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♫ Sacred Syllables ♫
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Ich betrete den Korridor. Es ist ein natürlicher Spalt im Fels, der von Mönchen wie mir in jahrhundertelanger Arbeit erweitert wurde. An den Seiten öffnet sich der Gang zu kleinen Zellen, doch mein Weg führt tiefer in den Berg hinein. Ich atme tief durch.
49 Tage lang werde ich im Dunkeln sitzen, an einem Ort, zu dem kein Lichtstrahl dringt. Andere Mönche haben mich gewarnt. Es seien schon Meditierende verrückt darüber geworden, und es hieß hinter vorgehaltener Hand, dass einige Adepten diese 49 Tage nicht überlebt hätten.
Auf dem Weg tief hinab in den Berg, hin zu einem unbekannten und erschreckenden Ort, wird mir klar, dass mich die Konfrontation mit dem erwartet, das, unbekannt und erschreckend, tief in mir selbst versteckt ist. Mir bricht der Schweiß aus. Dennoch taste ich mich weiter voran ins Dunkel. Ich will meinen Meister nicht enttäuschen und meinen Entschluss auf keinen Fall umstoßen.
Was werde ich entdecken? Was wird in mir, aus mir hervorkriechen, wenn ich dort sitze in absoluter Stille und vollkommener Schwärze? Ich stolpere, und obwohl ich den Metalleimer verzweifelt umkralle, entgleitet er mir, stürzt um, und das kostbare Wasser – das einzige, das mich außer meinem Gewand für die Zeit der Meditation in die Tiefe des Berges begleiten soll – verteilt sich auf dem nackten Fels und versickert in den Ritzen und Spalten. Ich muss umkehren. Ohne Wasser werde ich nicht überleben!
Dennoch gehe ich weiter.
Schon lange gibt es keine Zellen mehr an den Seiten des Korridors, nicht einmal mehr Nischen. Der Gang wird enger. Ich spüre, dass ich verloren bin. Besser jetzt umkehren als später halb verhungert und verdurstend aus dem Loch gekrochen kommen!
Aber mein Meister hat gesagt, dass ich diesen Weg ins Innere, ins Dunkel, nur ein einziges Mal antreten kann. Kehre ich jetzt um, ist mir der Abstieg in den Berg für immer verschlossen. Ich fange grundlos an zu schluchzen. Todesangst packt mich. Dennoch wanke ich weiter. Ich bin tief im Bauch eines Berges, und es ist, als laste das Gestein tonnenschwer auf meinen Schultern.
Menschen, die ich einmal kannte, kommen mir in den Sinn, böse Worte, achtlose Handlungen, die mir Leid tun. Ich flehe die schwarzen, kalten Wände um Vergebung an. Sie antworten nicht. Ich bin vier Jahre alt, allein auf Entdeckungsreise im Keller, und ein böser Zufall lässt die einzige Glühbirne durchbrennen. Ich schreie, und meine eigene Stimme und ihre Echos im Berg jagen mir Schauder über den Rücken. Ich halte mich nicht mehr aus und kann doch nicht anders, als mich ertragen, irgendwie. Es ist, als würde ich die Hölle durchwandern, und die Hölle bin ich.
Da. Ein Schimmern vor mir. Zuerst glaube ich, ich täusche mich. Dann wird mir klar, dass hier unten ein Mönch sein muss. Er hat sich ein Licht, eine Kerze oder eine Fackel, mitgebracht. Aber der Lichtschein flackert nicht.
Ich wandere tatsächlich seit einiger Zeit bergauf. Es ist Tageslicht, das mich erwartet. Ich muss blinzeln. Die tiefste und schwärzeste Station der Reise, die dunkle Nacht der Seele, ist hell?
Ich trete ins Freie. Ein grünes, sonnenbeschienenes Tal – es liegt offenbar auf der anderen Seite des Berges. Der Meister sitzt auf einem Felsen und gießt mir eine Tasse Tee ein. Ich bin verwirrt. Wie lange war ich unterwegs? Waren es Stunden? Oder Wochen? Bin ich schon tot? Träume ich?
»Das wissen wir nie so ganz genau«, sagt der Meister.

