Korridorium

1x täglich Kurzprosa mit Soundtrack vom 11/11/11 bis 12/12/12

Tag: K.

232/398

Today’s the Day!

LogoSwitch language

 
 
 

Ich betrete den Kor­ri­dor. Nur noch wenige Schritte, und ich stehe im Stu­dio. Über den Durch­gang leuch­tet das rote Licht. Werde ich das Publi­kum, werde ich die Jury über­zeu­gen kön­nen? Wel­cher Teu­fel hat mich gerit­ten, hier auf­tre­ten zu wol­len, hier gewin­nen zu wol­len? Habe ich wirk­lich das Zeug zum Super­star? Nun, ich sehe ver­dammt gut aus, und meine Samt­stimme lässt Frau­en­her­zen gleich rei­hen­weise schmel­zen. Bis zum Erbre­chen habe ich mit der Cho­reo­gra­fin die ero­ti­schen Tanz­schritte ein­ge­übt, und auch immer wie­der das geheim­nis­volle Lächeln, mit dem ich die Lyrics an den neur­al­gi­schen Stel­len unter­le­gen soll. Und dann, wenn ich rüber zur Band gehe, den Schlag­zeu­ger vom Hocker schubse und mein Solo hin­lege, damit alle über­rascht fest­stel­len, dass ich eigent­lich Drum­mer bin … Die Frauen lie­ben Drum­mer. Aber die Jury? Haben Sie mich nur so weit kom­men las­sen, um mich lächer­lich zu machen? Werde ich gleich abser­viert? Die Mas­ken­bild­ne­rin, auf deren Stuhl ich vor weni­gen Augen­bli­cken noch saß, hat mir flüs­ternd Mut gemacht, wäh­rend der Auf­nah­me­lei­ter die ganze Zeit auf mich ein­ge­re­det hat: Bis tau­send schnell durch, nie irgend­wel­che Fra­gen kom­men­tie­ren, dass sie zu leicht oder zu schwer sind, und wenn, dann »Abend« sagen und bloß nicht »Nach­mit­tag«.

Das Publi­kum emp­fängt mich mit Applaus. Jauch legt mir von links die Hand auf die Schul­ter. Das ist der Moment, wo sie spä­ter schnei­den, wenn es ein Kan­di­dat auf den hei­ßen Stuhl schafft, damit er in die Maske kann und ihm das Mikro ange­klemmt wird, wäh­rend sie seine Beglei­tung auf den dafür vor­ge­se­he­nen Platz im Publi­kum plat­zie­ren. Es ist Nach­mit­tag, die Sen­dung wird auf­ge­zeich­net, aber es soll dann am Abend der Aus­strah­lung so aus­se­hen, als sei das alles live.

Ich bin ver­wirrt, setze mich, nippe vom Was­ser­glas, ver­su­che zu ver­ste­hen, was Jauch von mir wis­sen will. Wer da oben sitzt? Das ist mein Ver­mie­ter. Jauch fragt nicht wei­ter nach. Wahr­schein­lich will er sich meine Story mit dem Feu­er­scha­den durch das Cand­le­light-Din­ner, den zu über­neh­men meine Ver­si­che­rung sich wei­gert, für spä­ter auf­spa­ren. Zusatz­jo­ker? Nein danke, ich brau­che die 16000 drin­gend, um den Scha­den zu bezah­len.

Und dann erscheint auch schon die erste Frage auf dem Moni­tor, ganz ohne die gewohnte Span­nungs­mu­sik, die sie natür­lich erst spä­ter dazu­mi­schen: »Sprich­wört­lich heißt es: Wie gewon­nen, so … a) ver­bum­melt, b) getrom­melt, c) ent­kom­men, d) zer­schram­melt.«

Ich bin ver­wirrt. Die 50-Euro-Frage ist eigent­lich immer die leich­teste. »Getrom­melt« muss es hei­ßen, klar, eigent­lich »getrom­melt und gepfif­fen«, hier aller­dings nur »getrom­melt«, weil es sich auf »gewon­nen« rei­men soll, wenigs­tens halb­wegs. »B«, sage ich, und B ist es doch auch meis­tens, oder? Oder C? Ich bin immer noch etwas ver­wirrt, glaube ich. Jauch fragt nach, aber jetzt bin ich mir sicher, nicke, bestehe dar­auf. Er kann mich nicht davon abbrin­gen, und ich soll bis tau­send ja auch schnell machen und nicht lange drum­rum­re­den. Er loggt B ein. »Idiot!«, brüllt mein Ver­mie­ter quer durch die Halle.

Ich hab’s ver­geigt. Boh­lens Häme sticht mir ins Herz, und die Lacher aus dem Publi­kum tref­fen mich tief. Ich stehe allein auf der gro­ßen Stu­dio­bühne, erlebe mein Water­loo und ver­ziehe keine Miene – die­sen Tri­umph will ich ihnen nicht gön­nen. Inner­lich aller­dings beschließe ich, nie wie­der vor Fern­seh­ka­me­ras zu tre­ten und zu glau­ben, in mir ste­cke ein Star.

