150/398

Das Titelbild zeigt eine Cartoon-Zeichnung eines Mannes, der in einem Badezimmer auf einer Toilette sitzt und einen orangefarbenen Bademantel trägt. Er blickt auf einen großen Kugelfisch mit einer Krone auf dem Kopf. Aus dem Fisch kommt eine Sprechblase mit einem wirren Text über "the mysteres op the worldry".

♫ Blow­fish ♫


150/398

LogoSwitch language

Ich betrete den Kor­ri­dor. Zwar habe ich gerade die Snooze-Taste mei­nes Weckers betä­tigt, aber lei­der drückt mir die Blase. Auf dem Klo fällt mir ein, dass ich heute Nacht einen Traum hatte, der einer Offen­ba­rung glich. Ein Mann in einer oran­gen Robe und mit einer Art Mitra auf dem Kopf flüs­terte mir einen Satz ins Ohr, eine Sen­tenz, die mir die Augen öff­nete über den Zustand unse­rer Welt, über alle Pro­bleme, an denen wir der­zeit her­um­la­bo­rie­ren, und über die unge­heure Chance, die sich uns gerade jetzt bie­ten würde – wenn wir nicht zu betriebs­blind wären, sie zu erken­nen. Es waren vier Wör­ter, das weiß ich noch, und sie waren gereimt: vier Wör­ter von einer unver­gleich­li­chen Spreng­kraft, eine Sen­tenz, die eine neue Ära der Mensch­heits­ge­schichte, eine neue Kul­tur­stufe ein­läu­ten würde.

Es ging um die Extreme mög­li­cher mensch­li­cher Lebens­ent­würfe, das weiß ich noch, und um die gesamte Spann­weite mensch­li­cher Aus­drucks­mög­lich­kei­ten in der Welt.

Zum Glück – fällt mir zu mei­ner Erleich­te­rung ein – war ich so geis­tes­ge­gen­wär­tig, mir die vier epo­cha­len Worte bei einem kur­zen Erwa­chen heute Nacht zu notie­ren, da ich schon ahnte, sie bis zum Mor­gen wie­der ver­ges­sen zu haben.

Vol­ler Span­nung eile ich zurück ins Schlaf­zim­mer und finde den Zet­tel auf dem Boden neben dem Bett, und in Groß­buch­sta­ben ste­hen sie da, die vier revo­lu­tio­nä­ren Wör­ter, Her­mes Tris­me­gis­tos’ »Wie oben so unten«, Nietz­sches »Gott ist tot« oder Mar­tin Luther Kings »I have a dream« min­des­tens eben­bür­tig.

Aber wie das so ist im Traum. Ich hätte es mir den­ken kön­nen. Wir sind da nicht ganz auf der Höhe, son­dern besit­zen oft ein kind­li­ches und nai­ves Gemüt, das sich für Dinge begeis­tert, die uns im Wachen nicht ein­mal ein müdes Lächeln abrin­gen wür­den.

Ich muss Sie also ent­täu­schen.

Die Sen­tenz ist nicht gereimt.

Ansons­ten … Na, lesen Sie selbst, ob das diese gewal­tige Erkennt­nis­kraft birgt, die ich darin gespürt hatte, ob es das begriff­li­che Juwel ist, das unsere Zeit beschreibt, ana­ly­siert, kri­ti­siert und gleich­zei­tig einen prak­ti­ka­blen Lösungs­vor­schlag für den gan­zen Unbill beinhal­tet, den wir im Laufe unse­rer Geschichte her­auf­be­schwo­ren haben, und das in die­sen nur vier Wör­tern: »Papst piepst, Plebs pupst.«