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In preda al ter­rore (Exc)

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Ich betrete den Kor­ri­dor und mache es wie damals, als ich – mor­gens kurz nach Öff­nung der Museen – mit schnel­len Schrit­ten die Gale­rien ent­lang­lief, um die Six­ti­ni­sche Kapelle vor dem gro­ßen Besu­cher­an­sturm erle­ben zu kön­nen. Dies­mal eile ich mit schnel­len Klicks voran – Goo­gles Art Pro­ject sei Dank. Der knapp drei­hun­dert Meter lange Kor­ri­dor, der zu den berühm­ten Michel­an­gelo-Fres­ken führt, ist selbst über­aus präch­tig aus­ge­stat­tet. Doch für die bemal­ten Schränke, die Säu­len­bö­gen und die Fres­ken an den Gewöl­be­de­cken habe ich erst ein­mal keine Zeit.

Sonst sind die Museen, die die Google-Kamera durch­fah­ren hat, men­schen­leer. Hier bewege ich mich, viel­leicht aus Copy­right-Grün­den, inmit­ten des Besu­cher­stroms. Ich hoffe, schnell genug zu sein. Trotz­dem: Als ich in die Six­ti­ni­sche Kapelle gelange, ist sie bereits mit Hun­der­ten von Men­schen gefüllt, die gro­ßen­teils offe­nen Mun­des an die Decke star­ren. Immer wie­der müs­sen – zusätz­lich zu den regel­mä­ßi­gen Laut­spre­cher­durch­sa­gen – die Wach­män­ner in die Hände klat­schen und die Besu­cher zur Ruhe gemah­nen. Das Foto­gra­fie­ren ist ver­bo­ten, aber hier beim Google Art Pro­ject sind es ja eh Fotos. Was aller­dings viele der Besu­cher – die, viele Ita­lie­ner dar­un­ter, nicht etwa sprach­los vor Stau­nen sind, son­dern gerade jetzt furcht­bar wich­tige Fami­li­en­ge­sprä­che und Dis­kus­sio­nen mit Freun­den füh­ren müs­sen – nicht vom Fil­men und Foto­gra­fie­ren mit Han­dy­ka­me­ras, Touch­pads und selbst einer Lomo mit Vier­fach­op­tik abhält.

Das ist mir ent­schie­den zu viel Tru­bel hier! Ein klein wenig ent­täuscht ziehe ich mich in die lan­gen Muse­ums­kor­ri­dore zurück. Hier herrscht keine Bahn­hofs­at­mo­sphäre, und auch hier gibt es – in einer beein­dru­cken­den Archi­tek­tur – bemer­kens­werte Kunst­werke zu ent­de­cken. Ich ver­liere mich in der Gal­le­ria Lapi­da­ria mit ihren stei­ner­nen Zeug­nis­sen, der umwer­fen­den Gal­le­ria dei Can­de­labri und der über­bor­den­den Gal­le­ria degli Arazi. Mit dem dop­pel­stö­cki­gen Kor­ri­dor auf dem Hin­weg zur Kapelle und dem Par­al­lel­kor­ri­dor addiert sich das zu fast einem Kilo­me­ter Fuß­weg zwi­schen ein­zig­ar­ti­gen Kunst­wer­ken hin­durch.

Meine Betrach­tun­gen wer­den unter­bro­chen, als mich ein Wäch­ter anspricht und unsanft in die Wirk­lich­keit zurück­holt: »Il museo è chi­uso.« Ich reiße mich von einem der fan­ta­sie­reich und detail­liert aus­ge­mal­ten, über­di­men­sio­na­len Kar­ten­ge­mälde in der Gal­le­ria della Carte Geo­gra­fi­che los. Schon? Mein Magen signa­li­siert mir, dass ich mich in den vati­ka­ni­schen pass­aggi und cor­ri­doi tat­säch­lich schon seit vie­len Stun­den auf­hal­ten muss.

Das ist das Pro­blem mit dem Inter­net: Man ver­liert jeden Sinn für die Zeit, die ver­geht, wäh­rend man stau­nend wei­ter­klickt und wei­ter­klickt … Wie auch immer. Dann jetzt schnell zu dem klei­nen ita­lie­ni­schen Restau­rant mit Blick aufs Kolos­seum, das mir Freunde, die sich in Rom gut aus­ken­nen, wärms­tens ans Herz gelegt haben.

 

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Six­ti­ni­sche Kapelle (ille­gale Film­auf­nah­men):

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Lomo und Lomo­gra­fie: