Korridorium

1x täglich Kurzprosa mit Soundtrack vom 11/11/11 bis 12/12/12

Tag: Reiseziele

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Das Titelbild zeigt einen Schlafsaal mit mehreren Etagenbetten aus Metall. Ein digitaler Button zeigt eine Ansicht von "Vienna." Ein Bewertungs-Overlay zeigt schlechte Bewertungen für "Rooms", "Cleanliness" etc.

♫ Sneak Peak ♫


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»Ich betrete den Korridor Herberge um ca. Mitternacht und wenn nicht spät Nacht gewesen wäre hätten wir ein anderes gesucht. War sehr heruntergekommen (Gefühl fast unheimlich) und glücklicherweise Schlepptau Männer, die zufällig Aufenthalt kam uns Hilfe mit dem Gepäck. Und das Schlimmste, konnten wir noch nicht einmal fanden unser Zimmer keine. Musste, die Tür abgesetzt und ich war fast innen verschlossen!«

1 von 5 Sternen Zimmer

2 von 5 Sternen Lage

1 von 5 Sternen Sauberkeit

1 von 5 Sternen Check-in/Rezeption

Diese Gästebewertung des Hotels »Blue Corridor Hostel« in Siebensterngasse 15, Wien, Österreich, war für Sie hilfreich / nicht hilfreich (z. Z. deaktiviert).

 

Übersetzt von: Language Weaver.

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52/398

Das Titelbild zeigt eine Luftaufnahme eines Wohnhauses mit angrenzendem Garten, in dem ein Wohnmobil steht, umgeben von Büschen und zwei geparkten Autos auf der Straße davor. Ein digitaler Button links oben zeigt das Icon eines Fahrzeugs mit Flügeln unterhalb einer Weltkugel.

♫ Flight of Fancy ♫


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Ich betrete den Korridor, der eigentlich gar keiner ist, weil ich ihn auf Knopfdruck in das Arbeitszimmer, das Fernsehzimmer oder das Gästezimmer verwandeln kann. Leider ist über die vielen Jahre hinweg, die ich in den Bau und die Ausgestaltung meines Wohnmobils gesteckt habe, meine Reiseangst stetig angewachsen. So schaffe ich es mit meinem rollenden Eigenheim nicht weiter als bis zum Supermarkt im Ort, wo ich mich mit Vorräten eindecke, um mir dann, wieder auf der Wiese vor meinem kleinen Häuschen parkend, einfach vorzustellen, ich verbrächte meinen Lebensabend mit ausgedehnten Touren quer über den Kontinent.

Nicht nur, dass es so ökologischer ist – auch wird meine Vorstellung von den Reisen immer genauer und lebhafter, bis es fast keinen Unterschied mehr macht, ob ich wirklich in fremden Ländern weile, und mich manchmal, wenn ich morgens erwache, unerklärliches Heimweh packt.

78/398

Das Titelbild zeigt einen prächtigen Flur mit Kronleuchtern an der bemalten Decke, marmorierten Säulen und an den Wänden aufgereihten Vitrinen mit kunstvollen Gefäßen und Statuetten. Unten rechts zeigt ein computerspielartiges Interface die Position in einem Labyrinth und die Temperatur an.

♫ Eigene Wege ♫


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Ich betrete den Korridor. Nett, dass Sie mich begleiten. Allerdings frage ich mich, was Sie hier wollen. Was erhoffen Sie sich von diesem Korridor? Dass er Sie wo hinbringt? Dass er Ihnen Türen und Möglichkeiten eröffnet? Neue Ausblicke, Einblicke womöglich? Oder erwarten Sie gar etwas von mir? Dass ich Sie in ungesehene Welten führe und Ihnen Dinge offenbare, geheime, numinose, unsagbare Dinge – mit der wohligen Vorfreude auf Nervenkitzel und einem ehrfürchtigen Schaudern angesichts des Unglaublichen?

Gut. In dem Fall möchte ich Sie nicht länger aufhalten. Ich mache gerne kehrt und gehe meiner eigenen Wege. Nur zu, keine Scheu: Betreten Sie den Korridor.

91/398

Das Titelbild zeigt eine Wolkenformation mit menschlichen Gesichtern, aus deren Mündern Wind strömt, mit der Silhouette eines fallenden oder schwebenden Menschen darunter.

