Korridorium

1x täglich Kurzprosa mit Soundtrack vom 11/11/11 bis 12/12/12

Kategorie: Paraphernalia

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Das Titelbild zeigt neun quadratische Szenen mit Traum- und Fantasie-Motiven und der Aufschrift "dictionary of dream symbols". Zu sehen sind: Wüstenlandschaft mit Sonne, verschneite Gasse mit zwei Figuren, Pyramidenlandschaft, Filmstudio, märchenhaftes Schloss an Fluss, Wald mit großen Pilzen, Himmel mit Wolken und Lampen, Unterwasserwelt mit zwei großen Statuen, und ein langer Gang mit Schriftzug 'RUNNING STUCK' und rotem X.

♫ Heim­koma ♫


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»Ich betrete den Kor­ri­dor«, schrei­ben Sie, liebe S., »und errei­che, auch wenn ich mit aller Kraft renne, nie­mals das andere Ende, obwohl ich es so sehr ersehne. Was soll mir das sagen?«

Liebe S., wir alle ken­nen sol­che Träume, in denen uns eine unbe­kannte Kraft daran hin­dert, unsere Ziele zu errei­chen. Dabei könnte ein Kor­ri­dor für unse­ren Lebens­weg ste­hen, die seit­li­chen Türen oder Durch­gänge für mög­li­che oder auch schon ver­passte Abzwei­gun­gen, und das ersehnte Ende des Kor­ri­dors mag unse­ren größ­ten Wunsch, unse­ren »gol­de­nen Traum« ver­deut­li­chen, mit dem vor Augen wir uns durchs Leben bewe­gen.

Aber errei­chen wir ihn?

Ein Kor­ri­dor im Traum ohne Türen könnte bedeu­ten, dass du dich durch äußere Umstände oder andere Men­schen gezwun­gen siehst, einen bestimm­ten Weg ein­zu­schla­gen, ohne irgend­wel­che Alter­na­ti­ven dazu zu sehen.

Ein Kor­ri­dor mit vie­len Türen, die aber ver­schlos­sen sind, könnte die Bot­schaft für dich haben: Kon­zen­triere dich auf dei­nen augen­blick­li­chen Weg und wei­che nicht davon ab.

Und ein Kor­ri­dor, in dem du ein­fach nicht wei­ter­zu­kom­men scheinst, sym­bo­li­siert mög­li­cher­weise einen Lebens­ab­schnitt, in dem bei dir alles sta­gniert.

Dein Traum, liebe S., scheint dir zuzu­ru­fen: So sehr du dich auch anstren­gen magst – dein Ziel wirst du nie errei­chen.

Ist es also hoff­nungs­los für dich? Sagt dir dein Traum-Bewusst­sein, dass du end­lich auf­ge­ben sollst, weil du eh keine Chance hast? Ich glaube, nein. Ich glaube im Gegen­teil, dass dein Traum-Bewusst­sein dir gerne einen Weg auf­zei­gen möchte, wie du deine Ziele trotz aller nutz­lo­sen Anstren­gung doch noch errei­chen kannst.

Du ver­suchst es mit ren­nen. Doch viel­leicht wird ja dein Traum-Kor­ri­dor län­ger und län­ger, je schnel­ler du rennst. Oder es ist wie in Lewis Car­rolls Alice hin­ter den Spie­geln:

»›Nun, in unse­rem Land‹, sagte Alice, die immer noch ein wenig außer Atem war, ›kommt man, wenn man eine län­gere Zeit lang schnell rennt, gewöhn­lich an einen ande­ren Ort.‹ – ›Lahme Gegend!‹, sagte die Rote Köni­gin. ›Hier bei uns muss man so schnell ren­nen, wie man nur kann, um am sel­ben Ort zu blei­ben. Willst du woan­ders hin gelan­gen, musst du min­des­tens dop­pelt so schnell ren­nen.‹«

Also dop­pelt so schnell ren­nen? Das wäre ein schlech­ter Rat. Dein Traum scheint mir viel­mehr zu signa­li­sie­ren: Halte inne; lege eine Rast ein; ver­weile ein wenig an Ort und Stelle.

Träume sind vol­ler Magie: Viel­leicht ver­kürzt sich dar­auf­hin dein Traum-Kor­ri­dor, und das andere Ende rückt in greif­bare Nähe, so dass du nur noch gemüt­lich hin­zu­schlen­dern brauchst oder womög­lich sogar ein ein­zi­ger klei­ner Schritt aus­reicht!

