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Arri­val Orbit

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Ich betrete den Kor­ri­dor in den Mann­schafts­quar­tie­ren. Der Com­man­der hat eine Bespre­chung ange­setzt. Wir haben das erste Ziel unse­rer drei­ßig­jäh­ri­gen Rund­reise durchs All erreicht: einen Pla­ne­ten, von dem anschei­nend intel­li­gente Radio­si­gnale aus­ge­sen­det wer­den. Lei­der blie­ben unsere Funk­bot­schaf­ten, die wir auf den glei­chen Fre­quen­zen sen­den, bis­lang unbe­ant­wor­tet. Inzwi­schen haben wir den Orbit erreicht, und es muss die Ent­schei­dung getrof­fen wer­den, ob wir einen Lan­de­trupp hin­un­ter­schi­cken.

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Fünf­zehn Jahre lang waren wir unter­wegs, um hier­her zu gelan­gen. Wie das mög­lich war trotz fünf­und­zwan­zig Licht­jah­ren Ent­fer­nung, ver­stehe ich immer noch nicht rich­tig. Unser Schiff hat meh­rere Mil­lio­nen klei­ner »Bra­nen-Sprünge« zurück­ge­legt und dabei jeweils für wenige Minu­ten die drei Raum­di­men­sio­nen »gequetscht« – so klingt das jeden­falls, wenn die Phy­si­ker drü­ber reden. Wirk­lich nach­voll­zieh­bar hat mir das aber noch kei­ner der Wis­sen­schaft­ler an Bord erklä­ren kön­nen. Wie auch immer wir es geschafft haben: Wir sind da! Der Pla­net dreht sich unter uns. Rotorange und fremd­ar­tig schön fun­kelt er im Licht sei­nes Sterns, von Dut­zen­den lang­ge­streck­ten, sich wurm­ar­tig win­den­den Can­yons durch­zo­gen. Aus einem von ihnen kommt das starke Funk­si­gnal, das uns hier­her­ge­führt hat. Und aus allen ande­ren kom­men eben­falls Funk­si­gnale, die aller­dings viel schwä­cher sind.

Die Ober­flä­che ist wüs­ten­ar­tig, es toben stän­dig Wir­bel­stürme dar­über. Dort bewegt sich etwas. Rie­sige, selt­sam aus­se­hende intel­li­gente Lebe­we­sen? Unser Bio­loge bezwei­felt das. Er hält das eher für etwas wie diese kugel­för­mi­gen Büsche, die durch die mexi­ka­ni­sche Wüste geweht wer­den. Die intel­li­gen­ten Bewoh­ner des Pla­ne­ten, meint er, wer­den wir eher in den Can­yons fin­den, die mit einem für unsere Tele­skope und Instru­mente undurch­dring­li­chen Nebel ange­füllt sind. Fin­den wir hier unsere erste extra­ter­res­tri­sche Zivi­li­sa­tion?

An mir wird es lie­gen, ob mit den Außer­ir­di­schen irgend­ein Aus­tausch zustande kommt. Als Xeno-Lin­gu­is­tin bin ich dafür ver­ant­wort­lich, eine Basis für den kom­mu­ni­ka­ti­ven Aus­tausch zu schaf­fen. Ich bin ziem­lich auf­ge­regt, denn ange­sichts etwas uns völ­lig Frem­den garan­tiert nichts den Erfolg. Wir Men­schen haben es ja nicht ein­mal geschafft, mit Walen und Del­fi­nen zu kom­mu­ni­zie­ren – obwohl sie von unse­rem eige­nen Pla­ne­ten stam­men, DNA mit uns gemein­sam haben und zumin­dest im Falle der Del­fine offen­bar über eine Art sono-pik­to­riale Spra­che ver­fü­gen. Wie will ich mich dann mit Außer­ir­di­schen ver­stän­di­gen?

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Auf dem Weg zum Kom­man­do­raum gehen mir die vie­len SciFi-Romane und ‑Geschich­ten durch den Kopf, die ich in den Jah­ren unse­rer Reise stu­diert habe: Sto­rys über die Begeg­nung mit frem­den Intel­li­gen­zen. Schon in der Antike hat man über Wesen auf fer­nen Gestir­nen spe­ku­liert, aber erst moderne Schrift­stel­ler haben Begeg­nun­gen mit ihnen geschil­dert. Beson­ders auf­schluss­reich fand ich dabei Fan­ta­sien – denn natür­lich ist kei­ner der Autoren je einer wirk­li­chen außer­ir­di­schen Intel­li­genz begeg­net – dar­über, wie der Ver­such einer Kom­mu­ni­ka­tion auf­grund der gegen­sei­ti­gen Fremd­ar­tig­keit auf gan­zer Länge fehl­schlägt.

