Korridorium

1x täglich Kurzprosa mit Soundtrack vom 11/11/11 bis 12/12/12

Kategorie: Paraphernalia

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Das Titelbild zeigt sechs grüne Echsen mit schuppiger Haut, teilweise ineinander übergehend. Sie sind um ein Lagerfeuer aus Buchstabensteinen gruppiert, auf einem steinigen Boden in einem dichten Dschungel. Ein Button im Bild zeigt ein durchgestrichenes Y.

♫ The Camp­fire Lizards ♫


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Ich betrete den Kor­ri­dor.

 

[Hin­weise für den Über­set­zer:

Der Satz, mit dem alles anfängt, ist ein Lipo­gramm, in dem der Buch­stabe A fehlt. Eben­sol­che Lipo­gramme sind

und schließ­lich Text 25 ohne den letz­ten der Vokal­buch­sta­ben.

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Das Titelbild zeigt bunte, architektonisch geformte Buchstaben und Wörter, die eine komplexe, bogenförmige Struktur mit einem dunklen Tunnel in der Mitte auf sandigem Untergrund bilden. Ein digitaler Button mit dem Piktogramm eines KI-Chips und Geschäftsgrafiken sitzt in der oberen linken Ecke.

♫ Game­LAN-Party ♫


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Ich betrete den Kor­ri­dor, der mei­nem Kurz­prosa-Blog zu einem hohen Google-Ran­king ver­hel­fen soll, mit­ten hin­ein in einen Search-Engine-opti­mier­ten oder kurz SEO-Text, der nicht so sehr bei sei­nen Lesern, son­dern vor­dring­lich beim Bewer­tungs­al­go­rith­mus der Google-Suche nach den ent­schei­de­nen Schlag­wör­tern, hier »Kor­ri­dor« und »Kurz­prosa«, den Anschein erwe­cken soll, es handle sich um einen Info-Text, wel­cher aber in Wahr­heit nur dazu dient, die such­re­le­van­ten Key­words (wie z. B. die Wör­ter Kurz­prosa und Kor­ri­dor) in sei­nem Ver­lauf mög­lichst unauf­fäl­lig stän­dig zu wie­der­ho­len und zu vari­ie­ren, um Google und sei­nem geheim­nis­um­rank­ten Ran­king­al­go­rith­mus nahe­zu­le­gen, dass es sich um einen wich­ti­gen Bei­trag zu dem ent­spre­chen­den The­men­kom­plex (etwa Kor­ri­dor-Kurz­prosa oder auch Kurz­pro­sa­kor­ri­dore) han­delt, wor­auf er dann mit einem hohen Page­Rank auf Goo­gles Ergeb­nis­seite ganz weit oben gelis­tet wird. Dabei sollte man kei­nes­falls in einen ver­kürz­ten Kor­ri­dor- oder Tun­nel­blick ver­fal­len: Auf­merk­sam­keits­hei­schende Web­sites dür­fen es dabei mit dem Key­word-Kor­ri­dor im Text nicht über­trei­ben und schon gar nicht mehr die zen­tra­len Begriffe (also bei­spiels­weise »Kurz­prosa Kür­zest­prosa Ultra­kurz­prosa«) in wei­ßer Schrift auf wei­ßem Grund im unte­ren Bereich der Web­page unzäh­lige Male wie­der­ho­len – was nicht ein­mal mehr Wer­be­ly­rik oder ‑prosa zu nen­nen wäre, son­dern ein­fach nur zu kurz gedacht ist, denn dies führt inzwi­schen längst zu einer Abwer­tung und einer Abschie­bung auf die unte­ren und nur sel­ten beach­te­ten Plätze im Ergeb­niskor­ri­dor der Google-Suche.

Kurz: »Prosa« die­ser Art ist kon­tra­pro­duk­tiv und spielt kur­zer­hand der Kon­kur­renz in die Hände. Anders gesagt: Der Kor­ri­dor ist lang, die Prosa kurz. Oder noch pro­sa­ischer aus­ge­drückt: Hier wer­den Sie fün­dig und kön­nen end­lich Ihrer Bestim­mung fol­gen (von der Sie ver­mut­lich noch gar nichts ahn­ten) und – das Kurz­prosa-Kor­ri­do­rium betre­ten.

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Das Titelbild zeigt zwei anthropomorphe Schweine in Militäruniformen auf einer Bühne unter Scheinwerferlicht; eines schreit mit offenem Maul, das andere schaut betroffen.

