Korridorium

1x täglich Kurzprosa mit Soundtrack vom 11/11/11 bis 12/12/12

Kategorie: Listen

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Das Titelbild zeigt ein offenes altes Buch auf einem Holztisch vor einer Wand mit hohen, komplett mit alten Büchern gefüllten Regalen in einem runden Raum. Das Buch wiederum zeigt einen ähnlichen, mit Büchern gefüllten Raum ohne aufgeschlagenes Buch.

♫ Mal­trä­t­a­rium ♫


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Ich betrete den Kor­ri­dor. Seine Wände bestehen fast zur Gänze aus Buch­rü­cken. (Die Bände sind hier nicht wie in den Instal­la­tio­nen von Matej Krén oder im Anti­qua­riat von Ishwori Sap­kota in Kath­mandu fugen­los quer­ge­sta­pelt und womög­lich noch durch Spie­gel zu einem end­lo­sen begeh­ba­ren Buch­tun­nel ver­län­gert, son­dern drän­gen sich hier senk­recht über­ein­an­der­ge­stellt.) Ich lege mei­nen Kopf schräg und stu­diere ver­blüfft die Titel. Hier scheint sich jemand einen selbst­re­fe­ren­zi­el­len Scherz gemacht zu haben.

Rücken an Rücken ste­hen dort unter ande­rem

  • Im Kor­ri­dor der Sterne von Alex­an­der Kai­ser,
  • Le deu­xieme cou­loir von Geor­ges Bar­guet,
  • Cor­ri­dor of Storms von Wil­liam Sara­bande,
  • The Cor­ri­dors of Time von Poul Ander­son neben
  • Cor­ri­dors of Time: 1,700,000,000 Years of Earth at Grand Can­yon mit einer Ein­lei­tung von Carl Sagan,
  • Har­lan Ellison’s Dream Cor­ri­dor Volume 2 (wo ist Band eins?),
  • Kor­ri­dor der Bli­cke von Camill Lebe­rer,
  • Cor­ri­dors of Light von Ele­a­nor G. Brown, Ph. D.,
  • Petits bruits de cou­loir von Phil­ippe Guil­lard,
  • Il decimo cor­ri­doio von Marco Meini,
  • L’ul­tima stanza in fondo al cor­ri­doio von Ales­san­dra Bri­sotto,
  • Cor­ri­dor de Vie von Camille Saba­tier,
  • Cor­ri­dors of the Mind von Caro­line Lup­fer Kurtz,
  • The Locked Cor­ri­dor von Mari­lyn Ross,
  • The Cor­ri­dors of Fear von Cla­rissa Ross,
  • Der lange Kor­ri­dor – ein Arzt­ro­man von Cathe­rine Cook­son,
  • Der sil­berne Kor­ri­dor von Har­lan Elli­son (hier etwa? Nein!),
  • The Gol­den Cor­ri­dor von Jody and Ric Hor­nor,
  • The Smoky Cor­ri­dor: A Haun­ted Mys­tery von Chris Gra­ben­stein,
  • La mistica nel cor­ri­doio von Luis Casa­sús Latorre,
  • das Comic Sun­set Cor­ri­dor von Régis Franc,
  • Der dunkle Kor­ri­dor – klas­si­sche Erzäh­lun­gen aus Russ­land von Hanjo Kes­t­ing,
  • Yao ye hui lang von Julian Lee,
  • Night Cor­ri­dor von Joan Hall Hovey,
  • Cor­ri­dors by Cand­le­light: A Family Album with Words von Anna Clyde Plunkett,
  • Der schwarze Kor­ri­dor von Michael Moor­cock,
  • Flucht aus dem Grauen Kor­ri­dor von Clark Darl­ton,
  • Les cou­loirs de l’e­s­poir von Corinne Vom­scheid,
  • The Cor­ri­dor of Mul­lah-Kajar and Other Sto­ries von J. M. DeMatt­eis und Roy Tho­mas,
  • Tumit­hak of the Cor­ri­dors von Charles R. Tan­ner,
  • Il cor­ri­doio del fla­mi­nio von Aldo Tof­foli,
  • Le cor­ri­dor des inv­en­dus von Ber­nard A. Che­va­lier,
  • Cor­ri­dor of Whis­pers von Edwina Noone,
  • Dans les cou­loirs du laby­rin­the von Emma­nuel Mata­teyou,
  • Echoes Down the Cor­ri­dor von Arthur Mil­ler,
  • L’En­fant dans le cor­ri­dor von Yves Thi­bault,
  • L’homme assis dans le cou­loir von Mar­gue­rite Duras,
  • The Ladies of the Cor­ri­dor von Doro­thy Par­ker,
  • Série X numéro 122: Dans le cou­loir de l’a­mour von Tracy O’Toole,
  • La fille au bout du cou­loir von Jac­que­line Remy,
  • Ma prin­cesse dis­pa­rait dans le cou­loir von Bri­gitte Sma­dja,
  • Mon père s’est perdu au fond du cou­loir von Phil­ippe Gar­nier und
  • La vérité est au bout du cou­loir von Sam Richez,

