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Í góðum höndum
Ich betrete den Korridor. Hier stehen sie und warten, die Kandidaten für die Nachmiete. Singles, Paare, mehrere Kleinfamilien mit Kindern. Was für ein unerwarteter Ansturm – hätte nicht gedacht, dass es so viele potenzielle Nachfolger für mich gibt, die all die Anforderungen erfüllen, wie ich sie in der kleinen Annonce aufgeführt habe. Schließlich ist das hier eine Art Wolkenkuckucksheim, eine geistige Heimstatt der besonderen Art in bester Lage, liebevoll ausgestattet und mit persönlicher Note. Hier weggehen zu müssen, tut mir in der Seele weh. Aber es rufen mich neue Aufgaben.
»Und Sie trauen sich alle zu, das Korridorium fortzuführen?«, frage ich erstaunt in die Menge. Sie werfen sich fragende Blicke zu. »Korridorium?«, fragt eine junge Frau, die ein Baby auf dem Arm hat. »Na, was denn sonst? Ich suche einen Nachmieter. Für’s Korridorium. Stand doch so in der Anzeige.«
Die Wartenden sehen sich an. Einige schütteln verständnislos den Kopf. »Wir wollen zur Einführungsstunde«, erklärt mir die junge Frau. Ich bin verdattert: »Einführungsstunde?«
»Ja, die kostenlose Einführungsstunde um vier.« Ich folge ihrem Blick, drehe mich um und sehe, dass auf meiner Tür aus der Aufschrift »Korridorium« irgendjemand das Wort »Koranstudium« gemacht hat. Verärgert wische ich die Farbe mit meiner Handkante ab, bis wieder, wenn auch ein wenig verschmiert, Korridorium da steht. Diesen Streich haben mir vermutlich die Kids gespielt, die hier ständig durch den Flur toben.
Kurzentschlossen wende ich mich wieder meinen Besuchern zu. »Ich könnte Ihnen allen ebenfalls eine Einführungsstunde geben. Auch kostenlos natürlich. Über religiöses Scheuklappendenken geht es weit hinaus in eine zukunftsfähige Weltsicht und ist auch viel lustiger«, improvisiere ich. »Ich würde Tee machen, Plätzchen für alle reichen, wenn sie denn für alle reichen, und …«
Aber die Leute im Flur tuscheln ärgerlich, und einige sehen in ihren Zeitungen nach. »Falsches Stockwerk«, sagt einer, alle machen kehrt und ziehen Richtung Treppenhaus. »Ist denn keiner fürs Korridorium hier? Wird in rund fünf Wochen frei!«, rufe ich ihnen nach, doch bekomme keine Antwort. Niemand dreht sich um.
Ich sehe auf meine Armbanduhr. Drei Uhr achtundfünfzig. Es ist noch vor der Zeit. Also könnte noch jemand aufkreuzen. Kann doch nicht sein, dass die Leute nur am Koranstudium interessiert sind! Und das mit dem Tee und der Einführungsstunde ist eigentlich eine gute Idee. Ich lasse die Tür halb offen und gehe in die Küche, um Wasser aufzusetzen.