249/398

Der Traum des Archi­tek­ten

LogoSwitch language

 
 
 

Ich betrete den Kor­ri­dor. Er besteht nur aus ein­fa­chen, dün­nen Linien, und wie bei einem Kipp­bild weiß ich nicht, ob ich ihn von schräg oben oder von schräg unten ansehe. Da ich so kei­nen Halt mehr finde, falle ich schrei­end zwi­schen den Stri­chen hin­durch in den boden­lo­sen Abgrund der Unein­deu­tig­keit.
 

256/398

Lomit­tu­mi­nen

LogoSwitch language

 
 
 

Ich betrete den Kor­ri­dor mit dem Rücken voran. Mit ein wenig Übung ist es gar nicht so schwie­rig, alles rück­wärts zu machen. Die Arthri­tis ist stark zurück­ge­gan­gen, und ich fühle mich um Jahre ver­jüngt. Der Kurs hat nicht zu viel ver­spro­chen.

Zuerst erreichte mich eine Teil­nah­me­be­schei­ni­gung, aus der ich lange nicht schlau wurde. Mir wurde zum erfolg­rei­chen Abschluss eines Kur­ses gra­tu­liert, eines Kur­ses, der, so hieß es da, auf einen Mann zurück­geht, wel­cher fest­ge­stellt habe, dass sich mit Hilfe der Quan­ten­ver­schrän­kung die Zeit zurück­dre­hen lässt – ein wenig zumin­dest. Das erfuhr ich aller­dings erst aus der zehn­ten und »letz­ten« Lek­tion, die eine Woche spä­ter ein­traf. Sie war sehr anspruchs­voll, was das Rück­wärts­le­ben anging, und ich tat mein Bes­tes, mit­zu­hal­ten und das ein­zu­trai­nie­ren, was ich eigent­lich schon neun Lek­tio­nen lang hätte üben sol­len. Rück­wärts lau­fen ist da noch das Ein­fachste.

Wei­tere Lek­tio­nen folg­ten, die stän­dig leich­ter zu bewäl­ti­gen waren. Heute erwarte ich die Erste von ihnen. Und tat­säch­lich, unter dem Brief­schlitz mei­ner Woh­nungs­tür liegt der Brief im flie­der­far­be­nen Umschlag. Natür­lich ist er bereits auf­ge­ris­sen. Ich ent­nehme das Schrei­ben und fange – hin­ten – mit dem Lesen an.

Rück­wärts­spre­chen! Und rück­wärts­den­ken! Bei­des wird hier als Grund­lage für das ganze Trai­ning genannt. Daran hatte ich noch gar nicht gedacht. In den letz­ten Wochen habe ich mich bemüht, rück­wärts zu atmen, rück­wärts zu essen, rück­wärts zu schla­fen und rück­wärts zu träu­men, Filme rück­wärts zu sehen und Musik von hin­ten nach vorne abzu­spie­len. Es dreht sich alles darum, weiß ich inzwi­schen, kleine rück­wärts­ge­rich­tete Quan­ten­fel­der in mei­ner unmit­tel­ba­ren Umge­bung zu erzeu­gen, inner­halb derer sich dann auch Zell­al­te­rungs- und Zer­falls­pro­zesse umkeh­ren kön­nen.

Jetzt also das Spre­chen! Ich hätte selbst dar­auf kom­men kön­nen. Es liegt nahe, denn das Spre­chen und beson­ders das Den­ken sind doch unsere direk­teste Ver­bin­dung mit der Quan­ten­wirk­lich­keit. Den­ken, heißt es im Kurs, ist ein Quan­ten­pro­zess. Aber das alles ist immer noch sehr ver­wir­rend für mich. Wer­den mir jetzt, nach der ers­ten Lek­tion, die – nie gezahl­ten – Kos­ten für den Kurs auf mein Konto gut­ge­schrie­ben? Ich gehe rück­wärts in die Küche, ste­cke dort die Lek­tion in den Umschlag zurück und ver­schließe ihn fein säu­ber­lich mit Kle­be­band. Er sieht nicht ganz per­fekt aus. Doch das gilt für vie­les. Damit muss sich ein Rück­wärts­le­ben­der abfin­den. Diese vor­wärts­pre­schende Welt ist nicht unser Freund, heißt es im Kurs. Er steht übri­gens allen Inter­es­sier­ten offen, weil sein zurück­ge­zo­gen leben­der Autor – angeb­lich schon 130 Jahre alt und bei bes­ter Gesund­heit – erkannt hat, dass es selbst­süch­tig und unmo­ra­lisch wäre, das Geheim­nis für sich zu behal­ten. Jeder soll von die­ser letzt­lich ver­blüf­fend ein­fa­chen Methode, das Altern auf­zu­hal­ten oder sogar umzu­keh­ren, pro­fi­tie­ren kön­nen.