Einen Ver­such – im Leben und im Traum – ist es wert, oder?

Jeden­falls vie­len Dank, liebe S., für deine Frage. Ähn­li­che Traum­er­leb­nisse beschäf­ti­gen viele Men­schen, und oft ist die Deu­tung und die Lösung eine ähn­li­che wie bei dir. Halte uns auf dem Lau­fen­den und schreibe wie­der, wenn eine ver­än­derte innere Hal­tung zu ver­än­der­ten und ganz neuen Traum­er­fah­run­gen führt.

 

   – C. d’Or (Online-Traum­deu­tung und mehr: www​.Kor​ri​do​rium​.com/de)

155/398

♫ Glue Trap­ped ♫


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»Ich betrete den Kor­ri­dor« heißt eine Samm­lung von Tex­ten, mit der ein angeb­li­cher Autor oder eine Autorin, ver­mut­lich jedoch ein gan­zes Kol­lek­tiv bös­mei­nen­der Umstürz­ler ver­sucht, ein gefähr­li­ches gedank­li­ches Virus über das Inter­net zu ver­brei­ten.

Bewusst nimmt der Geist des Lesers nach dem repe­ti­ti­ven »Ich betrete den Kor­ri­dor« nur eine mehr oder min­der gut kon­stru­ierte Kurz­ge­schichte wahr, die sich oft in Unver­ständ­lich­kei­ten oder Non­sens ver­liert und meist keine rich­tige Pointe hat. Das dürfte Absicht sein, denn sub­li­mi­nal nimmt der Geist beim Lesen etwas ganz ande­res auf: Die man­tra­hafte Wie­der­ho­lung von »Ich betrete den Kor­ri­dor« erzeugt einen zuneh­men­den Tun­nel­blick. Leser sind jetzt beson­ders sen­si­bel für Bot­schaf­ten unter­halb der Bewusst­seins­schwelle, die ihnen mit­tels ver­steck­ter arche­ty­pi­scher Schlüs­sel­wör­ter ver­mit­telt wer­den.

Die Bot­schaft der »Ich betrete den Korridor«-Texte scheint ober­fläch­lich im iro­ni­schen und post­mo­der­nen Spiel mit Ver­satz­stü­cken zu bestehen. Tat­säch­lich jedoch wird heim­lich anti­ka­pi­ta­lis­ti­sches und anti-szi­en­tis­ti­sches, soge­nann­tes »plu­ri­di­men­sio­na­les« und damit in Wirk­lich­keit okkul­tes Gedan­ken­gut ver­mit­telt und die Leser einer Art schlei­chen­den Gehirn­wä­sche unter­zo­gen. »Ich betrete den Kor­ri­dor« öff­net sich unmerk­lich einer gemein­ge­fähr­li­chen Ideo­lo­gie, dem Kor­ri­do­ris­mus, der letzt­lich zu Para­noia und der Vor­stel­lung führt, über­all seien Ver­schwö­run­gen am Werk, und der aller Vor­aus­sicht nach in einer völ­li­gen Zer­rüt­tung der Ner­ven endet.

161/398

♫ Boos­ter Doze ♫


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Ich betrete das Kor­ri­dor. Das Hotel heißt mich in aus­ge­zeich­ne­ter Lage ober­halb der Ort­schaft Knos­sos und mit Blick auf die archäo­lo­gi­sche Stätte Knos­sos, nur 5 km von Hera­klion mit Geschäf­ten, Restau­rants, Bars und einem pul­sie­ren­den Nacht­le­ben ent­fernt, herz­lich will­kom­men und bie­tet mir alle moder­nen Annehm­lich­kei­ten. (Ist ja wohl das Min­deste, oder?)

Die im tra­di­tio­nell grie­chi­schen Stil ein­ge­rich­te­ten Zim­mer des Kor­ri­dor Hotel Knos­sos Palace ver­fü­gen über ein eige­nes Bad mit tro­pi­scher Regen­du­sche, in dem ich zudem einen Haar­trock­ner, Bade­man­tel, Haus­schuhe und kos­ten­lose Luxus-Pfle­ge­pro­dukte vor­finde. (Mehr habt ihr nicht zu bie­ten?)

