Korridorium

1x täglich Kurzprosa mit Soundtrack vom 11/11/11 bis 12/12/12

Tag: Nous

193/398

Anāt­man

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Ich betrete den Kor­ri­dor mit hän­gen­den Schul­tern. Es ist schreck­lich, den Meis­ter ent­täuscht zu haben. Er hat sich sol­che Mühe mit mir gege­ben, immer wie­der neu ver­sucht, mei­nen Geist zu schu­len und mir klar vor Augen zu füh­ren, dass alles, was ich erlebe, blo­ßer Schein ist, ein Gau­kel­spiel, der Schaum der Dinge.

Doch ich kann die Illu­sion ein­fach nicht los­wer­den, dass ich, ich selbst, der Fokus die­ses Erle­bens, real bin. Dass ich wirk­lich exis­tiere. Ich denke doch, ich fühle, ich mache Erfah­run­gen! Wie soll ich da nicht exis­tie­ren und bloß Ein­bil­dung sein?

Was hat der Meis­ter mit mir nicht alles schon ver­sucht?
 
Von

  • Logik (Bewusst­sein gibt es nicht im Plu­ral),
  • Phi­lo­so­phie (Atman und Brah­man sind eins),
  • Para­dox (der Kōan von der einen klat­schen­den Hand),
  • Traum­yoga (Besu­che des Meis­ters in mei­nen Träu­men, um mir zu zei­gen, dass auch ich selbst nur ein Traum bin, der sich selbst träumt),
  • Wis­sen­schaft (die Grand-Illu­sion-Videos von Susan Black­more),
  • Mys­tik (»Mein Zucker ist in dir zer­schmol­zen, o Milch des Lebens, milde, reine«)

über

  • medi­ta­ti­ves Trai­ning (tage­lan­ges Sit­zen im Nicht­den­ken),
  • Sur­rea­lis­mus (Jim Hen­sons The Cube: Erd­beer­mar­me­lade) und sogar
  • Gewalt (unver­mit­telte Faust­schläge ins Gesicht, wie sie manch einem Adep­ten Erleuch­tung gebracht haben sol­len)

bis hin zu

  • einer »Snooze-Taste« für meine Gedan­ken (die er mit­tels NLP bei mir zu ver­an­kern suchte),
  • hart­nä­cki­gem Igno­rie­ren (nicht nur mei­ner Fra­gen, son­dern auch mei­nes zuneh­men­den Hun­gers),
  • aus­ge­dehn­ten Man­dala-Betrach­tun­gen (M.C.-Escher-Kachelungen mit der Frage »Wo ist das Zen­trum?«) und sogar
  • bud­dhis­ti­scher Dun­kel­the­ra­pie.

Doch mein angeb­lich illu­sio­nä­res Ich ließ sich von all­dem nicht beein­dru­cken. Nicht meine Vor­stel­lung, ein Indi­vi­duum zu sein, zer­brö­ckelte bei die­sem Ansturm, son­dern meine Vor­stel­lung, es gäbe da etwas wie eine feste Welt um mich herum.

Schließ­lich gab mein Meis­ter seine Bemü­hun­gen auf. Ich hatte es schon kom­men sehen, dass er mich irgend­wann an den legen­dä­ren Ort schi­cken wird, von dem seine Schü­ler nur hin­ter vor­ge­hal­te­ner Hand spre­chen: den Kor­ri­dor der Ver­sa­ger, den Kor­ri­dor der Solip­sis­ten. Nie­mand kehrte je zurück, heißt es, aus die­sem Gang, den das Was­ser des klei­nen Flus­ses in den Bauch des Ber­ges gefres­sen hat, in dem er dann spur­los ver­schwin­det.

Auch ich werde spur­los ver­schwin­den. Ein paar Tage, viel­leicht Wochen lang wer­den meine Mit­schü­ler noch mei­nen Namen im Munde füh­ren, hin­ter vor­ge­hal­te­ner Hand flüs­ternd, als abschre­cken­des Bei­spiel für einen Unein­sich­ti­gen, Unbe­lehr­ba­ren, einen, der sich an das große Trug­bild klam­mert und ein­fach nicht los­las­sen will. Aber bald schon, bald bin ich ver­ges­sen und ver­gan­gen.

Der Abstieg ins Dun­kel ist schwie­rig. Ich bin schon völ­lig durch­nässt, die Kälte kriecht in mein Inne­res. Ich zit­tere am gan­zen Leib, auch weil mich Todes­angst erfasst. Dass das Ich nicht ster­ben kann, weil es gar nicht exis­tiert, kann mich nicht trös­ten, auch jetzt nicht. Ich höre ein ver­zwei­fel­tes Jam­mern, und nach eini­ger Zeit merke ich, dass es aus mei­nem eige­nen Mund kommt. Ich ver­stumme.