♫ From a Wind-Swept Mind ♫


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Ich betrete den Korridor. Ach, hätte ich doch bedacht, dass es sich um ein Luftschloss handelt! Ich verliere den Boden unter den Füßen, und jetzt machen sich die Winde, allen voran Apheliotes, aber auch Lips lässt sich nicht lumpen, einen Spaß daraus, mich durch den Himmel zu blasen. Kaikias schließlich hat ein Einsehen, trägt mich fort von seinen ungestümen Kameraden und lässt mich, wenn auch nicht gerade sanft, weit im Nordosten in einem Hafen zu Boden sinken.

Reykjavík.

Jetzt im Winter nicht gerade mein Traumziel. Aber hat, heißt es, ein reges Nachtleben zu bieten.

127/398

Das Titelbild zeigt eine runde Fantasie-Weltkarte, versehen mit surrealen, detailreichen Gebäuden und Figuren, die in organischen, fließenden Formen integriert sind, umgeben von weiteren architektonischen Elementen auf hellem Hintergrund.

♫ Xerox Maxixe ♫


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Ich betrete den Korridor. Das Herz schlägt mir bis zum Hals. Immer wieder stelle ich fest: Bloße Geschichten über Korridore, Gemälde, Fotos und Filme von ihnen lassen mich kalt, aber tatsächlich dort zu sein und die Architektur körperlich zu spüren – das ist es, was meinen Puls beschleunigt und meine Haut prickeln lässt!

Hier empfangen mich außergewöhnliche, einzigartige Korridore, so wie es auch die Gebäude, die Schlösser, Tempel, Wohnhöhlen und Villen kein zweites Mal gibt in der Welt, an Orten, die in meinen Ohren einen besonderen Klang besitzen:

 

Hier haben sich obsessive Visionäre ihre Luftschlösser erbaut, oft heimlich und meist über Jahrzehnte hinweg. Ich betrete steingewordene Lebenswerke – und die Anstrengungen der weiten Reise, der Jetlag, all das ist in diesen Momenten wie weggewischt.

Staunend blicke ich mich um. Es sind Bauwerke, die Träumen oder auch Alpträumen entsprungen zu sein scheinen:

 

Bei den meisten Besuchen nehme ich mir die Zeit, in einem der meist kunstvoll ausgestalteten Flure und Gänge, die bis in die kleinsten Details die Handschrift ihrer Erbauer tragen, eine Zeichnung anzufertigen, inspiriert von den starken Gefühlen, die diese Phantastische Architektur in mir auslöst. Mit diesen Skizzen schmücke ich die Gänge in den Kellergewölben, die ich seit über dreißig Jahren heimlich unter meinem Anwesen ausschachte und ständig erweitere, Korridor um Korridor.

160/398

♫ Haunted by the Zeitgeist ♫


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Ich betrete den Korridor und bin ein bisschen aufgeregt: Es ist das erste Mal, dass ich Corridoring betreibe. Ja, klar, ich weiß auch, dass man nicht gleich jeden viralen Fun-Trend aus dem Internet mitmachen sollte. Aber irgendwie entspricht mir die Sache – vielleicht, weil sie sich hinter Masken versteckt. Oder weil es sich um einen antiken Mythos handelt. Jedenfalls: mir einen Stierkopf zu basteln und mich damit in einem Korridor meiner Wahl zu fotografieren – die Idee hat irgendwo tief in mir drin etwas ausgelöst, und ich wollte unbedingt mit dabei sein. Ich kann nur hoffen, dass auch andere ihre Fotos in die Galerie posten, mit selbstgebasteltem Stierkopf in einem Korridor ihrer Wahl, was sich dann langsam zu einem unübersehbaren Geflecht aus Gängen und Fluren auswächst: das magische Land Korridorien sozusagen, ein virtuelles weltweites Labyrinth, durchwandert von einem einsamen, verwirrten Mischwesen.

Ist doch irgendwie ein hübscher Ausdruck unseres Zeitgeists, oder?