dazwi­schen die Dreh­bü­cher zu

  • Kor­ri­do­ren von Bengt Bratt, Bengt Fors­lund und Jan Hall­d­off,
  • White Cor­ri­dors nach einem Roman von Helen Ash­ton,
  • Cor­ri­dor of Mir­rors nach einem Roman von Chris­to­pher Mas­sie,
  • Les cou­loirs du temps: Les visi­teurs 2 von Chris­tian Cla­vier und Jean-Marie Poiré,
  • Whis­pe­ring Cor­ri­dors (여고괴담) von In Jung-ok und Park Ki-hyung sowie
  • Shock Cor­ri­dor von Samuel Ful­ler

plus eine Video­cassette mit der hand­schrift­li­chen Auf­schrift

  • En el cor­re­dor de la muerte,

dann wei­tere Bücher:

  • Cor­ri­dor Eco­logy: The Sci­ence and Prac­tice of Lin­king Land­scapes for Bio­di­ver­sity Con­ser­va­tion von Jodi Hilty u. a.,
  • Cor­ri­dor naar de Rijn von Hen Bol­len,
  • Ost­preus­sen und der Pol­ni­sche Kor­ri­dor von Wil­helm Deu­ti­cke,
  • Club és foly­osó: Poli­ti­kai ötle­tek és raj­zok von Kál­mán Mik­száth,
  • The Per­sian Cor­ri­dor and Aid to Rus­sia von T. H. Vail Mot­ter,
  • Le cou­loir de Dant­zig von Géné­ral Gomer Cas­taing,
  • Der Gansu-Kor­ri­dor: Bar­ba­ren­land dies­seits und jen­seits der Gro­ßen Chi­ne­si­schen Mauer von Sabira Stahl­berg,
  • L’île au bout du cor­ri­dor von Marie-Antoi­nette Liau­det,
  • Camera e stanze – Il cor­ri­doio rac­conta von Lucio Tisi,
  • Kubis­mus im Kor­ri­dor von Susanne Friedli u. a.,
  • der Foto­band Kor­ri­dore der Welt – Orte der Um- und Ein­kehr,
  • Au-delà du cou­loir von Marion Bro­deau,

sogar ein Band mit dem Titel

  • Ana­ly­sen der Ver­kehrs­wege zwi­schen dem alten und neuen Bun­des­ge­biet dar­ge­stellt am Kor­ri­dor Rhein-Main und Thü­rin­gen-Sach­sen,
  • die Span­nen­den Geschich­ten Nr. 71 Deut­sche Pan­zer durch­bre­chen den Kor­ri­dor,
  • Le cor­ri­dor des Pan­zers (Vol. 1 und 2),
  • Kory­tarz śmierci von Perry Moore,
  • Through the Cor­ri­dor von Daniel Pear­son,
  • Run­ning Through Cor­ri­dors: Rob and Toby’s Mara­thon Watch of Doc­tor Who von Robert She­ar­man und Toby Hadoke,
  • Im Kor­ri­dor geht der Mond von Eli­sa­beth Alex­an­der,
  • „Cun­ning pas­sa­ges, con­tri­ved cor­ri­dors“: Unex­pec­ted Essays in the History of Lexi­co­gra­phy von Michael Adams,
  • Voci dal cor­ri­doio del­l’­anima von Trotti Nardo,
  • Le cou­loir de la pieu­vre von Oli­vier Des­cosse,
  • Meine Freunde zie­hen mit einer fahr­ba­ren Plas­tik­maus über den Kor­ri­dor von Tho­mas Böhme,
  • God in the Cor­ri­dors of Power von Michael Ryan und Les Swit­zer,
  • Mes­sa­ges de vie du cou­loir de la mort von Roger W. McGo­wen,
  • Memo­rias del cor­re­dor de la muerte von Joa­quín José Mar­tí­nez,
  • Chi­me­ri­cal Cor­ri­dors von S. Vasuki,
  • El ent­ren­a­mi­ento del cor­re­dor de ori­ent­a­ción vom spa­ni­schen Minis­te­rio de Edu­ca­ción,
  • Por­tals and Cor­ri­dors: A Visio­nary Guide to Hyper­space Tra­vel mit einem Vor­wort von Terence McKenna,
  • Cor­ri­dor of Uncer­tainty von Paul Hill,
  • Para­nor­mal n12: Le cou­loir sans fin von Engle und schließ­lich
  • 100+ Stairs and Cor­ri­dors aus der Reihe 100+ Tips, Ideas von Fer­nando de Haro und Omar Fuen­tes.