Inte­ri­eur und Ambi­ente des Bou­tique-Hotels Palace Kor­ri­dor sind inspi­riert von dem legen­dä­ren Laby­rinth von Knos­sos, das mit dem Euro­päi­schen Kul­tur­erbe-Sie­gel aus­ge­zeich­net wurde. (Aha! Das klingt doch mal nach was!) Hübsch und indi­vi­du­ell gestal­tete Kor­ri­dore, aus­ge­stat­tet mit anti­ken Kunst­wer­ken, und kos­ten­lo­ser WLAN-Emp­fang im gesam­ten Gebäude des Palast­kor­ri­dor Hotel Knos­sos emp­fan­gen mich in fami­liä­rer und den­noch zeit­ge­mäß ele­gan­ter Atmo­sphäre, in der ich mich rundum wohl­füh­len werde, nicht zuletzt dank des auf­merk­sa­men Hotel­per­so­nals. (Ach ja, mal so rich­tig aus­span­nen kön­nen. Sich um nichts küm­mern müs­sen. Jeder Wunsch wird einem von den Lip­pen abge­le­sen.)

Ein schmack­haf­tes kon­ti­nen­ta­les Früh­stück wird mir im hotel­ei­ge­nen Restau­rant Dia­dro­mos täg­lich am Buf­fet ser­viert, und ich ent­spanne am Abend in der Bar Anak­toro bei einem Drink mit Aus­sicht auf die umge­bende Land­schaft. (So stell ich mir das vor, ja.)

Es gibt für mich als Gast des Palace Hotel Knos­sos Kor­ri­dor auch eine Loun­ge­bar mit LCD-Sat-TV mit Pay-per-View-Kanä­len, und ich genieße den Kom­fort eines 24-Stun­den-Zim­mer­ser­vice. Dar­über hin­aus pro­fi­tiere ich von kos­ten­freien öffent­li­chen Park­plät­zen direkt am Kor­ri­dor Palace Hotel Knos­sos. (Stau­bige Fel­der am Stra­ßen­rand, nehme ich an.)

Den inter­na­tio­na­len Flug­ha­fen Ira­klio Nikos Kazant­zakis (HER) errei­che ich vom Knos­sos Hotel Palace Kor­ri­dor aus mit dem Auto in nur 5 Minu­ten. Lini­en­busse ver­keh­ren alle 20 Minu­ten ab einer nur 30 Meter vom Haupt­ein­gang ent­fern­ten Hal­te­stelle und gewäh­ren mir vom Hotel Kor­ri­dor­pa­last Knos­sos aus die bequeme Ver­bin­dung zu allen tou­ris­ti­schen Zie­len der Insel. (Ja, schön, aber was …?)

Übri­gens: Das Knos­sos Kor­ri­dor­pa­last erwar­tet mich als umwelt­freund­li­ches Hotel, das alle Anstren­gun­gen unter­nimmt, kli­ma­neu­tral zu sein. (Ja, aber was ist mit dem Spa? Dem Fit­ness­cen­ter, dem Coif­feur, der Mani­küre, dem viel­fäl­ti­gen Peeling‑, Ayur­veda- und Mas­sa­ge­an­ge­bot?! Wie­der ein Schlag ins Was­ser. Wei­ter zum nächs­ten Hotel. Ist ja alles nur einen Klick weit weg.)

175/398

♫ Someone’s Gotta Kil­l’em ♫


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Ich betrete den Kor­ri­dor der Dunk­len Erlö­sung (cocOblivionMqKvatchCitadelHall02), erhöhe erst ein­mal pro­phy­lak­tisch meine Intel­li­genz (modpca intel­li­gence 99) und mein Glück (modpca luck 111) und lasse es, wo ich schon ein­mal dabei bin, im gan­zen Land aus hei­te­rem Him­mel schneien (fw 00038EED). Für die­sen düs­te­ren Ort macht das wenig Unter­schied. Er erin­nert mich an die Herz­zer­rei­ßen­den Hal­len, und tat­säch­lich: Auch hier finde ich wie­der Blut­quel­len und einen Man­a­brun­nen. Mit den Dre­mo­ra­wa­chen (tcai) mache ich dank der Cheat Codes kur­zen Pro­zess. Viel­leicht fin­den zumin­dest sie hier ihre ganz per­sön­li­che dunkle Erlö­sung …

