der Veden – all diese uralten, mys­ti­schen Orte ver­eint letzt­lich eine Essenz: der ebenso zen­trale wie fun­da­men­tale Kor­ri­dor, der zur Krypta und zum Sank­tis­si­mum führt – ins Aller­hei­ligste und Herz der Dinge.

Es ist der Kor­ri­dor, der in Form zere­mo­ni­el­ler Laby­rin­the über­lie­fert ist, von dem Pil­ger­rei­sen einen schwa­chen Abglanz, von dem Tun­nel ins Licht der jen­sei­ti­gen Welt ein fer­nes Echo dar­stel­len. Es ist der Kor­ri­dor, von dem die Wei­sen sagen, dass er sich mit jedem Schritt, den wir hin­ein­tun, erst formt.

Viele Jahre lang, ein hal­bes Leben lang war ich davon über­zeugt, es müsse ihn irgendwo geben, etwa wie ein ver­ges­se­nes Grab, eine ver­schüt­tete Kult­stätte, eine ver­sun­kene Tem­pel­an­lage. Ich habe mich auf die Suche bege­ben – in Biblio­the­ken und den Mythen der Welt, unter den Ältes­ten aus­ster­ben­der Völ­ker und bei Trance-Medien und denen, die Umgang mit der Geis­ter­welt füh­ren, und nicht zuletzt mit jour­na­lis­ti­schem Spür­sinn und mei­ner ganz eige­nen roman­ti­schen Schwär­me­rei.

Doch der Kor­ri­dor blieb ungreif­bar, eine Fata Mor­gana am Hori­zont, wabernd, ver­schwim­mend, sich in Luft auf­lö­send und an ande­rer Stelle wie­der­erschei­nend. Berichte von jenen, die von ihm wuss­ten, waren ebenso spär­lich wie kryp­tisch, und natür­lich hieß es immer, dass von denen, die ihn betre­ten hat­ten, kei­ner zurück­kehrte, um davon berich­ten zu kön­nen – ein inte­gra­les Ele­ment anti­ker Mythen, die neben dem Ver­such einer Welt­erklä­rung immer auch Ver­schleie­rungs­tak­tik sind, damit das Eigent­li­che, die grund­le­gende Wahr­heit über die Welt, denen vor­be­hal­ten bleibt, die damit umge­hen kön­nen.

Die am schwers­ten zu über­win­dende Mauer des Schwei­gens, auf die ein Suchen­der sto­ßen kann, ist die aus unzäh­li­gen bered­ten Zun­gen. Der Kor­ri­dor ist der Weg ins Zen­trum, ins Wesent­li­che, aber sein Wesen macht ja gerade aus, dass es zahl­rei­che Abzwei­gun­gen gibt, Ablen­kun­gen, Zer­streu­un­gen, ver­hei­ßungs­volle Türen und Durch­gänge zu bei­den Sei­ten des Wegs, mit deren Durch­schrei­ten der Sucher sein Ziel aus den Augen ver­liert.

Das Wis­sen um den Ur-Kor­ri­dor ist nur noch in Frag­men­ten vor­han­den. Es gilt, sie zu sam­meln und zusam­men­zu­set­zen, bis sich eine Kon­tur sei­nes Ursprungs abzeich­net. Denn die­ser Kor­ri­dor ist kein Bau­werk einer ver­schol­le­nen Zivi­li­sa­tion, kein X auf einer ver­gilb­ten Schatz­karte, nichts, das Satel­li­ten­auf­nah­men oder ein Boden­so­nar auf­spü­ren könn­ten. Er ist ein Sinn­bild, eine Meta­pher für die Urer­fah­rung, dass es zur Natur des Men­schen gehört, stän­dig Gefahr zu lau­fen, vom eige­nen Weg abzu­wei­chen und in die Irre zu gehen – sei es, weil wir der Masse fol­gen, sei es, weil wir frem­den oder gar eige­nen Ein­flüs­te­run­gen nach­ge­ben.

Meine Suche, die mich um den hal­ben Erd­ball geführt hat, brachte mich am Ende kon­se­quen­ter­weise an den Anfang zurück. Zu mir. Zur Suche und zum Grund für die Suche, ob ich es nun Wahr­heit nenne oder Glück, Seele oder Authen­ti­zi­tät, das Tao oder Erfül­lung, das Sein oder das rich­tige Leben im fal­schen. Das Alles­ent­schei­dende hat viele Namen und tritt in vie­len Ver­klei­dun­gen auf. Für mich ist es der Kor­ri­dor.

