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♫ Temp­le­s­cape ♫


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Ich betrete den Kor­ri­dor und habe meine Visio­nen, die mich dort vor eini­ger Zeit blitz­ar­tig und ohne Vor­war­nung über­fie­len, schon fast wie­der ver­ges­sen, da stehe ich plötz­lich wie neben mir, bin irgendwo in den Ber­gen und bli­cke hoch zu einem alten Mann mit einem wei­ßen Spitz­bart, der eine ein­fa­che, aus­ge­wa­schene Robe trägt. Mein Herz fliegt ihm zu, es ist der Meis­ter, mein Meis­ter, der mich in den Hima­laja zu sich ruft, seine Schü­le­rin zu wer­den und die kost­ba­ren geis­ti­gen Gaben zu emp­fan­gen, die er für mich bereit­hält.

»Mahl­zeit«, grüßt mich ein vor­bei­kom­men­der Kol­lege. Ich ant­worte nicht, noch ganz hin­ge­ris­sen von mei­ner Vision und von dem über­gro­ßen Ver­lan­gen in mei­nem Her­zen, einer Hin­gabe, einer Begeis­te­rung, von der ich schon ganz ver­ges­sen habe, dass ich dazu fähig war, damals, als junge Frau.

Spät abends im Bett kommt mir der Meis­ter wie­der in den Sinn, und mein Herz wird kurz noch ein­mal ganz weh vor Sehn­sucht. Doch mein Mann, der fried­lich schnar­chend neben mir liegt, würde es weder ver­ste­hen noch gut­hei­ßen. Was sollte ich ihm auch sagen? Und wo im Hima­laja sollte ich suchen? Sicher, es wäre ein Aben­teuer, auf einen Schlag alles auf­zu­ge­ben, in die Fremde zu gehen und dort eine neue geis­tige Hei­mat zu suchen. Es klingt nach etwas, dass mei­nem Leben wie­der etwas Auf­re­gung ver­schaf­fen könnte! Ande­rer­seits …

Wäh­rend mir die Augen zufal­len, ver­ebbt die Sehn­sucht, und ich finde mei­nen wohl­ver­dien­ten Schlaf.