♫ Lime­light Hogs ♫


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»›Ich betrete den Kor­ri­dor.‹ Gefrei­ter?«

»Jawohl, Herr Oberst. Sie betre­ten den Kor­ri­dor.«

»Stel­len Sie sich nicht düm­mer, als Sie sind.«

»Jawohl, Herr Oberst.«

»Also?«

»Äh, was? Herr Oberst.«

»›Ich betrete den Kor­ri­dor.‹«

»… ist ein Haupt­satz, Herr Oberst.«

»Im gan­zen Satz gefäl­ligst!«

»›Ich betrete den Kor­ri­dor.‹ ist ein Haupt­satz, Herr Oberst.«

»Und wei­ter? Muss ich Ihnen alles ein­zeln aus der Nase zie­hen, oder was?«

»›Ich betrete den Kor­ri­dor.‹ ist ein Haupt­satz ohne Inver­sion mit einem Akku­sa­tiv­ob­jekt sowie einem Prä­di­kat in der 1. Per­son Sin­gu­lar Prä­sens Aktiv Indi­ka­tiv, Herr Oberst.«

»Ist das alles, Gefrei­ter?«

»Oder mit einem …«

»Im! Gan­zen! Satz!«

»›Ich betrete den Kor­ri­dor.‹ könnte gege­be­nen­falls, je nach Zusam­men­hang, auch ein Verb im Kon­junk­tiv I haben.«

»Na also, geht doch, Gefrei­ter.«

»Jawohl, Herr Oberst.«

»Weg­tre­ten.«

»›Weg­tre­ten‹ ist ein Verb im Infi­ni­tiv, das hier als Impe­ra­tiv …«

»Weg­tre­ten!!!«

»Jawohl, Herr Oberst.« Salu­tiert und tritt ab.

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Das Titelbild zeigt einen langen, gewölbten Gang mit verzierten Decken und Wänden, beleuchtet von Wandlampen, mit schwebendem Text in blauer und schwarzer Schrift, der die Verwendung des Konjunktivs erklärt. In der rechten unteren Ecke schwebt ein Apply-Button.

♫ Mis­no­mer ♫


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Ich betrete den Kor­ri­dor und sei mit der Aus­wahl an Türen über­for­dert, heißt es in gewöhn­lich gut infor­mier­ten Krei­sen. Aber was wis­sen die schon! (Außer­dem müss­ten sie wegen der Ver­wechs­lungs­ge­fahr von Indi­ka­tiv und Kon­junk­tiv I in die­sem Fall eigent­lich den Kon­junk­tiv II, »beträte«, ver­wen­den …)

 

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Das Titelbild zeigt einen Schlafsaal mit mehreren Etagenbetten aus Metall. Ein digitaler Button zeigt eine Ansicht von "Vienna." Ein Bewertungs-Overlay zeigt schlechte Bewertungen für "Rooms", "Cleanliness" etc.

♫ Sneak Peak ♫


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»Ich betrete den Kor­ri­dor Her­berge um ca. Mit­ter­nacht und wenn nicht spät Nacht gewe­sen wäre hät­ten wir ein ande­res gesucht. War sehr her­un­ter­ge­kom­men (Gefühl fast unheim­lich) und glück­li­cher­weise Schlepp­tau Män­ner, die zufäl­lig Auf­ent­halt kam uns Hilfe mit dem Gepäck. Und das Schlimmste, konn­ten wir noch nicht ein­mal fan­den unser Zim­mer keine. Musste, die Tür abge­setzt und ich war fast innen ver­schlos­sen!«

1 von 5 Ster­nen Zim­mer

2 von 5 Ster­nen Lage

1 von 5 Ster­nen Sau­ber­keit

1 von 5 Ster­nen Check-in/­Re­zep­tion

Diese Gäs­te­be­wer­tung des Hotels »Blue Cor­ri­dor Hos­tel« in Sie­ben­stern­gasse 15, Wien, Öster­reich, war für Sie hilf­reich / nicht hilf­reich (z. Z. deak­ti­viert).

 

Über­setzt von: Lan­guage Wea­ver.

Auto­ma­ti­sche Über­set­zung ein-/aus­schal­ten (z. Z. akti­viert).

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Das Titelbild zeigt ein rundes, kolosseumartiges Labyrinth mit farbigen Pfeilen, die in verschiedene Richtungen zeigen, jeder mit einem Buchstaben in einem farbigen Quadrat, mit einem Buch neben dem Eingang.

♫ The Trailblazer’s Red-Let­ter Day ♫


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»Ich betrete den Kor­ri­dor« kön­nen Sie heute als Besu­cher des Kor­ri­do­ri­ums mit Fug und Recht von sich behaup­ten: Dies­mal kom­men freund­li­che Hos­tes­sen auf Sie zu, um Sie zu einer der vie­len Türen zu gelei­ten, hin­ter denen Sie wei­tere Kor­ri­dore erwar­ten – und wei­tere Türen, aber die müs­sen Sie dann schon selbst auf­sto­ßen.