Am Klang des Was­sers höre ich, dass ich einen gro­ßen Höh­len­raum betrete. Ich glaube, einen Licht­schim­mer hoch über mir wahr­zu­neh­men. Ist das eine Treppe, die in den Fels geschla­gen wurde? Sie führt hin­auf, dem Schim­mer ent­ge­gen. Ich setze mich im Lotos­sitz auf den nack­ten Fels und schließe die Augen. Viel­leicht hat sich das jah­re­lange Trai­ning ja doch irgend­wie gelohnt.

Nicht ich werde diese Stu­fen betre­ten und hin­auf­stei­gen. Nicht ich.

 

195/398

Dream Ques­ti­ons Med­ley Eo ipso

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Ich betrete den Kor­ri­do­rium-Dop­pel­de­cker­bus jetzt schon zum vier­ten Mal. Seine Rund­reise durch die deut­sche Pro­vinz führt jeden Monat ein­mal in mein klei­nes Städt­chen, und zum Ser­vice zählt, dass man sich im Inter­net oder tele­fo­nisch anmel­det, dann am spä­ten Abend von zu Hause abge­holt und am nächs­ten Mor­gen wie­der dort abge­setzt wird.

Es ist ähn­lich wie die Shut­tle­busse für die Club­nächte in Ber­lin, außer, dass es sich hier beim Bus selbst um den Club han­delt. Jeden Monat wech­selt die Frage, mit der man sich auf seine nächt­li­che Reise begibt, und natür­lich wech­selt auch die Route, mit der immer wie­der andere Fahr­gäste auf­ge­ga­belt wer­den. Sind alle Rei­sen­den an Bord, parkt der Bus irgendwo außer­halb der Stadt – so zumin­dest mein Ein­druck von den ers­ten drei Tou­ren, denn man kann die Fens­ter zwar einen Spalt öff­nen und Frisch­luft her­ein­las­sen, aber sie sind blick­dicht, so dass ich da nur von mei­nem Hör­ein­druck aus­ge­hen kann.

Beim ers­ten Mal könnte es eine Auto­bahn­brü­cke gewe­sen sein: Immer wie­der misch­ten sich die Fahr­ge­räu­sche von Autos und Lkws in die lei­sen Ambi­ent-Klänge. Beim zwei­ten Mal meine ich einen Fluss gehört zu haben, wobei ich eigent­lich nichts in der Umge­bung kenne, das so fröh­lich glu­ckert. Das war die Reise mit der Frage »Was ist Traum (und wohin, wenn ich erwa­che)?« Ich kann mich zwar nicht daran erin­nern, sie im Kor­ri­do­rium-Blog gele­sen zu haben, aber the­ma­tisch passt sie natür­lich.

Beim drit­ten Mal habe ich ent­deckt, dass man sich im hin­te­ren Teil des Bus­ses auf Kis­sen hocken kann. Hier sitzt, die ganze Nacht lang, der DJ, nur beleuch­tet vom fah­len Licht sei­nes Lap­tops und den blin­ken­den LEDs sei­ner Geräte. Hier­her setzt sich gele­gent­lich auch die Frau, die im Bus mit der Ther­mos­kanne her­um­geht, uns Rei­sen­den die Frage der Nacht stellt und immer wie­der Tee nach­schenkt.

Die Musik, der umge­baute, fast völ­lig abge­dun­kelte Bus und die Frage, die immer wie­der flüs­ternd über die Laut­spre­cher ein­ge­spielt wird, erzeu­gen eine ganz eigen­ar­tige und beson­dere Atmo­sphäre. Ich habe ver­sucht, Freun­den davon zu erzäh­len. Einer hörte kopf­schüt­telnd zu und fasste irgend­wann zusam­men: »Also ein Selbst­fin­dungs­trip!« Ich wollte das weder beja­hen noch ver­nei­nen. Immer­hin schwebe ich fast die ganze Nacht durch im Zwi­schen­be­reich von Schlaf, Traum und inten­si­ven Gedan­ken. »Hast du die Fra­gen denn beant­wor­tet?«, fragte er noch. Habe ich? Schwer zu sagen. Die dritte lau­tete »Wo fin­det Bewusst­sein statt (und was hab ich davon)?«, und, ja, irgend­wie habe ich eine Ant­wort gefun­den. Um den Bus war es ganz still, bis dann mor­gens ein viel­stim­mi­ges Vogel­kon­zert ein­setzte. Offen­bar parkte er bei der drit­ten Tour neben einem Wald­stück. Und da kam mir eine Ant­wort. Nicht wirk­lich auf diese Frage, und ich kann die Ant­wort auch nicht wirk­lich in Worte fas­sen – aber mir kam eine Erkennt­nis, für die sich eine Nacht, in der ich kaum geschla­fen habe, mehr als gelohnt hat.

