
♫ New in the Area ♫
Ich betrete den Korridor. Wieder einmal. Es ist fast, als würde ich es jeden Tag aufs Neue tun und immer wieder denselben Korridor betreten: den zur philosophischen Fakultät. Doch ist das überhaupt möglich? Nein. Es scheint nur so. Das Ich ist nicht mehr das von gestern, und noch weniger das von letztem Jahr. Und auch der Korridor wirkt zwar wie der, den ich kenne und der mir wohlvertraut ist – mitsamt der Schleifspuren, die die metallenen Aktenschränke beim Umzug des Sekretariats auf den Fliesen hinterlassen haben, und einschließlich des schalen Geruchs aus der Zeit, als hier noch das Rauchen erlaubt war –, aber auch er kann gar nicht der von gestern sein.
Die Täuschung ist perfekt. Ich könnte schwören, dass ich genau diese Schritte hier schon einmal gemacht habe, mir genau diese Gedanken hier schon durch den Kopf gegangen sind. Selbst mit vorgehaltener Pistole könnte man mich nicht dazu zwingen, dies alles neu und unverbraucht wahrzunehmen. Obwohl: unter Lebensgefahr oder in dem Wissen, diesen Korridor zum letzten Mal zu betreten und in wenigen Augenblicken mein Leben zu verlieren, vielleicht ja doch?
Denn wie heißt es schon von alters her: »Man kann nicht zweimal denselben Korridor betreten. Auch die Seelen steigen gleichsam aus den Korridoren empor.«

♫ Sneak Peak ♫
»Ich betrete den Korridor Herberge um ca. Mitternacht und wenn nicht spät Nacht gewesen wäre hätten wir ein anderes gesucht. War sehr heruntergekommen (Gefühl fast unheimlich) und glücklicherweise Schlepptau Männer, die zufällig Aufenthalt kam uns Hilfe mit dem Gepäck. Und das Schlimmste, konnten wir noch nicht einmal fanden unser Zimmer keine. Musste, die Tür abgesetzt und ich war fast innen verschlossen!«
1 von 5 Sternen Zimmer
2 von 5 Sternen Lage
1 von 5 Sternen Sauberkeit
1 von 5 Sternen Check-in/Rezeption
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♫ Big Descent ♫
Ich betrete den Korridor. Irgendwo hier sollten die Klos sein. Noch mal pinkeln vor dem großen Auftritt. Im Saal toben sie und tanzen auf den Tischen. Meine »Geschäftspartner«. Zeit, sie aufzustacheln und einzupeitschen. Gleich läuft Tina Turners Simply the Best über die Boxen, und dann werde ich die Puppen tanzen lassen.
Pissoirs soweit sauber. Kann man von einem Fünf-Sterne-Hotel ja wohl auch verlangen, für den Preis. Bin ich unter Strom? Ja, bin unter Strom! Sehr gut. Es wird perfekt laufen. Der Anzug sitzt, die goldene Krawatte hat mir immer schon Glück gebracht. Ich werde alle von den Stühlen reißen. Hab ich die Stichworte im Kopf?
»Schöner als jeder Orgasmus.« Mein Einstieg. Und dann für die 350 Verkäufer im Saal: »Was draußen an der Front passiert, das bestimmen Sie, jeder Einzelne hier im Raum.« Kurz den Rausschmiss der Führungsriege kommentieren, natürlich nicht drauf rumreiten, sondern gleich weiter mit Wahrheit, Gerechtigkeit, Ethik – dafür stehen wir. »Entweder ist jemand hundert Prozent für die Sache da, oder er soll bleiben, wo der Pfeffer wächst. Wir wollen Deutschland aufklären. Da müssen Persönlichkeiten stehen, die als Vorbild dienen.« Immer dran denken, die Leute im Saal auf das Firmenethos einzuschwören: »Wir haben ein Ziel, und das Ziel heißt: zweistellig. Wir müssen neue Geschäftspartner für diesen Krieg ausbilden.« Und falls es, neben den Zecken der Fernsehjournaille, im Saal irgendwelche Zweifler an den Fonds-Erträgen geben sollte, bitteschön, »ein Produkt mit zweistelliger Rendite – ich schwör’s Ihnen: Der Tag wird kommen, so wahr ich hier stehe.« Sehen wir’s nüchtern: Wenn sie an mich glauben, glauben sie auch an die Sache. Und damit die Pressefuzzis endlich das Maul halten: »Wir versprechen nichts, wir haben Ziele!« Den Brocken sollen sie erst mal schlucken.