182/398

♫ Entheo­ge­no­mics ♫


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Ich betrete das Kor­ri­dor­gel­ge­braus mit gespann­tem Trom­mel­fell. Sogleich feu­ern Astral­trieb­werke mit der Anmut einer Kro­ko­dils­träne klo­neske Ober‑, Über‑, Hyper- und Cyber­töne in unsre elf­di­men­sio­na­len Mal­schmeck­knos­pen, Mal­riech­kol­ben, Mal­heur­gänge, schä­len sich sinn­äs­the­tisch-pro­zess­aural aus dem infi­ni­ten Per­si­len­zium, um pan­re­so­nante Horch­pos­ten zu okku­pie­ren und audi­tiv­ge­fros­tet in die Kas­tra­to­sphäre uns­rer Lau­nen, Gril­len und Schis­men zu sickern, kon­tra­punk­tisch kon­fron­tal inmit­ten quell­of­fe­ner Süf­fi­san­zen. Pata­so­ni­sche Nanu­par­ti­kel – clus­ter­haft lüs­tern knis­ternd – flüs­tern Rhyth­mus­ter, Sonar­chi­tex­tu­ren und klang­an­hal­tende Tape­deck­la­ra­tio­nen, erwei­sen lie­der­li­che Melo­dienste, kaden­zen deli­kate Ohr d’o­eu­vres, vexeln in vol­ler Fahrt den Spin ins bio­tro­nisch Orga­ni­fi­zi­elle, qui­zeln meine Lach­mus­keln, bran­den wogend in unsre poe­si­ena­far­be­nen Lau­sch­mu­scheln, kuscheln sich qua­drill­phon in dritte Ohren. Sau­sen. Schall­dü­nung. Mee­res Rausch. Ver­weh­mut knapp unter­halb der Hörschwälle. Dezi­bel­canto. Oise­aux-Flo­cken. Froh locken uns Floh­glo­cken vom blas­sen Bliss blo­ßen Ohren­scheins zu flir­ren Luzi­di­tät­lich­kei­ten im Shan­gri-Laby­rinth uns­rer grauen Zel­len, bis dich unver­hofft ein mikro­kos­mi­sches Klang­frag­ment für ein mini­ma­li­ziö­ses ultra­gi­ko­misch-infra­gi­les Erst­jetzt ins Hell­hö­ren-Wahr­lau­schen-Klar­hor­chen bringt. Im Nu. Ganz Ohr. Sein.

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♫ Glä­serne Bür­ger ♫


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Ich betrete den Kor­ri­dor. (Bitte ankreu­zen.)

 

 

Ich will hier mehr Farbe. Und Fotos. Und Filme von Kor­ri­do­ren.

 

 

Ich will hier mehr Ero­tik. (Mehr­fach­nen­nun­gen mög­lich.)

 

 

Auf die Begleit­mu­sik kann ich ver­zich­ten. Die Texte sind okay.

 

 

Die Sound­tracks sind super. Auf die Sto­rys kann ich ver­zich­ten.

 

 

Ich will liken, dis­li­ken und hear­ten kön­nen (und ggf. auch plus­sen).

 

 

Ich will Kom­men­tare abge­ben und Kom­men­tare kom­men­tie­ren.

 

 

Ich möchte gerne über Mer­chan­di­sing-Pro­dukte infor­miert wer­den.

 

 

Ich bestä­tige hier­mit, die Wider­rufs­be­leh­rung gele­sen und ver­stan­den zu haben.

 

 

Bitte sen­den Sie den aus­ge­füll­ten Fra­ge­bo­gen an uns zurück. Sie neh­men an einer Ver­lo­sung teil. Ihre Daten wer­den nach allen Regeln der Kunst aus­ge­wer­tet, kreuz­re­fe­ren­ziert und gewinn­brin­gend wei­ter­ver­kauft.

