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Das Titelbild zeigt ein Schwarz-Weiß-Foto mit sichtbarem Schnittrand. Es zeigt von oben zwei Männer hinter einem Absperrband auf einem gepflasterten Boden mit einem Stapel Papier in der Mitte und langen, ins Bild fallenden Schatten. Ein Overlay zeigt die Nummer 01 über dem Piktogramm eines menschlichen Herzens im Fadenkreuz.

♫ Thun­ders­now ♫


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Ich betrete den Kor­ri­dor. In die Sie­ges­säule hat es mich bis­her nie ver­schla­gen. Ist wohl auch nur was für Tou­ris. Dies­mal sind keine hier, weil die Mord­kom­mis­sion alles abge­sperrt hat. Uwe Albo tritt mir ent­ge­gen. »So was ist mir im Leb­tag noch nicht unter­ge­kom­men. Echt übel. Den Scheiß­kerl kauf ich mir per­sön­lich, wenn …« Er ver­liert den Faden. Sieht ver­stört aus. Dem kann ich nach­hel­fen: »Den Kerl? Oder die Frau?« Albo stutzt, aber merkt schnell, dass ich natür­lich noch nicht mehr wis­sen kann als er. »So was macht keine Frau.« Er gibt mir den Weg frei. Der Foto­graf ist gerade bei der Arbeit. Sein Blitz erhellt einen Sta­pel loser Blät­ter, auf dem ein blu­ti­ger Klum­pen Fleisch liegt. Ein fri­sches Herz, wie es scheint, und zwar ver­mut­lich das eines Men­schen, sonst wären wohl kaum Albo und die Mord­kom­mis­sion ange­rückt – und er hätte auch mich nicht gleich her­kom­men las­sen. Na, das Jahr hört ja gut auf. Ich sehe mich in dem Kor­ri­dor um, kann aber nichts psy­cho­lo­gisch Beson­de­res ent­de­cken.

Spä­ter in sei­nem Büro drückt mir Kom­mis­sar Albo, nach­dem ich gefühlte zwan­zig Papp­tas­sen vol­ler bit­te­rem Kaf­fee auf ihn gewar­tet habe, die Blät­ter in die Hand. Das Blut hat dun­kel­rote Fle­cken dar­auf hin­ter­las­sen. Ich bin ganz froh, dass die Foren­si­ker jedes ein­zelne Blatt in eine Plas­tik­hülle gesteckt haben.

»Es sind fünf­zig«, sagt Albo. Er sieht müder aus als sonst – seine dunk­len Trä­nen­sä­cke schei­nen noch mehr vom Leid der Welt absor­biert zu haben. »Durch­num­me­riert.« Er lässt sich auf sei­nen Dreh­stuhl fal­len. »Sonst haben wir nichts. Täter-DNA, Fin­ger­ab­drü­cke, Fuß­spu­ren: Fehl­an­zeige.« Ich sehe die Blät­ter durch. Maschi­n­ege­schrie­be­nes. Kurze Texte. Geschich­ten. Kein Beken­ner­brief allem Anschein nach. Auch keine Lie­bes­briefe. »Das Herz?«, frage ich.

Albo greift nach sei­nem Handy, als habe es gerade vibriert. Aber er muss sich getäuscht haben, steckt es mit einem fast unmerk­li­chen Kopf­schüt­teln wie­der weg. »Das Herz, ja. Das Opfer ist männ­lich, dem Blut nach. Vom Rest keine Spur.«

Ich stehe auf und winke mit dem Blät­ter­sta­pel: »Guck ich mir zuhause mal näher an.« Albo sieht mich an, als hätte ich gerade mein Jackett geöff­net und ihm einen Spreng­stoff­gür­tel prä­sen­tiert: »Die kannst du nicht mit­neh­men. Hast du sie noch alle? Das ist wich­ti­ges Beweis­ma­te­rial.« Ich mache die drei Schritte zum Kopie­rer und hebe den Deckel hoch. Der Schnell­ein­zug nützt mir hier nichts, mit dem Plas­tik um die Blät­ter. Albo sieht aus, als wolle er pro­tes­tie­ren. Grü­nes Leuch­ten fährt unter dem Deckel ent­lang. Kann das Kopie­rer­licht irgend­wel­che Spu­ren ver­nich­ten? Albo scheint zu dem Ergeb­nis zu kom­men, dass das eher unwahr­schein­lich ist. Er sackt wie­der auf sei­nen Stuhl zurück. Dass wir es mit einer kran­ken Psy­che zu tun haben, muss er gleich gespürt haben. Sonst wär ich jetzt nicht hier.

Ich lege das zweite Blatt auf. Auf dem ers­ten, das ich zur Seite lege, ist jede Menge ein­ge­trock­ne­tes Blut, das auf der Kopie häss­li­che schwarze Kon­ti­nente hin­ter­las­sen hat, ähn­lich der Tin­ten­kleckse für einen Ror­schach­test. Die Fle­cke umflie­ßen den Text mit der Num­mer 1 auf dem Blatt. Es ist nur ein ein­zi­ger Satz. Er lau­tet: »Ich betrete den Kor­ri­dor …«