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Das Titelbild zeigt ein Krankenzimmer mit medizinischen und Messgeräten. Über dem leeren Krankenbett schwebt eine von einem weißen Tuch umhüllte, schlafende Frau. Der Raum hat eine Wolkentapete und ein Oberlicht, auf dem ein toter Vogel liegt.

♫ Embrace that Distant Shore ♫


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Ich betrete den Kor­ri­dor nach viel zu kur­zem Schlaf. Aber so ist das hier im Schlaf­la­bor: Die Arbeit fällt haupt­säch­lich nachts an – die Pro­ban­den schla­fen, die For­scher wachen und sam­meln Daten. Dies­mal ver­su­che ich, mit einer Pro­ban­din zu kom­mu­ni­zie­ren, die das Klar­träu­men beherrscht. Ich trete in unse­ren Kon­troll­raum, von dem aus wir nach drei Sei­ten durch halb­ver­spie­gelte Schei­ben in enge Schlaf­zim­mer sehen. Nur ein Bett ist belegt.

Als mir der Enze­pha­lograph anzeigt, dass die Stu­den­tin träumt, lasse ich drei helle rote Blitze ihr klei­nes Zim­mer erhel­len – als vor­her abge­spro­chene Hilfe für sie, inner­halb des Trau­mes zur Luzi­di­tät zu erwa­chen, und eine Art Anklop­fen bei ihr, dass wir sie kon­tak­tie­ren möch­ten. Sie ist eine unse­rer erfah­rens­ten Klar­träu­me­rin­nen.

Die Bewe­gun­gen ihrer Aug­äp­fel las­sen, zeigt mir der ent­spre­chende Moni­tor, jetzt ein Mus­ter erken­nen. Erst acht­mal ein Ruck nach links, dann ein­mal, dann zwölf­mal und noch ein­mal zwölf­mal, dann fünf­zehn­mal. Ein simp­ler Code: Sie hat mir gerade »Hallo« gesagt.

Über Laut­spre­cher frage ich, ob sie mich hören kann. Der Enze­pha­lograph zeigt, dass sie schläft und träumt. Trotz­dem signa­li­siert sie mir mit ihren Augen: »Ja«. – »Dann los!«, sage ich. Sie kennt ihre Auf­gabe. Sie soll – im Traum und ohne auf­zu­wa­chen – ihren Kör­per hoch­schwe­ben las­sen bis über den Schrank in ihrem Raum und uns durch­ge­ben, was für eine Zeich­nung sie sieht. Die haben wir – ohne sie selbst zu ken­nen, denn sie wird per Zufall aus­ge­wählt – dort oben für sie plat­ziert.

Kurze Zeit spä­ter signa­li­siert sie mir mit unse­rem etwas umständ­li­chen, dafür aber simp­len Code: »toter Vogel«. Gespannt eile ich zum Schrank.

Es ist kein toter Vogel, son­dern die Buch­sta­ben-Zah­len-Kom­bi­na­tion F‑B3T-42. Ich bin ein wenig ent­täuscht, aber als Wis­sen­schaft­ler darf man sich nicht von Erwar­tun­gen lei­ten las­sen, son­dern muss sich allein an den Fak­ten ori­en­tie­ren. Und diese legen nahe, dass sie zwar geträumt hat, die gestellte Auf­gabe zu erfül­len, dies aber nur in ihrer Vor­stel­lung tat und nicht etwa bei so etwas wie einer außer­kör­per­li­chen Erfah­rung. Unsere Pro­ban­din gibt spä­ter zu Pro­to­koll, sie habe einen toten Eichel­hä­her gese­hen, doch das Wort schien ihr zu lang, um es per Augen­be­we­gung an uns durch­zu­ge­ben.

Andert­halb Wochen nach die­sem Ver­such beob­achte ich zufäl­lig im Hof vor dem Flach­bau, der unsere Labore beher­bergt, unse­ren Haus­meis­ter mit einem toten Eichel­hä­her in der Hand. Ich frage ihn danach, und er erklärt, seit unsere zwei Schorn­steine mit chrom­glän­zen­den Metall ver­klei­det wur­den, bre­chen sich auf dem Dach hin und wie­der Vögel, die die Spie­ge­lung für den Him­mel hal­ten, das Genick. Ich lasse mir von ihm auf dem Grund­riss des Gebäu­des die Fund­stelle zei­gen. Tat­säch­lich: Der tote Vogel lag genau über dem Schrank, auf dem wir unsere zufäl­li­gen Zeich­nun­gen plat­ziert hat­ten. Nur eben ein paar Meter höher auf dem Dach.

Der Haus­meis­ter, ein Mensch, der von uns For­schern aller­hand Unsinn gewohnt ist, sah sich den Eichel­hä­her auf meine Frage hin genauer an, bohrte prü­fend sei­nen Fin­ger unter die Federn und meinte: »Klar kann der schon andert­halb Wochen da oben gele­gen haben. Aber was macht das schon fürn Unter­schied?« Ich bleibe ihm die Erklä­rung schul­dig.

Die Ver­suchs­reihe hat­ten wir bereits abge­bro­chen, weil wir keine signi­fi­kan­ten und wie­der­hol­ba­ren Ergeb­nisse erzie­len konn­ten. Zu vor­schnell? Den Kol­le­gen erzähle ich nichts von dem toten Vogel. Mit so einer Anek­dote wür­den wir uns in Wis­sen­schaft­ler­krei­sen nur lächer­lich machen.