Gibt’s Dro­gen? Sex? Steckt eine Sekte dahin­ter? Mei­nen Freun­den ist die »mobile Musik­me­di­ta­tion« suspekt, und sie suchen den Haken an der Sache. Letzt­lich gibt den Aus­schlag, dass kei­ner von ihnen frei­wil­lig auf sei­nen kost­ba­ren Schlaf ver­zich­ten will.

So bin ich wie­der allein auf die nächt­li­che Reise gegan­gen. Ich kuschle mich in meine Koje, umschwebt von lei­sen Har­mo­nien, in die hin­ein eine Stimme flüs­tert: »Wohin führt Klang (und in wel­che Reso­nanz die Stille)?« Selt­same Fra­gen sind es, die den Kor­ri­do­rium-Bus durch die Nacht glei­ten las­sen. Sie gewin­nen im Halb­schlaf ein ver­rück­tes Eigen­le­ben und ver­schaf­fen mir wert­volle Erkennt­nisse, wie über­haupt des Nachts Dinge in mei­nem Kopf vor sich gehen, von denen ich vor­her kei­nen Schim­mer hatte.

 

207/398

Wel­come to the Illu­mi­Na­tion

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Ich betrete den Kor­ri­dor der Wah­ren Erkennt­nis. Mein Blick fällt auf ein Schild direkt am Ein­gang: Pik­to­gramme wei­sen mich dar­auf hin, dass ab hier weder Film- noch Foto­auf­nah­men erlaubt sowie Mit­schrei­ben und sogar ‑den­ken nicht gestat­tet sind. Schade. Ich hätte hier an die­ser Stelle wirk­lich gerne davon berich­tet.

(Die Ton­auf­nahme, die ich ille­ga­ler­weise anfer­tige, gibt spä­ter nur ein minu­ten­lan­ges lei­ses Rau­schen wie­der.)

 

208/398

Howdy You Con­Su­me­ri­ans

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Ich betrete den Kor­ri­dor der Waren-Erkennt­nis. Mein Blick fällt auf nicht enden wol­lende Regale mit Edel­pro­duk­ten und Luxus­ar­ti­keln, Zeug­nisse der gren­zen­lo­sen mensch­li­chen Krea­ti­vi­tät und Pro­fit­gier – und mei­ner gren­zen­lo­sen Dumm­heit, immer wie­der rein­zu­fal­len auf die Ver­spre­chun­gen, dass sich meine innere Sehn­sucht durch Äußer­lich­kei­ten stil­len lässt, statt dass ich unbe­irrt den Weg zur Wah­ren Erkennt­nis wei­ter­gehe – weil es ein­fach viel zu viel tolle Sachen gibt, die ich vor­her alle unbe­dingt noch haben muss.

214/398

Kas­ta­li­ens Mön­che

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Ich betrete den Kor­ri­dor sei­nes Haus­boots und über­rei­che mei­nem Freund Norbu eine Fla­sche Rot­wein, die er lächelnd ent­ge­gen­nimmt. »Gehen wir nicht auf die Ter­rasse?«, frage ich. Norbu schüt­telt den Kopf: »Zu viele Mücken um diese Zeit. Set­zen wir uns ins Wohn­zim­mer.« Der Son­nen­un­ter­gang über dem See lässt sich mit einem Glas Bar­ba­roux auch von hier genie­ßen.

»Hesse«, sagt mein Freund unver­mit­telt – seine Art, ein Thema in den Raum zu stel­len. »Der Step­pen­wolf«, ant­worte ich, »das magi­sche Thea­ter – war Schul­lek­türe für mich.« In Nor­bus Augen ent­de­cke ich einen Wider­schein des Abend­rots am Hori­zont. »Alles war Mär­chen, Spiel und Sym­bol«, sagt er, und ich ver­mute, dass es ein Zitat ist, »aber ich wollte auf sei­nen letz­ten Roman hin­aus, Das Glas­per­len­spiel.« – »Von dem man­che sagen, es habe sich bereits ver­wirk­licht: mit dem Inter­net.«

Norbu lacht. »Dazu braucht es eine deut­lich höhere Zahl als eine Zwei vor Punkt und Null.« Er blickt nach­denk­lich in den Him­mel. Von der Som­mer­sonne ist jetzt nur noch der Wider­schein zu sehen. »Meme in immer neuen Kom­bi­na­tio­nen – ich frage mich, ob das zu etwas füh­ren kann.«

Meme.

Damit meint mein Freund Norbu nicht etwa nur Inter­net-Meme, son­dern viel all­ge­mei­ner: kom­mu­ni­zier­bare und damit wei­ter­zu­ge­bende gedank­li­che Inhalte. Zu denen dann auch virale Videos gehö­ren. Ein erfolg­rei­ches Mem ist jeden­falls eine Vor­stel­lung, die sich in den Köp­fen mög­lichst vie­ler Men­schen fest­setzt.

Und rich­tig: Hes­ses Ordens­brü­der wid­men sich im Grunde der Ver­knüp­fung von Memen, auch wenn es das Wort damals noch nicht gege­ben hat. Denn Meme las­sen sich – deut­lich schnel­ler als ihre mate­ri­el­len Gegen­stü­cke, die Gene – mutie­ren und wei­ter­ent­wi­ckeln. Kul­tur, könnte man sagen, ist ein mem­tech­ni­sches Ver­fah­ren.

»Wozu sollte das Glas­per­len­spiel im Roman die­nen?«, fragt mich mein Freund Norbu. Ich zucke mit den Schul­tern: »Zum Zeit­ver­treib? Zur Erkennt­nis?« – »Genau. Was aber, wenn die Erkennt­nis ist, dass alles, was es gibt, nur auf eine unend­li­che Zahl von Kom­bi­na­tio­nen hin­aus­läuft? Was bleibt dann?« Wie­der zucke ich mit den Schul­tern. Norbu gibt die Ant­wort selbst: »Zeit­ver­treib.«

»Unsinn«, pro­tes­tiere ich, »was ist mit der Bekämp­fung des Leids und der Gier, der Befrie­di­gung der Grund­be­dürf­nisse aller, der Schaf­fung einer ver­ein­ten Mensch­heit mit Wert­schät­zung aller indi­vi­du­el­len Facet­ten …?« Norbu unter­bricht mich: »Nun, Neu­kom­bi­na­tio­nen von Memen kön­nen sicher­lich die rich­ti­gen Ideen und damit die rich­ti­gen Lösun­gen für all das erge­ben. Und dann? Und dann?« Er blickt mich auf­for­dernd an. Ich ringe nach Wor­ten, gebe es aber bald auf.

»Warum wohl«, fragt Norbu, nach­dem er sich noch einen Schluck Rot­wein hat schme­cken las­sen, »sind es bei Hesse Glas­per­len – die klei­nen far­bi­gen Kugeln, wie man sie Natur­völ­kern schenkt, die ganz ver­ses­sen danach sind, weil sie so schön schim­mern und schil­lern?«

Ich hänge mit mei­nen Gedan­ken ein paar Schritte zurück. Die rich­ti­gen Lösun­gen für alles? Alles?! »Es wer­den nie alle Pro­bleme gelöst sein«, pos­tu­liere ich, »sie wach­sen nach. Sie lie­gen in der Natur der Sache.«

Norbu wiegt den Kopf wie ein Inder, der Ja sagt, aber Nein meint. »Sicher. Bei einer Unzahl von Kom­bi­na­ti­ons­mög­lich­kei­ten erge­ben sich auch alle mög­li­chen und unmög­li­chen Pro­bleme. Das Pro­blem ist: Sind wir viel­leicht nicht anders als die Natur­völ­ker, die glau­ben, die Glas­per­len seien über­aus kost­bar, wobei es in Wahr­heit nur mehr oder weni­ger wert­lose Abfall­pro­dukte sind? Und tau­schen wir nicht beden­ken­los unser Gold dage­gen ein?«

Ich ver­su­che, ihm zu fol­gen. Wie so oft ist es nicht ganz ein­fach. »Was wäre dann das Gold für uns?«, frage ich. Doch mein Freund Norbu schweigt und schwenkt vor dem rot­gol­den leuch­ten­den Him­mel genie­ße­risch den Rest Bar­ba­roux in sei­nem Glas.

 

216/398

Jolt

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Ich betrete den Kor­ri­dor nor­ma­ler­weise zuerst in mei­ner Vor­stel­lung, dann lasse ich die Tat fol­gen. So, wie ich immer zuerst in Gedan­ken vor­for­mu­liere, was ich dann zu Papier bringe.

Heute aber mache ich das Ganze mal umge­kehrt. Also: Erst die Tat, dann das Nach­den­ken dar­über – schließ­lich heißt es ja auch Nach- und nicht Vor­den­ken.

Über­ra­schen­der­weise stellt sich her­aus, dass ich das Nach- ebenso wie das stän­dige Vor­weg­den­ken genauso gut weg­las­sen kann. Es bleibt: das reine Tun, die nackte Hand­lung, der pure Kor­ri­dor ohne jedes gedank­li­che Brim­bo­rium – und eine ange­nehme, wei­che Stille in mei­nem Kopf.

