Korridorium

1x täglich Kurzprosa mit Soundtrack vom 11/11/11 bis 12/12/12

Kategorie: Paraphernalia

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Remi­nis­zenz­tur­bu­lenz

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»Ich betrete den Kor­ri­dor« ist ein mäch­ti­ges Tan­tra für Dich. Jetzt, wo es dich gefun­den hat, wird es Dein Leben in einer Weise ver­än­dern, die Du nicht für mög­lich hältst. Lies die­sen Text unbe­dingt bis zum Ende durch, sonst wirst Du es womög­lich bereuen.

Diese Geschichte ist wirk­lich pas­siert. Ein Bekann­ter von mir in Port-au-Prince litt seit vie­len Jah­ren unter hef­ti­gen Migrä­ne­an­fäl­len, mit denen er oft tage­lang sein Bett hüten musste. Wenn er dann wie­der auf der Zucker­rohr­plan­tage arbei­ten ging, kam er oft völ­lig malade nach Hause, weil er den gan­zen Tag von Rücken­schmer­zen geplagt wurde – bemit­lei­det von sei­ner Ehe­frau, deren Bezie­hung zu ihm schon vor lan­ger Zeit merk­lich abkühlt war, als ihr klar wurde, dass er keine Kin­der zeu­gen konnte. Dann zer­störte das Erd­be­ben am 12. Januar 2010 das Haus, in dem er wohnte. »Ich betrete gerade den Kor­ri­dor«, erzählte er mir, »ich betrete den Kor­ri­dor und sehe meine Frau mit einer klei­nen Puppe han­tie­ren, die ich noch nie gese­hen hatte.« In die­sem Moment beginnt das Erd­be­ben und ein Holz­bal­ken erschlägt seine Frau.

In den Trüm­mern fand er unter den Hin­ter­las­sen­schaf­ten sei­ner Frau eine Puppe, die eine gewisse Ähn­lich­keit mit ihm hatte. Nadeln steck­ten ihr im Kopf und im Rücken. Er sagte mir: »Wenn ich dir einen guten Rat geben darf: Traue nie­man­dem.« Nie hätte er geglaubt, dass er seine Schmer­zen der eige­nen Ehe­frau zu ver­dan­ken hat.

»Ich betrete den Kor­ri­dor.« Diese Worte mei­nes Bekann­ten und seine gleich­zei­tige Erkennt­nis habe ich mir sehr zu Her­zen genom­men. Sie haben mein Leben ver­än­dert. Heute zähle ich jedes Wech­sel­geld genau nach und lasse mir von den Kon­trol­leu­ren in der S‑Bahn immer erst den Aus­weis zei­gen. Ich infor­miere mich über Mogel­pa­ckun­gen und zer­teile jedes Fisch­fi­let, bis ich abso­lut sicher bin, dass keine Grä­ten drin sind, egal was der Kell­ner sagt. Wenn ich im Inter­net etwas bestelle, mache ich Bild­schirm­ko­pien der gesam­ten AGBs. Ich nehme von mei­ner Fami­lie und mei­nen Freun­den kei­ner­lei Geschenke mehr an und lasse sie nicht mehr unbe­auf­sich­tigt in mei­nem WLAN sur­fen. Ich habe begrif­fen, dass Men­schen unbe­re­chen­bar sind und das Leben unlieb­same Über­ra­schun­gen bereit­hält, vor denen man sich recht­zei­tig schüt­zen sollte. Schien mir frü­her ein Hand­schlag aus­rei­chend, so sichere ich mich heute mit einem nota­ri­el­len Ver­trag dage­gen ab, über­vor­teilt zu wer­den.

Die­ses Tan­tra stammt aus Haiti. Ob Du aber­gläu­bisch bist oder nicht, es wird Dein Leben ver­än­dern. Behalte diese Bot­schaft nicht für Dich. Das Voo­doo-Tan­tra will in den nächs­ten 96 Stun­den wei­ter­ver­schickt wer­den! Ver­schi­cke Kopien davon an Deine Feinde und Men­schen, die Du nicht aus­ste­hen kannst. Beob­achte dann ein­fach, was Dir in den nächs­ten Tagen wider­fährt.

Schi­cke diese Bot­schaft an wenigs­tens

  • 1 Per­son: Dein Leben ver­än­dert sich dras­tisch, und alles, von dem Dir je gegraut hat, beginnt Form anzu­neh­men.
  • 2 bis 4 Per­so­nen: Du erlebst in den fol­gen­den Wochen min­des­tens 5 böse Über­ra­schun­gen.
  • 5 bis 9 Per­so­nen: Dein Leben wen­det sich zum Schlech­te­ren.
  • 10 bis 14 Per­so­nen: Mit Dei­nem Leben geht es nur wenig bergab.
  • 15 bis 20 Per­so­nen: Dein Leben bleibt, wie es ist.

Schickst Du die­ses Tan­tra nicht inner­halb von 96 Stun­den wei­ter, wird alles noch viel schlim­mer. Meine Tante hat kurz nach Erhalt die­ses Tex­tes über 20.000 EUR im Lotto gewon­nen. Doch sie hat ihn nicht wei­ter­ge­schickt, und als sie den Lot­to­schein ein­lö­sen wollte, war er unauf­find­bar. Sie war ver­zwei­felt. Dann hat sie sich an die­ses Tan­tra erin­nert und es an über 20 Per­so­nen geschickt, und wenig spä­ter fand sie den Lot­to­schein in ihrer Hun­de­hütte. Ihr Pudel hatte den Schein ver­schleppt. (Zum Dank legte sie ihrem Pudel noch eine wei­tere Kopie des Tan­tras in die Hütte.)

Schi­cke diese Worte an alle Per­so­nen, die Du zum Teu­fel wünschst. So wie auch diese kleine Nach­richt Dir zeigt, dass Dich ein Mensch nicht ver­ges­sen hat.

Es dau­ert Monate, mit­un­ter Jahre, um das Ver­trauen eines Men­schen zu gewin­nen!!!! Aber nur 30 Sekun­den kön­nen genü­gen, um ALLES zu zer­stö­ren!!!

 

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An Anthem for Cor­ri­dors

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Through Pal­mists‘ Eyes

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Ich betrete den Kor­ri­dor, und zwar, tata­TaT­AAA!, als Bene­fiz­ver­an­stal­tung. Die ganze Aktion, das Kor­ri­dor-Hap­pe­ning sozu­sa­gen, fin­det heute – ent­scheide ich jetzt ein­fach mal spon­tan – zuguns­ten einer guten Sache statt.

Ich bin’s leid, es immer nur auf eigene Rech­nung zu machen. Dies­mal bin ich groß­zü­gig und lasse alle Ein­künfte einer Orga­ni­sa­tion zukom­men, die sich auf die Fahne geschrie­ben hat, unsere Welt zu einem bes­se­ren Ort zu machen. Da hat die Orga­ni­sa­tion was davon, die Welt, und letzt­lich auch ich, weil ich mir damit den Ruf erar­beite, auch mal an andere zu den­ken und das große Ganze im Blick zu haben, das, was wirk­lich wich­tig ist, über den kurz­fris­ti­gen Pro­fit hin­aus. So ist allen gehol­fen. Des­halb jetzt spon­tan diese Bene­fiz-Aktion mit dem heu­ti­gen Kor­ri­dor.

Wel­che Orga­ni­sa­tion die Erlöse erhält? Tja, hab ich mir noch nicht über­legt. Müsste natür­lich etwas sein, das nicht gleich auf der Hand liegt. Dürfte viel­leicht sogar einen leich­ten sur­rea­lis­ti­schen Touch haben. Der Club der Solip­sis­ten viel­leicht (der die Welt dar­über auf­klä­ren will, dass es nur ein Bewusst­sein gibt, näm­lich meins, meins und meins), oder die Olden­bur­ger Höhen­öko­lo­gi­sche Offen­sive (die für all die Tie­fen­öko­lo­gen in den Gre­mien als Aus­gleich die­nen möchte und »bio­sphä­ri­sche Dif­fe­ren­ziert­heit« for­dert)?

Nein, jetzt mal im Ernst. Was habe ich schon zu spen­den, was brin­gen mir meine uner­müd­li­chen Anstren­gun­gen schon ein? Doch höchs­tens Spott und Stirn­run­zeln, wenn es nicht sogar im gesam­ten deut­schen Sprach­raum bei kom­plet­ter Gleich­gül­tig­keit gegen­über mei­nem heu­ti­gen Kor­ri­dor-Hap­pe­ning bleibt. Spott, Kopf­schüt­teln und Indif­fe­renz: Wem könnte das die­nen?

Genau.

Den Krea­tio­nis­ten.

Also: Ich betrete heute den Kor­ri­dor gleich fünf­mal, ein­mal für jeden fünf­ten Deut­schen, Schwei­zer und Öster­rei­cher, der oder die glaubt, das Leben, das Uni­ver­sum und der ganze Rest sei vor rund sechs­tau­send Jah­ren erschaf­fen wor­den und alles, das etwas ande­res nahe­legt, nur eine Prü­fung unse­res Glau­bens. Sprich: Sämt­li­che heu­ti­gen Erlöse (im Sinne von »Erlöse uns von der Dumm­heit!«) kom­men denen zugute, die fest davon über­zeugt sind, Jesus habe bei sei­ner wun­der­ba­ren Brot­ver­meh­rung selbst­ver­ständ­lich auch die Dino­sau­rier gespeist. Zumin­dest die vege­ta­ri­schen. Amen.

 

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Til­boð

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Ich betrete den Kor­ri­dor.

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Kor​ri​do​rium​.com (I’ve been to hell and live to tell.)

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One cor­ri­dor a day keeps the doc­tor away.

