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Göng
Ich betrete den Korridor und sehe mich einem seltsamen Wesen gegenüber, einem wulstigen eiförmigen Gebilde, das sich immer wieder – von der Mitte aus – in konvulsivischen Zuckungen in sich selbst einfaltet. Nicht von diesem dauernden Von-links-auf-rechts-und-wieder-zurück-Stülpen betroffen sind die drei feuchten und leicht zitternden Fühler oder Antennen, die es zu mir hinstreckt.
Noch eigenartiger als das Wesen vor mir ist allerdings die Tatsache, dass ich ruhig und gelassen bleibe. Im Grunde berührt mich kaum, was ich da sehe. Und anfangs auch nicht, was ich höre.
»Du wirst kämpfen. Du wirst siegen. Ich will es so.« Sagt das Wesen. Ich nehme es nur am Rande meines Bewusstseins wahr. Mich beschäftigt die Frage, wie ich in diesen Korridor gekommen bin. Saß ich nicht eben noch auf meinem Fahrrad?
»Andere wie du werden dich töten wollen, um nicht selbst durch deine Hand zu sterben. Aber du wirst siegen. Ich will es so.«
Doch, so war es. Ich fuhr zum Waldrand. Es war mitten in der Nacht. Ich hatte meinen kleinen Rekorder dabei und wollte den Gesang einer Nachtigall aufnehmen, die ich dort wenige Tage zuvor ihr nächtliches Konzert hatte geben hören.
»Mein Einsatz ist sehr hoch. Also enttäusche mich nicht. Werde der Beste unserer Gladiatoren. Ich will es so.«
War da nicht dieses Wummern einer Bassdrum gewesen? Und das Grölen der Männer, die aus den Fenstern eines Wagens hingen, der ohne Licht die Straße entlangschlidderte?
»Ich habe dich gerettet. Ein Moment später, und du wärst tot gewesen. Ich bin dein Retter. Und nun wirst du mich retten. Ich will es so.«
Tatsächlich? Hatte mich dieses Alien gerettet? Es fällt mir nicht leicht, einen klaren Gedanken zu fassen. Aber irgendwie kann ich mich nicht des Gefühls erwehren, dass mich das Ding dreist anlügt.
»Du wirst deine Gegner töten. Du wirst siegen. Du wirst die Macht gewinnen, deine Träume Wirklichkeit werden zu lassen. Ich will es so.«
Träume. Wirklichkeit. Das ist ein gutes Stichwort. Dies ist ein Traum. Aber kein normaler. Dies ist der letzte Traum. Oder der erste, wie man’s nimmt. Ich bin tot. Dieses Wulstwesen hat mich nicht etwa gerettet, sondern mich unmittelbar nach dem Unfall abgefangen. Vor dem Tunnel ins Licht sozusagen, falls es den geben sollte.
»Du bist nicht tot. Du willst leben. Deshalb wirst du kämpfen. Du wirst siegen und reich beschenkt werden. Ich will es so.«
Träume, in denen ich weiß, dass ich träume, haben mich immer schon fasziniert. Und wenn es dazu kam, habe ich die Gelegenheit genutzt und die Wirklichkeit, die mir mein schlafender Geist vorgaukelte, gründlich erforscht. Das Wesen kann mich nicht täuschen. Ich weiß, was ein Traum ist.
»Du träumst nicht! Du bist nicht tot! Du bist ein Kämpfer. Mein Kämpfer. Ich …«
»Ach, hör schon auf!«, falle ich dem feuchten Stülper ins Wort. »Mich kannst du nicht täuschen. Sag mir lieber, wer du wirklich bist.«
Echten Monstern bin ich in meinen Träumen eigentlich nie begegnet, aber ich weiß, wie man sich ihnen gegenüber am besten verhält: furchtlos ansprechen und sie direkt fragen, was sie eigentlich wollen.
Und tatsächlich, die Antennenfühler beginnen noch stärker zu zittern und zu tropfen, die Metamorphosen des Wesens beschleunigen sich, und gleichzeitig wird es blasser und blasser und beginnt, an den Rändern auszufransen, bis sich der Korridor in einen langen, dunklen Tunnel verwandelt hat, an dessen Ende ein helles, freundliches Strahlen auf mich wartet.