
♫ Hypnotic Attic ♫
Ich betrete den Korridor und öffne die Tür zum Wohnzimmer. Allerdings ist in diesem Zimmer nichts wirklich das, was es zu sein scheint.
Die Tür zum Beispiel ist in Wirklichkeit ein Buch, das mit Schneemänner taugen selten zum Zigarettenanzünden betitelt ist. Der Sessel ist eine Politesse mit Namen Edna Gierke. Der andere Sessel ist ein Stuhl, der jedoch von der Familie immer ›der Hocker‹ genannt wird. Die Standuhr ist eine Vitrine für die Algenschnitzelsammlung des Patriarchen Wasmuth, der aussieht wie ein Lampenschirm, tatsächlich jedoch der Teppich des Raumes ist.
Das Klavier ist strenggenommen ein Spinett der Firma Gellwiesen, die inzwischen in den USA unter dem Namen Bellowmeadow bekannt geworden ist für ihre exquisiten Bisquits. Die blaue Wandfarbe ist der Geruch von gekochtem Weißkohl, das Gemälde an der Wand ist ein Foto, das Mirna und Kätzchen zeigt und den Titel Frauen und Katzen zuerst trägt. Hab ich was vergessen? Ja, der Mann, der verloren im Zimmer steht, ist in der Tat der Gerichtsvollzieher, er heißt allerdings Herbert Brünnchen und ist durch den Lichtschalter hereingekommen, bei dem es sich um die Durchreiche zur Küche handelt.
Das Wohnzimmer selbst, um auch das noch zu erwähnen, scheint zwar ein umbauter Raum zu sein, ist aber in Wahrheit ein Zeitungsartikel mit der reißerischen Schlagzeile ›Ganz Schwabingen trichinenverseucht?‹

♫ Push’em Up! (Year of the Goat Mix) ♫
Ich betrete den Korridor, den die Set-Designer plastikbunt auf der Showbühne errichtet haben, im heißen Licht der Scheinwerfer. Das Studiopublikum hält den Atem an. Dabei ist es wie immer: Hinter einer der Türen eine Luxuslimousine – und hinter allen anderen jeweils eine Ziege. Und wie immer öffnet der Showmaster, wenn ich meine Wahl getroffen habe, eine der anderen Türen, und wie immer befindet sich eine Ziege dahinter. Ob ich meine Wahl nun noch einmal überdenke oder darauf beharre: Den Hauptpreis zu erwischen schaffe ich natürlich trotzdem wie immer nicht.
Ich will ja nicht meckern, aber: Was soll ich nur mit all den Ziegen?

♫ Toad Lickers‘ Dream ♫
Ich trete in den Korridor,
(Auf vielfachen Leserwunsch hin …)
und gleich dringt mir Geplärr ans Ohr.
(… habe ich mich dazu entschlossen, …)
Nach kurzer Analyse
(… die anspruchsvollen, oft hermetischen Texte meines Blogs …)
tipp ich auf Gemüse:
(… mit einem kleinen Nonsens-Limerick aufzulockern.)
Da probt im Flur ein Porree-Chor.

♫ Change of Hand, Sleight of Mind ♫
»Ich betrete den Korridor« läuft – ähnlich wie sich im Zeitraffer am Himmel Wolken bilden und wieder auflösen – als Textinsert durchs Bild, als DER GAUKLER (schlichtes rotes Gewand mit breitem schwarzen Stoffgürtel, dazu ein schwarzer Hut auf dem Kopf) einen klinisch weißen, überstrahlenden Krankenhauskorridor betritt. Er dreht sich in die Kamera.
DER GAUKLER
Vil meynen syn vff rechtem weg,
die doch verjrren an dem stæg,
der zů dem woren leben fűrt.
Er geht weiter. Die Türen an den Seiten öffnen sich: Zu Zirkusmusik präsentieren ihm auf Samtkissen VIER LEICHTBEKLEIDETE GOGO-GIRLS Dinge wie
Der Gaukler wirft jeweils einen kurzen Blick auf die verlockenden Angebote, lässt sie dann aber schulterzuckend links liegen. Erst jetzt ist zu erkennen, dass er am Gürtel einen Bastkorb trägt, aus dessen Öffnung vorwitzig EINE KLEINE EULE herausschaut. Im Gehen in die Kamera:
DER GAUKLER
Wol dem, der vff dem weg nit jrrt,
wann er jn schon ergriffen hat,
ann offt der neben weg ab gat.