Mit Ihnen ist ein wei­te­rer Besu­cher her­ein­ge­kom­men. Er trägt einen Anzug, hält eine Akten­ta­sche in der Hand und wirkt etwas ver­wirrt. »Ich hab keine Ahnung, was ich hier soll!«, meint er zu Ihnen. »Was noch alles?« steht auf einem Ban­ner, unter dem an drei Steh­ti­schen die Hos­tes­sen war­ten. Schon küm­mert sich eine von ihnen um den Mann: »Ja, man kann sich hier auch gut ver­ir­ren. Wenn Sie gezielt vor­ge­hen möch­ten und nur wenig Zeit mit­brin­gen, soll­ten Sie durch diese schmale Tür hier vorne wei­ter­ge­hen.« Sie trägt die Auf­schrift »Vignette«, stel­len Sie fest. »Oder hier« – die freund­li­che junge Dame macht den Gast auf eine fast schon win­zige Tür mit der Auf­schrift »Frak­tum« auf­merk­sam – »für die ganz kurze Aufmerk­samkeits­spanne: Man­ches ist nicht län­ger als ein Tweet, kommt also mit 140 Zei­chen aus«, fährt sie fort.

»Mich inter­es­sie­ren Auf­stel­lun­gen«, sagt der Mann mit der Akten­ta­sche und rückt sich die Brille gerade.

»Dann ist mög­li­cher­weise dies hier die rich­tige Tür für Sie.« Der Mann betrach­tet stirn­run­zelnd die Auf­schrift »Lis­ten«. Sie scheint ihm zuzu­sa­gen, denn er zuckt kurz die Schul­tern, nickt der Dame kurz dan­kend zu und greift dann ent­schlos­sen zur Klinke.

Inzwi­schen ist eine der ande­ren Hos­tes­sen auf Sie auf­merk­sam gewor­den. »Was darf es für Sie sein?«, fragt sie lächelnd.

»Gibt’s hier auch Geschich­ten mit Hand­lung und Figu­ren, also so rich­tige Kurz­ge­schich­ten?«

»Oh ja«, ant­wor­tet die Hos­tess und zeigt zu einer Glas­tür mit der Auf­schrift »Story« und den dreien dahin­ter, »klas­sisch«, »Fan­tasy« und »SciFi«.

»Was ist mit klas­si­scher Fan­tasy?«, fra­gen Sie stirn­run­zelnd.

»Oh ja, das könnte man falsch ver­ste­hen, rich­tig«, meint die junge Dame. »Alle Kurz­ge­schich­ten ohne Magie und Futu­ris­ti­sches, ohne Brim­bo­rium und Fir­le­fanz sozu­sa­gen – dafür steht ›klas­sisch‹.«

Sie sagt noch etwas dazu, dass es nicht leicht gewe­sen sei, die tref­fen­den Schlag­wör­ter zu fin­den, aber Sie las­sen sich ablen­ken: Eine Besu­che­rin, die eigen­ar­ti­ger­weise einen geöff­ne­ten Regen­schirm mit dem bun­ten Auf­druck »(sich) regen bringt segen« trägt, fragt eine der Hos­tes­sen nach »spi­ri­tu­el­len Tex­ten«. Sie wird von ihr zu den Türen »Nous« und »Kōan« ver­wie­sen – hin­ter »Nous« ste­cke alles, was mit Bewusst­sein zu tun hat, und »Kōan« stehe im wei­tes­ten Sinne für öst­li­che Weis­hei­ten. »Und wie steht es mit, äh, Lie­bes­ge­schich­ten«, fragt die Frau noch leise, als sei es ihr ein wenig pein­lich. Auch dafür gibt es eine Tür wei­ter hin­ten im Kor­ri­dor. Sie trägt, wenig über­ra­schend, die Auf­schrift »Romanze«.

Bevor Sie sich wie­der Ihrer Hos­tess zuwen­den kön­nen, rollt auf einem Skate­board ein Junge in einem Hoo­die her­ein. Er wirft unter sei­ner Kapuze einen abschät­zi­gen Blick in den Kor­ri­dor. Schon ist eine Hos­tess bei ihm. »Cory?«, fragt er. Die Hos­tess schüt­telt lächelnd den Kopf: »Aber die Frage klärt sich womög­lich hin­ter die­ser Tür.« Sie zeigt auf eine Tür mit der Auf­schrift »Cory?« und fügt dann mit Fin­ger­zeig auf die Tür dane­ben, »Meta«, an: »Da könn­ten sich wei­tere Hin­weise auf­tun. Jeden­falls fin­den sich da alle Erklä­run­gen über das Kor­ri­do­rium selbst.«

Das bringt Sie auf eine Idee. Sie fra­gen die junge Dame, die sich hilf­reich zu Ihnen gesellt hat, nach Sto­rys über Par­al­lel­wel­ten – davon soll im Kor­ri­do­rium immer wie­der die Rede sein.