Nun muss ich die Lek­tion wie­der durch den Brief­schlitz schie­ben. Natür­lich mache ich mich wie­der rück­wärts auf den Weg zu mei­ner Woh­nungs­tür und übe dabei in Gedan­ken schon ein­mal die neuste und erste Lek­tion: Kor­ri­dor den betrete ich.

Rod­ir­rok ned eter­teb hci.

 

269/398

Eis­op­tro­pho­bia

LogoSwitch language

 
 
 

Ich betrete den Kor­ri­dor: links die Kinos 2 und 3, rechts das Kino 5 und dahin­ter die Toi­let­ten. Ich halte mich genau an die Anwei­sun­gen. Sonn­tag­nachts gibt es hier immer einen Musik­film im Pro­gramm. Ich habe ein Ticket für Oli­ver Stones The Doors gekauft. Der läuft zwar schon seit ein paar Minu­ten, aber das soll so sein. Ich gehe am Kino vor­bei. Auch an den Toi­let­ten gehe ich vor­bei. Es ist nie­mand außer mir im Kor­ri­dor. Gut so. Ich öffne am hin­te­ren Ende die Stahl­tür, über der das Not­aus­gangs­sym­bol leuch­tet. Dahin­ter liegt ein dunk­les Trep­pen­haus. Die Tür fällt hin­ter mir ins Schloss. Mir geht der Arsch auf Grund­eis. Ich halte mich an die Anwei­sun­gen und steige die Treppe hin­un­ter. Die schmale Tür ein Stock­werk tie­fer ist ver­schlos­sen, aber tat­säch­lich fin­det sich der Schlüs­sel unter der Fuß­matte. Ich schließe auf. Zuerst glaube ich, hier falsch zu sein. Es ist düs­ter in dem fens­ter­lo­sen Raum. Hüft­hohe Müll­ei­mer mit dem typi­schen Plas­tik­wip­pen­ver­schluss ver­sper­ren mir den Weg, und ein paar alte Film­auf­stel­ler mit lebens­gro­ßen Stars. Aber dann erkenne ich im Däm­mer­licht, dass es tat­säch­lich ein klei­nes Kino ist. Die Bestuh­lung, ganze vier Rei­hen, ist aus abge­nutz­tem rotem Samt. Auf der ers­ten Sitz­reihe liegt Weih­nachts­deko. Der mitt­lere Sitz in der zwei­ten Reihe, den ich mir her­un­ter­klappe, ist total durch­ge­ses­sen. Ich nehme den dane­ben.

Von irgend­wo­her kom­men dumpfe Geräu­sche. The Doors ver­mut­lich, aus dem Kino drü­ber. Es war Wahn­sinn, hier­her­zu­kom­men. Ich hätte es nicht tun sol­len.

Ver­mut­lich ist es eine rie­sen Ver­ar­schung. Aber irgend­was muss Trobi pas­siert sein. Er ist nur noch ein Schat­ten sei­ner selbst. Und dabei kann den nichts scho­cken. Der sieht sich die här­tes­ten Strei­fen an, bal­lert sich durch die bru­tals­ten Games und hat sich bei der Mai-Demo auch schon mit ech­ten Poli­zis­ten ange­legt. Eines Mor­gens schlich er dann in die Klasse und wirkte wie sein eige­ner Geist. »Na, schlech­ten Trip gehabt?«, fragte ich ihn, und er packte mich an der Schul­ter, drückte mich an die Wand und erzählte es mir.

Du musst dir Sonn­tag­nacht ein Kino­ti­cket kau­fen, sagte er mir, und gehst durch den Not­aus­gang run­ter, schließt dir mit dem Schlüs­sel unter der Matte einen ver­ges­se­nen alten Kino­saal auf, setzt sich da rein und siehst dir die Vor­stel­lung an. Ich garan­tier dir: Wenn du da raus­kommst, wirst du nie wie­der der Alte sein.

Hu-huh! Da will mir einer Angst machen, was? Aber Trobi war es ernst. Er sagte, er erzählt’s mir nur, weil ich der Klas­sen­phi­lo­soph bin und immer so abge­klärt tue, seit mein klei­ner Bru­der im Bag­ger­see ertrun­ken ist. So, als würde ich über allen Din­gen ste­hen. Viel­leicht gefällt’s dir sogar, hat Trobi ange­fügt und den Mund dabei ver­zo­gen.

Es knackt in den Laut­spre­chern und fla­ckert auf der Lein­wand. Ich kriege einen gewal­ti­gen Schreck. Scheiße. Irgend­je­mand muss den Pro­jek­tor ange­schal­tet haben. Tag Null heißt der Film. Steht jeden­falls kom­men­tar­los auf der Lein­wand. Und dann zeigt die Kamera die Dächer der Stadt, so, als ob man mit einem Bal­lon knapp drü­ber weg­schwebt. Sonst pas­siert erst mal nichts. Ich steh noch mal auf und geh nach hin­ten zum klei­nen Fens­ter für den Pro­jek­tor. Mit der Hand schirme ich sein Licht ab. Der kleine Raum ist leer. Selt­sam. Aber irgend­wie hab ich mir das schon gedacht. Ich setz mich wie­der.

