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Live in The Cor­ri­dor (May 10th 2008)

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Ich betrete den Kor­ri­dor-Pub im male­ri­schen Dörf­chen Trow­don. Er ist wei­ter­hin in Fami­li­en­be­sitz und schenkt auch immer noch sein Ale aus – und das seit fast 150 Jah­ren. Steu­er­frei! Die­ser Trick hat dem ein­zi­gen ech­ten Kor­ri­dor-Pub der Welt zu einer gewis­sen Berühmt­heit (und zu einem kur­zen Auf­tritt in Fin­ne­gans Wake) ver­hol­fen.

Es ist eng. Ich betrete einen Gang, an des­sen rech­ter Seite sich Bar­ho­cker um kleine höl­zerne Klapp­tisch­chen grup­pie­ren, die denen in alten ICEs ähneln. Es ist schwie­rig, einen freien Platz zu ergat­tern. Man quetscht sich, jeweils mit einem freund­li­chen Gruß, an den Gäs­ten ent­lang, um in einen wei­te­ren Kor­ri­dor zu gelan­gen, der leicht nach rechts abknickt, ansons­ten aber genauso aus­sieht. In der Mitte, eben­falls rechts in der Wand, auch hier wie­der eine Durch­rei­che, durch die man seine Getränke erhält.

Die beeng­ten Ver­hält­nisse im Kor­ri­dor-Pub sind einem Lizen­zie­rungs­ge­setz zu ver­dan­ken, das Köni­gin Vic­to­ria zusätz­li­che Ein­nah­men besche­ren sollte. 1869 besteu­erte ihr »Wine and Beer­house Act« alle Ale­häu­ser ab einer gewis­sen Schank­raum­größe und schränkte die Grün­dung neuer Taver­nen stark ein. Die pfif­fi­gen Bier­brauer der Fami­lie Stroud umbau­ten ihren Braue­rei mit einem schma­len acht­ecki­gen Kor­ri­dor, der die gesetz­li­chen Min­dest­maße um ein Gerin­ges unter­schritt – und konn­ten so ihr »Stroud’s« steu­er­frei aus­schen­ken.

Heute ist der Kor­ri­dor-Pub (nicht zu ver­wech­seln mit dem reiz­lo­sen Nach­ah­mer The Cor­ri­dor in Oxford) eine Tou­ris­ten­at­trak­tion in Wiltshire – mit über­höh­ten Prei­sen, aber einer ein­zig­ar­ti­gen Atmo­sphäre. Tra­di­tio­nel­ler­weise wan­dert man nur im Uhr­zei­ger­sinn durch die Kor­ri­dore, weil es sonst zu Staus käme, und der Legende nach geneh­migte man sich frü­her bei sei­ner »Lokal­runde« min­des­tens ein Pint in jedem der acht Kor­ri­dor­ab­schnitte, bevor man wie­der aus der Tür tor­kelte.

Mir jedoch reicht schon das erste Ale, das mir der kraus­köp­fige Tom Stroud per­sön­lich in die Durch­rei­che stellt. Er ist der direkte Nach­fahre der eins­ti­gen Pub-Grün­der, was ich weiß, weil sein Foto in mei­nem Rei­se­füh­rer prangt. Der Hin­weis auf seine Hals­ab­schnei­der­preise aller­dings fehlt darin. Aber ich bin die­sen Som­mer ja eigent­lich auch wegen ganz ande­rer Kor­ri­dore nach Süd­eng­land gereist: denen, die sich auf uner­klär­li­che Weise über Nacht – und durch­aus auch mal acht­eckig – in das eine oder andere Korn­feld legen. Wer weiß, ob die Gerste in mei­nem Ale nicht von so einem Feld stammt.

Dann also: Che­ers!

 

The Cor­ri­dor:Link