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Das Titelbild zeigt eine schwarz-weiße Aufnahme eines Schreibtischs mit Schreibmaschine der Marke Adler, altem Wählscheibentelefon, Tasse Kaffee, kleinem Blumentopf, Stift auf Papier und einem gerahmten Bild, das eine menschenähnliche Gestalt mit Stierkopf zeigt.

♫ Wim­mel­bild ♫


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Ich betrete den Kor­ri­dor auf der Wache. Schon von hier höre ich Albo brüllen. Scheint miese Laune zu haben. Kein Wun­der. Als er mich sieht, schmeißt er die Grün­schnä­bel aus dem Büro. Rückt mir sog­ar den Stuhl hin. Tut er son­st nie, der Kom­mis­sar.

»Was raus­ge­fun­den?« Er klingt heis­er. Mit dem Kinn zeigt er auf die Kopi­en mit dem Blut­fleck, der bis zu Text Nr. 10 runter langsam verblasst. »Hier im Team heißt es, er sei Kan­ni­bale und hat bis auf das Herz ein­fach alles ver­putzt.«

Ich nehme mir einen Kaf­fee. »Die meinen wohl Text Nr. 15, den ›Men­schen­fress­er‹. Ist eine lit­er­arische Anspielung auf den Mino­tau­rus-Mythos. Unwahrschein­lich, dass er sich auf die Weise mit ihm iden­ti­fiziert.«

Albo set­zt sich auf den Schreibtisch und reibt sich seinen recht­en Ober­schenkel. »Es gibt aber keine Leiche. Und auch keine Ver­mis­sten­mel­dung, die passen würde. Das Herz hat er mit einem Mess­er raus­geschnit­ten, das, sagen die Experten, ›wed­er son­der­lich scharf noch son­der­lich stumpf war‹. Na toll! Hast wenig­stens du irgend­was vorzuweisen?«

»Ist alles nicht so richtig festzu­nageln. Den Tex­ten nach schätze ich, dass er Sin­gle und Einzel­gänger ist, nicht gern unter Men­schen.«

»Die Sache mit dem Olymp?«

»Japp. Aber auch die mit den Hip­pies. Und er hat was gegen staatliche Ein­rich­tun­gen und Bürokratie. Die Nr. 42 mit dem angekündigten Blut­bad …«

»Kön­nte aber auch sein, dass er nur Ärg­er mit seinem Finan­zamt hat. Das ist doch alles Schmar­rn, Mann. Ich sag’s noch mal für Doofe: Wonach soll ich fah­n­den lassen? Und jet­zt erzähl mir nicht, nach ein­er jun­gen Bauamt­sangestell­ten namens Cory d’Or!«

»Das ist nur eine der vie­len falschen Spuren, klar. Obwohl …«

Albo ver­sucht, sich beque­mer hinzuset­zen, und fegt dabei einen Bleis­tift­spitzer vom Schreibtisch. Ächzend beugt er sich hin­unter. »Was obwohl?«

»Es beste­ht eine gewisse Chance, dass er tat­säch­lich auch im richti­gen Leben Cory heißt. Ist ja auch ein Män­ner­name.«

Albo angelt mit aus­gestreck­ten Fin­ger­spitzen, aber der Anspitzer rutscht nur weit­er unter den Tisch.

»Die Nr. 8 mit Hohlraum, Horn und Siede­beck­en etcetera«, set­ze ich nach.

»Ja?« Er gibt es auf, lässt sich wieder in seinen Drehstuhl fall­en und sieht mich erwartungsvoll an.

»Alles eine mögliche Herkun­ft des Namens ›Cory‹. Und wenn er nicht ger­ade Sprach­forsch­er ist, was ich nicht ganz auss­chließen kann, dann weiß das wohl nur jemand, der auch so heißt.«

Albo stre­icht sich über die Stop­peln. »Lass ich check­en. ‘Ne dünne Spur und nur ’ne dünne Chance, aber ich lass es check­en. So viele Corys wird’s in Berlin und Umge­bung ja nicht geben.«

»Und noch was, Uwe.« Albo nimmt die Hand runter. »Ich hab über­legt, ob wir die Texte, einige davon, veröf­fentlichen soll­ten. Mit irgend­was, das klar­ma­cht, dass wir den Autor suchen.«

»Und du meinst nicht, dass der das beab­sichtigt haben kön­nte?«

Die Frage habe ich erwartet. »Doch, ja, kön­nte sein. Aber wir veröf­fentlichen nur Teile, und wir bauen ein paar Rechtschreibfehler ein. So dass er sich grün und blau ärg­ert. Was meinst du? Vielle­icht ken­nt jemand die Texte. Oder erken­nt den Stil oder irgen­deine Anspielung.«

»Mehr hast du nicht? Wenn er sich nun provoziert fühlt? Ich will nicht mor­gen irgend­wo ’ne Leber find­en, oder ’ne Lunge, raus­prak­tiziert mit einem nicht zu stumpfen, aber auch nicht zu schar­fen Mess­er.«

Ich deute auf die Kopi­en: »Ich hab die aus­ge­presst wie eine Zitrone. Das Ganze ist ein Ver­wirrspiel und führt einen dauernd an der Nase rum. Ich kann nicht ein­fach mit dem Fin­ger auf jeman­den zeigen und sagen, der ist’s, der hat sie geschrieben, in sein­er Garage find­est du fün­fzig Schreib­maschi­nen und in seinem Küchen­schrank das Mess­er mit dem Blut.«

Albo wiegt den Kopf. Wir ken­nen uns jet­zt schon so viele Jahre – immer mal wieder hat er sich bei knif­fli­gen Mord­fällen von mir, seinem alten Psy­cholo­gen-Fre­und, berat­en lassen. Aber trotz der wichti­gen Hin­weise, die ich ihm gele­gentlich geben kon­nte: Ihm sollte klar sein, dass ich nicht zaubern kann. Er senkt die Stimme, um mir keinen Zweifel daran zu lassen, dass das, was jet­zt kommt, wichtig ist. »Ich will ein Pro­fil, schriftlich, möglichst exakt, klar? Eines, das sagt, dass er kein Men­schen­fress­er ist, son­dern ein Intellek­tueller mit Spaß an grausamen Spielchen. Der vielle­icht Cory heißt und deswe­gen ein Trau­ma hat und ’ne Obses­sion mit Kor­ri­doren entwick­elt hat. Klar?!«

»Viel mehr habe ich aber gar nicht.«

»Schreib’s auf. Ich brauch’s für die Rech­nungsstelle. Wenn dir dabei zufäl­lig etwas Brauch­bares ein­fall­en sollte: meld dich! Und was die Sache mit dem Veröf­fentlichen ange­ht – ich denk drüber nach.«