Über Trobi hab ich lange nach­ge­dacht. Der zog sich immer mehr in sich zurück und redete schließ­lich nach zwei, drei Tagen quasi mit kei­nem mehr. Irgend­was muss mit ihm pas­siert sein. Aber das mit dem ver­ges­se­nen Kino und dem Film – das muss er sich doch aus­ge­dacht haben. Ich meine, man macht doch auch nicht irgend­eine Müll­tonne auf und guckt plötz­lich tief run­ter in die Hölle – mit Flam­men und Teu­feln und allem drum und dran. So was gibt’s nur im Kino.

Die Kamera taucht jetzt run­ter und in ein Fens­ter von einem der gro­ßen Bun­ker mit Miet­woh­nun­gen rein. Es liegt jemand im Bett, obwohl schon hel­ler Tag ist. Er stöhnt und rich­tet sich auf. Er hat mein Gesicht, älter zwar und mit Bart­stop­peln, aber es ist unver­kenn­bar meins. Das bin ich. Scheiße. Ich wusste es. Trobi hat mir die Wahr­heit gesagt.

Die Kamera folgt dem Typen, der ich bin, nur älter, ins Bad.

Da läuft ein Film von dei­nem letz­ten Tag, hat Trobi gesagt, und ich hab sein hei­se­res Flüs­tern noch im Ohr. Und am Ende siehst du, wie du stirbst.

Ich hab ungläu­big gelacht, aber Trobi ver­zog keine Miene. Du musst mir nicht glau­ben, hat er gesagt, sieh’s dir selbst an. Wenn du dich traust.

Auf der Lein­wand schalt ich im Wohn­zim­mer die Glotze ein und schmier mir in der Küche auf dem ver­keim­ten Tisch ein Brot dick mit Nutella zum Früh­stück. Dabei kann ich das süße Zeug nicht aus­ste­hen. Und was soll das mit dem Fern­se­her? Brauch ich das, weil ich sonst die Stille nicht ertra­gen würde? Es ist ekel­haft, wie ich das Zeug in mich rein­stopfe. Wie alt mag ich sein? Paar­und­zwan­zig. Du siehst scheiße aus!, würde ich mir am liebs­ten zuru­fen, aber es ist ja nur ein Film. Nur ein Film?

Ich werde ster­ben. Irgend­wann an die­sem ver­ratz­ten Tag in mei­ner nicht allzu fer­nen Zukunft werde ich den Löf­fel abge­ben. Will ich das sehen? Nein, ganz sicher nicht! Aber irgend­was nagelt mich fest, und ich komm nicht vom Sitz hoch, fas­zi­niert von die­sen ganz all­täg­li­chen Auf­nah­men, die mich zei­gen, wie ich mich noch nie gese­hen habe. Die Kata­stro­phe rückt näher, und ich bin wie gelähmt und kann nichts unter­neh­men.

Der Typ im Film tele­fo­niert mit einer Katja. Kenn ich nicht. Gibt in der Par­al­lel­klasse eine, aber die wird’s nicht sein, das ist ’ne arro­gante Möch­te­gern-Tusse, die zuhause bestimmt noch mit Lil­li­fee spielt. Die Tür­klin­gel geht. Erst bleibe ich sit­zen, dann stehe ich doch auf und öffne die Ein­gangs­tür. Trobi steht da, Den­nis Trob­bert, unver­kenn­bar. Auch er älter, auch er nicht gerade auf der Höhe sei­ner Zeit. »Heut ist der Tag«, sagt er. Ich nicke. Trobi geht rein, sieht das Chaos auf dem Küchen­tisch, blät­tert kurz in einem zer­fled­der­ten Death-Metal-Maga­zin und schmiert sich dann auch eine Nutel­las­tulle.

Ich stelle fest, dass ich nicht atme. Hab vor Schreck auf­ge­hört zu atmen. Jetzt ver­schlu­cke ich mich und muss hus­ten. Trä­nen stei­gen mir in die Augen. Dabei will ich doch unbe­dingt mit­krie­gen, was die bei­den reden.

»… wohl gerade dabei«, sagt Trobi mit vol­lem Mund. Ich stehe am Herd. »Und?«, frage ich. »Nichts«, sagt Trobi. Dann schwei­gen beide, bis Trobi zu Ende geges­sen hat. Er fragt schließ­lich, ohne mich dabei anzu­se­hen: »Und, hast du’s getan?« Als ich nicke, sagt er: »Scheiße.«

Was immer mich auf mei­nem Sitz fest­ge­hal­ten hat: Einen Moment lang lässt die Kraft kurz nach. Ich springe auf und ramme mir dabei unbe­ab­sich­tig­ter­weise meine Weich­teile in einen Christ­baum­stän­der oder so was, der zwi­schen den Stüh­len raus­ragt. Keu­chend gehe ich zu Boden.

