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ο άγγελος του ύπνου

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Ich betrete den Kor­ri­dor in der fes­ten Über­zeu­gung, hier end­lich zum Aus­gang zu gelan­gen, doch es zwei­gen nur wei­tere Kata­kom­ben ab. Ich habe mich in die­ser unter­ir­di­schen Toten­stadt ver­irrt, und lang­sam beschleicht mich Panik, denn meine Taschen­lampe wird schwä­cher. Nicht, dass ich mich am Ende zu den vie­len Ver­stor­be­nen geselle, die hier in Ephe­sos bestat­tet wur­den!

Ich irre wei­ter umher. Schließ­lich ver­lischt meine Taschen­lampe gänz­lich und lässt sich auch durch Schüt­teln und gezielte Schläge nicht wie­der zum Leuch­ten bewe­gen. Da bemerke ich in eini­ger Ent­fer­nung einen Licht­schein. Er scheint sich von mir weg­zu­be­we­gen. Ich folge ihm und komme einer gro­ßen, schlan­ken Gestalt näher, die aus sich selbst her­aus zu strah­len scheint. Sie beugt sich über einen leb­los dalie­gen­den Kör­per und wen­det ihn auf die andere Seite, um dann ein­fach in den Fels hin­ein­zu­schwe­ben und darin zu ver­schwin­den. Undurch­dring­li­che Dun­kel­heit bleibt zurück.

Ich betaste den Kör­per, über den sich die Gestalt gebeugt hat. Er ist warm. Ich schüttle ihn. Der Mann wacht auf, mur­melt ver­schla­fen etwas, aus dem ich so etwas wie »som­nus longus« her­aus­höre. Mein Schul­la­tein ist mehr als ein­ge­ros­tet, und so ist unsere Ver­stän­di­gung schwie­rig, zumal wir sie im Dun­keln nicht mit Ges­ten unter­stüt­zen kön­nen.

Er fragt, wie lange er geschla­fen hat. Wo seine sie­ben Freunde – ubi sep­tem amici? – sind. Ich glaube an einen Scherz oder die Ver­steckte Kamera, die aller­dings in der Dun­kel­heit nichts auf­zeich­nen würde. Das aus­ge­dehnte Höh­len­sys­tem, in dem ich mich ver­lau­fen habe, ver­dankt sei­nen Namen einer Legende, nach der hier sie­ben Jüng­linge die reli­giöse Ver­fol­gung über­stan­den, indem Gott sie meh­rere hun­dert Jahre sicher schla­fen ließ.

Der Mann will nicht län­ger auf meine gestot­ter­ten Ant­wor­ten war­ten. Er scheint sich gut aus­zu­ken­nen, denn ich höre ihn ziel­si­cher fort­ge­hen. Ich folge ihm mit aus­ge­streck­ten Armen durch die Dun­kel­heit, stoße immer wie­der an die Fels­wände. Doch die Schürf­wun­den zah­len sich aus. Hin­ter einer Win­dung des Gan­ges wird es hell, und ich klet­tere hin­ter dem Schlä­fer durch einen halb ein­ge­stürz­ten Höh­len­aus­gang geblen­det ins Tages­licht. Uns umgibt eine fel­sige Ödnis, und ich habe keine Ahnung, wo ich mich befinde. Aber das Tou­ris­ten­büd­chen sollte nicht allzu weit sein.

Sofort zücke ich mein Handy, um meine Mut­ter anzu­ru­fen, mit der ich hier das »Haus der Maria« besu­che und die sich bestimmt schon fürch­ter­li­che Sor­gen um mich macht. Der Mann, der eine zer­schlis­sene Toga trägt und sich offen­bar lange nicht rasiert hat, starrt auf mein Handy, mur­melt erschreckt etwas von »opus dia­bo­li­cum«, macht ein Kreuz­zei­chen vor der Brust und rennt davon.

Ich schlage mir vor die Stirn. Mit dem Han­dy­dis­play hätte ich mir ein wenig Licht machen kön­nen! Dass ich mir einen Knö­chel ver­knackst, mir Hände und Schul­tern auf­ge­schürft und böse den Kopf ange­schla­gen habe – nichts als meine eigene Blöd­heit.

 

Sie­ben­schlä­fer­höhle von Ephe­sos:Link

Hier lang:Link

Die sie­ben Schlä­fer im Bild:Link