Weitere Türen schwingen neben dem Gaukler auf, VIER WEITERE GOGO-GIRLS (oder sind es dieselben?) präsentieren
Am Ende erwartet den Gaukler ein korallenfarbener Vorhang, den er zur Seite schiebt …
DER GAUKLER
(lächelnd)
Ich vœrcht, es kumen bald die tag,
das man me nuwer mær werd jnn,
dann vns gefall vnd syg zű synn.
… und dann dahinter verschwindet.

♫ The Brazen Branches of Remembrance ♫
Ich betrete den Korridor, und, ja, ich werde auch den nächsten Schritt tun und den Hörsaal betreten. Aber, Leute, freut euch nicht zu früh. Wenn ich auch heute hier das Wort ergreife und gewissermaßen unverhofft das lange, lange Schweigen breche: Nicht der Surrealismus ist mein Thema, die Liebe nicht und auch nicht der Tod. David Gascoyne hat einmal geschrieben – ich zitiere es hoffentlich einigermaßen korrekt aus dem Gedächtnis: »Die vollen Brüste«, nein, beinahe, tatsächlich heißt es nur: »Die Brüste der Ewigkeit erwarten meine zärtlichen Hände.« Aber auch die Ewigkeit wird nicht mein Thema sein, genauso wenig wie die Jugend die Schönheit die Mühle oder das geheime Wort …
Ja, die Gazetten schreiben es immer wieder und lassen mich selbst kaum noch groß daran zweifeln: dass man mich einst »der Tiger« nannte. »Ozean der Stille« hätte mir fast besser gefallen – meine Angriffe waren zwar Explosionen, aber unmaßgeblich, denn sie sollten einzigartig bleiben. Wenigstens ist auch die Liebe nicht mein Thema, und dies nicht von ungefähr.
Ich glaube, ich sollte meinen Entschluss, zu euch zu sprechen, bedauern, denn mich deucht, allein der Versuch muss zum Scheitern verurteilt sein. Ich leugne nicht, dass der Höllenstein seinem Namen gemäß wahrscheinlich stark ätzt, aber er heilt nicht.
Oft muss ich an den Satz von Gascoyne denken, »die Brüste der Ewigkeit«, ein pralles Bild, jedoch vielleicht verfehlt. Er will hier aus einem Schuss zwei Treffer machen, kalkuliert jedoch nach meiner Einsicht nicht mit ein, dass das Wesen der Dauer am Ende das Schweigen in Andacht ist. Die üppige Blondine da vorn mit dem Wort »Nirvana« auf ihrem T‑Shirt hat das, wenn man will, begriffen, aber wer von euch »1984« auf die Tafel geschrieben hat – soviel ist mir bewusst –, hätte besser daran getan, »Kilroy was here« oder einfach nur seine lange Nase draufzuschmieren. Wie ich mich erinnere, allerdings mit Einschränkung gesprochen, denn Erinnerungen sind trügerisch, was wiederum davon ablenkt, dass auch die Vorstellung, die wir uns von der Gegenwart machen, so trügerisch ist wie ein Märchen, das wir uns selbst erzählen … Aber ich schweife ab.
Hatte ich mir nicht fest vorgenommen, ich werde nicht irren? Jetzt schwebt es mir so vor, als entwickle sich diese Vorlesung zu einer Art von Beichte. Doch eine solche ist – mit Ausnahme von Monologen, wie sie Bösewichte am Ende von Kriminalgeschichten vortragen, um den Lesern zu erklären, warum sie was und wie genau sie es taten – ohne Zweifel nicht nur überflüssig, sondern richtiggehend hochnotpeinlich. Ich möchte sagen – aber was möchte ich sagen, und nicht einfach nur dahinreden, sondern man könnte sagen: herabrufen, heraufbeschwören, was ist mein Thema? Dass ein solches Thema nur ein Ausschnitt sein kann, und jeder Ausschnitt der Wirklichkeit, wie man zu sagen pflegt, nicht gerecht wird?
Keine Sorge, ich rede nicht mehr lange, das Sprechen strengt mich an, und einige von euch mitschreiben zu sehen, bedrückt mich. So viele Fehler werden gemacht, und sie auf diese Weise noch zu vervielfältigen erscheint mir – warum soll ich es nicht gestehen? – wie eine unbeabsichtigte groteske Parodie von etwas, das an sich schon absurd ist. Oder, wie ich es nennen will: Es ist eine Unsinnigkeit zweiter Ordnung.
Kann etwa die Nacht, wenn ich die Zeiten nicht verwechsle, der Tagesordnung eins auswischen? Ich erinnere mich nun. Der freche Zwischenruf – war es nicht Braulio Arenas, den ich gerade eben noch irgendwo in der vierten Reihe sitzen sah? – führt auf eine falsche Fährte. »Der Abschied« muss es heißen! Das ist das Thema, das ist der Anlass, das ist, wenn es irgendeinen sittlichen Näherungswert gibt, der springende Punkt.
Vierundzwanzig Jahre ist es her. Ich entsinne mich. Es steht mir wieder vor Augen: der Versuch damals, noch einmal ganz von vorn anzufangen. »Ich betrete den Korridor, um die Damen von einstmals aufzusuchen« schrieb ich, und Sie mögen das surrealistisch oder hermetisch oder sonst einfach nur verfehlt finden, aber mir erschien es zu diesem Zeitpunkt ein wirklich lebensentscheidender Schritt zu sein, und ich setzte drei Punkte dahinter. Wie man mir sagt, regt alles, was man weglässt, den menschlichen Geist dazu an, sich die Auslassung bildhaft auszumalen, und man denke nicht, dies ginge demjenigen, dem diese Auslassung zu verdanken ist, anders. Möglicherweise aus diesem Grund schienen mir die drei Punkte nicht zu reichen, und ich setzte wie von Sinnen immer mehr von ihnen, in immer größeren Abständen, und als ich nach achtzehn Punkten am Ende der Seite angelangt war, war mir, wie man sich leicht vorstellen kann, nicht nur die Sinnlosigkeit all dessen aufgegangen, sondern zudem klargeworden, dass ich niemals wieder sprechen, geschweige denn etwas von der Kanzel herab verkünden würde.
Ich hatte – um dieses zugegeben alte und, auch dies gebe man mir zu: liebgewonnene Bild zu verwenden – die Durchquerung des Spiegels (und genau das ist auch der Spiegel, den ich, man verzeihe mir, euch allen hier vorhalten würde, sähe ich mich dazu in der Lage) hatte also die Durchquerung des Spiegels vollbracht, hatte alle Themen und Dramen, all die vergeblichen Worte und Beschwörungen hinter mir gelassen und schaute nun, ganz aufrichtig gesprochen und ohne Umschweife gesagt, geradezu gelassen auf das, was da greifbar, aber buchstäblich jeder Beschreibung spottend, vor mir lag.
Und so schwieg ich, von einem Augenblick auf den anderen, unversehens, war mit einem Mal, das Kind bei seinem Namen genannt, sprachlos geworden. Ich schwieg, wie ich es jetzt – nach diesen nutzlosen und (trotz der ganzen, verzeiht den derben Ausdruck, Plackerei meinerseits) vermutlich mehr als fehlerhaften und unverständlichen Erklärungen – wieder tun werde, endgültig und für immer.
(Verhaltener Applaus, einzelne Bravorufe)

♫ Ritmi monovocalici ♫
Ich betrete den Korridor, den meine Kameraden durch die fetten Bände von Douglas Hofstadter gefressen haben. Sie haben eine Stelle entdeckt, in der die sonetti monovocalici Guiseppe Varaldos zitiert werden. Endlich wieder sattfressen!
Im Roman Anton Voyls Fortgang, der auch in seiner deutschen Übersetzung kein einziges E enthält, bin ich letzthin nämlich inmitten rauer Mengen Zellulosemehls stark abgemagert – bis mir endlich klarwurde, dass ich für mein leibliches Wohl offenbar dringend E’s benötige und andere Vokale offenbar nicht verstoffwechseln kann.
Nun gibt es hier, dank meiner Bücherwurm-Kumpane, ein echtes Festessen für mich: Varaldo hat nämlich seine Nacherzählung von Dantes Inferno in Sonettform sozusagen mit Vitamin E vollgepumpt!
Er, Exzellenz, den Kenner gerne Legende nennen
(der beste, der je lesenswerte Verse gesetzt),
entdeckt, versteckte Erdfesten betretend, entsetzt
den Schrecken der Helle, verheerendes Brennen.
Etc., endet Genre-entsprechend erhebend:
… sehnend fern segnende Sterne erkennen.
Mmh, echt lecker!

♫ Hiimori/Windhorse ♫
Ich betrete den Korridor, oder besser: Ich will ihn betreten, doch an der Schlafzimmertür hängt innen ein Schild, auf dem mit großen Buchstaben steht: »Dieser Korridor streikt.«
Oha. Mein Korridor streikt? Heißt das, ich komme nicht vom Schlafzimmer ins Bad? Unschlüssig bleibe ich stehen, die Hand auf der Klinke. Eigentlich bin ich spät dran. Regierungsgeschäfte warten auf mich. Andererseits kommt mir zu Bewusstsein, dass Korridore tatsächlich kaum Wertschätzung und Respekt erfahren – von mir genauso wenig wie von anderen. Dabei spielen sie eine wichtige Rolle. Ohne Korridore würde vieles in unserem Land nicht mehr funktionieren. Die Wirtschaft, die Medien, der ganze Dienstleistungssektor, die Industrie: Sie alle würden ohne Korridore zum Erliegen kommen oder zumindest empfindlich gestört werden.
Aber dankt es ihnen jemand? Nein. Es gibt nicht einmal ein Denkmal für Korridore. Dies muss sich dringend ändern, und ich bin der Mann, der es durchzusetzen und für sich und die Partei nutzbringend auszuschlachten weiß! So ist allen geholfen. Ich sehe mich schon zu den Klängen einer Blaskapelle das Kunstwerk enthüllen.
Hm, jetzt streiken sie also. Ich überlege, ob der Streik der Korridore vielleicht um sich greifen könnte. Streiken demnächst die Fenster, die Türen, die Dächer über unseren Köpfen? Aber diese genießen weit größere Aufmerksamkeit: Man spricht davon, dass die Augen die Fenster zur Seele sind und schmeißt das Geld zum Fenster hinaus. Man kann Tür an Tür wohnen oder eine Politik der offenen Tür betreiben. Man kriegt manchmal eins aufs Dach oder bringt ein Gesetz unter Dach und Fach. Aber ein Korridor? Wann habe ich zuletzt das Wort Korridor in den Mund genommen? Stimmt. Die haben wirklich allen Grund zu streiken.
Doch was heißt es konkret, dass mein Korridor streikt? Ist er nicht zum Dienst angetreten? Verweigert er vielleicht nur seinen Dienst oder beschränkt sich auf den Dienst nach Vorschrift? Ist es ein Bummelstreik? Und gilt das für alle Korridore der Stadt, im Land, in Europa? Gibt es Aussperrungen? Streikbrecher? Ist der Streik – hoffentlich – befristet? Und was sind die Forderungen der Korridore?
Ich hege die Hoffnung, dass sich mir all diese Fragen beantworten, wenn ich die Tür öffne. Also drücke ich die Klinke herunter, leise, weil meine Frau noch schläft und ich sie nicht wecken will.
Dahinter: der Korridor. Er sieht friedlich aus, als sei nichts geschehen, und es gibt keine weiteren Anzeichen für einen Streik. Vorsichtig setze ich meinen Fuß auf den Boden des Korridors. Er fühlt sich an wie immer. Auch den zweiten Fuß setze ich darauf. Ich stehe sicher.
Soll ich den Korridor ansprechen? Nach seinen Forderungen fragen? Oder ihm einfach erst einmal meine Hochachtung zollen und mich für seine langjährigen ergebenen Dienste bedanken, um für den aussichtsreichen Verhandlungsverlauf gleich zu Anfang eine gute Stimmung zu erzeugen?
Ich höre ein Kichern. Der Korridor kichert?!
Nein, es sind die Zwillinge. »April, April!«, rufen meine Söhne fröhlich, kommen aus ihrem Zimmer geschossen und tanzen in ihren Schlafanzügen um mich herum. Nun, da haben sie mich ja gehörig ins Bockshorn gejagt. Ich schüttle sie ab und schließe die Badezimmertür hinter mir.
