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Bal­ni­barbi World Impro­ve­ment

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Ich betrete den Kor­ri­dor, der mich in den Süd­trakt führt. Bereits jetzt hat die »Aka­de­mie der Pro­jek­teure« in Lag­ado alle meine Erwar­tun­gen über­trof­fen:

Da war der Wis­sen­schaft­ler, der Son­nen­schein aus Gur­ken extra­hie­ren will (und der meinte, ohne Zwei­fel werde er bin­nen acht Jah­ren imstande sein, damit auf wett­be­werbs­fä­hige Her­stel­lungs­kos­ten zu kom­men).

Da war der For­scher, der Eis zu Schieß­pul­ver kal­zi­nie­ren wollte (also durch Erhit­zen ent­wäs­sern und umwan­deln – er zeigte mir dar­über hin­aus eine Abhand­lung über die Schmied­bar­keit des Feu­ers, die er bald ver­öf­fent­li­chen will).

Da war das Genie, das die Archi­tek­tur revo­lu­tio­nie­ren will, indem man beim Bau mit dem Dach anfängt (und der mich mit Ver­wei­sen auf die erstaun­li­chen archi­tek­to­ni­schen Leis­tun­gen der Bie­nen und Spin­nen zu über­zeu­gen suchte).

Da war wie­derum ein Gelehr­ter, der Spin­nen züch­tete und aus ihren Spinn­we­ben die halt­ba­rere und bes­sere Seide gewin­nen will (und mir mir eine Menge schön gefärb­ter Flie­gen zeigte, mit denen er seine Spin­nen füt­tert, damit der Web­fa­den gleich die gewünschte Farbe annimmt).

Und ich traf einen wahr­haf­ten Künst­ler, des­sen zwei Labo­ra­to­rien mit wun­der­ba­ren Sel­ten­hei­ten gefüllt sind – und fünf­zig Hel­fern. Einige ver­di­cken die Luft zu einer tro­cke­nen, fes­ten Sub­stanz, indem sie den Stick­stoff aus­schei­den und die flüs­si­gen Bestand­teile ver­duns­ten las­sen; andere erwei­chen Mar­mor zu Kis­sen (er habe, ver­si­cherte er mir, seit bereits drei­ßig Jah­ren aus­schließ­lich die Ver­bes­se­rung des mensch­li­chen Lebens vor Augen).

 

Ich besuchte noch Hun­derte ande­rer Zim­mer, werde aber den Leser mit allen von mir beob­ach­te­ten Merk­wür­dig­kei­ten nicht lang­wei­len, son­dern mich der Kürze beflei­ßi­gen.

Durch den Kor­ri­dor errei­che ich die andere Seite der Aka­de­mie, wo sich die hier ansäs­si­gen Pro­jek­to­ren, anders als es im Nord­trakt bei den anwen­dungs­na­hen Vor­ha­ben der Fall ist, in spe­ku­la­ti­ven Wis­sen­schaf­ten erge­hen sol­len.

Der erste Pro­fes­sor, den ich sehe, befin­det sich in einem gro­ßen Zim­mer und ist von vier­zig Schü­lern umge­ben. Nach der Begrü­ßung bemerkt er, dass ich inter­es­siert einen Rah­men betrachte, der den größ­ten Teil des Zim­mers in Länge und Breite aus­füllt. Er meint zu mir, ein jeder wisse doch, wie viel Mühe für gewöhn­lich das Erler­nen der Künste und Wis­sen­schaf­ten bei den Men­schen erfor­dere – er sei über­zeugt, durch seine Erfin­dung werde noch die unge­bil­detste Per­son bei mäßi­gen Kos­ten und bei gerin­ger kör­per­li­cher Anstren­gung Bücher über Phi­lo­so­phie, Poe­sie, Mathe­ma­tik und Quan­ten­phy­sik schrei­ben kön­nen.

Er führt mich zu dem gro­ßen Holz­ge­viert, an dem alle seine Schü­ler in Rei­hen auf­ge­stellt sind. Die Ober­flä­che besteht aus ein­zel­nen wür­fel­för­mi­gen Holz­stü­cken, sämt­lich durch Drähte mit­ein­an­der ver­bun­den und an jeder Flä­che mit Papier über­klebt, auf dem alle Worte der Lan­des­spra­che in Kon­ju­ga­tio­nen und Dekli­na­tio­nen, jedoch ohne alle Ord­nung auf­ge­schrie­ben sind.

Der Pro­fes­sor bit­tet mich acht­zu­ge­ben, da er seine Maschine in Bewe­gung set­zen will: Jeder Zög­ling nimmt auf sei­nen Befehl einen der vier­zig eiser­nen Griffe zur Hand, die am Rande des Holz­ge­vierts befes­tigt sind. Durch Dre­hen der Griffe wird die ganze Anord­nung ver­än­dert. Dann befiehlt er sech­zehn Kna­ben, die ver­schie­de­nen Wür­fel­rei­hen wie Zei­len eines Buches zu lesen, und wenn sie drei oder vier Wör­ter gefun­den haben, die einen sinn­vol­len Satz bil­den, wer­den sie sogleich nie­der­ge­schrie­ben.

Sechs Stun­den müs­sen die Schü­ler täg­lich bei die­ser Arbeit zubrin­gen, erklärt mir der Pro­fes­sor und ver­si­chert mir, er habe sei­nen Rah­men so ein­ge­rich­tet, dass er den gan­zen Sprach­reich­tum umfasse. Zu die­sem Behufe habe er sogar das all­ge­meine Ver­hält­nis berech­net, nach dem in Büchern Par­ti­kel, Haupt- und Zeit­wör­ter und andere Rede­teile vor­kom­men. Stolz zeigt er mir meh­rere Foli­an­ten mit den Nie­der­schrif­ten. Aus die­sem rei­chen Mate­rial werde er einen voll­stän­di­gen Inbe­griff aller Wis­sen­schaf­ten und Künste bil­den; ein Ver­fah­ren, das er jedoch ver­bes­sern und schnel­ler been­di­gen könne, wenn man das nötige Kapi­tal auf­brächte, um in Lag­ado auf einen Streich ganze fünf­hun­dert sol­cher Rah­men auf­zu­stel­len.

 

aus den Auf­zeich­nun­gen des Lemuel Gul­li­ver

 

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Jona­than Swift als einer der Erfin­der des Com­pu­ters: