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Ver­sus

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Ich betrete den Kor­ri­dor. Jemand ruft. Kann denn schon wie­der Zeit für das jähr­li­che Opfer sein? Aber dann erkenne ich die Stimme. Ich kenne sie gut. Es ist Däda­lus. Mein Schöp­fer, Herr und Fol­ter­meis­ter.

»Die Zeit für den Abschied ist gekom­men«, sagt er, und seine Worte schei­nen von über­all­her zu kom­men.

»Zeig dich mir!«, brülle ich. »Tritt mir gegen­über! Dass ich dir das Fleisch auf­reiße und dich zer­fetze!«

»Sei nicht wütend. Damit änderst du nichts, nichts an dei­ner Ver­gan­gen­heit und nichts an dei­ner Zukunft. Ich dachte, du wärst viel­leicht ein wenig weise gewor­den mit der Zeit.«

»Wo bist du?«, brülle ich. »Komm her­aus und stell dich mir!« Ich zit­tere am gan­zen Leib, denn all der Zorn und die Ver­zweif­lung, die sich in den vie­len, vie­len Jah­ren in mir auf­ge­staut haben, bre­chen sich nun Bahn.

»Ika­rus kommt mit mir. Wir müs­sen fort. Aber ich wollte Kreta nicht ver­las­sen, ohne mich von dir ver­ab­schie­det zu haben. In gewis­ser Weise bist du eben­falls – mein Sohn.«

Ich ver­stumme. Däda­lus bleibt wohl­weis­lich eine kör­per­lose Stimme. Er weiß, dass ich ihn töten würde, bekäme ich ihn zu fas­sen.

»Lebe wohl«, sagt er.

Ich heule auf. Ich tobe, stampfe im Sand auf, renne eine Tür ein und schleu­dere mit den Hör­nern die Holz­trüm­mer durch die Gänge. Sie lie­gen still und teil­nahms­los da. Däda­lus ist fort. Ich rut­sche an der Wand her­un­ter und weine leise in mich hin­ein. Aber irgend­wann ver­sie­gen die Trä­nen. Schließ­lich erhebe ich mich wie­der und sehe mich um. Wo bin ich hier? Ist das etwa ein Teil des Palas­tes, den ich noch nicht kenne? Es ste­hen Worte an der Wand. Das war ich. Vor lan­ger, lan­ger Zeit ein­mal. Ich erin­nere mich kaum. Ich habe wohl einen spit­zen Stein genom­men und die Buch­sta­ben in die Wand geritzt, zu einer Zeit, als ich noch ver­suchte, das Beste aus mei­nem Schick­sal zu machen und daran zu wach­sen.

»Nie­mand ist frei. Jeder lebt in einem Palast, der nur schein­bar unend­lich groß ist. Wenige bekom­men die Gele­gen­heit, das zu erken­nen.«