Letz­te­res hätte ich bes­ser nicht neu­gie­rig aus der Bücher­wand her­aus­ge­zo­gen, denn sie gibt unver­se­hens nach, stürzt zusam­men und begräbt mich unter sich.

Als ich mich aus all den Kor­ri­do­ren end­lich wie­der her­aus­ge­wursch­telt habe, beschließe ich (wo ich schon ein­mal hier bin) die her­un­ter­ge­fal­le­nen Bücher alpha­be­tisch nach Autoren zu ord­nen. (Viel­leicht könnte ich sogar, wenn ich schon dabei bin, jeweils eine Pas­sage her­aus­schrei­ben und im Inter­net – viel­leicht als täg­li­ches Blog – ver­öf­fent­li­chen?)

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Das Titelbild zeigt eine runde Fantasie-Weltkarte, versehen mit surrealen, detailreichen Gebäuden und Figuren, die in organischen, fließenden Formen integriert sind, umgeben von weiteren architektonischen Elementen auf hellem Hintergrund.

♫ Xerox Maxixe ♫


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Ich betrete den Kor­ri­dor. Das Herz schlägt mir bis zum Hals. Immer wie­der stelle ich fest: Bloße Geschich­ten über Kor­ri­dore, Gemälde, Fotos und Filme von ihnen las­sen mich kalt, aber tat­säch­lich dort zu sein und die Archi­tek­tur kör­per­lich zu spü­ren – das ist es, was mei­nen Puls beschleu­nigt und meine Haut pri­ckeln lässt!

Hier emp­fan­gen mich außer­ge­wöhn­li­che, ein­zig­ar­tige Kor­ri­dore, so wie es auch die Gebäude, die Schlös­ser, Tem­pel, Wohn­höh­len und Vil­len kein zwei­tes Mal gibt in der Welt, an Orten, die in mei­nen Ohren einen beson­de­ren Klang besit­zen:

 

Hier haben sich obses­sive Visio­näre ihre Luft­schlös­ser erbaut, oft heim­lich und meist über Jahr­zehnte hin­weg. Ich betrete stein­ge­wor­dene Lebens­werke – und die Anstren­gun­gen der wei­ten Reise, der Jet­lag, all das ist in die­sen Momen­ten wie weg­ge­wischt.

Stau­nend bli­cke ich mich um. Es sind Bau­werke, die Träu­men oder auch Alp­träu­men ent­sprun­gen zu sein schei­nen:

 

Bei den meis­ten Besu­chen nehme ich mir die Zeit, in einem der meist kunst­voll aus­ge­stal­te­ten Flure und Gänge, die bis in die kleins­ten Details die Hand­schrift ihrer Erbauer tra­gen, eine Zeich­nung anzu­fer­ti­gen, inspi­riert von den star­ken Gefüh­len, die diese Phan­tas­ti­sche Archi­tek­tur in mir aus­löst. Mit die­sen Skiz­zen schmü­cke ich die Gänge in den Kel­ler­ge­wöl­ben, die ich seit über drei­ßig Jah­ren heim­lich unter mei­nem Anwe­sen aus­schachte und stän­dig erwei­tere, Kor­ri­dor um Kor­ri­dor.