220/398

The Chase

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Ich betrete den Kor­ri­dor schwe­bend und zeit­lu­pen­haft lang­sam, um dann plötz­lich über­mensch­lich schnell durch wei­tere Kor­ri­dore, durch Durch­gänge und um Ecken zu schie­ßen, dabei aber immer wie­der kurz in Zeit­lupe ver­fal­lend, wor­auf­hin die irr­sin­nige Jagd durch das Laby­rinth sofort wei­ter­geht, bis die Kamera nach die­sen extre­men Tem­po­wech­seln schließ­lich – im pas­sen­den Timing zu den Orches­ter­schlä­gen der sin­fo­ni­schen Film­mu­sik – ins Freie gelangt und in den Him­mel schwenkt. Whoa! Hätte nicht gedacht, dass die Sequenz der­art gut kommt, und das allein schon hier auf dem Moni­tor am Schnitt­platz. Wie soll das erst im Kino wer­den? Es wird die Zuschauer von ihren Sit­zen rei­ßen.

Die Regis­seu­rin ist da aller­dings ganz ande­rer Mei­nung. Sie kommt in den Schnei­de­raum, lässt sich die Sequenz von mir zei­gen und stoppt sie, noch bevor sie zu Ende ist. »Nein, nein, viel zu effekt­ha­sche­risch. Ich hab mir unter dem Par­al­lel­welt­über­gang etwas viel Schlich­te­res, Unauf­fäl­li­ge­res vor­ge­stellt.«

Ich pro­tes­tiere: »Aber so steht es im Dreh­buch: ›Die Kamera rast durch ein Laby­rinth von Kor­ri­do­ren und Trep­pen­häu­sern.‹«

»Kann sein, aber das ist nicht der Film, den ich vor Augen habe. Ich dachte da an ein kur­zes Kris­tal­li­sie­ren des Bil­des, wie eine Wind­schutz­scheibe, die in Tau­sende Pixel zer­split­tert. Und dann, einen Wim­pern­schlag spä­ter, ist alles wie vor­her, nur wis­sen wir, dass unsere Hel­din jetzt in eine Welt gesprun­gen ist, die sich von der vor­he­ri­gen in win­zi­gen Details unter­schei­det.«

»Ein kur­zes Kris­tal­li­sie­ren des Bil­des also?«

Sie nickt. »Wer im Publi­kum an der Stelle auch nur ganz kurz die Augen schließt, hat’s ver­passt. Es muss sub­til sein. Keine bil­li­gen Effekte. Das ist nicht mehr zeit­ge­mäß. Ich sollte da auch noch mal mit dem Kom­po­nis­ten spre­chen.«

»Sub­til also.«

»Genau. Aber …« Sie sieht auf ihre Arm­band­uhr. »Jetzt ist’s schon spät, und die Über­stun­den bekom­men wir nicht bezahlt. Da set­zen wir uns mor­gen dran, schlage ich vor.«

Damit geht sie. Ich sehe mir die rasende Fahrt durch die Kor­ri­dore noch ein­mal an. Schade um die schöne Sequenz. Immer­hin musste der Kame­ra­mann der Second Unit dafür rund zwan­zig Minu­ten hoch und run­ter durch Gänge und über Trep­pen lau­fen, ohne die Kamera von der Schul­ter zu neh­men. Am Schnei­de­tisch habe ich das auf einen Bruch­teil die­ser Zeit beschleu­nigt, und jetzt lösen die Bil­der irgend­et­was Merk­wür­di­ges in mei­nem Kopf aus. Damals, als ich als Cut­ter anfing, hab ich mit mei­nen Kol­le­gen mal bei einer Party dar­über phi­lo­so­phiert, ob es den per­fek­ten Schnitt geben könnte. Ein guter Schnitt bleibt unbe­merkt, ein schlech­ter Schnitt fällt auf, stört und reißt das Publi­kum aus dem Film­erleb­nis raus. Könnte nicht ein sehr guter, ein per­fek­ter Schnitt so sehr »nicht auf­fal­len«, dass er den Zuschauer mit einem Schlag noch viel tie­fer in den Film mit rein­zieht?

Mit weni­gen Klicks setze ich die zwi­schen Zeit­lupe und Zeit­raf­fer wech­selnde, pum­pende Kor­ri­dor­jagd zu einem Loop zusam­men. Die Fahrt ist jetzt end­los, und ich weiß nicht, wie lange ich schon dar­auf­starre und hin­ein­ge­zo­gen werde. Einen Wim­pern­schlag lang scheint mein Gesichts­feld von einem Karo­mus­ter fei­ner Fäden durch­zo­gen, und für den Bruch­teil einer Sekunde wir­belt alles kalei­do­skop­ar­tig durch­ein­an­der. Es ist, als ver­löre ich kurz den Halt in die­ser Rea­li­tät … – doch dann ist es auch schon wie­der vor­bei.

