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The Bridge of Aaronii
Ich betrete den Korridor als Erster. Die Besucher folgen. Wir sind wieder da angelangt, wo ich mit der Führung begonnen habe, und hier schließe ich sie traditionellerweise auch wieder ab. Ich warte, bis alle beisammenstehen.
»Mit irgendeinem Korridor musste es ja anfangen. Und auch, wenn hier keine Gedenkplakette oder so etwas angebracht ist: Dies ist der Korridor. Der, der die ursprüngliche Inspiration war und letztlich für alles verantwortlich ist.«
Die Besucher blicken sich um. Ich sehe auch enttäuschte Gesichter. Einer fragt: »Was ist so besonders an diesem Korridor?«
»Nichts.« Ein leichtes Grinsen kann ich mir nicht verkneifen. Diese Frage kommt, in der einen oder anderen Form, an dieser Stelle immer. »Es hätte jeder Korridor sein können. Es ging nur darum, dass sich ein Weg verzweigt. Dass es mehrere Möglichkeiten gibt, weiterzugehen.«
»Wegen der Parallelwelten?«, fragt ein pausbäckiger Junge, dem sein Vater daraufhin gleich schützend die Hand auf die Schulter legt.
Ich nicke.
»Aber gibt es die denn wirklich?«, fragt der Junge weiter. Ich glaube zu bemerken, dass der Vater ihm in die Schulter drückt, wie um zu signalisieren, dass er sich ja nicht zu weit vorwagen soll.
»Klar«, antworte ich. »Hinter den Türen. Doch sie sind nicht Teil der Führung, die dann hier zu Ende ist.« Die Türen werden jetzt von allen mit erneutem Interesse betrachtet. Links die Herren- und die Damentoilette. Rechts zwei Türen mit der Aufschrift »privat«. Es hat bisher noch nie jemand gewagt, eine von ihnen zu öffnen. Dazu sind sie alle viel zu brav.
»Der Ausgang«, sage ich, »ist hinten, am Ende des Korridors. Ich hoffe, ich konnte Ihnen ein wenig die Augen öffnen. Vielen Dank jedenfalls für Ihre Aufmerksamkeit.«
Hin und wieder klatschen die Besucher an dieser Stelle kurz. Diesmal treten nur einige von ihnen, auch der Vater des vorwitzigen Jungen, zu mir, schütteln mir mit einem Dankeschön die Hand oder drücken ein kleines Trinkgeld hinein.
»Empfehlen Sie uns weiter, wenn es Ihnen gefallen hat«, rufe ich der kleinen Gruppe hinterher. Dann wende ich mich um. Ein paar Schritte hinter mir ist die kleine Theke, wo man bei Katja Taschen und Mäntel hinterlegen kann und einen kleinen Faltplan erhält.
»Wir sollten Postkarten verkaufen«, sagt sie, »manchmal habe ich das Gefühl, die Leute wollen auch gerne was mit nach Hause nehmen.«
»Und was sollte da drauf sein, auf den Postkarten?«
»Na, Zitate, kleine Sinnsprüche und so. Und unser Logo natürlich. Das wäre dann auch ein bisschen Werbung für uns.«
»Ich weiß nicht«, sage ich, »ich denk drüber nach.«
Sie nickt lächelnd, und ihre Augen blitzen. Schön, wie sie sich immer wieder für uns einsetzt.
»Ich glaube, das war’s für heute. Du kannst nach Hause gehen. Ich mach dann noch überall das Licht aus.«
Das lässt sie sich nicht zweimal sagen. Schon hat sie ihre Tasche in der Hand und hebt die Hand zum Abschied: »Bis morgen, Chef.«
Hinter ihr schließe ich ab. Einer der Besucher hat seinen Faltplan achtlos in die Ecke geworfen. Er ist zu zerknittert, um ihn noch einmal verwenden zu können. Eine Ecke ist abgerissen; vielleicht, um darauf etwas zu notieren. Damit ist der Name um ein »…se« verstümmelt. »Museum für Erkenntnis« steht jetzt da. Im Singular macht sich das auch ganz gut. Aber ich hätte mich nie getraut, es so zu nennen.