Sta­nisław Lem hat sol­che Fias­kos scho­nungs­los beschrie­ben, und wenn ich an Mar­sia­ner Tweel denke, eine Erfin­dung von Stan­ley G. Wein­baum: Bei ihm würde ver­mut­lich auch unser Mathe­ma­ti­ker ver­zwei­feln. Mas­an­ori ist näm­lich der fes­ten Über­zeu­gung, Mathe­ma­tik sei die grund­le­gende Spra­che jeder Intel­li­genz – wer es schaffe, Funk­si­gnale ins All zu sen­den, müsse über phy­si­ka­li­sche und damit auch mathe­ma­ti­sche Kennt­nisse ver­fü­gen.

Aller­dings hat bis­her alle Phy­sik und Mathe­ma­tik nicht hel­fen kön­nen, die Funk­si­gnale, die wir seit Auf­he­bung der E.T.-Quarantäne plötz­lich aus allen Gegen­den des Welt­raums emp­fin­gen, zu ent­schlüs­seln. Und letzt­lich – das hat mir der Com­man­der bereits klar­ge­macht – werde ich es sein, die vor unsere Dele­ga­tion tritt, die Hand hebt und die ers­ten Gruß­worte an die Frem­den rich­ten wird. Lei­der gibt es dafür kei­nen elek­tro­ni­schen Uni­ver­sal­über­set­zer, wie ihn Kirk von der Enter­prise zur Ver­fü­gung hatte, geschweige denn einen »Babel­fisch«.

Jeden­falls ist das alles mehr als auf­re­gend und gewiss weit aben­teu­er­li­cher als meine Begeg­nun­gen mit den Ein­woh­nern Papua-Neu­gui­neas! Noch vor nicht allzu lan­ger Zeit haben Ent­de­ckungs­rei­sende auf der Erde bei sol­chen Gele­gen­hei­ten Glas­per­len und Kugel­schrei­ber als Gast­ge­schenke ver­teilt. Aber ver­mut­lich hat kei­ner von ihnen auch nur im Traum daran gedacht, er könne viel­leicht einer höher­ste­hen­den Zivi­li­sa­tion begeg­nen …

Ob die Außer­ir­di­schen uns Men­schen nun vor­aus sind oder nicht: Der Gedanke, dass wir auf uns feind­lich gesinnte Wesen tref­fen könn­ten, gilt bei uns an Bord als unwahr­schein­lich. Wir sind ja keine Inva­si­ons­flotte, und ver­mut­lich hof­fen wir alle ins­ge­heim, dass uns die Galak­ti­sche Föde­ra­tion nicht ein­fach in ein offe­nes Mes­ser lau­fen lässt. Jeden­falls sind wir nicht bewaff­net – und gegen den inter­stel­la­ren Dra­chen, der uns außer­halb unse­res Son­nen­sys­tems auf­ge­lau­ert hat, hätte uns auch keine Waffe etwas genützt. Wenn Lady Wow nicht gewe­sen wäre …

Unser Tod jeden­falls oder unsere Gefan­gen­nahme sind ein­kal­ku­liert. Dem Schiffs­com­pu­ter muss regel­mä­ßig ein kom­ple­xer, stän­dig wech­seln­der Code ein­ge­ge­ben wer­den. Tut das nie­mand mehr von uns, ver­rie­gelt das Schiff seine Schleu­sen und macht sich selbst­tä­tig und mit­samt all unse­ren For­schungs­er­geb­nis­sen auf den Weg zurück zur Erde.

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Lady Wow streicht um meine Beine und schnurrt. Sie könnte die Erde in so einem Fall viel­leicht sogar wie­der errei­chen, denn sie wird an Bord voll­au­to­ma­tisch mit Fut­ter und Was­ser ver­sorgt. Aller­dings würde sie wohl sehr, sehr ein­sam sein …

Ich schüttle die sor­gen­vol­len Gedan­ken ab, nehme Lady Wow auf den Arm und betrete als Letzte den Kom­man­do­raum. Eine Ent­schei­dung steht an.

 

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Brane:

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Die sono-pik­to­riale exo-holo­gra­fi­sche Spra­che der Del­fine (engl.):