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Mamih­la­pi­na­ta­pei

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»Ich betrete den Kor­ri­dor mit der Rose in der Hand«, malt sich in aller Deut­lich­keit der mond­ge­sich­tige Herr aus, der sich auf seine Ren­dez­vous immer gewis­sen­haft vor­be­rei­tet, »und klingle kurz bei ihr. Kurz, aber nicht zu kurz. Zwei­mal.« Alles ist bedacht, nichts über­lässt er dem Zufall, den er als sei­nen per­sön­li­chen Wider­sa­cher betrach­tet.

»Sie öff­net mir und freut sich über die Rose, die ich ihr zur Begrü­ßung rei­che. Im güns­ti­gen Fall ist sie bereits aus­geh­fer­tig. Sie wird die Rose aller­dings ins Was­ser stel­len wol­len.« Der mond­ge­sich­tige Herr möchte die Damen, mit denen er sich ver­ab­re­det, aus­füh­ren, aber kei­nes­falls in ihre Woh­nun­gen gehen. Es sind weni­ger mora­li­sche Beden­ken als eine dif­fuse Angst davor, die jewei­lige Dame könne sich ein Haus­tier hal­ten oder – falls dies im Vor­feld zur Spra­che kam und von der besag­ten Dame ver­neint wurde – sie könne zufäl­lig das Haus­tier einer Freun­din oder eines Fami­li­en­mit­glieds zur Pflege genom­men haben.

»Ich werde solange war­ten«, souf­fliert sich der mond­ge­sich­tige Herr, wor­auf ihn aller­dings in sei­nem Gedan­ken­spiel die Dame bit­tet, dies nicht im Trep­pen­haus, son­dern in ihrer Diele zu tun; es werde auch nicht lange dau­ern. Der Herr mas­siert sich die Schläfe. Es muss einen ande­ren Weg geben.

»Also noch mal zurück an den Anfang«, sagt er sich. Zuerst besorgt er die bei­den Thea­ter­kar­ten, dann klei­det er sich dem Anlass ent­spre­chend und par­fü­miert sich, »ein wenig beid­sei­tig am Hals, nicht jedoch über den Anflug eines Wohl­ge­ru­ches hin­aus oder gar auf­dring­lich«, um dann mit dem guten Geh­stock das Haus zu ver­las­sen und im Blu­men­la­den eine schöne und lang­stie­lige weiße Rose zu erwer­ben, mit der er an der Con­cierge vor­bei, sie »knapp und kei­nes­falls zu freund­lich oder etwa unsi­cher« grü­ßend, die Stiege zwei Stock­werke hin­auf­steigt.

Doch nun fällt ihm, seine Über­le­gun­gen abrupt unter­bre­chend, ein, dass er die ent­spre­chende Dame noch gar nicht gefragt hat, ob sie denn mit ihm ins Thea­ter gehen würde. Dies ist ein Ele­ment des gesam­ten Ablaufs der erwünsch­ten Abend­ge­stal­tung, das dem mond­ge­sich­ti­gen Herrn fast ebenso sehr miss­fällt wie der Gedanke, auf ein Haus­tier zu sto­ßen.

»Also noch mal ganz zurück an den Anfang«, sagt er sich. »Ich trete mit einem Lächeln vor die Per­son, gewin­nend, kei­nes­falls ein Grin­sen, son­dern eher fein und hin­ter­grün­dig, ent­biete ihr mei­nen Gruß und frage sie höf­lich, aber bestimmt, ob sie mir viel­leicht die Ehre erwei­sen würde, mit mir ins Thea­ter zu gehen.« Der mond­ge­sich­tige Herr hat bereits eine Auf­füh­rung ins Auge gefasst. Es ist eine Col­lage aus Stü­cken des Absur­den Thea­ters in einem klei­nen Pro­gramm­thea­ter der Stadt. Aus­ge­sucht hat er sie weni­ger des Inhalts wegen oder auf­grund des Namens des Regis­seurs, der ihm nichts sagt, als wegen des Titels Wir müs­sen drau­ßen blei­ben. Ein Anruf hat ihm bestä­tigt, dass weder Haus­tiere auf der Bühne zum Ein­satz kom­men noch Haus­tiere in Beglei­tung der Besu­cher erlaubt sind.

Spä­ter am Abend aller­dings wird die detail­lier­ten Pla­nun­gen des mond­ge­sich­ti­gen Herrn die Tat­sa­che durch­kreu­zen, dass er die Dame, auf die sich seine Über­le­gun­gen bezie­hen, noch gar nicht ken­nen­ge­lernt hat, und er wird wei­tere Vor­be­rei­tun­gen frus­tiert, aber auch ein wenig erleich­tert auf den fol­gen­den Tag ver­schie­ben.