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Balnibari Language Improvement
Ich betrete den Korridor gleich hinter dem Direktor. Er will mich in die Sprachschule seiner »Akademie der Projektoren« auf der Insel Balnibarbi führen, in der drei miteinander konkurrierende Professoren an der zweckmäßigsten Methode forschen, die Landessprache zu verbessern.
Das Projekt des Ersten besteht darin, die Rede dadurch abzukürzen, dass man vielsilbige Worte in einsilbige verwandelt und dazu noch alle Verben und Partizipien auslasse, denn in Wirklichkeit seien alle vorstellbaren Dinge doch allein Hauptwörter. Offenbar scheint er mir meinen nicht unerheblichen Zweifel an seinen Theorien anzumerken, denn er folgt mir auf dem Weg zum zweiten Raum der Sprachschule in den Korridor, was er mir mit der blumigen Beschreibung »Ich Korr! Wir Korr Sie?« und der eindrücklichen Beschwörung »Dirr Ansst Plan Welt Glück, Mensch Verstnd Tolnz Är Frschritt!« einsilbig vor Augen führen möchte. Ich nicke und lächle, was ihn zufriedenzustellen scheint.
Das Projekt des zweiten Professors bezweckt in seiner Radikalität die komplette Abschaffung aller Wörter, was die Gesundheit verbessern und unser Leben verlängern soll. Denn es sollte klar sein, dass jedes von uns gesprochene Wort unsere Lungen beansprucht und abnutzt und folglich die Verkürzung unseres Lebens bedeutet. Es sei, um dem abzuhelfen, so der Professor, dringend anzuraten, dass wir alles, was wir über uns und unsere Angelegenheiten zu sagen haben, in Form genau der Gegenstände mit uns herumtrügen, über die wir sonst unsere Worte verlören.
Der Pöbel und das weibliche Geschlecht hätten jedoch, so der Professor weiter, mit einer Rebellion gedroht, um die Freiheit ihrer Zungen zu verteidigen, nicht eingedenk der Tatsache, dass es doch gerade diese sei, die ihr vorzeitiges Ableben befördere. Doch der Pöbel sei ja ohnehin der unversöhnliche Feind jeder Wissenschaft.
Die Klügsten und Weisesten jedoch befleißigen sich bereits der neuen Methode, sich durch die Dinge selbst statt nur der Begriffe dafür auszudrücken; die einzige Unbequemlichkeit, die sich daraus ergibt, besteht nur darin, dass jemand mit Angelegenheiten umfangreicher Natur ein ganz stattliches Bündel auf seinem Rücken herumtragen muss.
Kürzlich wurde ich bereits Zeuge einer solchen wortlosen und lungenschonenden Unterredung – allerdings noch ohne zu ahnen, wessen ich da eigentlich angesichtig wurde. Zwei Balnibarbier begegneten sich auf der Straße, legten ihre Last nieder, öffneten ihre Säcke und beschäftigten sich stundenlang mit Gegenständen, die sie sich gegenseitig schweigend vorlegten; alsdann füllten sie ihre Behälter aufs Neue, halfen einander dabei, sich ihre Last wieder auf den Rücken zu laden, und empfahlen sich mit einer angelegentlichen Geste. Meinen Eindruck, die körperliche Anstrengung einer solchen Konversation übersteige den des üblichen Zungenschlags um ein Mehrfaches, behalte ich gegenüber dem von aufrichtigem Pflichtgefühl erfüllten Professor wohlweislich für mich.
Ein weiterer Projektor der Anstalt beschäftigt sich mit der Ausarbeitung der Metasprache und will mir dies auch gleich lang und breit erklären: »Optimel 1 im n‑Kobereich zum n‑t-Synklusdebel«. So jedenfalls lautet, erfahre ich von dem stolzen Wissenschaftler, seine mindestens einstündige Ausführung in der gebräuchlichen Sprache, überführt man sie in die Metasprache 1. Er arbeite jedoch schon an der Metasprache 2, welche wiederum mehrstündige Ausführungen in Metasprache 1 zu kurzen Bonmots zusammenfasse. Ich frage ihn, wie man denn metasprachlich »Vielen Dank, frohes Schaffen noch und auf Wiedersehen« sagt, woraufhin er sich begeistert in seine Aufzeichnungen vergräbt, bis ich und der Direktor nach einer Weile höflichen Wartens das Studierzimmer verlassen.
Als Glanzpunkt seiner Führung hat sich der Direktor eine neue Lehrmethode der mathematischen Schule aufgehoben, die mir von ihrem Erfinder anschaulich erklärt wird: Satz und Beweis werden mit einer organischen Tinktur, die den Gehirnen der auf Balnibarbi als schlau geltenden Ratten entnommen ist, auf einer dünnen Oblate aufgezeichnet. Diese muss der Schüler schnell hinunterschlucken, um anschließend drei Tage lang nichts als Brot und Wasser zu sich zu nehmen. Ist die Oblate schließlich verdaut, so steigt die Tinktur ins Hirn und prägt dort den entsprechenden mathematischen Satz ein.
Bisher allerdings hat sich der Erfolg noch nicht erwiesen, ein Umstand, der teilweise aus einem Fehler in der Quantität oder Komposition der Arznei herrühren mag, teilweise aber auch aus der Störrigkeit der Knaben, denen diese Medizin so ekelhaft ist, dass sie sich gewöhnlich fortstehlen und sich des Lernstoffes durch Herauswürgen entledigen, bevor er seine Wirkung entfalten kann.
aus den Aufzeichnungen des Stanisław Lemuel Gulliver
In der Akademie von Lagado:

