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♫ The Mechanical Quirk ♫
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Ich betrete den Korridor festen Schrittes, obwohl ich am liebsten weit weggerannt wäre. Hier ist alles elektrisch, und mir stellen sich die Härchen auf den Armen auf. Professor Ceril hat mir detaillierte Anweisungen gegeben. Tatsächlich hat er mir sogar vorher ein Handbuch überreicht, das gefühlte fünfhundert Seiten dick ist. Beim Professor heißt es immer Klotzen statt Kleckern. So genial sie sind: Seine Maschinen müssen immer gleich die Größe einer Turnhalle haben. So auch seine Zeitmaschine.
Dass immer ich seine Erfindungen testen muss, liegt an einem Deal zwischen meinem Dad und ihm: Der Professor ist ein Jugendfreund meines Vaters, und seit der durch seine Serverparks zu Geld gekommen ist, finanziert er Cerils Forschungen. Zum Ausgleich soll dieser mir etwas über Physik, Elektrodynamik, Quantenzustände, Dunkle Energie und all so’n Zeugs beibringen.
Der Korridor – der »spatiale Dilatationskompressor« – ist von runden, metallenen Luken gesäumt, wie man sie in einem U‑Boot erwarten würde, komplettiert durch das Drehkreuz, mit dem sie sich öffnen lassen. Hinter den Wänden höre ich ein Knarzen und Klackern wie von kleinen, hölzernen Uhrwerken – es klingt eher mechanisch als elektronisch. Aber das hilft mir auch nicht weiter. Ich stehe etwas hilflos da und blättere ziellos im Handbuch für die Maschine. Der Professor hat mir eingeschärft, ja durch die richtige Luke zu gehen. Die falsche zu öffnen wäre fatal und würde die »Temporal-Stratigrafie« nachhaltig durcheinanderbringen. Das will er auf alle Fälle vermeiden. Viel mehr soll ich sein jugendliches Ich am ersten Oktober 2006 dazu bringen, statt auf Diskretion auf Schiaparelli zu setzen – bei einer Dreier-Wette auf dreijährige Hengste und Stuten.
Letztlich bekomme ich aber die entsprechende Luke, die mich zum entscheidenden Pferderennen führen soll, nicht auf: zu fest zugeschraubt. Gut so. Muss ich mich nicht als Zwölfjähriger auf eine Rennbahn schleichen und unter den Wettbegeisterten den jungen Ceril ausfindig machen. Stattdessen setze ich mich in den Korridor und warte eine Zeitlang, was in der flirrenden Elektrizität, die die Zeitmaschine in ihrem Inneren erzeugt, schon unangenehm genug ist. Dann gehe ich den Gang zurück und trete aus der Maschine.
Ceril erwartet mich aufgeregt. Ich nicke, drücke ihm das Handbuch wieder in die Hand und quetsche zwischen den Zähnen hervor: »Auftrag ausgeführt«.
Ceril ist begeistert und tanzt herum. »Wer setzt auch schon auf Diskretion?!«, singt er, und auf meine Frage hin, was sich eigentlich durch die Aktion verändert hat, erklärt er mir väterlich, dass jetzt ein junger Muzimi Ceril in einem Paralleluniversum steinreich geworden sei und sich alle Träume erfüllen könne. Und darunter vielleicht auch den, es seinem Wohltäter – womit er nicht etwa mich, sondern sich selbst meint – zu danken, indem er sich revanchiert.
Wenn ich das richtig verstehe, soll der andere, jetzt steinreiche Ceril auf den Gedanken kommen, seinen Assistenten – also vermutlich eine parallele Ausgabe von mir – loszuschicken, um wiederum ihn, den Professor, reich zu machen. Auf so eine verrückte Idee muss man erst mal kommen! Ich gebe vor, noch Hausaufgaben machen zu müssen, und lasse ihn in seinem Labor allein. Während ich mit meinem Fahrrad davonfahre, höre ich ihn noch lange singen und überlege, ob der Professor nicht besser mal eine Maschine erfinden sollte, die einfach nur komplette Stille herstellt.
(Hat er beinahe. Aber das ist eine andere Geschichte.)