»Oh ja«, ant­wor­tet Ihre Hos­tess lächelnd, »auch dafür gibt es eine Tür. Fol­gen Sie mir bitte.« Die frag­li­che Tür mit der Auf­schrift »Plu­ri­Dim« befin­det sich am Kopf­ende des Kor­ri­dors. »Das steht, hat man mir gesagt, für ›Plu­ri­di­men­sio­na­les‹, also mehr­di­men­sio­nale Per­spek­ti­ven.«

Inter­es­siert lesen Sie die Auf­schrift auf der Tür seit­lich davon: »Parapher­na­lia«?

»Oh ja«, die junge Dame nickt, »da ist alles unter­ge­bracht, was sich allem ande­ren nicht zuord­nen ließ, selbst Kaf­ka­es­kem und Sur­rea­lis­ti­schem nicht.« Sie weist auf die Tür den »Parapher­na­lia« gleich gegen­über. »Kafka«, sagt sie, »ist ein­fach ›K.‹ – und wurde hier aus Platz­grün­den mit dem Sur­rea­lis­mus zusam­men­ge­legt.« Auf der Tür steht »K. / Dada«.

›Tu ich mir wohl bes­ser nicht an‹, den­ken Sie, ver­schlei­ern Ihre Gedan­ken aller­dings mit einem ver­bind­li­chen Lächeln. »Falls ich aber nun spe­zi­ell alles suche, was mit Laby­rin­then und dem Mino­tau­rus zu tun hat?«

»Oh ja«, meint die Hos­tess eif­rig, »hätte ich mir eigent­lich gleich den­ken kön­nen. Ich habe an den Hör­nern natür­lich sofort gese­hen, welch hohen Besuch wir hier heute haben.«

Sie schnau­ben ein wenig durch die Nüs­tern, weil man so was in der Art meist von Ihnen erwar­tet. Obwohl es eigent­lich freund­lich wir­ken sollte, tritt die Hos­tess vor­sichts­hal­ber einen Schritt zurück.

»Hier«, sagt die junge Dame ein wenig ein­ge­schüch­tert, »das wäre dann die Tür Ihrer Wahl.« Sie trägt die Auf­schrift »Mythos«.

»Das kann aber auch Lüge hei­ßen, wie in ›Ach, das ist doch bloß ein Mythos!‹ …«, mer­ken Sie kri­tisch an.

»Oh, ja«, sagt die Hos­tess und schluckt, »aber das ist hier natür­lich nicht in die­sem Sinne gebraucht.«

»Na, das will ich doch gemeint haben!«, erwi­dern Sie und öff­nen die Tür.

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Das Titelbild zeigt die mehrfach überlagerte, verpixelte Darstellung eines Mannes mit Glatze vor gelbem Hintergrund, der eine Geste mit der rechten Hand macht, rechts unten seine schwarze Silhouette mit goldener Krawatte.

♫ Big Des­cent ♫


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Ich betrete den Kor­ri­dor. Irgendwo hier soll­ten die Klos sein. Noch mal pin­keln vor dem gro­ßen Auf­tritt. Im Saal toben sie und tan­zen auf den Tischen. Meine »Geschäfts­part­ner«. Zeit, sie auf­zu­sta­cheln und ein­zu­peit­schen. Gleich läuft Tina Tur­ners Sim­ply the Best über die Boxen, und dann werde ich die Pup­pen tan­zen las­sen.

Pis­soirs soweit sau­ber. Kann man von einem Fünf-Sterne-Hotel ja wohl auch ver­lan­gen, für den Preis. Bin ich unter Strom? Ja, bin unter Strom! Sehr gut. Es wird per­fekt lau­fen. Der Anzug sitzt, die gol­dene Kra­watte hat mir immer schon Glück gebracht. Ich werde alle von den Stüh­len rei­ßen. Hab ich die Stich­worte im Kopf?

»Schö­ner als jeder Orgas­mus.« Mein Ein­stieg. Und dann für die 350 Ver­käu­fer im Saal: »Was drau­ßen an der Front pas­siert, das bestim­men Sie, jeder Ein­zelne hier im Raum.« Kurz den Raus­schmiss der Füh­rungs­riege kom­men­tie­ren, natür­lich nicht drauf rum­rei­ten, son­dern gleich wei­ter mit Wahr­heit, Gerech­tig­keit, Ethik – dafür ste­hen wir. »Ent­we­der ist jemand hun­dert Pro­zent für die Sache da, oder er soll blei­ben, wo der Pfef­fer wächst. Wir wol­len Deutsch­land auf­klä­ren. Da müs­sen Per­sön­lich­kei­ten ste­hen, die als Vor­bild die­nen.« Immer dran den­ken, die Leute im Saal auf das Fir­men­ethos ein­zu­schwö­ren: »Wir haben ein Ziel, und das Ziel heißt: zwei­stel­lig. Wir müs­sen neue Geschäfts­part­ner für die­sen Krieg aus­bil­den.« Und falls es, neben den Zecken der Fern­seh­jour­naille, im Saal irgend­wel­che Zweif­ler an den Fonds-Erträ­gen geben sollte, bit­te­schön, »ein Pro­dukt mit zwei­stel­li­ger Ren­dite – ich schwör’s Ihnen: Der Tag wird kom­men, so wahr ich hier stehe.« Sehen wir’s nüch­tern: Wenn sie an mich glau­ben, glau­ben sie auch an die Sache. Und damit die Pres­se­fuz­zis end­lich das Maul hal­ten: »Wir ver­spre­chen nichts, wir haben Ziele!« Den Bro­cken sol­len sie erst mal schlu­cken.

