100/398

♫ Heimkoma ♫
100/398
»Ich betrete den Korridor«, schreiben Sie, liebe S., »und erreiche, auch wenn ich mit aller Kraft renne, niemals das andere Ende, obwohl ich es so sehr ersehne. Was soll mir das sagen?«
Liebe S., wir alle kennen solche Träume, in denen uns eine unbekannte Kraft daran hindert, unsere Ziele zu erreichen. Dabei könnte ein Korridor für unseren Lebensweg stehen, die seitlichen Türen oder Durchgänge für mögliche oder auch schon verpasste Abzweigungen, und das ersehnte Ende des Korridors mag unseren größten Wunsch, unseren »goldenen Traum« verdeutlichen, mit dem vor Augen wir uns durchs Leben bewegen.
Aber erreichen wir ihn?
Ein Korridor im Traum ohne Türen könnte bedeuten, dass du dich durch äußere Umstände oder andere Menschen gezwungen siehst, einen bestimmten Weg einzuschlagen, ohne irgendwelche Alternativen dazu zu sehen.
Ein Korridor mit vielen Türen, die aber verschlossen sind, könnte die Botschaft für dich haben: Konzentriere dich auf deinen augenblicklichen Weg und weiche nicht davon ab.
Und ein Korridor, in dem du einfach nicht weiterzukommen scheinst, symbolisiert möglicherweise einen Lebensabschnitt, in dem bei dir alles stagniert.
Dein Traum, liebe S., scheint dir zuzurufen: So sehr du dich auch anstrengen magst – dein Ziel wirst du nie erreichen.
Ist es also hoffnungslos für dich? Sagt dir dein Traum-Bewusstsein, dass du endlich aufgeben sollst, weil du eh keine Chance hast? Ich glaube, nein. Ich glaube im Gegenteil, dass dein Traum-Bewusstsein dir gerne einen Weg aufzeigen möchte, wie du deine Ziele trotz aller nutzlosen Anstrengung doch noch erreichen kannst.
Du versuchst es mit rennen. Doch vielleicht wird ja dein Traum-Korridor länger und länger, je schneller du rennst. Oder es ist wie in Lewis Carrolls Alice hinter den Spiegeln:
»›Nun, in unserem Land‹, sagte Alice, die immer noch ein wenig außer Atem war, ›kommt man, wenn man eine längere Zeit lang schnell rennt, gewöhnlich an einen anderen Ort.‹ – ›Lahme Gegend!‹, sagte die Rote Königin. ›Hier bei uns muss man so schnell rennen, wie man nur kann, um am selben Ort zu bleiben. Willst du woanders hin gelangen, musst du mindestens doppelt so schnell rennen.‹«
Also doppelt so schnell rennen? Das wäre ein schlechter Rat. Dein Traum scheint mir vielmehr zu signalisieren: Halte inne; lege eine Rast ein; verweile ein wenig an Ort und Stelle.
Träume sind voller Magie: Vielleicht verkürzt sich daraufhin dein Traum-Korridor, und das andere Ende rückt in greifbare Nähe, so dass du nur noch gemütlich hinzuschlendern brauchst oder womöglich sogar ein einziger kleiner Schritt ausreicht!
Einen Versuch – im Leben und im Traum – ist es wert, oder?
Jedenfalls vielen Dank, liebe S., für deine Frage. Ähnliche Traumerlebnisse beschäftigen viele Menschen, und oft ist die Deutung und die Lösung eine ähnliche wie bei dir. Halte uns auf dem Laufenden und schreibe wieder, wenn eine veränderte innere Haltung zu veränderten und ganz neuen Traumerfahrungen führt.
– C. d’Or (Online-Traumdeutung und mehr: www.Korridorium.com/de)

