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The Story Isn’t Finis­hed Yet

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Ich betrete den Kor­ri­dor, stelle mich an eine Wand, öffne meine Hose und pinkle. Was für eine Erleich­te­rung! Das Lachen von The­seus klingt aus dem angren­zen­den Raum. »Stell bloß keine Figu­ren um!«, brülle ich. Sein Lachen wird noch lau­ter.

Wir spie­len Zita­delle, und als ich zurück­komme, wird mir klar, als ich die im gan­zen Raum ver­streu­ten lee­ren Fla­schen sehe, dass wir von dem sau­ren, ver­go­re­nen Saft, der das Blut und das Gemüt erhitzt und die Zunge lockert, schon Unmen­gen getrun­ken haben müs­sen. The­seus grinst mich an, ein mus­ku­lö­ser Krie­ger, Leder­rie­men über der son­nen­brau­nen Brust, Fünf­ta­ge­bart im Gesicht. So jung und wohl­ge­stalt muss ich auch ein­mal gewe­sen sein. Das Schwert hat er acht­los bei­seite gewor­fen. Ich setze mich schwer­fäl­lig vor das Spiel­brett und suche nach einer Mög­lich­keit, dem Ansturm sei­ner Vasal­len zu ent­kom­men.

»Du bist ein Mons­ter«, hatte er gesagt, als wir uns gegen­über­stan­den und taxier­ten, »aber ich bin das grö­ßere Mons­ter.«

Und dann hatte er, mit sei­nem aus­ge­streck­ten Schwert zwi­schen uns, begon­nen, von sich zu erzäh­len. Von sei­ner vater­lo­sen Kind­heit, dem Gespött der ande­ren Kin­der aus­ge­setzt. Von sei­ner Jugend und den Lei­chen, die er auf dem Weg zu sei­nem Vater, des­sen Namen ihm die Mut­ter schließ­lich doch ver­ra­ten hatte, hin­ter sich zurück­ließ: Peri­phe­tes, mit der eige­nen Waffe erschla­gen; Sin­nis, der Fich­ten­beu­ger, den The­seus zwi­schen zwei sei­ner Fich­ten spannte und von ihnen zer­rei­ßen ließ; Ski­ron, den er einen Fel­sen hin­ab­stieß; Pro­krus­tes, dem er erst die Glie­der lang­zog und dann abschlug. Von der Furcht, die er ver­brei­tete, und dem Ruf, ein gna­den­lo­ser Mör­der zu sein. Ein Mons­ter.

Aber The­seus ist eigent­lich ein net­ter Kerl. Er erzählt vom Gol­de­nen Vließ und dass die ande­ren Argo­nau­ten immer Abstand zu ihm hiel­ten. Vom Kaly­do­ni­schen Eber und der Jagd­ge­sell­schaft, die sich bil­dete, um das Mons­ter zu erle­gen, ihn, The­seus, aller­dings zur Nach­hut ver­don­nerte. Vom Mara­tho­ni­schen Stier, einem wei­te­ren men­schen­mor­den­den Mons­ter … Aber hier ver­stummt er, um meine Gefühle nicht zu ver­let­zen. Statt­des­sen erzählt er mir von Ari­adne, mei­ner Schwes­ter, die er hei­ra­ten oder zumin­dest ent­füh­ren will, und fragt mich, ob ich nicht Trau­zeuge sein möchte.

Unsere Zita­delle-Par­tie gewinnt er. Doch dann über­mannt ihn die Müdig­keit. Zärt­lich decke ich ihn zu und räume alle Fla­schen fort, bis auch ich mich zur Ruhe begebe. Nach zu viel ver­go­re­nem Apfel­saft schmer­zen mir am nächs­ten Mor­gen immer die Hör­ner, aber beim Ein­schla­fen denke ich, dass es das wert war.

 

The­seus, das Garn und der Mino­tau­rus (Comic, engl.):Link