Nun, genügend Korridore für ein solches Foto hat das Atomium durchaus zu bieten. Ich hatte es gleich vor Augen, als von Korridoren die Rede war, und wie sich herausstellte, muss ich nur früh genug hinein, damit nicht schon überall Touristen herumlaufen und der Gehörnte auch wirklich allein auf dem Bild ist.

Ich baue die Kamera auf, hole die Pappmaché-Maske aus dem Rucksack, stelle den Selbstauslöser ein und bringe mich mit hängendem Kopf in Position …

161/398

♫ Booster Doze ♫


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Ich betrete das Korridor. Das Hotel heißt mich in ausgezeichneter Lage oberhalb der Ortschaft Knossos und mit Blick auf die archäologische Stätte Knossos, nur 5 km von Heraklion mit Geschäften, Restaurants, Bars und einem pulsierenden Nachtleben entfernt, herzlich willkommen und bietet mir alle modernen Annehmlichkeiten. (Ist ja wohl das Mindeste, oder?)

Die im traditionell griechischen Stil eingerichteten Zimmer des Korridor Hotel Knossos Palace verfügen über ein eigenes Bad mit tropischer Regendusche, in dem ich zudem einen Haartrockner, Bademantel, Hausschuhe und kostenlose Luxus-Pflegeprodukte vorfinde. (Mehr habt ihr nicht zu bieten?)

Interieur und Ambiente des Boutique-Hotels Palace Korridor sind inspiriert von dem legendären Labyrinth von Knossos, das mit dem Europäischen Kulturerbe-Siegel ausgezeichnet wurde. (Aha! Das klingt doch mal nach was!) Hübsch und individuell gestaltete Korridore, ausgestattet mit antiken Kunstwerken, und kostenloser WLAN-Empfang im gesamten Gebäude des Palastkorridor Hotel Knossos empfangen mich in familiärer und dennoch zeitgemäß eleganter Atmosphäre, in der ich mich rundum wohlfühlen werde, nicht zuletzt dank des aufmerksamen Hotelpersonals. (Ach ja, mal so richtig ausspannen können. Sich um nichts kümmern müssen. Jeder Wunsch wird einem von den Lippen abgelesen.)

Ein schmackhaftes kontinentales Frühstück wird mir im hoteleigenen Restaurant Diadromos täglich am Buffet serviert, und ich entspanne am Abend in der Bar Anaktoro bei einem Drink mit Aussicht auf die umgebende Landschaft. (So stell ich mir das vor, ja.)

Es gibt für mich als Gast des Palace Hotel Knossos Korridor auch eine Loungebar mit LCD-Sat-TV mit Pay-per-View-Kanälen, und ich genieße den Komfort eines 24-Stunden-Zimmerservice. Darüber hinaus profitiere ich von kostenfreien öffentlichen Parkplätzen direkt am Korridor Palace Hotel Knossos. (Staubige Felder am Straßenrand, nehme ich an.)

Den internationalen Flughafen Iraklio Nikos Kazantzakis (HER) erreiche ich vom Knossos Hotel Palace Korridor aus mit dem Auto in nur 5 Minuten. Linienbusse verkehren alle 20 Minuten ab einer nur 30 Meter vom Haupteingang entfernten Haltestelle und gewähren mir vom Hotel Korridorpalast Knossos aus die bequeme Verbindung zu allen touristischen Zielen der Insel. (Ja, schön, aber was …?)

Übrigens: Das Knossos Korridorpalast erwartet mich als umweltfreundliches Hotel, das alle Anstrengungen unternimmt, klimaneutral zu sein. (Ja, aber was ist mit dem Spa? Dem Fitnesscenter, dem Coiffeur, der Maniküre, dem vielfältigen Peeling-, Ayurveda- und Massageangebot?! Wieder ein Schlag ins Wasser. Weiter zum nächsten Hotel. Ist ja alles nur einen Klick weit weg.)

162/398

♫ Malinger’s Eldorado ♫


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Ich betrete den Korridor, den andere Wanderer vor mir in den Berg aus Reisbrei gefressen haben. Gänge zweigen ab, aber ich krieche eilig den Haupttunnel entlang, damit ich schneller bin als der zäh herabfließende Brei.

