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♫ Insomnia ob omnia ♫
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Ich betrete den Korridor. Es ist verdächtig still hinter der Tür zum Büro des Kommissars. Ich klopfe, was ich sonst nie tue. Eine Art Stöhnen antwortet mir: Albo richtet sich ächzend von seinem Drehstuhl auf. Er wirkt desorientiert. »Wie spät ist es?«
»Offenbar zu früh. Sag mal, Uwe, hast du hier gepennt?« Albo massiert eines seiner Beine, das ihm offenbar ebenfalls eingeschlafen ist. »Ich muss mal kurz in den Waschraum.« Er humpelt aus dem Raum.
Ich nutze die Zeit und werfe noch mal einen Blick in die Kopien der Botschaften, die uns der Killer hinterlassen hat. Hab schon die ganze Nacht drüber verbracht. Albo sitzt meist schon in aller Frühe in seinem Büro – ich dachte, das sei eine gute Gelegenheit, mal nachzufragen, ob es von Seiten der Polizei schon was Neues gibt.
Albo kommt zurück, Haare nass und Wasserspritzer auf dem Hemd. Einen Rasierer hat er hier in der Wache offenbar nicht deponiert.
»Die 73«, sagt er und blättert ziellos durch seine Kopien, ohne die gesuchte zu finden, »ist ein Witz, oder?«
Der Kaffee schmeckt am frühen Morgen noch bitterer als sonst. Ich stelle den Pappbecher Albo auf den Schreibtisch. Er kann ihn brauchen. »Die Nummer mit ›allerorten Frohsinn‹? Der macht sich lustig über uns. Aber ich glaube, diesmal nageln wir ihn fest.«
»Erzähl«, fordert Albo mich auf, während er sich in seinen Stuhl fallen lässt, der ihm dabei fast unterm Hintern wegrollt.
»Ich hatte von vornherein den Eindruck, dass der Kerl unter einer Zwangsstörung leidet. Text Nr. 95 spricht da Bände. Außerdem haben wir ein Kindheitstrauma, eine Schizoiden-Story mit Morddrohungen und die Sache mit der Sackgasse.«
»Die 54 meinst du? Die ist zu alt. Da hat er sich längst rausgearbeitet. Vergiss nicht, er hat dieselben Schreibmaschinen in derselben Reihenfolge genommen.« Er trinkt aus dem Becher, den ich ihm hingestellt habe, und muss husten.
»Kann er auch rückwärts oder durcheinander verwendet haben. Aber du hast recht, Uwe, so leicht lässt der sich nicht stoppen.«
»Schizo, sagst du? Die Nummer mit dem Spiegel-Ich.«
»Da legt er eine Bombe.«
»Sein islamistischer Selbstmordattentäter will auch alles hochjagen. Warum der Kerl selbst dann mit einem Messer mordet …?« Albos Satz verliert sich. Er ist mit den Gedanken schon wieder woanders. Vielleicht ist es auch der fehlende Schlaf.
»Du solltest nach Hause gehen und dich aufs Ohr hauen, Uwe. Siehst nicht gut aus.«
»Danke gleichfalls«, kontert er. »Und schlag hier erst wieder auf, wenn du was Verwertbares aufweisen kannst.« Sein Telefon klingelt. Mit einer unwirschen Husch-Husch-Bewegung schmeißt er mich raus. Bevor ich gehe, mustere ich die Wände. Wir sollten irgendwo eins dieser großen Korkbretter anbringen, wie in den amerikanischen Filmen, wo sie da all ihre Indizien und Querverbindungen dranpinnen. Die Mitte lassen wir frei, und irgendwann, allmählich, würde sich da das Bild des Gesuchten abzeichnen. Wie war das noch? Cory heißt »Hohlraum«?
Ich beschließe, meinem eigenen Rat zu folgen, alle Termine für den Morgen abzusagen und mich noch mal ins Bett zu verkriechen.