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Lost in an Aqua­rium

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Ich betrete den Kor­ri­dor. Kil­roy war schon da. Ich erklimme die Che­ops-Pyra­mide. Kil­roy war schon da. Ich eile ins Kran­ken­haus. Kil­roy war schon da. Ich quet­sche mich ins Kas­sen­häus­chen. Kil­roy war schon da. Ich wate knie­tief ins Kas­pi­sche Meer. Kil­roy war schon da. Ich fla­niere durch die Kolon­na­den. Kil­roy war schon da. Ich kurve auf mei­ner KTM durch Kap­stadt. Kil­roy war schon da. Ich statte der Käse­rei einen kur­zen Besuch ab. Kil­roy war schon da. Ich gucke mal wie­der in die Kybe­riade. Kil­roy war schon da. Ich klet­tere ins Kanu. Kil­roy war schon da. Ich torkle in die Kaschemme. Kil­roy war schon da. Ich kniee im Kir­chen­schiff. Kil­roy war schon da. Ich krie­che ins Kat­zen­klo. Kil­roy war schon da. Ich komme kon­ster­niert in die Küche. Kil­roy fläzt sich auf der Couch, umge­ben von Cra­cker­krü­meln, glotzt Kat­zen­ber­ger und fragt: »Ey, Alte, wo warst’nn wie­der so lang?«

 

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Code Brea­k­ers

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»Ich betrete den Kor­ri­dor« ist – Sie haben es längst erra­ten! – ein Code, mit dem sich Ver­schwö­rer, die den Umsturz unse­res Sys­tems pla­nen, unter­ein­an­der ver­stän­di­gen.

Ihre E‑Mails, Tweets, Blog-Ein­träge, Briefe und Papiere wer­den jedoch abge­fan­gen und einer Künst­ler­gilde über­ge­ben, die sehr geschickt darin ist, die geheim­nis­volle Bedeu­tung der benutz­ten Wör­ter, Sil­ben und Buch­sta­ben zu ent­rät­seln. Die Absich­ten der Ver­schwö­rer lie­gen den Behör­den damit offen zutage, und selbst kurze, schein­bar harm­lose Twit­ter-Mel­dun­gen offen­ba­ren mit einem Mal Bedroh­li­ches. Um eine Hand­voll Bei­spiele zu nen­nen:

Es steht

  • ein Nacht­stuhl für den Schul­den­berg;
  • eine Herde Gänse für die Oppo­si­tion;
  • ein lah­mer Hund für eine NGO, die geheime Regie­rungs­da­ten ver­öf­fent­licht;
  • eine Pest für Waf­fen­lie­fe­run­gen ins Aus­land;
  • ein Mai­kä­fer für Sub­ven­ti­ons­be­trug;
  • schwe­res Rheuma für die Anti-Ter­ror-Gesetze;
  • ein Gal­gen für ver­kappte Steu­er­erhö­hun­gen;
  • ein Nacht­topf für ver­kappte Diä­ten­er­hö­hun­gen;
  • ein Sieb für Ver­brau­cher­schutz­maß­nah­men;
  • ein Besen für die Revo­lu­tion;
  • eine Mau­se­falle für den Daten­schutz;
  • ein boden­lo­ser Brun­nen für die Ver­flech­tun­gen der Poli­tik mit der Wirt­schaft;
  • ein Abzugs­ka­nal für den Atom­aus­stieg;
  • eine Nar­ren­kappe für die Heer­scha­ren von Lob­by­is­ten;
  • ein zer­bro­che­nes Rohr für das Ver­fas­sungs­ge­richt;
  • ein lee­res Fass für die Berufs­ar­mee und
  • eine offene Wunde für das Urhe­ber­recht.

Ist diese Methode der Ent­schlüs­se­lung nicht aus­rei­chend, so wer­den zwei andere von grö­ße­rer Wirk­sam­keit in Anwen­dung gebracht: Durch das soge­nannte Akro­sti­chen und Ana­gram­mi­sie­ren kön­nen die Gelehr­ten ers­tens die poli­ti­sche Bedeu­tung aller Anfangs­buch­sta­ben dechif­frie­ren. So kann N einen geplan­ten Flash­mob, B eine Neo­nazi-Web­site, J einen Shit­s­torm und bei­spiels­weise L die Ent­sen­dung von Blau­hel­men bedeu­ten. Oder man ver­setzt zwei­tens in einem der ver­däch­ti­gen Blog­ein­träge die Buch­sta­ben und ent­deckt so die geheims­ten Pläne der unzu­frie­de­nen Umstürz­ler, deren unver­däch­tig wir­kende, aber doch so viel poli­ti­schen Spreng­stoff beinhal­tende Parole offen­bar lau­tet: »Ich betrete den Kor­ri­dor.«

 

Ihr erge­bens­ter Die­ner Lemuel Gul­li­ver

 

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An Anthem for Cor­ri­dors

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Sur­round Your Self With What You Love

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Ich betrete den Kor­ri­dor, und obwohl ich mich wirk­lich gern von ihm begeis­tern ließe: Er reißt mich nicht gerade vom Hocker. So geht es mir fast immer. Warum wer­den Kor­ri­dore innen­ar­chi­tek­to­nisch nur immer so nach­läs­sig und lieb­los behan­delt? Dabei haben sie weit mehr Poten­zial, als nur für Gar­de­robe, Schuh­schrank und Schlüs­sel­brett her­zu­hal­ten – oder in Büro­ge­bäu­den den Was­ser­spen­der und ein paar gerahmte Aus­zeich­nun­gen oder Natur­fo­tos zu beher­ber­gen!