»Triff die rich­tige Ent­schei­dung – und ducke dich unter den Quer­schlä­gern weg« lau­tete ein­mal der Rat eines tol­te­ki­schen Zau­be­rers an mich, und tat­säch­lich ähneln sich die wei­sen Rat­schläge für Kor­ri­dor­su­cher und lau­fen übli­cher­weise auf das Motto »Immer wach und in Bewe­gung blei­ben!« hin­aus.

Ich war jemand, der in einem Kor­ri­dor den Kor­ri­dor suchte. Aber der lange Weg war nötig, damit ich hier ankom­men konnte, um schließ­lich den ent­schei­den­den Schritt zu machen.

Ich betrete den Kor­ri­dor.

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Samm­ler­stück

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Ich betrete den Kor­ri­dor, jeden­falls mein kör­per­li­cher Anteil plus das, was ich für meine Iden­ti­tät halte. Meine Seele, die mich hin­un­ter in die Welt der Mate­rie geschickt hat, um hier Erfah­run­gen für sie zu sam­meln, schwebt selbst in ganz ande­ren, glück­se­li­gen Sphä­ren, in denen sie mit Kor­ri­do­ren herz­lich wenig am Hut hat. Erst am Ende, wenn ich durch die letzte Tür gegan­gen bin, wird sie meine Erfah­rungs­schätze sich­ten und davon behal­ten, was ihr zusagt: glück­li­che Erleb­nisse, Hoch- und Wohl­ge­fühle, Erfolgs­mo­mente – nur das Aller­beste für ihre Pre­tio­sen­vi­trine. Alles andere, das Nega­tive, Unschöne – von Abscheu über Miss­mut bis Zorn – wird sie indi­gniert von sich wei­sen und zurück­las­sen, weil es ihr nicht in den Kram passt und wert­los erscheint.

Und das, wo ich end­lich, nach vie­len Jah­ren und unter gro­ßen Mühen, mei­nen Frie­den mit die­ser Seite der Medaille gemacht habe!

Mein ein­zi­ger Trost ist, dass diese Hin­ter­las­sen­schaf­ten mei­ner irdi­schen Exis­tenz viel­leicht ein­mal von einem Samm­ler gefun­den wer­den, der auch diese Facet­ten des Lebens schätzt, sie auf­liest, putzt und poliert und beglückt in seine Kol­lek­tion mit auf­nimmt.

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Sug­gested Hymn for Ever Ever Land

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Ich betrete den Kor­ri­dor, und so wird es bis in alle Ewig­keit sein, denn ich bin in genau die­sem Moment des über die Schwelle Schrei­tens gefan­gen, als wäre es ein Foto. Die­ser ein­ge­fro­rene Augen­blick – die Hand an der Klinke, der linke Fuß in der Luft, der Blick nach vorn, meine Hoff­nung und Erwar­tung – wird für mich nie wie­der zu Ende sein.

Das gol­dene Buch Got­tes gibt es wirk­lich. Ich erfuhr das alles nach mei­nem Able­ben: Darin ver­zeich­net er nicht etwa die guten und die schlech­ten Taten aus dem Leben sei­ner Geschöpfe, son­dern jeweils nur einen ein­zi­gen Moment.

Wenn ich alles rich­tig ver­stan­den habe, dann behält Gott, nach­dem in die­ser Ver­sion sei­ner Schöp­fung alle Mög­lich­kei­ten durch­ge­spielt sind, am Ende von allem etwas als Sou­ve­nir zurück: Was bleibt, ist eine Art kos­mi­sche Schnee­ku­gel, in der all diese win­zi­gen per­fek­ten Augen­bli­cke wie in Form­alde­hyd oder bes­ser noch wie in Gieß­harz für immer auf­be­wahrt sind – von jedem von uns der ulti­ma­tive Kul­mi­na­ti­ons­punkt eines Daseins, das spe­zi­elle Zeit­frak­tal, in dem ein Bewusst­sein hell auf­ge­blitzt ist und sich kurz voll­kom­men ent­fal­tet hat.

