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Das Titelbild zeigt ein Schwarzweißbild: Vier dunkel gekleidete Personen stehen in einem Gang mit Backsteinwänden vor einem Gitter, hinter dem aufrecht eine Bärenfigur steht. Ein Overlay zeigt die Nummer 04 über dem Piktogramm eines menschlichen Herzens im Fadenkreuz.

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Ich betrete den Kor­ri­dor. Es stinkt erbärm­lich nach Tier­ge­hege – kein Wun­der, ich bin hier ja auch in einem Bären­zwin­ger. Die bei­den Bewoh­ner, Maxi und Schnute, haben sie auf die andere Seite gesperrt, um der Mord­kom­mis­sion den Zutritt zu ermög­li­chen.

»Das haben die Bären nicht ange­rührt. Sind sogar rich­tig davor zurück­ge­schreckt, sagt die Wär­te­rin«, begrüßt mich Uwe Albo, wie immer in einem schlecht­sit­zen­den Anzug, das Gesicht von Sor­gen­fal­ten durch­furcht. Die Bären kön­nen hier an zwei Sei­ten ins Freie tre­ten und von Besu­chern bestaunt wer­den, mit­ten in Ber­lin in einem klei­nen Park zwi­schen der Bot­schaft von Angola und dem Deut­schen Psy­cho­lo­gen Ver­lag. Der Kor­ri­dor im klei­nen Bären­haus zwi­schen den bei­den ein­ge­zäun­ten und von blau­ge­ka­chel­ten Grä­ben umge­be­nen Frei­area­len liegt im Zwie­licht.

»Wie­der ein Herz«, sagt Albo. Er klingt erschöpft. »Und wie­der fünf­zig Blät­ter.«

»Deja vu«, sage ich. Mir ist flau im Magen. Sollte ein ent­spann­tes lan­ges Wochen­ende wer­den.

Spä­ter durch­misst der Kom­mis­sar vol­ler unter­drück­ter Wut sein Büro dia­go­nal, hin und her, von der Tür zur Kaf­fee­ma­schine, von der Kaf­fee­ma­schine zur Tür. Und wie­der zurück. Mor­gen zie­hen Rosen­mon­tags­züge durch die deut­schen Städte. Aber die Ber­li­ner Mord­kom­mis­sion wird wohl kei­nen Grund haben, zu fei­ern und Kamelle zu wer­fen. »Jetzt haben wir schon zwei Opfer. Und einen Seri­en­mör­der, über den wir nichts wis­sen, außer dass er uns jetzt ganze hun­dert ver­dammte Bot­schaf­ten geschickt hat, aus denen wir nicht schlau wer­den.«

Das ist auf mich gemünzt. Die neuen Texte konnte ich bis­her nur über­flie­gen. Um irgend­was zu sagen, ant­worte ich mit einer Gegen­frage – alter Psy­cho­lo­gen­trick: »Warum erst die Sie­ges­säule und dann der Bären­zwin­ger? Ber­li­ner Wahr­zei­chen. Damit will er doch irgend­was signa­li­sie­ren.«

Albo hält sich an der offen­ste­hen­den Tür fest. »Sag du es mir.« Er wird unter­bro­chen, tritt aus dem Zim­mer, um mit einem Mit­ar­bei­ter zu reden. Irgend­wie ahne ich schon, was es für Neu­ig­kei­ten gibt.

Und tat­säch­lich: »Keine ver­wert­ba­ren Spu­ren. Der Mann ist nachts ver­mut­lich ein­fach ins Gehege geklet­tert. Muss lebens­müde sein. Oder kennt sich mit Bären aus. Und die Blät­ter: wie­der fünf­zig Schreib­ma­schi­nen. Die­sel­ben fünf­zig Schreib­ma­schi­nen. In der glei­chen Rei­hen­folge.«

Ich sehe einen Syn­chron­schach­spie­ler vor mir, der von Tisch zu Tisch tritt und dort jeweils einen Zug macht. Fünf­zig Tische, fünf­zig Schach­bret­ter, fünf­zig Spiele. Immer einen Zug wei­ter. Albo sage ich nichts davon. Schlech­ter Zeit­punkt. Er ist müde und wütend, ein ver­letz­ter Bär, der nicht weiß, warum alle auf ihn ein­ha­cken und wo er sich ver­ste­cken soll.

Auf mich war­tet Arbeit. Lesen. Nach­den­ken. Spu­ren nach­ge­hen. Kom­bi­nie­ren. Ich sehe zu, dass ich ver­schwinde.