Ich hatte gehofft, mit Kor­ri­dore – vom Schat­ten­da­sein zum ech­ten Glanz­punkt und dem Nach­fol­ge­band Kor­ri­dor-Power hätte ich die­sen Räum­lich­kei­ten, denen der Sta­tus, ein voll­wer­ti­ges Zim­mer zu sein, lei­der »durch­gän­gig« ver­wei­gert wird, zu mehr Auf­merk­sam­keit ver­hel­fen kön­nen. Doch weit gefehlt. Gehen Sie mal in ein Amt, in eine Schule, in eine Arzt­pra­xis, in ein Kran­ken­haus – oder sehen Sie sich ein­fach nur Ihren eige­nen Woh­nungs­flur an. Ein Schmutz­fän­ger. Eine Abstell­kam­mer. Ein not­wen­di­ges Übel auf dem Weg von Zim­mer A zu Zim­mer B. Blo­ßer Stau­raum statt groß­ar­ti­ger Wow!-Raum. Füh­len Sie sich hier will­kom­men­ge­hei­ßen, inspi­riert, ener­ge­ti­siert und rundum wohl? Wohl kaum.

Das soll anders wer­den. Man hat mich als Kor­ri­dor-Exper­ten gebe­ten, für ein Blog über Kor­ri­dore meine drei wich­tigs­ten und effek­tivs­ten Tipps kurz zusam­men­zu­fas­sen. Das will ich hier­mit tun.

 

 

  1. Geben Sie Ihrem Kor­ri­dor einen beson­de­ren Zweck – und nicht nur den, von einem Raum zu einem ande­ren zu gelan­gen. Ich habe Kor­ri­dore erfolg­reich umge­stal­tet und erwei­tert zu Begeg­nungs­stät­ten, zu Krea­tiv­kor­ri­do­ren, zu klei­nen Biblio­the­ken, zu Spiel­die­len, ja selbst zu Medi­ta­ti­ons- und Musen­flu­ren.
  2.  
  3. Ver­lei­hen Sie Ihrem Kor­ri­dor eigene Per­sön­lich­keit: Was macht ihn zu einem beson­de­ren Kor­ri­dor, der ihn von all den aber­tau­send ande­ren Kor­ri­do­ren der Stadt unter­schei­det? Stat­ten Sie ihn mit indi­vi­du­el­len Far­ben, Acces­soires, Kunst­wer­ken und Erin­ne­rungs­stü­cken aus, mit einer eige­nen Akus­tik, Beschil­de­rung, Beleuch­tung (z.  B. Spie­gel, die Son­nen­licht her­ein­ho­len!) …
  4.  
  5. Bele­ben Sie Ihren Kor­ri­dor: Pla­nen Sie attrak­tive Akti­vi­tä­ten darin – nicht nur unge­liebte Not­wen­dig­kei­ten wie viel­leicht das Schu­he­put­zen. Unter­neh­men Sie etwas in (und mit) Ihrem Kor­ri­dor, auf das Sie sich freuen, das Ihnen Ver­gnü­gen berei­tet und Ihre Lebens­qua­li­tät anhebt. Erfin­den Sie Ihr per­sön­li­ches täg­li­ches Kor­ri­dor-Ritual. Den­ken Sie an Ihren Kor­ri­dor als einen Ort, der Ihnen ans Herz gewach­sen ist und mit dem sie schöne Erin­ne­run­gen ver­knüp­fen.

 

Das moderne Leben der Infor­ma­ti­ons- und Echt­zeit­epo­che, möchte ich noch abschlie­ßend hin­zu­fü­gen, wird immer mehr von Ver­än­de­run­gen, Umbrü­chen, vom inne­ren und äuße­ren Wan­del bestimmt. Wer sich in sei­nem Kor­ri­dor wohl­fühlt, freun­det sich viel­leicht auch schnel­ler mit die­sen Über­gangs­pha­sen an, und es fällt ihm oder ihr leich­ter, in sei­nem Leben neue Türen zu öff­nen.

