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Le murm­ure der­nière (in aeterna)

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Ich betrete den Kor­ri­dor. Auch die ande­ren sind jetzt auf dem Weg zum Früh­stück. Einige hal­ten ihren Blick zu Boden gerich­tet und wir­ken in sich gekehrt. Wir ande­ren sehen uns an und nicken uns zu, wäh­rend wir uns schwei­gend auf den Weg durch die alt­ehr­wür­di­gen Gemäuer machen. Obwohl wir die stille Mor­gen­kon­tem­pla­tion schon hin­ter uns haben, ist es noch früh. Von drau­ßen dringt aus dem Klos­ter­gar­ten ein viel­stim­mi­ges Vogel­kon­zert.

Die junge Frau, die anfangs furcht­bar ner­vös gewe­sen ist, wirkt heute gelas­sen. Ein stil­les Strah­len geht von ihr aus. Sie isst ihr Früh­stück lang­sam und bedäch­tig. Plötz­lich hält sie inne, lächelt selig, klappt ein klei­nes Notiz­buch auf und schreibt etwas hin­ein.

Als sie auf­steht, um sich noch etwas Tee vom Buf­fet zu holen, erhebe ich mich eben­falls von mei­nem Platz auf der Bank und werfe im Vor­über­ge­hen einen Blick in das Notiz­buch, das immer noch auf­ge­schla­gen daliegt. Mit Blei­stift hat sie einen Satz hin­ein­ge­schrie­ben und die ein­zel­nen Stri­che der Buch­sta­ben mehr­fach ver­stärkt, wie um eine Fett­schrift anzu­deu­ten: Es gibt nichts zu sagen.

Ich muss lächeln. Tat­säch­lich: Auch die vie­len Dinge, die mir anfangs ein­fie­len und auf der Zunge lagen – nach vier Tagen Schweige-Retreat sind sie wie weg­ge­bla­sen. Ges­tern schien es mir in einem Moment wich­tig und fast unab­ding­bar, der jun­gen Frau zu sagen, wie schön sie ist. Die­ser Gedanke schoss mir mit Macht in den Sinn und schien alles andere ver­drän­gen zu wol­len. Doch mein Wille, das Schwei­gen nicht zu bre­chen, war stär­ker, und bald schon ver­lor der alles beherr­schende Gedanke an Kraft und ver­flüch­tigte sich schließ­lich gänz­lich. Ein kur­zes Lächeln genügt. Es bedarf kei­ner Worte.

Wir machen uns gemein­sam auf den Weg in die Kapelle. Der Mor­gen ist immer dem gre­go­ria­ni­schen Gesang gewid­met. Viel­leicht erlebe ich auch heute etwas Ähn­li­ches wie ges­tern: Ich hatte den Ein­druck, unsere Stim­men lös­ten sich für ein paar Takte von unse­ren Kör­pern, die Klänge schweb­ten fast über­ir­disch schön durch den Kir­chen­raum, und es war, als wären es nicht mehr wir, die da san­gen. Eine beglü­ckende Erfah­rung, jen­seits aller Worte. Wir alle spür­ten es, ohne dass es jemand aus­spre­chen musste.

Die Gedan­ken blei­ben, das innere Plap­pern und Kom­men­tie­ren – auch all die Kom­men­tare dazu, was mit mir im Laufe die­ser sie­ben Tage geschieht. Sätze wie »Es gibt nichts zu sagen« sind immer noch Worte – und sie wer­den immer noch von einer inne­ren Stimme gespro­chen. Ob auch die noch schwei­gen wird?

Diese Frage könnte ich am Abend dem Mönch mit dem silb­ri­gen Bart, dem Lei­ter die­ser Exer­zi­tien, stel­len. Anfangs hat er uns erklärt, dass er – nach der stil­len Arbeits­me­di­ta­tion im Klos­ter­gar­ten, die uns hand­schrift­lich auf klei­nen Kar­tei­kar­ten zuge­teilt wird – in sei­ner Zelle zur Ver­fü­gung steht, falls uns etwas beschäf­ti­gen oder quä­len sollte.

Oder gibt es auch nichts zu fra­gen? Ich glaube näm­lich, dass er mir auf meine Frage nach der Gedan­ken­stimme hin nur kurz in die Augen schauen wird: ein kur­zes, wis­sen­des Lächeln genügt.