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Enga undankomuleið
Ich betrete den Korridor, und gleichzeitig zerplatzt meine Hoffnung, hier endlich den Ausgang zu finden, wie eine Seifenblase: In diesem Korridor war ich schon! Ich muss im Kreis gelaufen sein. Zu dumm aber auch.
»Nimm’s nicht persönlich, mein Freund«, ertönt eine Stimme. Doch es ist kein »Freund«, der da in einer Nische seine Staffelei aufgebaut hat und seinen Pinsel schwingt. Ich antworte mit einem abfälligen Lachen, während ich zu ihm trete.
»Am Anfang«, sagt er, ohne den Blick von seiner Leinwand zu wenden, »habe ich auch wie ein Verrückter den Ausgang gesucht. Obwohl ich ja wusste, du hattest alles dafür getan, dass ich ihn niemals finden kann.«
Ich versuche, einen Blick auf das Bild zu erhaschen, das er malt, doch vertritt er mit mit seinem massigen Körper den Weg.
»Irgendwann«, fährt er ungerührt fort, »wurde mir klar, dass es nicht um den Ausgang geht. So wenig wie um den Eingang. Selbst wenn ich das Ende dieser endlos verschlungenen Flure und Gänge erreicht hätte, wäre es nur ein neuer Anfang gewesen.«
Dass er immer gleich in Pathos verfallen muss! Aber es fällt niemandem leicht, das eigene Scheitern einzugestehen. Vermutlich braucht er das so. Als er ein wenig zur Seite tritt, um an einer anderen Ecke seines Bildes weiterzuarbeiten, nutze ich die Gelegenheit und beuge mich vor, zu ihm in die Nische hinein. Sein Gemälde zeigt den Korridor, in dem wir uns befinden; jeder einzelne Steinblock in den Wänden ist kunstvoll ausgeführt. Eine Stelle in der Mitte des Bildes allerdings hat er freigelassen, vermutlich, um eine Figur hineinzuzeichnen. Ihn selbst? Oder mich, den Erbauer, gefangen in seiner eigenen Schöpfung?
»Es geht«, fährt er fort, »um die Erkenntnisse am Wegesrand. Um die Dinge, an denen wir bei unserer manischen Suche nach dem Ausweg achtlos vorübergehen. Du bemerkst sie erst beim zweiten oder dritten Mal. Hinterher kannst du kaum verstehen, wie du sie jemals übersehen konntest.«
»Wovon sprichst du?«, frage ich ungehalten.
»Von dem, was dir Halt gibt. Von dem, was dich mit einer Freude erfüllt, die nichts und niemand trüben kann. Von Erleuchtung, einem inneren Licht, das nie wieder verlöschen wird. Von etwas, das man nicht suchen kann, nur finden.«
»Wenn du brüllst und wütest ist mir das viel lieber, als wenn du so pathetisch daherredest. Du bist das Ungeheuer, das Animalische, der Menschenfresser. Es wirkt lächerlich, wenn du aus der Rolle fällst.«
Er skizziert jetzt eine Figur mit seltsamer, eng anliegender Kleidung. Ich kann nicht erkennen, ob es sich um einen Mann oder eine Frau handelt. »Wer soll das sein?«, frage ich.
»Jemand aus ferner Zukunft. Ein Mensch, der sich fragt, was er in den Korridoren wohl übersehen haben könnte. Woran er achtlos vorübergeschritten ist.«
»Ja, gewiss, und der Korridor ist das Leben, das Labyrinth ist die Welt, und Schweine können fliegen. Ich sag dir was, auch wenn’s dir nicht gefallen wird: Du bist in diesen Gemäuern verrückt geworden und hast den Verstand verloren. Wenn du je welchen besessen hast.«
Er schnaubt bedrohlich, und ich trete schnell einen Schritt zurück, aus der Reichweite seiner Hörner heraus.
»Versuch’s mit Bienenwachs und einem Haufen Federn«, sagt er. Ich weiß nicht, wovon er spricht. Aber was erwarte ich mir auch von ihm? Er kann mir bei der Suche nicht helfen. Ich bin es, der sich hier selbst übertreffen muss. Wie konnte ich mich nur vom König austricksen und in die eigene Falle werfen lassen?
Ich eile weiter durch das Labyrinth, ein Bauwerk, das ich zu dem Zweck entworfen habe, dass es unmöglich ist, hinauszufinden. Aber das soll mich nicht weiter aufhalten.