Als ich es auf die andere Seite des Berges geschafft habe, bietet sich mir eine fantastische Welt. Ich habe es immer nur für ein Märchen gehalten: das Land, in dem einem gebratene Tauben ins Maul fliegen und auf ein »Bst bst!« hin die Fische in die Hand springen. Doch es existiert wirklich! Um jedes Haus ein Zaun von Bratwürsten geflochten, fürs Schlafen kriegt man pro Stunde eine Gulden, und für ein Gähnen wird noch ein Doppeltaler draufgelegt.

Dennoch: So sehr ich auch suchend umherwandere – ich finde keinen Hotspot. Nicht einmal ein Modemanschluss ist aufzutreiben. Technologisch sind die hier ziemlich hinterm Berg. Tja, dann also wieder zurück. Hoffentlich ist der Tunnel durch den Reisbrei noch passierbar.

211/398

Magerøya

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Ich betrete den Korridor und verwandle ihn auf Knopfdruck in mein Arbeitszimmer. Der Schreibtisch klappt aus der Wand unter dem Fenster, und dort, wo eben noch die Dusche gewesen ist, schiebt sich ein Bücherregal aus der Wand. Gestern Abend habe ich mit meinem Wohnmobil das Nordkap erreicht.
Meine irrationale, aber unüberwindliche Angst, mich unter freiem Himmel aufzuhalten, erschwert mir meine Arbeit als Reisejournalist nicht wirklich wesentlich: Vom Seitenfenster meines rollenden Heims habe ich einen guten Blick auf den Gitterglobus, den die Norweger hier auf Stahlstreben montiert haben, um so den nördlichsten Punkt Europas zu markieren – zumindest den, der auf vier Rädern erreicht werden kann. Die Nordkaphalle ist verglast. Im Inneren kann ich den Thai-Pavillon und das Postamt erkennen. Bestimmt besorgt mir irgendein freundlicher Tourist dort auch mein persönliches Nordkapdiplom.
Ich beginne mit der Niederschrift meiner Eindrücke.

 

223/398

I Sing the Corridor Eclectic

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Ich betrete den Korridor, den Infinite Corridor, wie wir ihn hier im Institut nennen. Zahlreiche Leute strömen hier von einem Gebäudeteil des Komplexes zum anderen, Wissenschaftler, Forscher, Ingenieure, Techniker und Heerscharen von Studenten – das bunte Völkchen des MIT halt. Mir fallen ein paar junge Leute auf, von denen einer mit einer Handykamera filmt, wie sich eine junge Frau an der Wand des Korridors entlanghangelt. Sie macht einen Satz auf einen ausrangierten Computerschrank, nutzt einen der großen Papierkörbe, um an einen Türrahmen auf der gegenüberliegenden Seite zu springen und sich von da auf einen sicherlich nicht zufällig dort platzierten Bücherkarren der Bibliothek zu schwingen. Aber sie rutscht ab und landet mit einem halblauten Fluch auf dem Boden. Ein Kollege springt zu ihr und reicht ihr ein Chalkbag, damit sie sich mit dem Magnesiumcarbonat die Hände pudern kann.

Ich frage den Kameramann der Truppe, was sie da treiben. »Wir proben für morgen.« Corridoring, erfahre ich, sei so eine Art Sport fürs Internet: Man filmt sich, wie man einen öffentlichen Korridor möglichst kreativ und ohne Bodenberührung durchquert, und stellt das Filmchen dann ins Internet, wo es dann eine Menge Likes und erhobene Daumen kriegt und andere Teams zu noch größeren Corridoring-Performances inspiriert.

Und morgen – das weiß ich natürlich durch den Buschfunk und die vielen Schwarzen Bretter entlang meines Wegs zum Labor – erhellt die Sonne für wenige Minuten den Infinite Corridor von der Lobby aus auf seinen ganzen 251 Metern Länge – ein jährliches Ereignis wie vielleicht die Wintersonnenwende in Stonehenge oder das Sonnenwunder von Abu Simbel, bei dem die Götterstatuen in der hinteren Kammer plötzlich ein Lichtstrahl trifft. Jedenfalls ist es für die Neulinge bei uns immer wieder in erhebendes Schauspiel, auch wenn die Presseberichte über Gruppen von Studenten und Professoren, die andächtig dastehen und Om chanten, doch ein wenig übertrieben sind.