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Alle T‑Shirts Uni­sex mit Fair-Trade-Sie­gel, aus rei­ner Baum­wolle und bei 60°C wasch­bar. Erhält­lich ab sofort im nächs­ten Plu­ri­ver­sum (die Straße run­ter, links über die Bahn­li­nie, das kleine, stau­bige Schau­fens­ter an der Ecke mit den Win­ke­kat­zen). Solange der Vor­rat reicht.

 

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Handan orðum

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»Ich betrete den Kor­ri­dor.« Wie­der­ho­len Sie das mal laut. Spre­chen Sie’s aus, set­zen Sie Ihre Zunge und Stimm­bän­der in Bewe­gung und arti­ku­lie­ren Sie es – und zwar nicht nur ein­mal, son­dern zwei, drei Dut­zend Male. Und wenn nötig hun­dert Mal. Was dann pas­siert? Nun: Was mit allem pas­siert, wenn man es häu­fig genug aus­spricht und zer­re­det – es wird zu einer blo­ßen Laut­folge ohne jeden Sinn.

Sie glau­ben wahr­schein­lich, Sie leben in einer Welt aus Din­gen. Ihrer per­sön­li­chen klei­nen Welt aus Din­gen viel­leicht, aber an der Sache mit den Din­gen wol­len Sie nicht rüt­teln. Dabei leben wir alle in einer Welt aus Wor­ten: einer Welt aus Wor­ten, mit denen wir die Welt erklä­ren. Und diese Wör­ter ver­stel­len uns die eigent­li­che Wirk­lich­keit, über­all ste­hen sie zwi­schen dem Erle­ben und uns. Wir erzäh­len uns selbst stän­dig Geschich­ten. Hören Sie sich nur mal zu. Jetzt zum Bei­spiel. Geschich­ten über das, was Sie tun (dies lesen), warum Sie es tun (grad nichts Bes­se­res zu tun), was Sie statt­des­sen tun soll­ten (end­lich die­sen läs­ti­gen Tele­fon­an­ruf machen), was Sie statt­des­sen viel lie­ber tun wür­den (…).

Stopp!, sagen Sie. Als ich letzt­hin nachts auf­ge­stan­den bin und mir im Dun­keln böse die Zehen am Bett­pfos­ten gesto­ßen habe: Da gab es keine Worte, da war nur die reine Erfah­rung.

Ach ja?

Wie lange hat es gedau­ert, bis Sie »Ver­flixt!« oder Ähn­li­ches geru­fen und so was wie »Hätte ich doch das ver­dammte Licht ange­macht!« gedacht haben? Worte. Mit denen Sie sich Ihre Geschichte erzäh­len.

Ein Wort ent­hält immer weni­ger Wirk­lich­keit als die Wirk­lich­keit selbst – wenn es »mehr« zu sein scheint, ist es ein­fach nur unschär­fer als die Wirk­lich­keit. Geht es ohne? Ja. Im Schlaf, im Traum. Denn ein nächt­li­cher Traum, an den Sie sich erin­nern, ist nur die Geschichte, die Sie sich im Nach­hin­ein dar­über erzäh­len. Im Traum wer­den Wör­ter oft ganz ande­res und oft auch gar nicht genutzt. Das macht die nächt­li­chen Fan­ta­sie­rei­sen so sur­real, so anders­ar­tig, so selt­sam. Das macht sie so schwer ver­mit­tel­bar und so leicht zu ver­ges­sen.

Lust auf ein Expe­ri­ment? Trauen Sie sich! Sagen Sie Ihren Namen, Ihren vol­len Namen, und wenn es einen Titel gibt, den gleich mit dazu. Spre­chen Sie ihn aus. Das sind Sie. Und wie­der. Und wie­der. Und wie­der, unent­wegt. Wie hart­nä­ckig wei­gern sich diese Wör­ter, zu zer­ge­hen, zu zer­fa­sern, zu zer­lau­fen? Spre­chen Sie Ihren Namen solange aus, bis die Wör­ter schließ­lich sämt­li­che Bedeu­tung ver­lie­ren. Der Name ist zer­re­det, zer­kaut und ver­schwun­den, aber etwas ist noch da. Das sind Sie? Ja: eine ganz neue Erfah­rung.

Machen Sie das mal mit Ihrem Gewichts­pro­blem oder dem ewi­gen Streit­thema, das bis spät nachts in Ihrem Kopf rotiert (Wör­ter, Wör­ter, Wör­ter …) und Sie am Ein­schla­fen hin­dert. Irgend­wann blei­ben nur noch sinn­lose Laut­fol­gen davon übrig, und das ist der Moment, in dem die wahre Wirk­lich­keit zwi­schen den Fet­zen der Wör­ter, die uns wie eine Wagen­burg umge­ben, durch­schim­mert. Viel­leicht kön­nen Sie sich ein wenig davon bewah­ren.

