Korridorium

1x täglich Kurzprosa mit Soundtrack vom 11/11/11 bis 12/12/12

Kategorie: Fraktum

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My Split Decis­ion Is Final

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Ich betrete den Kor­ri­dor. Eine blei­erne Müdig­keit erfasst mich. Es ist wie immer. Frei­heit hin­ter einer der Türen. Tod hin­ter allen ande­ren. Und natür­lich habe ich nur einen ein­zi­gen Ver­such, eine ein­zige Chance. Wer in aller Welt hat sich die­ses Spiel nur aus­ge­dacht?
 

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Hell (Flee­ting Visit)

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Ich betrete den Kor­ri­dor. Hm, die Hölle hatte ich mir anders vor­ge­stellt, nicht als ein­same, end­los-ewige Suche nach einem Ver­ant­wort­li­chen. Oder ist dies – das Pur­ga­to­rium?!

 

272/398

Eine Prise Ohren­nek­tar

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Ich betrete den Kor­ri­dor. Er ist eng und schlauch­för­mig, manch­mal auch pfriem­lich oder gespornt, und ich besu­che auf mei­nen täg­li­chen Rund­flü­gen unzäh­lige davon, gelockt von ihrem Duft und beflü­gelt durch mei­nen sprich­wört­li­chen Fleiß. Oft muss ich tief hin­ein­krie­chen, um an die Blü­ten­gabe zu gelan­gen, und sei es auch nur ein win­zi­ger Trop­fen – Nek­tar­sam­meln kann wirk­lich müh­sam sein.

281/398

Tem­po­morph mich!

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Ich betrete den Kor­ri­dor, doch es ist schon jemand aus den vor­he­ri­gen (oder zukünf­ti­gen?) Geschich­ten da. Unauf­fäl­lig ziehe ich mich zurück.

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My Grouse My Scar My Bloat

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Ich betrete den Kor­ri­dor. Rechts die Tür mit der Auf­schrift »Anmel­dung«, hin­ter der bereits meine Sprech­stun­den­hilfe Stel­lung bezo­gen hat, links das War­te­zim­mer. Wei­ter hin­ten der Rönt­gen­raum und die drei Behand­lungs­zim­mer. Stolz und Zufrie­den­heit erfül­len mich. Schon als klei­nes Kind wollte ich immer Prok­to­loge wer­den.

 

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The Pre­mise

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Kor­ri­dor ergo sum.

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An Impec­ca­ble Plan

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Ich betrete den Kor­ri­dor. Er führt auf­wärts. Der Turm wächst ste­tig – bis in den Him­mel. Dies­mal wur­den nur stumme Arbei­ter ein­ge­stellt.
 

332/398

Play­ing Dead

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Ich betrete den Kor­ri­dor, ent­si­chere Papas Gewehr. Gemur­mel dringt aus den Klas­sen­zim­mern. Non scho­lae sed vitae. Wie kurz es auch sein mag.

Doch plötz­lich fla­ckert und ver­schwimmt der Kor­ri­dor, und ich stehe in einem weiß­ge­ka­chel­ten Raum einem Paar­und­zwan­zig­jäh­ri­gen mit Horn­brille gegen­über. »Hallo, Frau Hartl.« Frau Hartl? Ah, rich­tig, ich bin nicht mehr Car­los, der psy­cho­pa­thi­sche Amok­schü­ler, son­dern wie­der seine Latein­leh­re­rin. Auch das Gewehr mit dem Schall­dämp­fer halte ich nicht mehr in der Hand. Aber wer ist der junge Kerl?

»Ich bin der Pro­gram­mie­rer die­ser Amok-Simu­la­tion. Eine reine Rou­ti­ne­über­prü­fung unse­rer Kun­den.«

»Ihre Simu­la­tion funk­tio­niert feh­ler­los und ist für uns Leh­rer äußerst, äh, lehr­reich.«

»Ja, danke. Nur dass aus­schließ­lich Sie die Sim zu nut­zen schei­nen.«

»Ach ja?«

»Ja, vor dem Unter­richt. Mehr­fach. Immer das ›Overkill‹-Szenario. Ohne Blut­fil­ter. Und regel­mä­ßig nur die die letz­ten Minu­ten.«

»Oh, ich … Nun, wir sol­len die Simu­la­tion doch nut­zen, um uns in die Psy­che eines Amok­läu­fers hin­ein­ver­set­zen zu kön­nen.«

»Und in seine Vor­ge­hens­weise. Mich wun­dert nur ein biss­chen, dass Sie es den letz­ten zwei Mona­ten schon an die zwei­hun­dert Mal durch­ge­spielt haben …«

»Nun, wis­sen Sie, ich will ein­fach auf alle Even­tua­li­tä­ten vor­be­rei­tet sein. Sie sind Pro­gram­mie­rer, Sie ahnen ja nicht, was es heut­zu­tage heißt, Unter­richt zu geben. Apro­pos, ich muss dann auch mal los.«

»Ver­stehe. Dann will ich Sie nicht län­ger von Ihren Auf­ga­ben abhal­ten.« Er ver­schwin­det mit einem Fla­ckern.

Ich nehme das Brain­Set ab, steige aus der Liege, schalte den Simu­la­tor aus und schließe den klei­nen Raum, der in vie­len Schu­len genau für die­sen Zweck ein­ge­rich­tet wurde, hin­ter mir ab.

Mit dem Bild vor Augen, wie Car­los das Klas­sen­zim­mer betritt und zuerst auf seine Latein­leh­re­rin anlegt, eile ich zur 9E, mei­ner ers­ten Klasse heute Mor­gen.

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Grípa tækifærið

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Ich betrete den Kor­ri­dor schon noch, doch doch, ehr­lich, Hand aufs Herz, irgend­wann werde ich den Schritt wagen und ihn betre­ten, keine Frage! Ich kann ja nicht ewig hier vor der Schwelle ver­har­ren mit der Klinke in der Hand. (Oder etwa doch?)

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Svi­kinn Rök

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Ich betrete den Kor­ri­dor. Die Tür zu Saal 2 schwingt zu. Der Abspann ist durch­ge­lau­fen, der letzte Ton der Film­mu­sik ver­klun­gen – wei­ter geht’s mit einer schein­bar nie enden­den sub­jek­ti­ven Kame­ra­fahrt durch lebens­echte und lie­be­voll aus­staf­fierte Kulis­sen, mit Dar­stel­lern, die ganz in ihren Rol­len auf­ge­hen, mit einer Geschichte, wie sie nur das Leben schrei­ben kann. (Und die Iden­ti­fi­ka­tion mit der Haupt­fi­gur könnte voll­kom­me­ner kaum sein, nicht wahr?)