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♫ Queen Puabi (Reig­ning Cats and Dogs) ♫


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Ich betrete den Kor­ri­dor, der mein Haus mit dem Boots­schup­pen ver­bin­det. Seit Mona­ten bin ich nicht mehr hier gewe­sen – ers­tens weil durch den stren­gen Win­ter der See zuge­fro­ren war, und zwei­tens, weil mich ein anstren­gen­der Job für eine Hilfs­or­ga­ni­sa­tion keine Zeit für meine pri­va­ten For­schun­gen fin­den ließ. Hier im Kor­ri­dor habe ich einen schma­len Tisch unter­ge­bracht, auf dem meine Noti­zen lie­gen, neben dem kryp­ti­schen Ori­gi­nal­text und mei­nen Ver­su­chen, das Spiel­brett und die Figu­ren zu rekon­stru­ie­ren.

Durch einen glück­li­chen Zufall bin ich vor Jah­ren auf ver­gilbte Auf­zeich­nun­gen gesto­ßen, in denen von einem ver­schol­le­nen Brett­spiel die Rede ist, das sich zur Renais­sance im süd­li­chen Europa offen­bar einer gewis­sen Beliebt­heit erfreute. Es hieß »Zita­delle«, und in der Schrift – einem Brief eines in ferne Län­der rei­sen­den Sohns an sei­nen Vater, der ein Kauf­mann war – sind einige der Figu­ren erwähnt, doch lei­der nur am Rande und nicht etwa zur Doku­men­ta­tion des Spiels und sei­ner Regeln. Die Rekon­struk­tion gestal­tet sich schwie­rig. Wenn sie mir über­haupt jemals gelin­gen mag.

Meine aus Bal­sa­holz gesägte Nach­bil­dung des Spiel­bretts ist waben­för­mig. Ich habe die Fel­der getreu der Auf­zeich­nun­gen des unbe­kann­ten Autors abwech­selnd braun und grün ein­ge­färbt.

Nach­denk­lich nehme ich die von mir geschnitz­ten Spiel­fi­gu­ren in die Hände. Von einem »raum­grei­fen­den Kurier« ist in dem Text die Rede, von »Kata­pul­ten« und einer »wen­di­gen Prin­zes­sin«. Zu den min­der­wer­ti­gen Figu­ren zähl­ten offen­bar zahl­rei­che »Vasal­len«, die bei mir – da ich keine beson­de­ren hand­werk­li­chen oder gar künst­le­ri­schen Fähig­kei­ten habe – wie ein­fa­che Obe­lis­ken aus­se­hen. Auch die Figu­ren »Thron« und »Szep­ter« sind nicht gerade Meis­ter­werke gewor­den.

Ich ver­tiefe mich in meine ver­schach­tel­ten Noti­zen. »Hen­ker schlägt Hof­narr«, lese ich da. Aber wie? Muss viel­leicht vor­her eine sym­bo­li­sche Ver­ur­tei­lung durch einen Rich­ter erfol­gen? Wie­der ein­mal nimmt mich das rät­sel­hafte Spiel völ­lig in Beschlag.

Und dann, als ich mir aus­gie­big die müden Augen reibe, sitzt er mir gegen­über, der unbe­kannte Autor, ein jun­ger, fescher Mann mit einem Schnauz­bart und grü­nem Samt­ba­rett auf dem Kopf. Er setzt mit einem über­ra­schen­den Zug sei­nen Königs­sohn neben meine Prin­zes­sin. »Thron und Szep­ter«, sagt er mit einem brei­ten Lächeln, bevor sich die kurze Vision ver­flüch­tigt.

Das ist es!

Inner­lich jubi­liere ich, bin ich doch gerade einen gro­ßen Schritt wei­ter­ge­kom­men: »Thron und Szep­ter« in dem ver­gilb­ten Brief – das beschreibt nicht zwei wei­tere Figu­ren, son­dern es sind die Worte, mit denen das Spiel endet!

Ich nehme die klei­nen unge­schlach­ten Figu­ren, die ich für Szep­ter und Thron geschnitzt hatte, vom Brett und lasse sie acht­los unter den Tisch fal­len – und damit beginnt das Spiel plötz­lich zu leben, wer­den mir die Züge und Stra­te­gien klar, ste­hen mir die Regeln plötz­lich deut­lich vor Augen. Es ist alles so offen­sicht­lich. »Thron und Szep­ter!«, rufe ich und tanze durch den Kor­ri­dor.