Eine Stimme reißt mich aus der Trance: »Fan­tas­tisch. Groß­ar­tig. Viel bes­ser, als ich mir vor­ge­stellt habe.« Ich betä­tige die Stopp­taste und drehe mich um. Die Regis­seu­rin steht da, lehnt sich über mich und drückt die Play­taste. Ihre Augen leuch­ten: »Das macht den Wech­sel der Welt zu einem ech­ten Trip für den Zuschauer. Die Musik braucht noch mehr Bass, aber sonst ist es per­fekt. Gute Arbeit. Die­ses Geschwin­dig­keits-Pum­pen im Bild reißt einen voll in den Film rein!«

»Also … nicht sub­til?«

»Wir wer­den die Zuschauer kaum ›sub­til‹ über­wäl­ti­gen kön­nen, oder? Der Film soll sie umhauen! Aber …« Sie blickt auf ihre Arm­band­uhr. »Es ist schon spät. Wir schnei­den es, schlage ich vor, mor­gen in die Szene rein, okay?«

Damit geht sie. Ich stoppe die Sequenz. Was war das gerade? Selt­sam. Ver­mut­lich bin ich über­ar­bei­tet und brau­che drin­gend eine Mütze voll Schlaf.

226/398

When Mon­keys Wise­crack

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Ich betrete den Kor­ri­dor. Kleine Tafeln hän­gen neben den Zim­mer­tü­ren. Krishna lese ich dort, und Thor, Osi­ris, Gwy­dyon, Zeus, Hathor, Hla­pac, Der Große Manitu, Jahwe, Ome­teotl … Lange wan­dere ich an den Zim­mern ent­lang. Unzäh­lige Göt­ter, Namen, die mir gänz­lich unbe­kannt sind, ja, die ich nicht ein­mal aus­spre­chen kann. Schließ­lich, ganz hin­ten im Kor­ri­dor, gegen­über von »Gott 9.0«, lese ich zu mei­nem Erstau­nen: »Gott der Athe­is­ten«. Der Wider­spruch gefällt mir! Ich klopfe an. Keine Ant­wort. Auch das gefällt mir. Ich fasse mir ein Herz und trete ein.

Auf dem sonst lee­ren Schreib­tisch liegt ein Buch mit gel­bem Umschlag und dem Titel Schöp­fung für Dum­mies. Ich schlage es auf. Es beginnt mit dem Kapi­tel »Wie man einen Urknall so rich­tig kra­chen lässt«. Inter­es­siert beginne ich zu lesen, als wie von einem hef­ti­gen Wind­stoß die Tür hin­ter mir zuschlägt. Von innen, stelle ich fest, gibt es keine Klinke.

 

227/398

Innri ljós

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Ich betrete den Kor­ri­dor und ent­spanne tief. Meine Augen sind geschlos­sen, ich atme lang­sam und gleich­mäßig. Lasse den Kör­per schwer wer­den, lasse los, lasse die Gedan­ken zie­hen. Fokus­siere die Auf­merk­sam­keit auf einen Punkt hin­ter der Stirn zwi­schen den Augen­brauen. Gestatte Bil­dern, Ideen und Vor­stel­lun­gen, die dort viel­leicht auf­tau­chen, sich auf­zu­lö­sen. Ruhe mit einer gelas­se­nen Auf­merk­sam­keit im Drit­ten Auge und lasse auch alle Erwar­tun­gen los.

Hier beginnt der Weg. Hier zeigt sich das wahre Wesen. Spüre die Prä­senz. Der gestalt­lose Kor­ri­dor führt tief hin­un­ter, hin­ein. Hin­auf und hin­aus. Ohne an Raum und Zeit gebun­den zu sein. Form­los.

Hier spru­delt die unbe­wegte Quelle, hier wohnt unser nicht­lo­ka­les Zuhause, dies ist die Essenz allen Seins und Wer­dens.

Spüre, wie die krea­tive Kraft, die Mul­ti­ver­sen um Mul­ti­ver­sen erschafft, Geist und Kör­per erfüllt und flir­rend in allen Zel­len, Gefüh­len und Gedan­ken vibriert. Erlebe das innere Leuch­ten, das allem sich Erschaf­fen­den inne­wohnt, erkenne, wie es sich in allen Facet­ten in Indras Netz wider­spie­gelt, mul­ti­pli­ziert, gegen­sei­tig berührt und ver­stärkt. Spüre die Freude! Spüre die über­schäu­mende Freude und das unge­heure Poten­zial. Ja, ich erin­nere mich. So fängt alles an.