 

(Das Kor­ri­do­rium dankt für die wert­vol­len Tipps. Und wen das neuste Buch der Kor­ri­dor-Kapa­zi­tät und des »selbst­er­nann­ten KorriDoktor[s]« (Haus&Hof, Aus­gabe April 2011) mit dem Titel Fri­sches Chi im Kor­ri­dor: Feng Shui für die Ener­gie­bahn Ihrer Woh­nung inter­es­siert: Vor­be­stel­lun­gen wer­den ab kom­men­der Woche ent­ge­gen­ge­nom­men.)

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Jadeite Pool Papaya

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Ich betrete den Kor­ri­dor zwi­schen Hob­by­kel­ler und Wasch­kü­che, den ich für meine Kor­ri­dor-Memo­ra­bi­lien reser­viert habe. Ehr­lich gesagt, hätte ich gedacht, dass Kor­ri­dore pop­kul­tu­rell nur eine mar­gi­nale Bedeu­tung besit­zen. Aber auch hier gilt mal wie­der, dass es nichts gibt, was es nicht gibt.

Eine Lese­rin hat mir eine Schnee­ku­gel geschickt mit einem Kor­ri­dor aus dem Ato­mium, in dem ich es schneien las­sen kann. Hübsch. Schnee­ku­geln habe ich immer schon gemocht. Auch die antike mit der »Rudolf Dass­ler Schuh­fa­brik«, deren Was­ser zwar schon etwas trüb ist, aber immer noch den Blick in den Kor­ri­dor des Haupt­ge­bäu­des erlaubt. Beide Schnee­ku­geln ste­hen im Regal mit den Land­kar­ten und Grund­ris­sen (wie dem, der in iso­me­tri­scher Auf­sicht die Kor­ri­dore im Hypo­gäum von Malta zeigt, oder die his­to­ri­sche Dar­stel­lung des byzan­ti­schen Kor­ri­dors zwi­schen Rom und Ravenna). Gleich dane­ben: die Pinn­wand mit Post­kar­ten von Lese­rin­nen und Lesern, viele davon mit Ansich­ten aus den Vati­ka­ni­schen Museen – klar, ihre Gale­rien erge­ben ja im Grunde einen ein­zi­gen lan­gen Kor­ri­dor, der zum Ein­gang zur Six­ti­ni­schen Kapelle ver­läuft und wie­der zurück.

Aber es waren auch noch ganz andere Sou­ve­nirs in der Post. Neben Kor­ri­dor-Kugel­schrei­bern, einem Kor­ri­dor-Tee­ser­vice aus Flo­renz, dem char­man­ten Kin­der­buch Kor­ri­dor der Zau­be­rer aus den Nie­der­lan­den und einem anti­ken indi­schen Aus­mal­buch mit lau­ter Kolo­ni­al­flu­ren und Tem­pel­gän­gen hängt ein Stück gegerb­tes Leder, das angeb­lich ein sibi­ri­scher Scha­mane mit sei­nen Erleb­nis­sen bei Rei­sen in die Welt der Geis­ter bemalt hat. Es zeigt meh­rere tun­nel­ar­tige Kor­ri­dore, die er durch­fliegt – ich will nicht aus­schlie­ßen, dass es sich hier­bei um eine Fäl­schung und bil­li­gen Tou­ris­ten­nepp han­deln könnte.

Hier liegt auch die Gedenk­me­daille für den Pol­ni­schen Kor­ri­dor, offen­bar eine his­to­ri­sche Rari­tät von eini­gem Wert. Die »Gangur«-Ansteckplakette von einem Floh­markt in Reykja­vík für eine inzwi­schen nicht mehr exis­tente Gale­rie (deren Räum­lich­kei­ten wohl Kor­ri­dore waren) habe ich sogar eine Zeit­lang beim Schrei­ben der Blog­ein­träge getra­gen – wobei ich nicht genau sagen kann, ob sie mich tat­säch­lich zu neuen Aben­teu­ern inspi­riert hat oder ein­fach nur kleine Löcher in mei­nen Blu­sen hin­ter­las­sen hat.

