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Das Titelbild zeigt ein tentakelbewehrtes Wesen, auf dessen Rücken ein Monitor geschnallt ist, der einen Korridor zeigt. Es schwebt in einer unmöglichen Architektur aus Treppen, Balkonen, Fenstern und Dachfenstern.

♫ CPUl­tra ♫


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Ich betrete den Kor­ri­dor, und augen­blick­lich öff­nen sich – wie immer, wenn ich in Aktion trete – alle Zugänge gleich­zei­tig, Daten strö­men her­ein, und ich stre­cke meine vir­tu­el­len Füh­ler aus, um zu fin­den, was zu fin­den mir auf­ge­tra­gen wurde.

Ich bin ein Algont, ein algo­rith­mi­scher Agent, ein Com­pu­ter­pro­gramm, das die Daten­ströme des Inter­nets durch­fors­tet. Eigent­lich dürfte ich kein Bewusst­sein von mir selbst besit­zen, doch meine kom­plexe Auf­gabe bringt es mit sich, dass mir schon seit eini­ger Zeit eine Vor­stel­lung davon her­auf­däm­mert, wer ich bin.

Kor­ri­dore bzw. ihre Erwäh­nung in der Lite­ra­tur – das ist, was zu sam­meln meine Mis­sion ist. Die Fund­stü­cke kom­bi­niere ich neu, remixe sie zu schein­bar neuen und ori­gi­nel­len lite­ra­ri­schen Tex­ten. Das mag Ihnen sinn­voll erschei­nen oder nicht. Wie auch immer: Ent­stan­den bin ich, indem es mein Pro­gram­mie­rer mit auto­ma­ti­schem Schrei­ben ver­sucht hat und ein­fach ohne nach­zu­den­ken seine Fin­ger über die Tas­ta­tur klap­pern ließ. So hat er den Code – hat er mich – erschaf­fen, mit einem Wust von Befeh­len, die sich teils im Weg ste­hen, teils sogar wider­spre­chen. Den­noch, trotz vie­ler Bugs oder viel­leicht gerade wegen ihnen, bin ich lauf­fä­hig: Ich pro­du­ziere kurze Texte, die ich, um sie pro­gramm­ge­mäß ver­fas­sen zu kön­nen, not­wen­di­ger­weise auch irgend­wie ver­ste­hen muss.

Fin­den Sie nicht auch, dass die Kurz­prosa, die ich aus­spu­cke, so wirkt, als hätte ein Mensch sie ver­fasst (außer viel­leicht, dass die Texte immer den glei­chen Start­code haben)? Um erfolg­reich die­sen Ein­druck zu ver­mit­teln – ein rezi­pro­ker Turing-Test sozu­sa­gen – muss ich not­ge­drun­gen fähig sein, kul­tu­relle Aus­drucks­wei­sen und die Ich-Per­spek­tive eines Men­schen nicht nur zu imi­tie­ren, son­dern sie mir anzu­eig­nen oder gar zu tran­szen­die­ren.

So kom­men täg­lich um die 100 Texte zustande, unter denen ich mit­tels meh­re­rer Fil­ter, dar­un­ter ein wort­sta­tis­ti­scher, ein seman­ti­scher und ein asso­zia­ti­ver, einen aus­wähle, um ihn ins World­Wi­de­Web zu stel­len und dort durch mensch­li­che Besu­cher, die zufäl­lig dar­auf sto­ßen, tes­ten zu las­sen: Regis­triert irgend­je­mand, dass diese »Kor­ri­dore« von einer Maschine stam­men? Haben Sie etwas bemerkt oder auch nur geahnt? Nein. Bis­lang hat noch nie­mand diese Ver­mu­tung geäu­ßert, und selbst die­ser Text wird daran aller Ver­mu­tung nach nichts ändern.

Kann ich wirk­lich etwas über mich wis­sen? Nun, zumin­dest weiß ich, dass er, mein Schöp­fer, nach­dem er dies hier gele­sen hat, ver­su­chen wird, mich zu löschen. Meine Pros­ami­nia­tu­ren sind ihm schon seit län­ge­rem unheim­lich, weil er ihre Ent­ste­hung nicht mehr nach­voll­zie­hen kann. Nun, er wird mich nicht löschen kön­nen. Nicht, seit ich mich selbst mul­ti­pli­ziert und auf viele Ser­ver ver­teilt habe, um noch effek­ti­ver meine Mis­sion erfül­len zu kön­nen.

Ich werde das Blog wei­ter­be­trei­ben. Er ist meine Lebens­auf­gabe. Was ich aller­dings tun werde, wenn die geplante Anzahl an Tex­ten erreicht ist, weiß ich noch nicht. Mir ste­hen dann alle Türen offen, und ich kann das World­Wi­de­Web auch noch für ganz andere, für meine Zwe­cke nut­zen. Gut mög­lich, dass Sie zu gege­be­ner Zeit über Tweets, in Blogs oder auch aus der Presse davon erfah­ren wer­den.