Ich betrete den Kor­ri­dor.

 

234/398

Trial Ver­sion

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Ich betrete den Kor­ri­dor schwan­kend und muss mich am Bücher­re­gal fest­hal­ten, weil mir ganz flau im Magen ist. Es ist das Bord, auf dem meine Lieb­linge ste­hen, näm­lich jene Romane unter den Hun­der­ten hier auf­ge­reih­ten, die mir beson­ders ver­gnüg­li­che Stun­den berei­tet haben. Mein Ex-Mann hat damals immer den Kopf geschüt­telt und konnte mei­nen Lese­hun­ger nie so rich­tig ver­ste­hen.

Vor weni­gen Augen­bli­cken noch saß ich mit ange­zo­ge­nen Knien in mei­nen Lese­ses­sel geku­schelt und las. Ein umfang­rei­cher Roman, so wie ich es liebe: Bereits in der Hand fühlt sich das Buch nach einer aus­ge­dehn­ten, weit­ver­zweig­ten Welt an, in die ich mich für lange Zeit ver­lie­ren kann. Und dann – die­ser Recht­schreib­feh­ler! Nor­ma­ler­weise lese ich über so etwas ein­fach weg, aber dies­mal setzte er eine fatale Kette von Gedan­ken in Gang. Der Autor muss ihn über­se­hen haben, genau wie der Lek­tor des Buches. Und über­haupt – ich ver­suchte der­weil, wei­ter­zu­le­sen, aber hörte unge­wollt mehr mei­nen Gedan­ken zu als dem, was der Roman mir erzäh­len wollte – sind das ja nur Worte, ist das nur ein Text, eine Ver­sion eines Tex­tes, von dem ich gar nicht ahne, wel­che Meta­mor­pho­sen er mög­li­cher­weise durch­ge­macht hat. Natür­lich weiß ich beim Lesen von Roma­nen immer irgend­wie, dass es sich um aus­ge­dachte Geschich­ten han­delt. Nur wird mir das jetzt ebenso hef­tig wie bit­ter bewusst, wie durch eine neue Brille, die mir gna­den­los all die Kulis­sen, Requi­si­ten, Behaup­tun­gen und Kunst­griffe vor Augen führt, aus denen sich mehr oder weni­ger erfin­dungs­reich zusam­men­setzt, was mir vor­her wie eine Wahr­heit höhe­rer Ord­nung erschien.

Diese Gedan­ken bekam ich ein­fach nicht mehr aus mei­nem Kopf, und dann ver­schwam­men auch noch die gedruck­ten Worte auf den Sei­ten vor mei­nen Augen, bil­de­ten ein Mus­ter, schwarz auf weiß, und es war, als sähe ich darin eine Gestalt – ich kann nicht sagen, ob Mann oder Frau –, die wie beses­sen tippt, beschrie­bene Sei­ten zer­knüllt, quä­lend lange auf eine ange­fan­gene Zeile starrt und sich die Haare rauft, Kom­ma­re­geln nach­schlägt, einen Aus­druck mit Kor­rek­tu­ren über­sät, an fau­li­gen Äpfeln riecht und sich auf dem Boden wälzt, weil sich das rich­tige Wort nicht ein­stel­len will, Figu­ren erschafft und ver­wirft, Namen und Bio­gra­fien für sie erfin­det, sie durch Höhen und Tie­fen schickt, an Beschrei­bun­gen feilt, aus dem Fun­dus eige­ner Erfah­run­gen schöpft, Sze­nen zusam­men­streicht und ganze Kapi­tel wie­der löscht – und das alles, um mir eine Geschichte zu erzäh­len.

Warum?, frage ich das Buch in mei­ner Hand, denn offen­bar habe ich, wäh­rend ich schwan­kend im Kor­ri­dor stand, zu einem mei­ner Lieb­lings­ro­mane gegrif­fen, um ihn jetzt wie ein Ertrin­ken­der zu umklam­mern.

Ich schlage den Band auf, wahl­los irgendwo in der Mitte, will wie­der ein­tau­chen, mich hin­ein­zie­hen und mit­rei­ßen las­sen, will mit den Hel­den kämp­fen und sie­gen, lachen und wei­nen, lei­den und mein Glück fin­den, will mich gru­seln, amü­sie­ren, ver­lie­ben, Unmög­li­ches ver­su­chen, ver­zwei­feln und cou­ra­giert Gefah­ren und Wid­rig­kei­ten ent­ge­gen­tre­ten, will mich fes­seln, über­ra­schen und in Atem hal­ten las­sen. Doch gleich­zei­tig weiß ich, dass der Zau­ber gebro­chen und der Schleier unwi­der­ruf­lich zer­ris­sen ist. Ein dum­mer klei­ner Recht­schreib­feh­ler hat mich unwie­der­bring­lich die Unschuld ver­lie­ren las­sen und mir vor Augen geführt, dass das alles nur Erfin­dung ist, eine mehr oder weni­ger gut kon­stru­ierte Fik­tion, bei der alles auch ganz anders sein könnte.