»Brin­gen wir’s hin­ter uns«, sagt Trobi. »Und wir kön­nen nichts tun?«, fragt mein ande­res, tod­ge­weih­tes Ich. Trobi schüt­telt den Kopf. Die bei­den ver­las­sen die Woh­nung.

Mir ist spei­übel von den höl­li­schen Schmer­zen im Unter­leib. Gekrümmt taste ich mich durch die Stuhl­reihe, schmeiße schep­pernd meh­rere Müll­ei­mer und einen Bruce Wil­lis aus Pappe um. Bloß raus hier!

Ich stehe im Trep­pen­haus, und die Tür zum ver­ges­se­nen Kino­saal fällt hin­ter mir ins Schloss. Ich ver­su­che, zu Atem zu kom­men und irgend­wie wie­der einen kla­ren Gedan­ken zu fas­sen. Aber alles, was mir in den Sinn kommt, sind die Anwei­sun­gen: wie­der abschlie­ßen und den Schlüs­sel unter die Matte ste­cken. So, wie sie Trobi auch bekom­men hatte. Ich schließe ab, zwei­mal, hätte auch drei­mal abge­schlos­sen, wenn sich der Schlüs­sel noch wei­ter­ge­dreht hätte. Aber ich ste­cke ihn nicht wie­der unter die Matte. Ich nehme ihn mit.

Der Typ an der Theke sieht mich schräg an. Wahr­schein­lich sehe ich jetzt wie Trobi aus am Tag danach: wie mein eige­ner Geist. Das Ende kenn ich schon, sag ich ihm, und natür­lich glaubt er, ich meine The Doors.

Drau­ßen regnet’s. Es schüt­tet aus allen Löchern. Und ich bin froh drü­ber, lasse das Was­ser in mein Gesicht plat­schen, bis ich das Gefühl habe, das alles ist ein böser Traum gewe­sen. Aber ich weiß natür­lich, was ich gese­hen habe.

Nächs­ten Sonn­tag werde ich wie­der­kom­men. Ich werde wie­der ein Ticket lösen, den Not­aus­gang neh­men, die Treppe run­ter­stei­gen und mich in die­ses Hor­ror­kino set­zen. Ich muss wis­sen, ob der­selbe Film läuft oder ein ganz ande­rer. Ist der Tag Null unaus­weich­lich fest­ge­legt, oder ändert sich jetzt meine Zukunft, weil ich einen Blick drauf wer­fen konnte? Mann, Scheiße, ich bin doch keine Mario­nette! Ich kann selbst bestim­men, was ich tu. Und was ich lasse – wie Nutel­laes­sen bei­spiels­weise. Und ich will’s auf kei­nen Fall vor­her wis­sen.

Eigent­lich will ich auch gar nicht wis­sen, ob ein ande­rer Film läuft. Oder der­selbe Tag Null. Ich werde ein­fach den Schlüs­sel jetzt schon in den Fluss wer­fen.

Soll ich?

Ja. Muss sein. Mit Schwung.

Weg ist er, irgendwo tief unten bei den Fischen!

Trobi werde ich erzäh­len, dass ich einen uralten Mann gese­hen hab, der auf einer Ter­rasse an einer Steil­küste auf einem Deck­stuhl saß, so, wie man auf einem Kreuz­fahrt­schiff sitzt, in eine Decke ein­ge­wi­ckelt und mit einem damp­fen­den Tee neben sich. Und dass ich ein Tele­fon in der Hand hatte und eine Num­mer wählte: »He, Trobi, altes Haus. Hab ich’s nicht gesagt? Weil wir das Ende kann­ten, konn­ten wir’s bes­ser machen!«

Und dann sagte der alte Mann im Film noch: »Ja. Heute ist wohl der Tag. Ich mag’s, wenn’s drau­ßen auf dem Meer Schaum­kro­nen gibt.« Und als Ant­wort wohl auf ein »Mach’s gut« von Trobi sagte er grin­send »Mach’s bes­ser!«, bevor er auf­legte.

Dann flog die Kamera von ihm weg, von der Ter­rasse weg und von der Steil­küste weg, immer wei­ter weg, bis die Erde nur noch ein win­zi­ger Punkt zwi­schen den Ster­nen war.

Das habe ich gese­hen. So war das, mein Tag Null. Kann man mit leben, oder?

Und Nutella rühr ich mei­nen Leb­tag nicht an, ich schwör’s!

287/398

Han­di­works Scat

LogoSwitch language

 
 
 

Ich betrete den Kor­ri­dor. An den schier end­los lan­gen Wän­den hän­gen die nach­ge­dun­kel­ten Por­träts frü­he­rer Bewoh­ner, und dazwi­schen gibt es zahl­rei­che Türen, schwere höl­zerne Türen mit polier­ten Klin­ken. Ich werfe einen Blick auf die Schlös­ser – sie schei­nen alle völ­lig unter­schied­lich zu sein: moderne Sicher­heits­schlös­ser, Kom­bi­na­ti­ons­schlös­ser, antike Schnapp­schlös­ser … Kniff­lige Her­aus­for­de­run­gen dar­un­ter, auch für einen Profi wie mich.