Hände waschen! Ich will mit sauberen Händen da raus. Und die Arschlöcher, die uns mit Dreck bewerfen, schön der Reihe nach zerpflücken. »Soviel Dummheit müsste tot umfallen.« Aber immer dran erinnern, dass mich die Breitseite der Presse erst so richtig dazu inspiriert und motiviert, noch härter für das Gute und Richtige einzutreten. Wichtig! Dann kann ich vom Leder ziehen, und keiner kann mir was. Nur nicht wieder das mit dem Klammerbeutel vergeigen. Gepudert sagt man, mit dem Klammerbeutel gepudert! Apropos, mal sehen, ob ich nicht auch die Nummer mit dem Bordell anbringe. Nutten statt Riesterrente, wenn man schon sein Geld verbraten will. Und mehr Rendite als die werfen wir doch eh ab.
He, das bin ja ich da im Spiegel überm Waschbecken. Yeah, Strike! »Ich kann jeden Morgen und jeden Abend in den Spiegel gucken – auch unbekleidet – und sagen: Du bist ein Guter!«
Wenn ich den Faden verliere, wettere ich einfach wieder gegen die Kirche, gegen Lotto, gegen die GEZ und gegen die Öffentlich-Rechtlichen. Funktioniert immer. Der Verweis auf die Wikipedia: »Das Christentum ist die größte Sekte.« Steht das noch da? Egal. »Also: austreten! Geben Sie mir das Geld.« Garantierter Lacher. Und beim Thema Lotto keine Gefangenen: »Wär ich Diktator, wären die alle tot, die da mit in Verantwortung stehen. Jeder drei Baseballschläger im Auto: einer aus Aluminium, einer aus Holz, einer aus Plastik. Zuschlagen. So viel Dummheit, die muss vernichtet werden. Wo ist der Radikale mit dem Flugzeug?« Wenn ich unter Strom stehe, bleibt kein Auge trocken. »So muss man mit diesen Arschlöchern umgehen, oder?« Wenn’s zu drastisch wird, kann ich’s aus unserem Internetfilmchen vom Auftritt später immer noch rauspiepsen. Hauptsache, der Saal kocht, und unsere Truppe kann’s gar nicht erwarten, auszuschwärmen und unser Produkt unter die Leute zu bringen.
Am Ende dann noch mal moralisch werden und auf Verantwortung pochen: »Wo sind wir, wenn in der Welt Ungerechtigkeit passiert?« Danach runter von der Bühne mit, äh, womit wollte ich abtreten, was war noch mal das ganz große Ding, das uns alle zusammenschweißt als Kämpfer an der Front, mein neues Schlagwort, der neue Mythos für uns? Ja, richtig: »So seh ich uns mittlerweile: als Robin Hood der Finanzdienstleister.«
So, noch ein letztes Mal das Firmenlogo am Revers putzen. Sie spielen »Simply the Best« im Saal, auf voller Lautstärke, mein Stichwort. Yeah, lassen wir die Party steigen!