199/398

Nel mezzo del cammin di nos­tra vita

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Ich betrete den Kor­ri­dor. (Was bis­her geschah: Viele unter­schied­li­che Kor­ri­dore wer­den von diver­sen Per­so­nen bei­der­lei Geschlechts in ver­schie­de­nen Zeit­al­tern und aus man­nig­fa­chen Grün­den betre­ten.) Es hieß, ich würde dich hier fin­den. (Einige der Geschich­ten gehen gut aus, einige schlecht, viele davon sind eigent­lich kaum Geschich­ten zu nen­nen, und einige wie­derum haben ein offe­nes Ende.) Tat­säch­lich: Hin­ter eine Plas­tik­plane auf einem Gerüst sehe ich eine Sil­hou­ette. (Neben his­to­ri­schen Figu­ren, einer Hand­voll Außer­ir­di­schen, Tie­ren und nicht-phy­si­schen Wesen kom­men zahl­rei­che Ich-Erzäh­ler zu Wort, deren Iden­ti­tät zwei­fel­haft bleibt.) Ein Pin­sel bewegt sich gleich­mäßig an der Decke ent­lang – der Kor­ri­dor erhält ein fri­sches Blau. (Die Erzähl­weise wech­selt von sach­lich zu über­schwäng­lich, von doku­men­ta­risch zu mär­chen­haft und sur­rea­lis­tisch, von sprach­spie­le­risch zu exis­ten­zia­lis­tisch, und es sind Sati­ren über aktu­elle pop­kul­tu­relle Phä­no­mene dar­un­ter.) Tat­säch­lich: Du bist es, die den Pin­sel führt, hast blaue Farb­kleckse in dei­nem asch­blon­den Haar und summst selbst­ver­ges­sen unser Lied. (Für regel­mä­ßige Lese­rin­nen und Leser tun sich in die­sem frak­tal zer­split­ter­ten Blog-Roman zahl­rei­che ver­steckte Quer­ver­bin­dun­gen zwi­schen den Kor­ri­do­ren auf …) Ich nehme dich in den Arm, und du schließt beglückt die Augen. (… und in gewis­ser Weise scheint es sich um ver­schie­dene Aspekte einer Sache zu han­deln oder um Sta­tio­nen einer bestimm­ten Queste.) »Wie heißt du dies­mal?«, frage ich. (Es könnte um die Suche nach der blauen Blume, dem Gral oder dem Snark gehen, nach Glück, Liebe, Sinn, Mythos oder Erkennt­nis – und viel­leicht wird das ja im wei­te­ren Ver­lauf noch offen­bart.) »Red Naia«, gluckst du und schwingst den Pin­sel wie ein Schwert. Dem will ich nicht nach­ste­hen. Ich ent­blöße meine behaarte Brust und don­nere: »Dann bin ich Tino Urmaus, der Bar­bar!«

 

215/398

Itsu­ma­den

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»Ich betrete den Kor­ri­dor« ist ein Mem, das – so leid es mir tut, das kon­sta­tie­ren zu müs­sen – von Vorn­her­ein zum Schei­tern ver­ur­teilt ist. Meme sind erfolg­reich, wenn sie sich ver­brei­ten und von mög­lichst vie­len Men­schen genutzt wer­den. Die Idee der Snooze-Taste bei­spiels­weise. Oder der Ein­satz eines Fort­schritts­bal­kens bei Vor­gän­gen von unge­wis­ser Dauer. Sol­che Meme sind welt­weit auf­ge­grif­fen wor­den, denn ein attrak­ti­ves Mem benö­tigt neben einer gewis­sen Grif­fig­keit eine hohe Anwen­dungs­re­le­vanz und sollte in einer mög­lichst uni­ver­sa­len Situa­tion spe­zi­fisch und mit Mehr­wert zum Gebrauch kom­men kön­nen.

»Ich Tar­zan, du Jane!« bei­spiels­weise hat in die­ser Hin­sicht deut­lich mehr Poten­zial als »Ich betrete den Kor­ri­dor«: Die Situa­tion ist weni­ger abs­trakt, son­dern zielt auf einen kon­kre­ten Bereich der mensch­li­chen Erfah­rung: die Mann-Frau-Bezie­hung. Dabei drückt »Ich Tar­zan, du Jane!« nicht nur Gefühle aus, son­dern spricht mit­tels redu­zier­ter Spra­che pri­mi­tive Teile des mensch­li­chen Gehirns an und trans­por­tiert durch die Anspie­lung dar­über hin­aus noch einen gewis­sen Humor.