Hände waschen! Ich will mit sau­be­ren Hän­den da raus. Und die Arsch­lö­cher, die uns mit Dreck bewer­fen, schön der Reihe nach zer­pflü­cken. »Soviel Dumm­heit müsste tot umfal­len.« Aber immer dran erin­nern, dass mich die Breit­seite der Presse erst so rich­tig dazu inspi­riert und moti­viert, noch här­ter für das Gute und Rich­tige ein­zu­tre­ten. Wich­tig! Dann kann ich vom Leder zie­hen, und kei­ner kann mir was. Nur nicht wie­der das mit dem Klam­mer­beu­tel ver­gei­gen. Gepu­dert sagt man, mit dem Klam­mer­beu­tel gepu­dert! Apro­pos, mal sehen, ob ich nicht auch die Num­mer mit dem Bor­dell anbringe. Nut­ten statt Ries­ter­rente, wenn man schon sein Geld ver­bra­ten will. Und mehr Ren­dite als die wer­fen wir doch eh ab.

He, das bin ja ich da im Spie­gel überm Wasch­be­cken. Yeah, Strike! »Ich kann jeden Mor­gen und jeden Abend in den Spie­gel gucken – auch unbe­klei­det – und sagen: Du bist ein Guter!«

Wenn ich den Faden ver­liere, wet­tere ich ein­fach wie­der gegen die Kir­che, gegen Lotto, gegen die GEZ und gegen die Öffent­lich-Recht­li­chen. Funk­tio­niert immer. Der Ver­weis auf die Wiki­pe­dia: »Das Chris­ten­tum ist die größte Sekte.« Steht das noch da? Egal. »Also: aus­tre­ten! Geben Sie mir das Geld.« Garan­tier­ter Lacher. Und beim Thema Lotto keine Gefan­ge­nen: »Wär ich Dik­ta­tor, wären die alle tot, die da mit in Ver­ant­wor­tung ste­hen. Jeder drei Base­ball­schlä­ger im Auto: einer aus Alu­mi­nium, einer aus Holz, einer aus Plas­tik. Zuschla­gen. So viel Dumm­heit, die muss ver­nich­tet wer­den. Wo ist der Radi­kale mit dem Flug­zeug?« Wenn ich unter Strom stehe, bleibt kein Auge tro­cken. »So muss man mit die­sen Arsch­lö­chern umge­hen, oder?« Wenn’s zu dras­tisch wird, kann ich’s aus unse­rem Inter­net­film­chen vom Auf­tritt spä­ter immer noch raus­piep­sen. Haupt­sa­che, der Saal kocht, und unsere Truppe kann’s gar nicht erwar­ten, aus­zu­schwär­men und unser Pro­dukt unter die Leute zu brin­gen.

Am Ende dann noch mal mora­lisch wer­den und auf Ver­ant­wor­tung pochen: »Wo sind wir, wenn in der Welt Unge­rech­tig­keit pas­siert?« Danach run­ter von der Bühne mit, äh, womit wollte ich abtre­ten, was war noch mal das ganz große Ding, das uns alle zusam­men­schweißt als Kämp­fer an der Front, mein neues Schlag­wort, der neue Mythos für uns? Ja, rich­tig: »So seh ich uns mitt­ler­weile: als Robin Hood der Finanz­dienst­leis­ter.«

So, noch ein letz­tes Mal das Fir­men­logo am Revers put­zen. Sie spie­len »Sim­ply the Best« im Saal, auf vol­ler Laut­stärke, mein Stich­wort. Yeah, las­sen wir die Party stei­gen!

Zitate: Daniel Shahin, Car­pe­diem GmbH, 5. Juni, 2011

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Das Titelbild zeigt eine in einen Kapuzenumhang gehüllte, gesichtslose Gestalt an einem hölzernen Tisch in einem fensterlosen Raum, die auf Papier schreibt, umgeben von verstreuten Blättern und einer Tintenflasche, während über der Gestalt mehrere Fragezeichen schweben.
An der Wand ein gerahmtes Bild eines als Esel verkleideten Mannes inmitten einer Eselherde.

♫ Explai­ning Don­key Hea­ven ♫


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»Ich betrete den Kor­ri­dor«: Fan­gen wirk­lich alle 398 Blog­ein­träge mit die­sem Satz an?

Ja. Sozu­sa­gen. Wer Abwei­chun­gen fin­det, darf sie sich ein­rah­men.