Ich will’s mal ein wenig poe­tisch sagen – Poe­sie hier ver­stan­den als Ver­such, mit Wor­ten ins Herz der Wirk­lich­keit zu zie­len, und nicht als Poe­sie­al­bum­spruch, der mit einer wei­te­ren Schicht der schö­nen Fas­sade von Wor­ten nur noch mehr Glanz ver­leiht: Las­sen Sie sich die Worte auf der Zunge buch­stäb­lich zer­ge­hen, seien Sie mal kom­plett sprach­los, und tre­ten Sie ein ins wort­lose Ein­ver­neh­men mit der Welt.

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5 + 1 Musi­cal Let­ters

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Ich betrete den Kor­ri­dor immer gleich mor­gens zum Früh­stück 😉 Dein Twit­ter­ac­count ist da total prak­tisch, da kann ich immer gleich zum neus­ten Mär­chen kli­cken oder was auch immer du nachts wie­der für abge­fah­re­nes Zeug online gestellt hast. Auch die Mord­se­rie mit Herz find ich cool, aber die les ich immer nie, weil sie zu lang fürs Früh­stück ist, wenn nicht grade Sonn­tag ist. Und die grot­ti­gen Sound­tracks finde ich kannst du dir spa­ren oder hör am 21.12. damit auf und mach nur noch mit den Geschich­ten wei­ter, zumin­dest die kur­zen klei­nen. Also wenn du das ernst meinst mit dem Auf­hö­ren, find ich das voll kacke. 🙁 Denk an deine Fans! Du müss­test doch jetzt total im Groove mit dem täg­li­chen Cor­ri­do­ring sein. Also nimm das oben raus mit „bis 12/12/12“ und beson­ders die­ses damokli­sche „/398“, das macht mich immer echt voll ner­vös beim Früh­stück.

         – Meg D., Frankfurt/Oder (per E‑Mail)

 

 

Liebe® Cory,

danke für all die extra­va­gan­ten Kor­ri­dor-Ein­bli­cke (die mich immer mal wie­der an Ist­ván Örké­nys bezau­bernde Minu­ten­no­vel­len erin­nern). Ich habe schon herz­lich lachen, offe­nen Mun­des stau­nen, stirn­run­zelnd rät­seln und ein­mal sogar ein wenig schluch­zen müs­sen. Was für ein unge­wöhn­li­ches bel­le­tris­ti­sches Uni­ver­sum! Und wie man sich da immer wie­der unver­se­hens auf der Meta­ebene wie­der­fin­det!

[… Aber dass es nach nicht ein­mal 400 Kor­ri­do­ren vor­bei sein soll, kann ich ein­fach nicht glau­ben. Und dass dann alles auch gleich gelöscht wer­den soll! Warum? Es gibt doch wahr­lich noch mehr als genug Ideen und Anlässe, um »in die Gänge zu kom­men«. Ich helfe auch gerne mit ein paar Minu­ten­kor­ri­do­ren aus, falls Bedarf bestehen sollte. […

Mit kor­ri­do­ra­ni­schen Grü­ßen, hoff­nungs­voll,

         – Rai­ner H. aus Offen­burg (per Brief)

 

 

An das Kor­ri­do­rium und alle Betei­lig­ten.

Nicht alles hier bei Ihnen sagt mir zu, und ich bin auch längst nicht mit allem ein­ver­stan­den. Es spricht jedoch oft eine große Weis­heit und Lebens­be­ja­hung aus Ihren ori­gi­nel­len Pro­sa­stü­cken (z. B. denen mit dem spi­ri­tu­el­len Meis­ter). Seit mir aber klar gewor­den ist, dass der Blog die­ses Jahr noch enden und wenig spä­ter sogar die ganze Web­site abge­schal­tet wird, ist es für mich so, als winke im Hin­ter­grund stän­dig der Tod mit sei­ner Sense, und auch die Stü­cke selbst schei­nen mir seit­dem eher von einer gewis­sen Lebens­ver­ach­tung getra­gen als von dem Wohl­wol­len, das ich anfangs aus ihnen her­aus­zu­le­sen glaubte – ich sage nur: Nine-Ele­ven.

Den­noch fühle ich mich posi­tiv davon ange­spro­chen, dass Sie bei Ihren Lesern einen gewis­sen Bil­dungs­hin­ter­grund vor­aus­set­zen. Das ist heut­zu­tage, gerade in den Mas­sen­me­dien, immer sel­te­ner der Fall. Damit auch wei­ter­hin der Stab für ein breit­ge­fä­cher­tes Hin­ter­grund­wis­sen gebro­chen wird, möchte ich Ihnen gegen­über dafür plä­die­ren, die­sen unse­li­gen Count­down Ihres so wun­der­bar ver­spiel­ten lite­ra­ri­schen Sam­mel­su­ri­ums zu stop­pen. Könnte sich nicht im letz­ten Kor­ri­dor, auch wenn er eine Sack­gasse zu sein scheint, uner­war­tet eine kleine Geheim­tür öff­nen zu neuen (und gewiss auch wei­ter­hin sehr inspi­rie­ren­den) Erleb­nis­sen, gerne auch wie­der in Tibet? Gehen Sie in sich! Geben Sie sich einen Ruck und tref­fen Sie eine lebens­be­ja­hende Ent­schei­dung!

