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Dream Ques­ti­ons Med­ley Ad Astra

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Ich betrete den Kor­ri­do­rium-Dop­pel­de­cker­bus mit einer Mis­sion: Eigent­lich will ich die rot­haa­rige Frau am Steuer unbe­dingt fra­gen, was denn nach den zwölf Tou­ren gesche­hen wird? Machen sie auch im nächs­ten Jahr wei­ter – mit den glei­chen zwölf Kōans? Mit neuen Fra­gen? Oder rei­sen sie durch eine andere Region Deutsch­lands?

Aber dann frage ich doch nicht. Es wird sich schon noch alles zur rech­ten Zeit klä­ren. Jetzt jeden­falls genügt es, dass ich jetzt hier bin und eine Nacht in die­sem mit kusch­li­gen Kojen aus­ge­stat­te­ten Bus ver­bringe, zwi­schen Schlaf und Wachen und meine Gedan­ken weg vom All­tag ganz auf die jewei­lige Frage gerich­tet.

Die Musik, obgleich immer wie­der anders, ist mir bereits ver­traut, und natür­lich auch das Flüs­tern, mit dem stän­dig neu die Frage gestellt wird, so dass sie uns Rei­sende bis in die Träume hin­ein beglei­tet.

Beson­ders leb­hafte Träume hatte ich bei der Tour mit der Frage »Wann begann Erkennt­nis (und wie schmeckt die Quelle)?« – eine Frage, die mich eine lange innere Queste unter­neh­men ließ, weit zurück bis an den Anfang aller Dinge.

Bei der Tour im Monat danach stellte ich beim Früh­stück fest, dass ich der ein­zige Fahr­gast war. Das fand ich ein wenig erschre­ckend, denn von dem, was ich fürs Bus­ti­cket bezahle, kön­nen sich unmög­lich zwei oder drei Crew­mit­glie­der (ich weiß bis heute nicht, ob die Fah­re­rin nun eine Zwil­lings­schwes­ter hat oder die Fähig­keit zur Bilo­ka­tion besitzt) und ein Bus finan­zie­ren. Die Frage lau­tete »Warum das alles (und nicht nichts)?«, ein phi­lo­so­phi­scher Klas­si­ker, des­sen tat­säch­li­che Trag­weite sich mir aller­dings erst beim Früh­stück auf­tat.

Die nächste Tour hatte glück­li­cher­weise mehr Fahr­gäste zu ver­zeich­nen. Dies­mal war auch wie­der der alte Grie­che mit dabei. Ich sah ihn vom Klo kom­men und freute mich schon auf phi­lo­so­phi­sche Dis­kus­sio­nen beim Früh­stück mit ihm, doch da tauchte er nicht auf. Viel­leicht hatte er ver­schla­fen? Jeden­falls sah ich ihn dann spä­ter aus­stei­gen, als ihn der Bus vor der Haus­tür absetzte. Ich lugte durch den Vor­hang an der Fah­rer­ka­bine und habe mir die Adresse gemerkt. Ich würde näm­lich zu gern wis­sen, was er zu der Frage »Wer erlangt Glück (und wen wie­der Sehn­sucht)?« zu sagen hat. Ich für mei­nen Teil hatte sie krea­tiv umfor­mu­liert in »Wie erlange ich Glück (und wann wie­der Sehn­sucht)?«: So betraf sie mich ganz per­sön­lich und regte mich zu einer Bestands­auf­nahme mei­nes bis­he­ri­gen Lebens an – die nicht immer posi­tiv aus­fiel, mich aber auf inspi­rie­rende Ideen brachte. Ob eine wei­tere Erkennt­nis für mich darin ver­bor­gen liegt, dass ich inner­lich immer wie­der auf das Wort »Lei­den­schaft« ver­fiel, bis mich das Flüs­tern wie­der an »Sehn­sucht« erin­nerte?

Inter­es­san­ter­weise haben dies­mal, kurz vor der zwölf­ten (und letz­ten?) Tour zwei mei­ner Freunde gefragt, ob ich finde, sie soll­ten auch ein­mal bei den »Kōan Trips« mit­fah­ren. Es hat dann in bei­den Fäl­len nicht funk­tio­niert, weil einer­seits unge­stör­tes Durch­schla­fen anstand und ande­rer­seits eine Party letzt­lich doch wich­ti­ger schien. Den­noch: Nach­dem ich wäh­rend des letz­ten Jah­res im Freun­des­kreis immer wie­der von mei­nen nächt­li­chen Aben­teu­ern im eige­nen Bewusst­sein erzählt habe, scheint die Ableh­nung soweit geschmol­zen und das Inter­esse so sehr geweckt, dass die ers­ten sich eine Teil­nahme vor­stel­len kön­nen.

Aber wird der Bus wei­ter­hin seine Run­den zie­hen und jeden Monat ein Flug­blatt im Brief­kas­ten lie­gen, das eine wei­tere »mobile medi­ta­tive Musik­reise« ankün­digt? Ich weiß es nicht. Viel­leicht ist es auch nicht wei­ter wich­tig. Meine Frage lau­tet heute »Was ist Jetzt (und warum nicht gleich so)?«, und inzwi­schen habe ich genü­gend Erfah­rung, um ganz gelas­sen sagen zu kön­nen, dass mehr nicht nötig ist: die Frage, die Koje, die leise, immer wie­der ein­lul­lende, dann aber auch punk­tu­ell ver­stö­rende Musik, das Ruckeln des Bus­ses auf sei­ner nächt­li­chen Fahrt und ich selbst, ein Mensch mit der Fähig­keit (wie wir alle sie besit­zen), sich zu kon­zen­trie­ren, über den übli­chen Rah­men hin­aus­zu­den­ken und zu ver­blüf­fen­den Ein­sich­ten zu gelan­gen, wie sie mir Filme, Bücher und andere Men­schen nie ver­mit­teln konn­ten, wohl weil ich sie aus einer wei­sen Instanz tief in mir selbst schöpfe.

Sie lacht gerne und reißt Witze, und wenn ich schließ­lich auch lachen muss, fragt sie mich zwin­kernd: Warum nicht gleich so?