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I Sing the Corridor Eclectic
Ich betrete den Korridor, den Infinite Corridor, wie wir ihn hier im Institut nennen. Zahlreiche Leute strömen hier von einem Gebäudeteil des Komplexes zum anderen, Wissenschaftler, Forscher, Ingenieure, Techniker und Heerscharen von Studenten – das bunte Völkchen des MIT halt. Mir fallen ein paar junge Leute auf, von denen einer mit einer Handykamera filmt, wie sich eine junge Frau an der Wand des Korridors entlanghangelt. Sie macht einen Satz auf einen ausrangierten Computerschrank, nutzt einen der großen Papierkörbe, um an einen Türrahmen auf der gegenüberliegenden Seite zu springen und sich von da auf einen sicherlich nicht zufällig dort platzierten Bücherkarren der Bibliothek zu schwingen. Aber sie rutscht ab und landet mit einem halblauten Fluch auf dem Boden. Ein Kollege springt zu ihr und reicht ihr ein Chalkbag, damit sie sich mit dem Magnesiumcarbonat die Hände pudern kann.
Ich frage den Kameramann der Truppe, was sie da treiben. »Wir proben für morgen.« Corridoring, erfahre ich, sei so eine Art Sport fürs Internet: Man filmt sich, wie man einen öffentlichen Korridor möglichst kreativ und ohne Bodenberührung durchquert, und stellt das Filmchen dann ins Internet, wo es dann eine Menge Likes und erhobene Daumen kriegt und andere Teams zu noch größeren Corridoring-Performances inspiriert.
Und morgen – das weiß ich natürlich durch den Buschfunk und die vielen Schwarzen Bretter entlang meines Wegs zum Labor – erhellt die Sonne für wenige Minuten den Infinite Corridor von der Lobby aus auf seinen ganzen 251 Metern Länge – ein jährliches Ereignis wie vielleicht die Wintersonnenwende in Stonehenge oder das Sonnenwunder von Abu Simbel, bei dem die Götterstatuen in der hinteren Kammer plötzlich ein Lichtstrahl trifft. Jedenfalls ist es für die Neulinge bei uns immer wieder in erhebendes Schauspiel, auch wenn die Presseberichte über Gruppen von Studenten und Professoren, die andächtig dastehen und Om chanten, doch ein wenig übertrieben sind.
Der Infinite Corridor (engl.):![]()