Warum wird das Blog am 21. Dezem­ber 2012 gelöscht? Hat das etwas mit dem Ende des Maya-Kalen­ders zu tun?

Es gibt kein Ende des Maya-Kalen­ders. Die Zäh­lung des soge­nann­ten Long Counts beginnt am Ende ein­fach wie­der von vorn. Ob das auch für das Ende der Welt gilt, bleibt offen.

Aber könnte das Blog in sei­ner Gesamt­heit von 398 Ein­trä­gen am Ende nicht ein­fach als Archiv bestehen blei­ben?

Eines der The­men, die im Blog behan­delt wer­den, ist die Ver­gäng­lich­keit, und da scheint eine end­gül­tige Löschung nur kon­se­quent.

Ist der Autor oder die Autorin jemand Bekann­tes, oder warum wird so ein Geheim­nis aus der Iden­ti­tät von »Cory d’Or« gemacht?

Iden­ti­tät ist ein wei­te­res der The­men, die hier beleuch­tet wer­den.

Diese Heim­lich­tue­rei ist doch ein Wer­be­gag, oder?

Sie macht u. a. eine der Fort­set­zungs­ge­schich­ten im Blog mög­lich, die mit Text Nr. 51 beginnt.

Ist das eigent­lich Lite­ra­tur, was du da schreibst? Und wenn ja, wie wür­dest du sie nen­nen?

Mein Freund Norbu hat sie mal »frak­tale Lite­ra­tur« genannt – ich nehme an, damit meint er eine Col­lage von Tex­ten, die sich asso­zia­tiv und the­ma­tisch auf­ein­an­der bezie­hen, eine gewisse Selbst­ähn­lich­keit auf der The­men­ebene auf­wei­sen und in ihrer Dimen­sio­na­li­tät »gebro­chen« sind, indem sie Wider­sprü­che, Alter­na­tiv­ver­sio­nen und Meta-Per­spek­ti­ven mit ein­schlie­ßen. Den Mix ver­schie­de­ner Gen­res könnte man viel­leicht auch post­mo­dern oder eklek­ti­zis­tisch nen­nen – wobei ich ver­su­che, nicht im Ver­wirr­spiel mit Ver­satz­stü­cken ste­cken­zu­blei­ben. Und mit der Art der Ver­öf­fent­li­chung han­delt es sich natür­lich auch um Netz­li­te­ra­tur.

Hm. Die Fan­tasy-Sachen find ich ganz gut, aber mit den SciFi-Sto­rys kann ich wenig anfan­gen.

Die Kate­go­rien und Tags für die ein­zel­nen Texte unter dem Menü­punkt »Was noch alles?« sol­len mei­nen Lese­rin­nen und Lesern eine mehr oder min­der gezielte Aus­wahl unter den ver­schie­de­nen Blog­ein­trä­gen ermög­li­chen. Viel­leicht hilft auch mein Twit­ter-Account: Hier gibt’s zu jedem Text einen klei­nen Teaser-Tweet mit Link – falls ich Neu­gier und Inter­esse wecken konnte: ein­fach kli­cken und den ent­spre­chen­den Kor­ri­dor betre­ten.

Apro­pos »Was noch alles?«: Was bedeu­ten Tags wie »K.«, »Nous«, »Plu­ri­Dim« …?

Stimmt, das ist viel­leicht ein wenig kryp­tisch gera­ten. »K.« steht für die gleich­na­mige Figur bei Kafka und damit für, äh, kaf­ka­eske Situa­tio­nen. »Nous« ist ein grie­chi­sches Wort, mit dem ich die geis­tige Dimen­sion des Men­schen, also die – glei­cher Wort­stamm – Noo­sphäre bezeich­nen möchte. Alles, was sich auf Bewusst­sein, Über­sinn­li­ches und Meta­phy­si­sches bezieht, bekommt das Label »Nous«. »Plu­ri­Dim« wie­derum steht als Abkür­zung für eine plu­ri­di­men­sio­nale, viel­di­men­sio­nale Per­spek­tive aufs Sein und ver­weist auf Par­al­lel­wel­ten und Mul­ti­ver­sen …

Die Geschich­ten sind manch­mal echt put­zig, aber oft ein­fach viel zu lang. Geht es nicht auch kür­zer?

Mir ist bewusst, dass die Auf­merk­sam­keits­spanne für Lek­türe im Web eher gegen die Länge von Tweets hin ten­diert. Ich möchte mir aller­dings nicht neh­men las­sen, auch mal tief­schür­fend zu wer­den. Das för­dert Schätze zutage, die an der Ober­flä­che nicht zu heben sind …

Warum ste­hen die Info-URLs drun­ter, statt dass sie gleich im Text ver­linkt sind?

Das ent­spricht mei­nem per­sön­li­chen Lese­ver­hal­ten: Zuerst zuen­de­le­sen, dann erst offene Fra­gen und Unklar­hei­ten nach­re­cher­chie­ren. (Statt mich bereits mit­ten­drin ablen­ken zu las­sen und von Hölz­chen auf Stöck­chen zu kom­men.) Genau dazu sol­len die Links ein Ange­bot sein.