Zitate: Daniel Shahin, Carpediem GmbH, 5. Juni, 2011

♫ Arrivo tardivo ♫
Ich betrete den Korridor und ziehe die Tür hinter mir zu. Der Lärm des Festes wird zu dumpfem Gemurmel herabgedämpft. Ich atme tief durch und ziehe meine Maske ab. In diesem Teil des Schlosses bin ich noch nie gewesen. Vermutlich ist dies ein Gang für Bedienstete, der zur Küche führt. Ich öffne eines der Fenster, damit die frische Luft den Schweiß auf meiner Stirn trocknet. Schon Wochen, scheint es mir, verbringen wir hier hinter verschlossenen Türen und mit hochgezogener Zugbrücke und geben uns hemmungslos dem Vergnügen hin. Im Fensterglas sehe ich an meinem Halsausschnitt eine blaue Verfärbung der Haut, doch ich messe ihr keine weitere Bedeutung bei. Stattdessen untersuche ich interessiert das kleine, zusammengeschnürte Bündel auf der Fensterbank. Ich entfalte einen langen schwarzen Umhang, in den eine Maske, eine große Sanduhr und eine Sense eingewickelt sind, deren Stiel sich ausklappen lässt. Ich werfe mir den Umhang über und fühle mich plötzlich wieder jung und voller Tatendrang, wage sogar ein paar kleine Tanzschritte und Pirouetten. Die Maske zeigt einen Totenschädel. Meine ist nutzlos geworden. Ich werfe sie einfach zum Fenster hinaus. Sie landet irgendwo in der Tiefe des Hofes, die das fahle Licht des Mondes nicht erreichen kann und im Dunkeln liegt. Die Sense in der Rechten gibt mir ein gutes Gefühl. Die Uhr schlägt. Es ist Zeit, wieder unter die Feiernden zu gehen.

♫ Sonochronic Contradictions ♫
Ich betrete den Korridor – das Orchester hat bereits begonnen – und erreiche in aller Eile den Saal. Zu meinem Platz muss ich mich durch die ansonsten vollbesetzte zweite Reihe drängen. Dabei schlägt mir die Musik wie ein Dschungel zusammenhangloser Töne entgegen und folgt keiner für mich erkennbaren Form. Muss ich mir das anhören? Avantgarde – dieser Untertitel des Programms hätte mich stutzig machen müssen. Eigentlich will ich wieder fort, doch ich bin wie gelähmt und verliere zusehends das Gefühl für meinen Körper, während die Musik sich ausdehnt und zwischen die Intervalle der gewohnten Halbtöne zu fließen beginnt, nicht nur in Vierteltöne, sondern »Zentitöne« und »Millitöne« hinein – für das ungeübte Ohr eine Folter, doch für mich, in mir, hat sich etwas verändert, und ich nehme jetzt mit wachsendem Interesse all die unterschiedlichen musikalischen Formen wahr, die sich in der Musik tummeln.
Verblüffend: Diese Klangfiguren leben und bewegen sich frei durch die Welt der Töne, entfernen sich voneinander, nähern sich einander an. Die zwei Dimensionen dieser Welt, stelle ich erstaunt fest, sind einerseits die Tonhöhe und andererseits die Klangfarben, die sich durch die Obertonharmonien ergeben. Jedes lebende Wesen dieses Klanguniversums besitzt eine eigene Färbung, auch wenn sich manche von ihnen geschickt zu tarnen wissen.
Eines dieser Geschöpfe aus Klang scheint mir sehr nah zu sein, und plötzlich kommt mir die Erkenntnis: Das bin ich! – in dieser Welt aus Schallschwingungen und Frequenzen besitze ich einen eigenen Körper, bin Teil dieses Klangbiotops! Als mich eines der Schallwesen akustisch anstößt und ich einen scharfen Schmerz verspüre, lerne ich, dass ich meine musikalische Form verändern und mich ebenfalls durch diesen Dschungel aus Tönen, durch die dichte musikalische Vegetation bewegen kann. Es ist mir sogar möglich, kleine Klangfiguren in meinen meine musikalische Form aufzunehmen – als streifte ich durch einen Garten und verspeiste dort schmackhaft aussehende Äpfel oder Himbeeren.