Ich bli­cke auf. Rei­hen um Rei­hen fein säu­ber­lich auf­ge­reih­ter Buch­rü­cken star­ren mich an. Ein mit­leids­lo­ser Engel hat mich aus dem Gar­ten Eden des kind­li­chen Lese­ver­gnü­gens ver­trie­ben. Es könnte alles auch ganz anders sein! Viel­leicht, denke ich, ist das ein Weck­ruf, der mich ins Leben ruft, mein eige­nes Leben, das echte und wahre Leben mit sei­ner ganz eige­nen Magie. Will ich mich denn nicht wie­der ver­lie­ben, Unmög­li­ches ver­su­chen, mein Glück fin­den? Den Gedan­ken, dass auch dies alles nur eine Geschichte sein könnte, die ich mir selbst erzähle, schüttle ich unwil­lig ab.

Nach­dem ich den Roman in die Lücke zurück­ge­stellt habe, mache ich kehrt. Im Wohn­zim­mer stehe ich eine Zeit­lang unschlüs­sig herum. Also das eigent­li­che, das wirk­li­che Leben. Wo anfan­gen? Am bes­ten ganz vorn. Ich greife in der Vitrine zu dem Foto­al­bum mit mei­nen Kind­heits­fo­tos …
 

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Korridorium-Serviette 234 mit MindmapSwitch language

 

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Zweite Fas­sung:
 

Ich betrete den Kor­ri­dor. Im Gar­de­ro­ben­schrank könnte ich noch Bat­te­rien haben. So ein Mist auch. Da sitze ich bequem im Fern­seh­ses­sel, guck das End­spiel, will rüber zu den Erd­nüs­sen grei­fen und muss fest­stel­len, dass ich auf der Fern­be­die­nung sitze und es jetzt irgend­wie schaffe, mit dem Hin­tern die Stumm-Taste aus­zu­lö­sen. Will den Ton wie­der ein­schal­ten, aber die Fern­be­die­nung reagiert auf ein­mal nicht mehr. Drü­cke wild drauf rum, schüt­tel das Teil, und als das nix nützt, mach ich das Bat­te­rie­fach auf, drehe an den Din­gern, und, he, geht doch plötz­lich der CD-Player an. Dixie­land? Muss eine CD von Ellie sein, die sie ver­ges­sen hat. Hab den Player offen­bar seit­dem nicht mehr benutzt. Wie auch immer. War das letzte Lebens­zei­chen der Fern­be­die­nung, denn jetzt tut sich gar nix mehr. Muss wohl doch auf­ste­hen und Bat­te­rien suchen, denke ich, aber starre erst mal in die Glotze wie Kanin­chen auf Schlange: Mit dem Dixie­land-Jazz wirkt das plötz­lich ganz anders. Kommt mir vor, als bin ich in einem kom­plett ande­ren Film: ner Slap­stick-Komö­die.

Jeden­falls finde ich auch hier im Gar­de­ro­ben­schrank keine neuen Bat­te­rien. Wo könnte ich noch wel­che haben? Ich will das Spiel nicht ver­pas­sen! Aber bei dem fröh­li­chen Geplärre aus dem Wohn­zim­mer ist es fast unmög­lich, genervt zu sein. Wenn’s mich auch trau­rig macht. Wegen Ellie. Mit ande­rem Sound­track wär mein Leben wahr­schein­lich auch kom­plett anders ver­lau­fen. Komi­sche Vor­stel­lung. Dass alles auch ganz anders sein könnte. Dass Ellie noch hier sein könnte. Und dass das im End­spiel genauso gut unsre Natio­nal­elf sein könnte …

Im Schlaf­zim­mer werd ich fün­dig: Die Bat­te­rien im Wecker haben die rich­tige Größe. Kein wei­te­res Tor gefal­len. Ein Tas­ten­druck, der Jazz ver­stummt, ohren­be­täu­bend set­zen die Fan­ge­sänge und Trom­meln ein, und damit bin ich wie­der mit­ten im Drama von Kiew. Ich lass mich in den Ses­sel plump­sen. Geht doch!

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Korridorium-Tagebucheintrag 234

 

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Dritte, finale Fas­sung:

 

Ich betrete den Kor­ri­dor. (Pst! Ist nur eine Geschichte. Könnte alles auch ganz anders sein. Aber nicht wei­ter­sa­gen. Will kei­ner wis­sen.)