         – Dr. Helena v. H. (per Fax)

 

 

Hallo, Tycho;

hallo, Cory;

jede Nacht mit einem neuen Track beschallt zu wer­den, und das jetzt seit fast einem Jahr: Respekt! Die Musik füllt schon rund zehn rand­volle CDs. Hut ab! Auch wenn ich ehr­lich gesagt mit den Tex­ten nicht so viel anfan­gen kann, sind die Tracks jedes Mal wie­der für einen klei­nen Trip gut, beson­ders alles, was in Rich­tung Dark Ambi­ent geht. […

Mit Grau­sen lese ich, dass euer Blog ein Ver­falls­da­tum hat und damit der täg­li­che Nach­schub an psy­che­de­li­scher Elek­tro­nik limi­tiert ist. [… Und über­haupt: das Löschen der Web­site am 21.12.12 wider­spricht der Grund­idee hin­ter dem WWW. Schon ver­ges­sen? Das Web ver­gisst nie.

Inzwi­schen lasse ich den Track des Tages immer lau­fen, wäh­rend ich mir den neus­ten Strip von Sin­fest angu­cke. Bei­des passt manch­mal echt gut zusam­men. Sin­fest gibt’s täg­lich (!), seit zwölf Jah­ren (!!), sonn­tags in Farbe, und liegt bei knapp 4000 (!!!) Strips. Ihr soll­tet euch das zum Vor­bild neh­men und wei­ter­ma­chen. Ich wäre auch ein­ver­stan­den, wenn’s nur sonn­tags einen Text gibt, dafür aber wei­ter­hin jede Nacht einen eurer tran­cig-trip­pi­gen Sound­tracks, die in ihren bes­ten Momen­ten fast wir­ken, als hät­ten Ali­ens sie kom­po­niert. […

         aus einem offe­nen Brief im Blog Musik für Erwach­sene

 

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Oh Those Pier­cing Eyes

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Ich betrete den Kor­ri­dor mit glü­hen­den Augen, was ja irgend­wie auch zur düs­te­ren Sze­ne­rie die­ser Vor­hölle passt. Hier riecht es förm­lich an allen Ecken und Enden nach Tod, und … Zack! Wie­der hat es mich erwischt! Eigent­lich hätte ich es sehen müs­sen: ein rie­si­ger Stem­pel, der aus­ge­löst wird und auf mich run­ter­kracht, wenn ich dar­un­ter trete. Schon geil gemacht: Alles hier ist mit töd­li­chen Fal­len gespickt.

Na dann, auf ein Neues. Mal sehen, wie weit ich dies­mal komme. Da hängt also die­ser Stem­pel, der mich zer­quet­schen will, und da ist in der Mitte eine Art Platt­form drun­ter – sieht wie ein Aus­lö­ser aus. Was pas­siert, wenn ich da drauf springe? Gar nichts. Gut, so scheint es zu funk­tio­nie­ren: Aus­lö­ser ist, neben den Aus­lö­ser zu tre­ten. Dann mal wei­ter. Ha, noch so ein Teil. Wie­der ein Stem­pel, und wie­der eine Platt­form. Ha, dies­mal bin ich schlauer! Also spring ich wie­der auf die Plattf… Uhh. Rein­ge­legt. Tot­ge­quetscht. Noch mal von vorn.

Note to mys­elf: Unterm ers­ten Stem­pel auf den Schal­ter sprin­gen, unterm zwei­ten nicht, son­dern drü­bersprin­gen. Und wei­ter. Nie den­ken, man weiß, wie’s läuft. Dann läuft’s.
 
Ich betrete den Kor­ri­dor. Hab ja schon einige Jump&Runs gespielt, aber so was Mor­bi­des? So oft hab ich noch nie ins Gras gebis­sen. Und wo hat’s das schon mal gege­ben, dass sich die Geg­ner selbst umbrin­gen? Gru­sel! Ah, stopp! Noch so ein Fels­qua­der, der von der Decke hängt und nur dar­auf war­tet … Ich lauf mal vor­sich­tig wei­ter, und – kra­wumms. Natür­lich. Tot. Wo mach ich wei­ter, wo wach ich auf? Aha, gleich hier, kurz vor dem Qua­der. Ich versuch’s jetzt mal mit einem Sprung. Japp. Das war ein­fach. Wei­ter. Und noch so ein Teil? Na schön. Wie ihr wollt. Hier wie­der auf die … Ey Mann! Wie­der tot. Das Spiel gibt einem echt keine Chance. Ich über­lebe hier nicht mal für zwei Sekun­den. Was soll der Scheiß?!
 
Oh, eine Sta­chel­grube. Schaff ich’s da rüber? Na, gerade so eben. He, und da, wer steht da? Freunde? Nee, sie haben Blas­rohre und – ah, getrof­fen, sie spi­cken mich mit Pfei­len. Bin ich tot? Ja, bin tot. Ist es nicht male­risch, wie ich ster­bend zu Boden sinke? Das ist alles echt genial ani­miert. Da stirbt man doch gern. Auf ein Neues!
 