Ein tiefes Knurren lässt meinen Herzschlag kurz aussetzen: ein Jäger durchstreift den Dschungel und ist mit seinen sirrenden Klangtentakeln auf der Suche nach Beute. Ich fliehe, doch das hungrige Wesen hat mich bereits entdeckt. Ich verstecke meinen Klangkörper in der musikalischen Vegetation unseres Habitats, aber meine Tarnung nützt mir nichts. Nur knapp entkomme ich einem suchenden Tentakel, indem ich höher steige. Mir sind Grenzen gesetzt – einige Oktaven schaffe ich es nach oben, dann beginnen sich die Klänge in den hohen Lagen zu verlieren. Der Räuber poltert direkt unter mir in den tiefen Lagen unruhig hin und her, bis ein winziges Melodiefragment der Vegetation, an die ich mich klammere, herabfällt und mich verrät. Mit einem spitzen Arpeggio erreicht mich einer seiner Tentakel und gräbt sich tief in das Klangmuster meines Fleischs. Das gierige Grollen zieht mich zu sich herab, Oktave um Oktave …
Ich stoße einen Todesschrei aus.
Die Musik erstirbt. Ein paar Geigen spielen noch weiter, aber der Dirigent hat sich zu mir umgedreht, und auch alle Konzertbesucher starren mich an. »Entschuldigung«, murmle ich, stehe auf, dränge mich durch die Reihe und fliehe aus dem Saal.
Ich höre noch, wie der Dirigent seinem Orchester eine Taktzahl nennt, um an dieser Stelle mit dem Konzert weiterzumachen. Die Musik hebt wieder an. Doch ich laufe weiter, weiter fort, ohne meinen Mantel an der Garderobe abzuholen, einfach nur fort von hier, ins Freie.
Hier gibt es keine Musik. Die Straßengeräusche tun gut, waschen mir die Ohren wie ein willkommener Regenguß. Alles ist voller Autos und röhrender Motorräder, in der Ferne höre ich ein Martinshorn und über mir ein Flugzeug. Ich bleibe stehen, mitten in diesem wunderbaren Lärm. Ein Dröhnen kommt näher, das tiefe Knurren eines starken Motors, ein Bus donnert mit großer Geschwindigkeit die Straße entlang, in deren Mitte ich stehe, ihm zugewandt, die Arme emporgereckt und dem Himmel für meine Rettung dankend …
frei nach Olaf Stapledon, »A World of Sound« (1936)

♫ The Unsound Communiqué ♫
Ich betrete den Korridor, und sogleich stoße ich auf – wie soll ich es beschreiben? – ein Tuch aus glasigem Frost, durch das die Sicht verschwimmt und Töne, wenn überhaupt, dann nur gedämpft hindurchdringen. Die hinter diesem Schleier sitzen – was ich ihnen zum Diktat, zur wortgetreuen Übermittlung zuzurufen versuche, bringen sie nur widerwillig und manches Mal begriffsstutzig zu Papier.
Wie soll ich euch den Beweis nur zukommen lassen, solange dies die einzige Möglichkeit für mich ist, die Botschaft durchzugeben? Ich kann unmöglich wissen, wie viel ihr empfangt von dem, was ich euch sende. Wie nur kann ich euch überzeugen? Meinen fortwährenden Versuchen stehen unsagbare Schwierigkeiten entgegen, und dieses Gefühl einer schrecklichen Machtlosigkeit belastet mich schwer. Oh, es ist ein dunkler und grausamer Korridor! Aber ich will, ich darf einfach nicht nachlassen in meinem Bemühen …
Myers

♫ Malinger’s Eldorado ♫
Ich betrete den Korridor, den andere Wanderer vor mir in den Berg aus Reisbrei gefressen haben. Gänge zweigen ab, aber ich krieche eilig den Haupttunnel entlang, damit ich schneller bin als der zäh herabfließende Brei.
Als ich es auf die andere Seite des Berges geschafft habe, bietet sich mir eine fantastische Welt. Ich habe es immer nur für ein Märchen gehalten: das Land, in dem einem gebratene Tauben ins Maul fliegen und auf ein »Bst bst!« hin die Fische in die Hand springen. Doch es existiert wirklich! Um jedes Haus ein Zaun von Bratwürsten geflochten, fürs Schlafen kriegt man pro Stunde eine Gulden, und für ein Gähnen wird noch ein Doppeltaler draufgelegt.