Ich sehe den Schloss­herr fra­gend an: Wel­ches soll es denn sein?

Er weist den Kor­ri­dor ent­lang: Alle, und die in den ande­ren Kor­ri­do­ren auch; lei­der sind sämt­li­che Schlüs­sel ver­lo­ren­ge­gan­gen.

Ich schlu­cke. Das sieht ja fast nach einer Lebens­auf­gabe für mich aus.

Der Schloss­herr nickt lächelnd und lässt mich allein. Ich atme tief durch und öffne mei­nen Werk­zeug­kof­fer.

306/398

(Real) No-Brai­ner

LogoSwitch language

 
 
 

Ich betrete den Kor­ri­dor zwi­schen den Ser­vern und schiebe mei­nen Werk­zeug­wa­gen durch die rie­sige Halle. Heute ist der Tag! Früh am Mor­gen kam die SMS, dass es soweit ist: Wir schla­gen zu. Welt­weit bege­ben sich die Mit­glie­der mei­nes Teams in die gro­ßen Ser­ver­räume, und um genau 12 Uhr MEZ las­sen wir dort unsere Bom­ben hoch­ge­hen.

Nine-Ele­ven, der 11. Sep­tem­ber, war nur ein klei­ner Vor­ge­schmack. Dies­mal zer­stö­ren wir mit einem Schlag das gesamte Inter­net, diese Quelle des Bösen und Ver­derb­ten. Der Wes­ten wird strau­cheln und stür­zen.

Wir alle, die wir uns jah­re­lang auf diese Aktion im Namen Got­tes und unse­res Anfüh­rers vor­be­rei­tet und unter fal­schem Namen in die Ser­ver­far­men ein­ge­schleust haben, wer­den ster­ben, aber Allah wird uns als Mär­ty­rer reich beloh­nen. Und damit die Ungläu­bi­gen wis­sen, wem sie die­sen Schlag zu ver­dan­ken haben, haben wir eine Web­site vor­be­rei­tet, auf der unsere Beken­ner­vi­deos zu sehen und zu hören sind – damit sie unsere Fami­lien mit Stolz erfül­len.

Die Bombe ist im Werk­zeug­wa­gen ver­steckt. Nie­mand hier ahnt etwas, nie­mand hat mir etwas ange­merkt. Gleich ist es 12 Uhr MEZ. Ich lege die Hand an den Zün­der. Aber Augen­blick mal! Wol­len wir tat­säch­lich der Welt die Zer­stö­rung des Inter­nets mit einer Web­site mit­tei­len? Ist das nicht ein Denk­feh­ler? All­mäch­ti­ger! Es ist Punkt zwölf. Ich müsste jetzt die Bombe zün­den. Meine Hand zit­tert. Soll ich diese Ser­ver hier nicht bes­ser aus­spa­ren? Wenigs­tens sie?

Ja. Sonst wäre alles ver­ge­bens.

Ich muss die­ses Opfer brin­gen. Es gibt kei­nen ande­ren Weg.

318/398

A vida é um cír­culo

LogoSwitch language

 
 
 

Ich betrete den Kor­ri­dor und stoße mit dem Schuh an ein Drei­rad aus Plas­tik. Dafür bin ich zwar deut­lich zu groß, aber ich mache den Zwil­lin­gen die Freude und hocke mich unge­lenk auf den klei­nen Kin­der­sitz. Sie haben aus gro­ßen Kar­tons und Span­plat­ten in unse­rem klei­nen Gar­ten eine »Geis­ter­bahn« gebaut, und jetzt darf ihr Papa sie tes­ten.

Meine Beine sind zu lang, und meine Füße pas­sen nicht auf die Pedale. Also drü­cke ich sie in den Rasen und schiebe das Drei­rad durchs Gras voran ins Dun­kel. Links steht eine Art Vogel­scheu­che mit her­aus­hän­gen­den Aug­äp­feln. Ich höre sie keu­chen. Ein wenig gru­se­lig ist es schon. Mit ihren Lum­pen erin­nert sie mich an meine heim­lich Angst davor, das ganze Sys­tem könne schon bald zusam­men­bre­chen und uns alle zu Bett­lern machen.

Am Ende des Tun­nels fla­ckert ein Licht, ver­lischt aber dann. Ich stehe im Dun­keln, wie damals, als es kurz so aus­sah, dass die Par­tei mich fal­len­lässt und meine Frau mir den Lauf­pass gibt. Eulen flat­tern auf und krei­schen, ich spüre ihre Flü­gel in mei­nen Haa­ren und erschre­cke ein wenig, weil ich die Ori­en­tie­rung ver­liere. Erst letz­tens hatte ich wie­der einen die­ser Alp­träume vom Abitur, in denen ich den rich­ti­gen Klas­sen­raum nicht finde und völ­lig unvor­be­rei­tet bin.