»Ich betrete den Kor­ri­dor« dage­gen ist zwar eine situa­tive Beschrei­bung, die auf phy­si­scher Ebene und mög­li­cher­weise auch in über­tra­ge­ner Bedeu­tung häu­fi­ger vor­kom­men mag als eine »Ich Tar­zan, du Jane!«-Situation. Doch eine Sen­si­bi­li­sie­rung für das ent­spre­chende Mem und seine Mani­fes­tie­rung durch wie­der­hol­ten Ein­satz – und sei es nur das Aus­spre­chen in Gedan­ken – ist eher unwahr­schein­lich, da es sich um einen all­täg­li­chen Vor­gang han­delt, der keine Auf­merk­sam­keit erfor­dert und dem eine Ver­sprach­li­chung kei­ner­lei Mehr­wert hin­zu­fügt. Es bleibt ein Satz ohne spe­zi­fi­schen Cha­rak­ter und ohne Sym­bol­wert, anders als – um ein wei­te­res Bei­spiel zu nen­nen – »Holla die Wald­fee«. Um in den Sprach­ge­brauch auf­ge­nom­men und zum geflü­gel­ten Wort zu wer­den reicht eine Eins-zu-eins-Beschrei­bung eines bana­len Sach­ver­halts ein­fach nicht aus.

Sorry, aber mit »Ich betrete den Kor­ri­dor« ist als Mem kein Blu­men­topf zu gewin­nen.

 

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Crowd in a Cloud

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Ich betrete den Kor­ri­dor.

So lau­tet der Anfang. Die Auf­gabe: Ein Geschicht­chen dazu zu erzäh­len, ein Erleb­nis, eine Anek­dote, etwas Geist­vol­les, Berüh­ren­des, Absur­des. Der Mecha­ni­cal Turk von Ama­zon erlaubt mir, die­sen »Task« einem Heer von Arbeits­su­chen­den zu stel­len, die ihn am Com­pu­ter und via Inter­net erle­di­gen. Das Kon­tin­gent: tau­send Kor­ri­dore – für 10 Cent das Stück, mit denen sämt­li­che Rechte am Text an mich über­ge­hen.

»Human Intel­li­gence Tasks« wird das groß­spu­rig genannt. Aber, na ja, die meis­ten Texte sind statt »intel­li­gent« ein­fach nur Müll. Doch es sind auch ein paar ori­gi­nelle und inspi­rie­rende Ein­fälle dar­un­ter. Ich über­lege, ob ich die High­lights nicht unter mei­nem Namen ver­öf­fent­li­che. Dafür jedoch sind es noch zu wenig.

Also noch eine wei­tere Kor­ri­dor-Runde beim Mecha­ni­cal Turk. Viel­leicht machen ja dies­mal sogar Sie mit? Ver­die­nen sich ein paar Cent dazu oder star­ten eine neue Kar­riere als Tele­ar­bei­ter und klei­nes Räd­chen in der gro­ßen Crowd-Sourcing-Maschine … Sie schaf­fen das schon!

Ich betrete den Kor­ri­dor.

 

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Heiße Num­mer

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Ich betrete den Kor­ri­dor, in dem ich auch mor­gen wie­der uner­schro­cken neuen, span­nen­den Aben­teu­ern, gro­tes­ken Erleb­nis­sen und unvor­her­seh­ba­ren Zwi­schen­fäl­len die Stirn bie­ten werde.

Zahl­lose Lese­rin­nen und Leser in aller Welt fie­bern mit mir mit: Was wird noch alles gesche­hen, wem wer­den wir in die­sem lite­ra­ri­schen Laby­rinth noch alles begeg­nen, wohin wird uns die Reise füh­ren?!

Wird der Mino­tau­rus angrei­fen? Pro­fes­sor Ceril eine sei­ner irren Maschi­nen bauen? Wiki­pe­dia-Autor Norbu wie­der mit ver­stie­ge­nen Theo­rien auf­war­ten? Oder über­rascht uns, wie meis­tens, etwas völ­lig Uner­war­te­tes im Kor­ri­do­rium?

Falls Sie par­tout nicht abwar­ten kön­nen, zu erfah­ren, was Sie mor­gen an die­ser Stelle erwar­tet, dann nut­zen Sie doch ein­fach unsere spe­zi­ell für Sie und die­sen Zweck ein­ge­rich­tete Hot­line: Unter 0800–82943865 (nur 1,99 EUR/min) erfah­ren Sie noch heute, wie es wei­ter­geht mit mei­nen auf­re­gen­den Erleb­nis­sen in den Kor­ri­do­ren der Welt!