Okay, das mit den zwei Fels­qua­dern ist geschafft. Hier ist eine Fall­grube, mit Spee­ren gespickt. In so was bin ich jetzt wirk­lich schon oft genug ver­reckt. Und dann immer diese Geräu­sche, wenn ich auf­ge­spießt werde! Würg. Mann, was hat mich nicht schon alles umge­bracht hier in die­ser Schat­ten­welt? Wie oft ich allein von die­ser Taran­tel auf­ge­spießt wurde! Soll nicht der Lim­bus die Vor­hölle sein? Dann wär ich doch eigent­lich schon tot, oder? Warum zum Teu­fel muss ich dann immer wie­der ster­ben, und immer auf so ultrab­ru­tale Weise? Viel­leicht hätte ich in den Vor­ein­stel­lun­gen doch den Blut­fil­ter zuschal­ten sol­len. Na, ich ver­such mal einen Sprung über die Speere – geschafft! Scheiße, Geg­ner! Ich werde erwar­tet. Na, das war ja klar, die schie­ßen gleich auf mich. Gift­pfeile! Voll in die Falle gelau­fen! Hier hast du echt keine Schnitte. Da muss man schon Maso­chist sein …
 
Okay, mal sehen, ich über­winde hier drei Fal­len, und hin­ter der Sta­chel­grube erwar­ten mich drei Lim­bus­be­woh­ner mit ihren Blas­roh­ren. Viel­leicht kann ich sie hin­ter mir her­lo­cken? Huhu, hallo Jungs, hier bin ich! Und jetzt schnell weg! Ups, nicht abstür­zen! Hier über die Platt­form sprin­gen – ja ha, einen von denen, den mit dem Helm, hat’s schon erwischt, der ist in die Sta­chel­grube gerutscht. Jetzt auf die Platt­form sprin­gen. Jau, den zwei­ten hat der Stem­pel unter sich begra­ben, und jetzt muss nur noch der dritte … Na also! Geht doch.
 
Nicht, nein, nicht in die Speere fal­len. Ich hab wirk­lich das Talent, jeden Tod zu ster­ben, der hier im Lim­bus mög­lich ist. Also: viele Tode. Ver­dammt viele Tode. Was hilft’s. Wie­der von vorn. Wär ich doch nur im rich­ti­gen Leben so hart­nä­ckig wie hier: immer wie­der auf­er­ste­hen, immer wie­der neu ver­su­chen. Über die erste Platt­form drü… Ach, Scheiße, das war beim zwei­ten Qua­der so. Bin mal wie­der Mat­sche­pampe. Dabei ist es doch wirk­lich nicht schwer: Beim ers­ten Qua­der Platt­form, beim zwei­ten Qua­der Platt­form mei­den. Und dann über die Speere, aber gleich wie­der weg von den Gift­pfei­len. Nein, nicht wie­der in die Speere! Hat einer von euch mal mit­ge­zählt, wie oft ich hier schon elend ver­reckt bin? Oh, ich sehe, die Zeit läuft ab. Um die drei Geg­ner, die mich mit Gift­pfei­len spi­cken, kümmre ich mich in der nächs­ten Folge. Denn klar, für meine Viewer und Abon­nen­ten zieh ich das durch, auch wenn ich kei­nen Schim­mer habe, wozu das alles. Let’s Play ist Let’s Play. Irgend­wann müs­sen diese töd­li­chen Kor­ri­dore ja mal ein Ende haben. Dann also bis zum nächs­ten Mal!

 

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Web­song of Mass Dis­tor­tion

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Sur­round Your Self With What You Love

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Ich betrete den Kor­ri­dor, und obwohl ich mich wirk­lich gern von ihm begeis­tern ließe: Er reißt mich nicht gerade vom Hocker. So geht es mir fast immer. Warum wer­den Kor­ri­dore innen­ar­chi­tek­to­nisch nur immer so nach­läs­sig und lieb­los behan­delt? Dabei haben sie weit mehr Poten­zial, als nur für Gar­de­robe, Schuh­schrank und Schlüs­sel­brett her­zu­hal­ten – oder in Büro­ge­bäu­den den Was­ser­spen­der und ein paar gerahmte Aus­zeich­nun­gen oder Natur­fo­tos zu beher­ber­gen!

Ich hatte gehofft, mit Kor­ri­dore – vom Schat­ten­da­sein zum ech­ten Glanz­punkt und dem Nach­fol­ge­band Kor­ri­dor-Power hätte ich die­sen Räum­lich­kei­ten, denen der Sta­tus, ein voll­wer­ti­ges Zim­mer zu sein, lei­der »durch­gän­gig« ver­wei­gert wird, zu mehr Auf­merk­sam­keit ver­hel­fen kön­nen. Doch weit gefehlt. Gehen Sie mal in ein Amt, in eine Schule, in eine Arzt­pra­xis, in ein Kran­ken­haus – oder sehen Sie sich ein­fach nur Ihren eige­nen Woh­nungs­flur an. Ein Schmutz­fän­ger. Eine Abstell­kam­mer. Ein not­wen­di­ges Übel auf dem Weg von Zim­mer A zu Zim­mer B. Blo­ßer Stau­raum statt groß­ar­ti­ger Wow!-Raum. Füh­len Sie sich hier will­kom­men­ge­hei­ßen, inspi­riert, ener­ge­ti­siert und rundum wohl? Wohl kaum.