Beim Hin­aus­ge­hen fällt mein Blick auf das Kor­ri­dor-Spiel aus Peru, ein Brett­spiel mit mir völ­lig unver­ständ­li­chen Regeln, mit Figu­ren und ver­win­kel­ten Gän­gen, die ganz sim­pel aus Papier gefal­tet, aber hübsch anzu­se­hen sind – viel­leicht die perua­ni­sche Vari­ante vom Laby­rinth der Meis­ter? Dane­ben liegt das Spiel Quo­ri­dor aus Frank­reich, das mir mein klei­ner Bru­der zum Geburtstag198 geschenkt hat. Ich mag es beson­ders wegen eines beru­hi­gen­den Sat­zes hin­ten auf der Box: »Rassu­rez-vous: il doit vous lais­ser au moins un pas­sage libre.« Er fin­det sich zwar eigen­ar­ti­ger­weise nicht in der deut­schen Beschrei­bung, aber ansons­ten in zahl­rei­chen wei­te­ren Spra­chen. »Not to worry, there’s always a way out.«

Vie­len, vie­len Dank jeden­falls! Diese unver­hoff­ten Post­kar­ten und Geschenke aus aller Welt machen mir Mut und geben mir Kraft, auch wei­ter­hin jeden Tag vol­ler Neu­gier einen neuen Kor­ri­dor zu erfor­schen.

 

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Off the Charts

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»Ich betrete den Kor­ri­dor« steht jeweils am Anfang der Texte im Kurz­prosa-Blog von Cory d’Or – Platz 10 die­ser aktu­el­len
 

Top­Ten-Liste der bes­ten seri­el­len Ein­lei­tungs­sätze

 

– den sich das Kor­ri­do­rium teilt mit »Jetzt ist schon wie­der was pas­siert«, dem Satz, mit dem Wolf Haas jeden sei­ner ers­ten sechs Romane um Kom­mis­sar Bren­ner beginnt.

Hät­ten Sie ihn hier ver­mu­tet? Platz 9 unse­rer Bes­ten­liste belegt ein Kin­der­buch von Barack Obama, in dem er für seine drei­zehn Kapi­tel jeweils die glei­che Ein­lei­tung »Habe ich euch gesagt …?« ver­wen­det.

Gebets­müh­len­ar­tig wie­der­holte Anfangs­sätze gibt es beson­ders im reli­giö­sen Schrift­tum und bei lit­ur­gi­schen Tex­ten nahezu aller Kon­fes­sio­nen. Bei­spiels­weise fin­den sich im ers­ten Kor­ri­dor des Grabs von Sethos I. an der lin­ken Wand fünf­und­sieb­zig Anru­fun­gen in Hie­ro­gly­phen­schrift, die alle mit den­sel­ben Wor­ten begin­nen: »Preis dir, Re, mit hoher Macht!«

In die­ser Top­Ten soll es aller­dings um Geschich­ten und nicht um Gebete und Beschwö­run­gen gehen, Geschich­ten wie die im Blog »Leser­li­ches« von Rolf Kirsch, in denen es schon min­des­tens acht Mal (und vier mal in Varia­tio­nen) heißt: »Bruno hat jetzt in einem klei­nen Kreis zuge­ge­ben, dass …« – das zieht Kreise und gelangt damit auf den 8. Platz die­ser lite­ra­ri­schen Charts.

Mit dem Satz »Es gibt die­sen Mann« lei­tet Anna Kal­eri die sech­zig Erzäh­lun­gen ihrer gleich­na­mi­gen Antho­lo­gie ein – trotz gele­gent­li­cher Abwei­chun­gen (»Es gibt diese Tür«, »Es gibt die­sen Berg« …) gibt es dafür Platz 7.

Die sinistre Ankün­di­gung »Es klopfte an der Tür« stellt der japa­ni­sche Sci­ence-Fic­tion-Autor Shin’ichi Hoshi im gleich­na­mi­gen Sam­mel­band an den Anfang von fünf­zehn Kurz­ge­schich­ten, die ganz ohne futu­ris­ti­sche und fan­tas­ti­sche Ele­mente aus­kom­men. »Nokku no Oto« ist unser 6. Platz der seri­ell ver­wen­de­ten lite­ra­ri­schen Tür­öff­ner-Sätze (und erin­nert, diese Rand­be­mer­kung sei erlaubt, an eine der kür­zes­ten SciFi-Sto­rys – sie stammt aus der Feder von Fre­de­ric Brown und lau­tet in vol­ler Länge: »The last man on earth sat alone in a room. There was a knock on the door …«).