Vielleicht, überlege ich beim Zähneputzen, sollte ich die Idee mit dem Denkmal bei der Chefin anregen. Sie ist eigentlich gar nicht mal so schlecht. Korridore werden hierzulande wirklich sträflich missachtet.

♫ Blowfish ♫
Ich betrete den Korridor. Zwar habe ich gerade die Snooze-Taste meines Weckers betätigt, aber leider drückt mir die Blase. Auf dem Klo fällt mir ein, dass ich heute Nacht einen Traum hatte, der einer Offenbarung glich. Ein Mann in einer orangen Robe und mit einer Art Mitra auf dem Kopf flüsterte mir einen Satz ins Ohr, eine Sentenz, die mir die Augen öffnete über den Zustand unserer Welt, über alle Probleme, an denen wir derzeit herumlaborieren, und über die ungeheure Chance, die sich uns gerade jetzt bieten würde – wenn wir nicht zu betriebsblind wären, sie zu erkennen. Es waren vier Wörter, das weiß ich noch, und sie waren gereimt: vier Wörter von einer unvergleichlichen Sprengkraft, eine Sentenz, die eine neue Ära der Menschheitsgeschichte, eine neue Kulturstufe einläuten würde.
Es ging um die Extreme möglicher menschlicher Lebensentwürfe, das weiß ich noch, und um die gesamte Spannweite menschlicher Ausdrucksmöglichkeiten in der Welt.
Zum Glück – fällt mir zu meiner Erleichterung ein – war ich so geistesgegenwärtig, mir die vier epochalen Worte bei einem kurzen Erwachen heute Nacht zu notieren, da ich schon ahnte, sie bis zum Morgen wieder vergessen zu haben.
Voller Spannung eile ich zurück ins Schlafzimmer und finde den Zettel auf dem Boden neben dem Bett, und in Großbuchstaben stehen sie da, die vier revolutionären Wörter, Hermes Trismegistos’ »Wie oben so unten«, Nietzsches »Gott ist tot« oder Martin Luther Kings »I have a dream« mindestens ebenbürtig.
Aber wie das so ist im Traum. Ich hätte es mir denken können. Wir sind da nicht ganz auf der Höhe, sondern besitzen oft ein kindliches und naives Gemüt, das sich für Dinge begeistert, die uns im Wachen nicht einmal ein müdes Lächeln abringen würden.
Ich muss Sie also enttäuschen.
Die Sentenz ist nicht gereimt.
Ansonsten … Na, lesen Sie selbst, ob das diese gewaltige Erkenntniskraft birgt, die ich darin gespürt hatte, ob es das begriffliche Juwel ist, das unsere Zeit beschreibt, analysiert, kritisiert und gleichzeitig einen praktikablen Lösungsvorschlag für den ganzen Unbill beinhaltet, den wir im Laufe unserer Geschichte heraufbeschworen haben, und das in diesen nur vier Wörtern: »Papst piepst, Plebs pupst.«

♫ Trust Me Not ♫
Ich betrete den Korridor. (Glauben Sie ihm nicht, er ist Kreter.) Ich habe mein Elektrowerkzeug dabei und soll hier neue Steckdosen setzen. (Alles gelogen: In der mathematischen und philosophischen Logik steht der Kreter für jemanden, der nie die Wahrheit sagt.) Am Ende des Korridors sind zwei Türen mit auffallenden Türklopfern. (Das Lügen ist bei den Kretern pathologisch, und vermutlich können sie nichts dafür.) Sie haben Gesichter und können reden. (Die Frage ist, ob zuerst die Logik da war und sich die Kreter dem Lemma notgedrungen angepasst haben, oder ob die Logiker sich diese notorische Eigenschaft der Kreter für ihre Zwecke zunutze gemacht haben.) Aber der eine nuschelt. (Schon Paulus schreibt im Neuen Testament: »Einer von ihnen hat gesagt, ihr eigener Prophet: Kreter sind immer Lügner.«) Ach, was interessieren mich auch die Türklopfer? Ich soll ja nur die Steckdosen erneuern. (Womit er Sie vermutlich dreist angelogen hat.)