Ich bin Deutsch­leh­re­rin und würde einen Ihrer Texte gerne im Unter­richt ver­wen­den.

Kon­tak­tie­ren Sie mich unter Cory@Korridorium.com – ich setze mich dann mit Ihnen in Ver­bin­dung.

Ich bin Buch­händ­ler und möchte Sie gerne für eine Lesung Ihrer Texte gewin­nen.

Da muss ich Sie lei­der ent­täu­schen. Seit Text 51 werde ich von der Poli­zei gesucht und muss mich ver­steckt hal­ten.

Wird auch die FAQ eine dei­ner noto­ri­schen Dada-Poin­ten haben?

Aber selbst­ver­ständ­lich. Diese hier näm­lich.

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Das Titelbild zeigt einen verstellbaren Operationstisch mit einem Karton darauf, umgeben von auf dem Boden platzierten chirurgischen Instrumenten und einem OP-Licht darüber.

♫ Joy­rite ♫


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Ich betrete den Kor­ri­dor und schalte mit geüb­tem Griff die kleine Video­ka­mera an, die ich mir ans Stirn­band geklemmt habe. Natür­lich fange ich auch gleich mit dem Kom­men­tie­ren an – Plap­pern gehört schließ­lich zum Hand­werk. Ich öffne die Woh­nungs­tür, und der Paket­bote – ein neuer, nicht der von sonst – beäugt gleich miss­trau­isch die Kamera. Ihn irri­tiert, dass ich fröh­lich mit mir selbst zu reden scheine. Soll er den­ken, ich tele­fo­niere gerade per Head­set mit einer Freun­din. Was will ich dem Mann auch erklä­ren? Dass ich gerade ein Strip­tease-Video mache? Meine Spe­zia­li­tät sind näm­lich: unge­schnit­tene Unboxing-Videos. Sie begin­nen mit der Lie­fe­rung des Pakets – ich kritzle gerade meine Unter­schrift auf das klo­bige Paket­dienst-Touch­pad mit dem grauen Dis­play, das immer zu klein zu sein scheint für meine Unter­schrift. Und dabei nehme ich nur einen von mei­nen drei Vor­na­men.

Die Tür fällt ins Schloss. Ich trage das Paket, wäh­rend ich es von allen Sei­ten begut­achte und diese Unter­su­chung wort­reich kom­men­tiere, durch den Kor­ri­dor in mein »Peep­show-Zim­mer«. Nichts soll meine Viewer von der Ent­hül­lung ablen­ken, die sie jetzt erwar­tet! Dafür habe ich schon vor län­ge­rer Zeit mein Bett ins Wohn­zim­mer geschafft und das Schlaf­zim­mer leer­ge­räumt bis auf mei­nen gro­ßen »OP-Tisch«. Hier stelle ich das Paket ab. Seit­lich liegt bereits mein Werk­zeug parat: eine Schere und ein Paket­mes­ser.

Nun wird seziert. Wenn es auf dem Paket einen Auf­druck gibt oder ein Fir­men­logo, rücke ich natür­lich erst das ins Licht, bevor ich das Objekt der Begierde Schicht für Schicht sei­ner Hül­len ent­le­dige und zum Inhalt vor­dringe. Wich­tig dabei: immer schön wei­ter­re­den, um die Zuschauer bei der Stange zu hal­ten.

Schließ­lich liegt es ent­blößt und ver­füh­re­risch glän­zend vor mir, ein ange­sag­tes Life­style-Pro­dukt, irgend­et­was aus der Kate­go­rie brand­neu + geil designt + Early-Adop­ter-Appeal – ob nun Smart­phone, Blu-ray-Player oder Navi. Das erwar­ten die Abon­nen­ten mei­nes Video­ka­nals so, das bin ich ihnen schul­dig, und genau das bekom­men sie auch, unge­schnit­ten und mit Voice-Over-Kom­men­tar. Den kom­plet­ten Lie­fer­um­fang, jedes Ein­zel­teil bis hin zu den Bat­te­rien, wenn es wel­che gibt, befreie ich aus sei­ner Ver­pa­ckung, hole ich ans Licht, prä­sen­tiere ich von allen Sei­ten und gebe mei­nen Senf dazu. Ist das Teil sexy designt, passt es zum moder­nen Life­style, liegt es gut in der Hand, muss man es unbe­dingt besit­zen? Genau die­sen Appeal müs­sen irgend­wie auch meine Videos haben. In der Ent­hül­lung und Begut­ach­tung brand­neuer Must-Haves scheint für einige eine gewisse Ero­tik zu lie­gen. Die Vie­w­ing-Zah­len spre­chen da ihre eigene Spra­che.