Es fällt Schnee, und plötz­lich starrt mich von rechts mit glü­hen­den Augen ein Mons­ter an. Es sagt mit dunk­ler Stimme: »Wenn du nicht brav bist, mein Klei­ner, holt dich der schwarze Streu­ner!« Meine Füße fin­den jetzt doch Platz auf den Peda­len, und ich trete kräf­tig hin­ein, um schnell an dem Mons­ter vor­bei­zu­kom­men. Zwar habe ich es noch nie gese­hen, aber die Stimme und seine schre­cken­er­re­gende Ankün­di­gung habe ich schon oft gehört, im Kel­ler mei­ner Kind­heit, und längst wie­der ver­ges­sen. Erst jetzt kommt mir das alles wie­der zu Bewusst­sein.

Selt­sam. Ich habe mei­ner Frau und mei­nen Kin­dern nie von dem Mons­ter erzählt.

Der Kor­ri­dor macht eine Bie­gung und führt ins Freie, ins helle Tages­licht. Ich strample mit aller Kraft, um über das Gras zu kom­men. Eigent­lich erwarte ich das Lachen und Krei­schen der Zwil­linge, aber der Gar­ten ist leer. Merk­wür­dig ist: Er sieht genau aus wie der kleine Gar­ten an mei­nem Eltern­haus, einer Dop­pel­haus­hälfte in der Vor­stadt. Am stäm­mi­gen, knor­ri­gen Kirsch­baum hängt eine Schau­kel. Meine Schau­kel.

Ich steige ab. Das Gras kit­zelt mir die nack­ten Füße. Die Schau­kel hängt hoch. Seit ich lau­fen kann, hängt mein Vater sie, je grö­ßer ich werde, immer höher, damit ich klet­tern lerne und kräf­tige Arme bekomme. Ich ziehe mich hin­auf.

»Essen fas­sen!«, ruft meine Mut­ter aus der Veran­da­tür, »Füt­te­rung der Raub­tiere!« Ich springe von der Schau­kel und laufe die Stu­fen zur Veranda hoch, stol­pere fast vor Begeis­te­rung über meine eige­nen Füße: Hieß es nicht, heute gibt es Pom­mes mit Ket­chup?

»Holst du mir schnell noch ein Glas Apfel­mus aus dem Kel­ler?«, fragt mich Mama. Ich erstarre und schüttle den Kopf. »Jetzt komm schon, du bist doch schon groß. Da hat man doch keine Angst mehr vor Mons­tern.« Ich schüttle ver­stockt den Kopf. »So ein klei­ner Schis­ser«, sagt meine Mut­ter kopf­schüt­telnd, aber sie lächelt dabei und strei­chelt mir durch die Haare. »Was soll bloß mal aus dir wer­den?«

325/398

Enga undank­o­mu­leið

LogoSwitch language

 
 
 

Ich betrete den Kor­ri­dor, und gleich­zei­tig zer­platzt meine Hoff­nung, hier end­lich den Aus­gang zu fin­den, wie eine Sei­fen­blase: In die­sem Kor­ri­dor war ich schon! Ich muss im Kreis gelau­fen sein. Zu dumm aber auch.

»Nimm’s nicht per­sön­lich, mein Freund«, ertönt eine Stimme. Doch es ist kein »Freund«, der da in einer Nische seine Staf­fe­lei auf­ge­baut hat und sei­nen Pin­sel schwingt. Ich ant­worte mit einem abfäl­li­gen Lachen, wäh­rend ich zu ihm trete.

»Am Anfang«, sagt er, ohne den Blick von sei­ner Lein­wand zu wen­den, »habe ich auch wie ein Ver­rück­ter den Aus­gang gesucht. Obwohl ich ja wusste, du hat­test alles dafür getan, dass ich ihn nie­mals fin­den kann.«

Ich ver­su­che, einen Blick auf das Bild zu erha­schen, das er malt, doch ver­tritt er mit mit sei­nem mas­si­gen Kör­per den Weg.

»Irgend­wann«, fährt er unge­rührt fort, »wurde mir klar, dass es nicht um den Aus­gang geht. So wenig wie um den Ein­gang. Selbst wenn ich das Ende die­ser end­los ver­schlun­ge­nen Flure und Gänge erreicht hätte, wäre es nur ein neuer Anfang gewe­sen.«

Dass er immer gleich in Pathos ver­fal­len muss! Aber es fällt nie­man­dem leicht, das eigene Schei­tern ein­zu­ge­ste­hen. Ver­mut­lich braucht er das so. Als er ein wenig zur Seite tritt, um an einer ande­ren Ecke sei­nes Bil­des wei­ter­zu­ar­bei­ten, nutze ich die Gele­gen­heit und beuge mich vor, zu ihm in die Nische hin­ein. Sein Gemälde zeigt den Kor­ri­dor, in dem wir uns befin­den; jeder ein­zelne Stein­block in den Wän­den ist kunst­voll aus­ge­führt. Eine Stelle in der Mitte des Bil­des aller­dings hat er frei­ge­las­sen, ver­mut­lich, um eine Figur hin­ein­zu­zeich­nen. Ihn selbst? Oder mich, den Erbauer, gefan­gen in sei­ner eige­nen Schöp­fung?