Das soll anders wer­den. Man hat mich als Kor­ri­dor-Exper­ten gebe­ten, für ein Blog über Kor­ri­dore meine drei wich­tigs­ten und effek­tivs­ten Tipps kurz zusam­men­zu­fas­sen. Das will ich hier­mit tun.

 

 

  1. Geben Sie Ihrem Kor­ri­dor einen beson­de­ren Zweck – und nicht nur den, von einem Raum zu einem ande­ren zu gelan­gen. Ich habe Kor­ri­dore erfolg­reich umge­stal­tet und erwei­tert zu Begeg­nungs­stät­ten, zu Krea­tiv­kor­ri­do­ren, zu klei­nen Biblio­the­ken, zu Spiel­die­len, ja selbst zu Medi­ta­ti­ons- und Musen­flu­ren.
  2.  
  3. Ver­lei­hen Sie Ihrem Kor­ri­dor eigene Per­sön­lich­keit: Was macht ihn zu einem beson­de­ren Kor­ri­dor, der ihn von all den aber­tau­send ande­ren Kor­ri­do­ren der Stadt unter­schei­det? Stat­ten Sie ihn mit indi­vi­du­el­len Far­ben, Acces­soires, Kunst­wer­ken und Erin­ne­rungs­stü­cken aus, mit einer eige­nen Akus­tik, Beschil­de­rung, Beleuch­tung (z.  B. Spie­gel, die Son­nen­licht her­ein­ho­len!) …
  4.  
  5. Bele­ben Sie Ihren Kor­ri­dor: Pla­nen Sie attrak­tive Akti­vi­tä­ten darin – nicht nur unge­liebte Not­wen­dig­kei­ten wie viel­leicht das Schu­he­put­zen. Unter­neh­men Sie etwas in (und mit) Ihrem Kor­ri­dor, auf das Sie sich freuen, das Ihnen Ver­gnü­gen berei­tet und Ihre Lebens­qua­li­tät anhebt. Erfin­den Sie Ihr per­sön­li­ches täg­li­ches Kor­ri­dor-Ritual. Den­ken Sie an Ihren Kor­ri­dor als einen Ort, der Ihnen ans Herz gewach­sen ist und mit dem sie schöne Erin­ne­run­gen ver­knüp­fen.

 

Das moderne Leben der Infor­ma­ti­ons- und Echt­zeit­epo­che, möchte ich noch abschlie­ßend hin­zu­fü­gen, wird immer mehr von Ver­än­de­run­gen, Umbrü­chen, vom inne­ren und äuße­ren Wan­del bestimmt. Wer sich in sei­nem Kor­ri­dor wohl­fühlt, freun­det sich viel­leicht auch schnel­ler mit die­sen Über­gangs­pha­sen an, und es fällt ihm oder ihr leich­ter, in sei­nem Leben neue Türen zu öff­nen.

 

(Das Kor­ri­do­rium dankt für die wert­vol­len Tipps. Und wen das neuste Buch der Kor­ri­dor-Kapa­zi­tät und des »selbst­er­nann­ten KorriDoktor[s]« (Haus&Hof, Aus­gabe April 2011) mit dem Titel Fri­sches Chi im Kor­ri­dor: Feng Shui für die Ener­gie­bahn Ihrer Woh­nung inter­es­siert: Vor­be­stel­lun­gen wer­den ab kom­men­der Woche ent­ge­gen­ge­nom­men.)

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Ghost Requiem

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»Ich betrete den Kor­ri­dor« – das war das Motto und die Mis­sion von Cory d’Or, und auch, wenn wir sonst kaum etwas über den Men­schen wis­sen, der sich die­sen pro­gram­ma­ti­schen Namen ver­lie­hen hat, so lässt sich doch ohne Über­trei­bung sagen, dass diese Pas­sion oder Obses­sion Cory zu etwas Beson­de­rem macht. Wie jeden von uns, denn ver­mut­lich fin­det sich bei allen, wenn wir nur genau genug hin­se­hen, eine sol­che spe­zi­elle Lei­den­schaft und ein ein­zig­ar­ti­ger Blick auf die Welt.

Für Cory waren es die Kor­ri­dore. Wobei der Begriff durch­aus weit gefasst war, Wild­kor­ri­dore und Son­nen­fins­ter­nis­sich­tungs­kor­ri­dore mit ein­schloss und damit auch eher unge­wöhn­li­che Exem­plare die­ser von Cory offen­bar gelieb­ten (und womög­lich gleich­zei­tig auch gehass­ten) Spe­zies von Räum­lich­kei­ten.