»Jetzt reicht’s! Alles muss man sich nicht gefal­len las­sen!« Mar­kige Worte – mit ihnen fan­gen drei­zehn Mal die Ein­tra­gun­gen der halb­wüch­si­gen Bille in ihr gehei­mes Tage­buch an: Platz 5 für den Roman Fisherman’s Fri­end in mei­ner Koje von Kers­tin Gier.

Noch etwas jün­ger als Bille ist Frie­der. Alle 16 Geschich­ten in Oma! schreit der Frie­der von Gud­run Mebs begin­nen mit dem Satz »›Oma‹, schreit der Frie­der und zupft an Omas Rock« – ein dra­ma­ti­scher und damit viel­ver­spre­chen­der Ein­stieg und ein ver­dien­ter vier­ter Platz.

Eigent­lich eine Reihe von Kurz­hör­spie­len, aber auch mehr­fach in Buch­form ver­öf­fent­licht: Rund sechs­hun­dert Mal heißt es »Papa, Charly hat gesagt, sein Vater hat gesagt …« Die­ses schon fast sprich­wört­lich gewor­dene Intro erklimmt das Sie­ger­trepp­chen und ist gut für Platz 3 der mehr­fach recy­cel­ten lite­ra­ri­schen Ein­lei­tungs­sätze.

Uns wohl­ver­traute drei Worte, die nichts weni­ger als rundum mär­chen­hafte Unter­hal­tung ver­spre­chen, begeg­nen uns auf Platz 2 die­ser Bes­ten­liste: »Es war ein­mal …« – damit las­sen wir uns alle immer wie­der gerne in eine lang ver­gan­gene, fremde und doch so selt­sam ver­traute Welt und Zeit vol­ler Magie, Rät­sel und Aben­teuer ent­füh­ren.

Neben Brief­ro­ma­nen, von denen es aller­dings kei­ner in unsere Rang­liste geschafft hat, schei­nen beson­ders reli­giöse Texte und Kin­der­ge­schich­ten prä­de­sti­niert zu sein für wie­der­holte Anfänge – den Platz ganz oben auf dem Sie­ger­trepp­chen erringt aller­dings eine Ein­lei­tung, die gene­ra­tio­nen­über­grei­fend ihre Fans hat und uns in das wohl erreig­nis­reichste Jahr der vor­christ­li­chen Zeit ent­führt. »Wir befin­den uns im Jahre 50 v. Chr.« Auf über drei­ßig Geschich­ten sind die Aben­teuer von Aste­rix und Obe­lix ange­wach­sen, die immer den glei­chen Anfang haben: »Ganz Gal­lien ist von den Römern besetzt … Ganz Gal­lien? Nein! Ein von unbeug­sa­men Gal­li­ern bevöl­ker­tes Dorf hört nicht auf, dem Ein­dring­ling Wider­stand zu leis­ten.« Das durch Albert Uderzo bebil­derte Werk des Autors René Gos­cinny ist längst zur Legende gewor­den – und seine immer glei­che Ein­lei­tung erhält dafür Lor­beer­kranz und Gold­me­daille.

 

Jedem lite­ra­ri­schen Anfang wohnt ein Zau­ber inne, und selbst wenn er mehr­fach wie­der­holt wird, muss das der Magie der Worte kei­nen Abbruch tun, son­dern kann eine ganz eigene Dyna­mik ent­wi­ckeln und lesens­werte Geschich­ten ver­hei­ßen. Hier noch ein­mal unsere Top­Ten der seri­el­len Ein­lei­tungs­sätze im Schnell­durch­lauf:

 

10: Ich betrete den Kor­ri­dor. / Jetzt ist schon wie­der was pas­siert.

9: Habe ich euch gesagt …?

8: Bruno hat jetzt in einem klei­nen Kreis zuge­ge­ben, dass …

7: Es gibt die­sen Mann.

6: Es klopfte an der Tür.

5: Jetzt reicht’s! Alles muss man sich nicht gefal­len las­sen!

4: »Oma«, schreit der Frie­der und zupft an Omas Rock.

3: Papa, Charly hat gesagt, sein Vater hat gesagt …

2: Es war ein­mal …

1: Wir befin­den uns im Jahre 50 v. Chr.

 

Nächste Woche an die­ser Stelle: die zehn bes­ten seri­el­len Aus­lei­tungssätze – mit Klas­si­kern wie »Und wenn sie nicht gestor­ben sind …«, »Und Gott sah, dass es gut war« und natür­lich »Heute ist nicht alle Tage – ich komm wie­der, keine Frage«.

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