»Es geht«, fährt er fort, »um die Erkennt­nisse am Weges­rand. Um die Dinge, an denen wir bei unse­rer mani­schen Suche nach dem Aus­weg acht­los vor­über­ge­hen. Du bemerkst sie erst beim zwei­ten oder drit­ten Mal. Hin­ter­her kannst du kaum ver­ste­hen, wie du sie jemals über­se­hen konn­test.«

»Wovon sprichst du?«, frage ich unge­hal­ten.

»Von dem, was dir Halt gibt. Von dem, was dich mit einer Freude erfüllt, die nichts und nie­mand trü­ben kann. Von Erleuch­tung, einem inne­ren Licht, das nie wie­der ver­lö­schen wird. Von etwas, das man nicht suchen kann, nur fin­den.«

»Wenn du brüllst und wütest ist mir das viel lie­ber, als wenn du so pathe­tisch daher­re­dest. Du bist das Unge­heuer, das Ani­ma­li­sche, der Men­schen­fres­ser. Es wirkt lächer­lich, wenn du aus der Rolle fällst.«

Er skiz­ziert jetzt eine Figur mit selt­sa­mer, eng anlie­gen­der Klei­dung. Ich kann nicht erken­nen, ob es sich um einen Mann oder eine Frau han­delt. »Wer soll das sein?«, frage ich.

»Jemand aus fer­ner Zukunft. Ein Mensch, der sich fragt, was er in den Kor­ri­do­ren wohl über­se­hen haben könnte. Woran er acht­los vor­über­ge­schrit­ten ist.«

»Ja, gewiss, und der Kor­ri­dor ist das Leben, das Laby­rinth ist die Welt, und Schweine kön­nen flie­gen. Ich sag dir was, auch wenn’s dir nicht gefal­len wird: Du bist in die­sen Gemäu­ern ver­rückt gewor­den und hast den Ver­stand ver­lo­ren. Wenn du je wel­chen beses­sen hast.«

Er schnaubt bedroh­lich, und ich trete schnell einen Schritt zurück, aus der Reich­weite sei­ner Hör­ner her­aus.

»Versuch’s mit Bie­nen­wachs und einem Hau­fen Federn«, sagt er. Ich weiß nicht, wovon er spricht. Aber was erwarte ich mir auch von ihm? Er kann mir bei der Suche nicht hel­fen. Ich bin es, der sich hier selbst über­tref­fen muss. Wie konnte ich mich nur vom König aus­trick­sen und in die eigene Falle wer­fen las­sen?

Ich eile wei­ter durch das Laby­rinth, ein Bau­werk, das ich zu dem Zweck ent­wor­fen habe, dass es unmög­lich ist, hin­aus­zu­fin­den. Aber das soll mich nicht wei­ter auf­hal­ten.

352/398

Svi­kinn Rök

LogoSwitch language

 
 
 

Ich betrete den Kor­ri­dor. Die Tür zu Saal 2 schwingt zu. Der Abspann ist durch­ge­lau­fen, der letzte Ton der Film­mu­sik ver­klun­gen – wei­ter geht’s mit einer schein­bar nie enden­den sub­jek­ti­ven Kame­ra­fahrt durch lebens­echte und lie­be­voll aus­staf­fierte Kulis­sen, mit Dar­stel­lern, die ganz in ihren Rol­len auf­ge­hen, mit einer Geschichte, wie sie nur das Leben schrei­ben kann. (Und die Iden­ti­fi­ka­tion mit der Haupt­fi­gur könnte voll­kom­me­ner kaum sein, nicht wahr?)

364/398

Niður­brot

LogoSwitch language

 
 
 

Ich betrete den Kor­ri­dor. Oder bes­ser: Der Kor­ri­dor betritt mich. Denn habe ich nicht, wie mir mein Meis­ter immer wie­der vor Augen geführt hat, die Welt in mir? Es riecht eigen­ar­tig, und alles ist feucht und schlei­mig. Die Wände sehen eigen­ar­tig aus. Sie sind zer­furcht, und wel­len­för­mige Zuckun­gen durch­lau­fen sie. Ich will fort, doch ich rut­sche aus, falle zwi­schen die Fal­ten, und sie geben mich trotz mei­ner Gegen­wehr nicht mehr frei, son­dern fan­gen an, mit ihren Säu­re­ab­son­de­run­gen meine Haut zu zer­set­zen. Ich kann mich täu­schen, aber allem Anschein nach beginnt gerade mein eige­ner Magen mich zu ver­dauen.