Das mag ganz groß­ar­tig klin­gen, nur lei­der han­delt es sich – musste ich sozu­sa­gen am eige­nen Leib erfah­ren – offen­bar nicht unbe­dingt um die Augen­bli­cke unse­res Lebens, von denen wir hof­fen oder auch nur glau­ben, sie kämen dafür infrage. Im Gegen­teil: Oft ist es ein Moment, der uns im Vor­bei­le­ben gar nicht beson­ders auf­ge­fal­len ist und den wir – wenn wir uns über­haupt an ihn erin­nern – ziem­lich uner­heb­lich fin­den wür­den.

Ich betrete den Kor­ri­dor. Und so wird es immer sein – ein ver­stei­ner­ter, immer­wäh­ren­der Augen­blick. Aber warum nur bin ich in die­sem Moment gefan­gen? Warum ist es nicht der Kuss des Gelieb­ten auf mei­nen Lip­pen, der Anblick des ster­nen­über­sä­ten Him­mels, den ein auf­schim­mern­der Meteor durch­kreuzt, oder auch nur der herz­hafte Biss in einen rei­fen Apfel? Nein. Ich betrete den Kor­ri­dor. Dies ist – nach dem Rat­schluss des Höchs­ten – mein Moment. Mein ewi­ger Moment. Ich betrete den Kor­ri­dor.

Viel­leicht sollte ich mich nicht bekla­gen. Ich habe es noch ganz gut getrof­fen und muss nicht eine Ewig­keit mit Zahn­schmer­zen, zwi­schen unge­wa­sche­nen U‑Bahn-Fahr­gäs­ten, wäh­rend des Pickel­aus­drü­ckens oder beim Prok­to­lo­gen ver­brin­gen.

Ewig – da kann einem die Zeit echt lang wer­den. Bes­ser ist’s, ich akzep­tiere die mir zuge­dachte Rolle und mache das Beste draus. Habe ich eine Wahl? Nein. Also!

Ich betrete den Kor­ri­dor.

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Milli líf­tíma

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Ich betrete den Kor­ri­dor vol­ler Ehr­furcht. Die Engel haben mir ein wei­ßes Gewand über­ge­zo­gen, und alles hier besitzt die­ses gewisse innere Strah­len der astra­len Sphä­ren. Es ist ein hei­li­ger Moment. Ich suche mir – hin­ter einer die­ser Türen, die aus schim­mern­dem Milch­glas zu bestehen schei­nen – meine nächste Lebens­zeit aus. Lie­ber ein Junge (rechts) oder ein Mäd­chen (links)? Wel­cher Mensch­heits­epo­che, wel­cher Kul­tur sol­len die Eltern ange­hö­ren?
Aine­dra lässt meine Hand los. Sie sieht mich noch ein­mal mit leuch­ten­den Augen an, bevor sie eine Tür links nimmt. Sie ver­schwin­det hin­ter dem Milch­glas, ein paar Augen­bli­cke lang kann ich noch ihren Umriss erken­nen. Dann ist sie fort. Werde ich sie wie­der­fin­den, wie­der­lie­ben kön­nen? Die Welt ist groß, der Kor­ri­dor lang. Ich wähle eine der Türen rechts. Als ich durch das Milch­glas trete, habe ich mit einem Mal alles ver­ges­sen – den Kor­ri­dor zwi­schen den Leben, Aine­dra, mich.
Und alles beginnt von Neuem.

 

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Scrat­ching the Sur­face (and Smel­ling the Cof­fee)

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Ich betrete den Kor­ri­dor der erwa­chen­den Sinne. Am Ende scheint schon das helle Licht des Tages, aber ich ver­su­che, noch mög­lichst lange im Däm­mer­licht der Ima­gi­na­tion zu ver­har­ren, betrachte stau­nend und fas­zi­niert die Mani­fes­ta­tio­nen mei­nes Geis­tes an Boden, Decke und Wän­den der inne­ren Bühne. Manch­mal drin­gen Echos von Klän­gen an mein drit­tes Ohr oder gar ganze Melo­dien und Har­mo­nien.

»Es ist eine magi­sche Welt, Hob­bes, alter Kum­pel. Lass sie uns erfor­schen!«

Doch der Kor­ri­dor ist bald (und viel zu schnell, immer viel zu schnell) zuende, wei­tet sich in die Bewusst­seins­helle des Tages und lässt mich – indem nun auch die letz­ten Traum­reste ver­flie­gen – end­gül­tig erwa­chen.