Aus den Kom­men­ta­ren zu mei­nen Videos weiß ich, dass es für viele ein­fach das Größte ist: Mit dem Klin­geln des Paket­diensts mate­ria­li­siert sich die Inter­net-Bestel­lung an der eige­nen Haus­tür. Und wenn’s zu den hip­pen neuen Tei­len nicht reicht, weil das Konto schon auf Anschlag über­zo­gen ist, kom­men meine Unboxing-Videos gerade recht als Ersatz­be­frie­di­gung – oder natür­lich, um sich zum nächs­ten Kauf inspi­rie­ren zu las­sen.

Anders kann ich mir die vie­len Abon­nen­ten und begeis­ter­ten Kom­men­tare nicht erklä­ren. Unter letz­te­ren gibt es natür­lich, wie immer im Inter­net, jede Menge Schwach­sinn. Wie die stän­dige Frage, was ich mit all den Gad­gets und Gerä­ten eigent­lich anfange.

Lei­der kann ich mir die Con­su­mer­elek­tro­nik und Desi­gner-High­tech, die hier zwei‑, drei­mal pro Woche ein­trifft und deren Ent­blö­ßung ich zele­briere, selbst nicht leis­ten. Aber dafür gibt’s ja das Wider­rufs- und Rück­ga­be­recht bei Online-Bestel­lun­gen: Ich ver­staue, wenn ich die Video­ka­mera aus­ge­schal­tet habe, alles fein­säu­ber­lich wie­der im Paket, ver­klebe es mit dem brau­nen Kle­be­band, das unter dem Tisch dafür bereit­liegt, und schi­cke das Gerät – ohne es je in Betrieb genom­men zu haben und damit völ­lig ohne Gebrauchs­spu­ren – gleich am nächs­ten Tag dem Händ­ler zurück. Das Video ist da natür­lich längst online.

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Das Titelbild zeigt vier Frauen in roten, einteiligen Badeanzügen und roten Haarbändern auf und vor einem roten Sofa, bunte Kissen in den Händen haltend. Ein digitaler Button links unten zeigt eine kleine Eule, die aus einem Bastkorb lugt.

♫ Change of Hand, Sleight of Mind ♫


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»Ich betrete den Kor­ri­dor« läuft – ähn­lich wie sich im Zeit­raf­fer am Him­mel Wol­ken bil­den und wie­der auf­lö­sen – als Text­in­sert durchs Bild, als DER GAUKLER (schlich­tes rotes Gewand mit brei­tem schwar­zen Stoff­gür­tel, dazu ein schwar­zer Hut auf dem Kopf) einen kli­nisch wei­ßen, über­strah­len­den Kran­ken­haus­kor­ri­dor betritt. Er dreht sich in die Kamera.

DER GAUKLER

Vil meynen syn vff rech­tem weg,
die doch ver­jr­ren an dem stæg,
der zů dem woren leben fűrt.

Er geht wei­ter. Die Türen an den Sei­ten öff­nen sich: Zu Zir­kus­mu­sik prä­sen­tie­ren ihm auf Samt­kis­sen VIER LEICHTBEKLEIDETE GOGO-GIRLS Dinge wie

  • (auf einem bei­gen Kis­sen) einen Schnul­ler,
  • (auf einem pur­pur­nen) ein Tjurunga,
  • (auf einem roten) eine Maschi­nen­pis­tole,
  • (auf einem blauen) einen gol­de­nen Lor­beer­kranz.

Der Gauk­ler wirft jeweils einen kur­zen Blick auf die ver­lo­cken­den Ange­bote, lässt sie dann aber schul­ter­zu­ckend links lie­gen. Erst jetzt ist zu erken­nen, dass er am Gür­tel einen Bast­korb trägt, aus des­sen Öff­nung vor­wit­zig EINE KLEINE EULE her­aus­schaut. Im Gehen in die Kamera:

DER GAUKLER

Wol dem, der vff dem weg nit jrrt,
wann er jn schon ergrif­fen hat,
ann offt der neben weg ab gat.

Wei­tere Türen schwin­gen neben dem Gauk­ler auf, VIER WEITERE GOGO-GIRLS (oder sind es die­sel­ben?) prä­sen­tie­ren

  • (auf einem oran­ge­nen Samt­kis­sen) eine Spie­le­kon­sole,
  • (auf einem grü­nen) die Charta der Men­schen­rechte,
  • (auf einem gel­ben) einen Elfen­bein­turm und
  • (auf einem tür­ki­sen) das Glas­per­len­spiel aus Hes­ses gleich­na­mi­gen Roman.

Am Ende erwar­tet den Gauk­ler ein koral­len­far­be­ner Vor­hang, den er zur Seite schiebt …

DER GAUKLER

(lächelnd)

Ich vœrcht, es kumen bald die tag,
das man me nuwer mær werd jnn,
dann vns gefall vnd syg zű synn.

… und dann dahin­ter ver­schwin­det.