Dennoch: So sehr ich auch suchend umherwandere – ich finde keinen Hotspot. Nicht einmal ein Modemanschluss ist aufzutreiben. Technologisch sind die hier ziemlich hinterm Berg. Tja, dann also wieder zurück. Hoffentlich ist der Tunnel durch den Reisbrei noch passierbar.

♫ Fabelbeben ♫
Ich betrete den Korridor mit selbstgebackenem Brot in der Hand. Überall, wo ich hinkomme, gibt es ein Unglück. Doch nun will ich mein Schicksal wenden und der Schicksalsfrau, die mich schon mein ganzes Leben lang auf Schritt und Tritt mit Katastrophen aller Art verfolgt, endlich entgegentreten. Wird es gelingen, sie mir gewogen zu machen? Wird sie meine Gabe milde stimmen?
Ich folge, ohne den zahlreichen Seitengängen Beachtung zu schenken, dem Hauptgang, der in den Berg Dikti hineingeschlagen ist und tief in sein Herz führt. Hier sollen sie leben, die Schicksalsfrauen. Doch wieder fühle ich ein Unglück nahen. Selbst hier lässt sie mich nicht in Frieden! Ich spüre die verhasste Beklemmung in meiner Brust, und sie wird stärker und stärker, untrügliches Zeichen dafür, dass sie mir und allen in meiner Umgebung wieder das Leben schwermachen will.
Womit diesmal? Wilde Tiere? Eine Überschwemmung? Eine Dürre mit folgender Hungersnot? Eine Epidemie? Piratenüberfälle? Eine Niederlage im Krieg?
Nein.
Mit einem Erdbeben: Es rumpelt grollend im Berg, und er schüttelt sich, so dass ich zu Boden geschleudert werde und das Brot meinen Händen entgleitet. Angsterfüllt krieche ich zurück ans Tageslicht. Nur knapp entkomme ich dem herabstürzenden Geröll, und kaum habe ich es nach draußen auf den Felsvorsprung geschafft, stürzt der Korridor ein, der zu den Schicksalsfrauen führen soll. Ich höre Schreie, oder ist es das Kreischen der Felsen, die zerbersten?
Schlagartig ist es ruhig. Es kullern nur noch einige kleine Steine den Berghang hinab. Ich kann es kaum glauben: Die Beklemmung, die mich schon mein ganzes Leben lang erbarmungslos verfolgt, hat mich verlassen, und es fühlt sich ganz so an, als würde sie nie wiederkehren.
Mit neuem Mut erfüllt mache ich mich auf den Rückweg in die Stadt, zum Palast, zu meinem missgebildeten Bruder, zu meiner Familie.
Voyage en car avec Quenau
Ich betrete den Korridor zwischen den überfüllten Sitzreihen des Busses und werde mich bis nach hinten zur Plattform vorarbeiten. Dort werde ich einen jungen Nerd beobachten, der sich bei einem Fahrgast über Ellenbogenstöße beschwert, und mich köstlich darüber amüsieren, wie der Typ plötzlich Angst vor der eigenen Courage kriegt und sich auf einen freigewordenen Platz verzieht. Ich werde mich kurz darüber lustig machen, dass der dünnhalsige Geek es wohl cool findet, über den Nike-Haken auf seinem Käppi eine Aids-Schlaufe gepinnt zu haben, und zwar kopfüber, mich dann aber anderen Gedanken zuwenden und vielleicht sogar – im Stehen und mit einer Hand in der Halteschlaufe über mir – einen Blick in meine derzeitige Arbeitsweg-Lektüre zu werfen, Exercices de Style – manierierte belletristische Etüden, vermute ich und werde ich bestätigt finden.
Später werde ich den Freak wiedergesehen haben, wie er sich von einem Kollegen den Finger auf die Brust legen und maßregeln ließ. Aber da das alles nicht wirklich erwähnens- oder auch nur erlebenswert ist, werde ich den Bus heute vorbeifahren lassen und mich der Abwechslung halber mal zu Fuß auf den Weg in die rue Sébastien-Bottin 5 gemacht haben.