Dabei wären uns allen, die wir uns hier ver­sam­melt haben, um Abschied zu neh­men, diese beson­de­ren Kor­ri­dore kein Begriff, hätte Cory uns nicht an die­sem Ste­cken­pferd teil­ha­ben las­sen. So konnte diese Pas­sion ein wenig auf all jene abfär­ben, die von der einen oder ande­ren Nach­richt aus einem Uni­ver­sum namens »Kor­ri­do­rium« erreicht wur­den – und es ist für­wahr ein sehr eigen­tüm­li­cher Kos­mos mit selt­sa­men »plu­ri­di­men­sio­na­len« Gesetz­mä­ßig­kei­ten und einem skur­ri­len Per­so­nal.

Auch wenn nun der letzte der Kor­ri­dore durch­schrit­ten ist und Cory kei­nen wei­te­ren mehr für uns betre­ten wird – wobei die Hoff­nung bleibt, im Nach­lass wei­tere Frag­mente und Skiz­zen auf­zu­fin­den –, so hat das Kor­ri­do­rium mit sei­nen fast vier­hun­dert Mani­fes­ta­tio­nen, Varia­tio­nen und Meta­mor­pho­sen genug Eigen­le­ben ent­wi­ckeln kön­nen, um fort­zu­dau­ern in den Köp­fen und Her­zen sei­ner Besu­cher.

Cory hat nun, wenn ich das so sagen darf, den wirk­lich aller­letz­ten Kor­ri­dor betre­ten: den, von dem uns keine Nach­richt mehr errei­chen wird. Viele von Corys Gedan­ken­spie­len bezo­gen sich genau auf die­sen Moment und spe­ku­lier­ten über das, was »danach« kommt. Viel­leicht schaute Cory in den letz­ten Momen­ten tat­säch­lich »gelas­sen auf das, was da greif­bar, aber buch­stäb­lich jeder Beschrei­bung spot­tend« vor Augen lag? Und hat auch Begeis­te­rung dar­über emp­fun­den, end­lich die letz­ten (oder zumin­dest einige drän­gende) Fra­gen beant­wor­ten zu kön­nen …

Von ihnen, den letz­ten Din­gen, hat Cory immer wie­der auf fast schon beschwö­rende Weise geschrie­ben, das »Wer« weit weni­ger in den Vor­der­grund rückend als das »Was« und das für alle zugäng­li­che Werk als Wech­sel­rah­men und viel­di­men­sio­na­les Kipp­bild nut­zend. Wenn jetzt einige von euch For­mu­lie­run­gen wie »hin­ter­lässt eine schmerz­li­che Lücke«, »uner­setz­lich«, »zu früh« oder »tra­gi­scher Ver­lust« ver­mis­sen, so möchte ich die all­um­fas­sende Lei­den­schaft für die Viel­falt des Lebens dage­gen­hal­ten, die ich aus dem Kor­ri­do­rium her­aus­höre – und die gleich­zei­tige Akzep­tanz des Todes als not­wen­dige Vor­aus­set­zung, die­ses Leben in all sei­nen Facet­ten über­haupt erst zu ermög­li­chen und in Worte, Beob­ach­tun­gen und Geschich­ten zu fas­sen.

Möge der Mensch, der uns diese über­bor­dende Spiel­wiese an schrä­gen Ideen und unge­wöhn­li­chen Fan­ta­sien geschenkt hat, nun zu dem Kor­ri­dor gelangt sein, von dem es im Kor­ri­do­rium heißt: »Ich zögere kurz, um den Moment der auf­wal­len­den Vor­freude aus­zu­kos­ten, die ich im gan­zen Kör­per spü­ren kann. Etwas Unsag­ba­res erwar­tet mich. Ich öffne die Tür.«

Man kann – und damit möchte ich schlie­ßen – Cory Vie­les vor­wer­fen, nicht aber die Scheu vor Kalau­ern. Des­halb, und es kommt von Her­zen, erlaube ich mir, Cory zum Abschied nach­zu­ru­fen: Du wirst immer in unse­ren Kor­ri­do­ren blei­ben!

 

Die Redak­tion möchte sich bei Ihren Lese­rin­nen und Lesern für den ver­se­hent­li­chen Abdruck eines vor­pro­du­zier­ten Nach­rufs ent­schul­di­gen. Wir kön­nen Ihnen ver­si­chern, dass Cory sich wei­ter­hin bes­ter Gesund­heit erfreut und sich über diese fik­tive Grab­rede herr­lich amü­siert hat.

Der eigent­lich an die­ser Stelle vor­ge­se­hene Text ist die­ser:

 

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Fyrr en síðar í mötu­n­eyti

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Ich betrete den Kor­ri­dor der Erleuch­te­ten auf Zehen­spit­zen. Will hier kei­nen wecken; sie träu­men so schön davon, end­gül­tig wach zu sein …