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Imperti et impera
Ich betrete den Korridor, der mich zu den Kellergewölben mit den Pilzen führt. Jungfrauen und Jünglinge hat mir die Stadt, hat mir das Volk schon lange keine mehr geopfert. Manchmal gelingt es mir, in einem der Innenhöfe einen Vogel zu fangen. Doch das ist nur ein kleiner Happen, und meist muss ich in die feuchten Gewölbe hinabsteigen, um Pilze von den Wänden zu fressen. Sie machen nicht richtig satt, und die unsägliche Demütigung macht mich wütend.
Letzthin, nach zu vielen Pilzen, habe ich geträumt, ein junger Mann tritt zu mir in den Thronsaal. Er hält ein Klemmbrett in der Hand.
»Guten Tag«, sagt er freundlich. »Sie müssen sich registrieren.«
»Was?« Ich habe zu lange an der Wand gesessen: Meine Gelenke sind steif, und ich komme nicht sofort hoch, um ihn umzubringen.
»Alle Minotauren müssen sich registrieren. Ich bin hier, um Ihnen dabei zu helfen. Sie benötigen ein Passwort.«
»Alle Minotauren?«
»Ja. Sie gehören zu den übernatürlichen Wesenheiten.«
»Aber es gibt nur mich!«, brülle ich, während ich weiter versuche, auf meine Füße zu kommen.
Der Mann schüttelt lächelnd den Kopf und blickt auf sein Klemmbrett, das gar kein richtiges Klemmbrett ist, weil es nämlich leuchtet und ihm farbige Flecken ins Gesicht zeichnet. Er malt mit den Fingern darauf herum. »Es sind bereits 141 Minotauren registriert.«
»Einhunderteinundvierzig Minotauren?!«, schnaufe ich.
»Ja, weltweit. Ich habe schon alles für Sie eingetragen. Sie brauchen jetzt noch ein Passwort.«
»Haben Sie mit Dädalus gesprochen? Hat er Sie geschickt?«
»Dädalen sind nicht registrierungspflichtig.«
»Gibt es von ihm«, frage ich konsterniert, »auch so viele?«
»Na, das möchte ich doch wohl annehmen«, erwidert der Mann. Inzwischen konnte ich mich endlich erheben. Ich senke den Kopf und spieße ihn auf. Dass es nur einen Minotaurus gibt, nämlich mich, wird er, vermute ich mal, spätestens jetzt registriert haben.