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Rét­tum tíma – rét­tum stað

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Ich betrete den Kor­ri­dor, den der Mit­tel­strei­fen zwi­schen den Autos bil­det, und laufe ihn schwer­fäl­lig ent­lang. Hin­ter mir hupen ein paar Fahr­zeuge. Viel­leicht, weil sie sehen, dass sonst nie­mand in mei­nem Auto sitzt und der Alte ein­fach die Tür hin­ter sich zuschlägt, ohne sich noch ein­mal umzu­bli­cken. Viel­leicht auch ein­fach aus Ver­zweif­lung. Nichts geht mehr. Ein Tru­cker ist auf sein Lkw-Fah­rer­haus geklet­tert und ver­sucht mit der Hand über den Augen zu erken­nen, was wei­ter vorne los ist. Schließ­lich lässt er den Arm kraft­los sin­ken. Die Blech­la­wine ist zum Still­stand gekom­men. Ich gebe mein Auto auf, will nicht län­ger hin­ter dem Steuer auf ein Wei­ter­kom­men war­ten, das nie mehr statt­fin­den wird. Und ich will mich auch nicht seit­lich auf die Leit­planke set­zen, pick­ni­cken und mit den ande­ren Fah­rern wort­reich über den Stau lamen­tie­ren. Ich will nach Hause, auch wenn mir das Gehen schwer­fällt und ich schon nach ein paar Metern ins Keu­chen gerate.

Die Sonne knallt erbar­mungs­los auf den Asphalt. Mir wird heiß. Man­che las­sen den Motor lau­fen. Viel­leicht ja, weil sie glau­ben, wenn sie den Motor aus­stel­len, geben sie damit gleich­zei­tig alle Hoff­nung auf. Oder sie brau­chen den Motor für ihre Kli­ma­an­lage. Wie auch immer, die Abgase und das viel­stim­mige Tuckern des Leer­laufs gehen mir auf die Ner­ven. Ich klet­tere müh­sam über den Rand­strei­fen und halte auf den Wald zu, durch den die Auto­bahn ver­läuft.

Zwi­schen den Bäu­men ist es kühl. Es gibt nur wenig Unter­holz, was mir das Vor­an­kom­men erleich­tert. Wie soll ich mich hier ori­en­tie­ren? Mit dem Navi, das mir meine Kin­der zum Sieb­zigs­ten geschenkt haben, bin ich nie zurecht­ge­kom­men. Mir fällt ein, dass ich auch das Geld und meine Aus­weise im Wagen lie­gen­ge­las­sen habe. Ich sollte umkeh­ren. Doch ich gehe wei­ter, und hier auf dem federn­den Wald­bo­den fällt mir das Vor­an­kom­men auch nicht mehr so schwer.

Aber hört man nicht immer wie­der von Räu­bern und wil­den Tie­ren? Inzwi­schen folge ich einem Wald­weg. Lau­ern nicht gerade hier die Gefah­ren? Meine Sinne sind geschärft, und wann immer es mög­lich ist, laufe ich laut­los über die Moos­pols­ter am Weges­rand. Ich könnte auch auf Wach­pos­ten der Römer sto­ßen. Nicht jedoch im Wald: Sie haben für ihre Grenz­be­fes­ti­gun­gen zum Bar­ba­ren­land breite Schnei­sen gero­det. Meine Schritte sind kräf­tig und raum­grei­fend, und die wür­zige Luft des Wal­des füllt tief meine Lun­gen.

Eine Horde Wild­schweine kreuzt mei­nen Weg. Sie haben mich nicht bemerkt, und ich halte inne, denn es sind Frisch­linge dabei, und ich will mich nicht mit den Bachen anle­gen. Dabei stelle ich fest, dass ich irgendwo meine Brille ver­lo­ren haben muss. Soll ich umdre­hen und nach ihr suchen? Ich beschließe, dass ich auch so gut zurecht­komme. Ich fühle mich jung und taten­durs­tig, freue mich auf die Aben­teuer, denen ich ent­ge­gen­wan­dere. Ein Speer oder ein Wurf­stock wäre nütz­lich. Ich mus­tere die umste­hen­den Bäume: nicht das rich­tige Holz dafür. Dafür ent­de­cke ich Wald­bee­ren, so viele, dass ich einen Vor­rat davon mit­neh­men kann.

Gestärkt ver­falle ich in einen kraft­scho­nen­den, lang­sa­men Trab. Plötz­lich stehe ich vor einem bär­ti­gen alten Mann in einem boden­la­gen Gewand. Der Korb, den er bei sich trägt, ist vol­ler Kräu­ter. Ein Druide. Er scheint nicht erstaunt dar­über, im Wald auf einen frem­den Halb­wüch­si­gen zu tref­fen. Ich sinke in die Knie, neige den Kopf und erbitte so den Segen des Wei­sen Man­nes. Er mur­melt ein paar freund­li­che Worte, die ich nicht ver­stehe. Der Klang von Luren sagt mir, dass sich in der Nähe eine Sied­lung befin­den muss. Ich folge dem Alten in ehr­erbie­ti­gem Abstand. Sicher­lich ist auch er auf dem Weg nach Hause.

 

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