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The Ungras­pa­ble

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Ich betrete den Kor­ri­dor mit meh­re­ren Blät­tern in den Hän­den, auf denen ich mei­nen Lebens­lauf und viele Namen notiert habe. Einige habe ich ein­ge­kreist und will sie mit Albo bespre­chen. Der hat mich im Büro zurück­ge­las­sen und ist nicht mehr auf­ge­taucht. Wurde viel­leicht doch noch irgendwo in Ber­lin ein Herz gefun­den?

Als sich eine Hand auf meine Schul­ter legt, zucke ich zusam­men. »Lauf nicht weg, wir müs­sen reden.« Es ist Albo. In der ande­ren Hand hält er einen Akten­ord­ner. Er sieht aus, als müsse er eine schlechte Nach­richt ver­dauen, und schiebt mich zurück in sein Büro.

»Setz dich«, sagt er.

»Ich habe hier …«, setze ich an, aber plötz­lich wird er laut: »Setz dich, Herr­gott noch mal!« Ich setze mich.

Auch er lässt sich in sei­nen Stuhl plump­sen und sackt in sich zusam­men. Er fasst sich mit bei­den Hän­den an den Kopf und fährt sich durch die Haare. Dann sagt er: »Ich habe die Ana­lyse aus dem Labor. Und sie wird dir nicht gefal­len.«

Ich bli­cke ihn erwar­tungs­voll an.

»Das Blut hat die glei­che DNA wie bei den drei Malen vor­her.« – »Aber es war kein vier­tes Herz in dem Päck­chen«, pro­tes­tiere ich. »Viel­leicht ist es altes Blut, Blut von einem der Her­zen, die wir schon gefun­den haben.«

Albo schüt­telt lang­sam den Kopf. »Das ist es nicht.« Er sieht mich an. »Ist ein­ge­trock­net, ja, das Alter nicht genau bestimm­bar, könnte von einem der drei Her­zen stam­men. Aber das ist es nicht.«

Was ist es dann?

»Es geht um dein Blut, das fri­sche Blut aus dei­nem Mit­tel­fin­ger. Das Labor hat es auch unter­sucht.«

»Bin ich …?« Ich wage nicht, irgend­eine Ver­mu­tung auf­zu­stel­len. Haben sie eine töd­li­che Krank­heit bei mir dia­gnos­ti­ziert?

Albo macht eine Kunst­pause. Er sieht furcht­bar zer­knit­tert aus. Was immer mir nicht gefal­len wird: Ihm gefällt es genauso wenig.

»Dein Blut hat die glei­che DNA wie die drei Her­zen.«

Es dau­ert einige Herz­schläge lang, bevor mir wirk­lich klar wird, was Albo da gesagt hat.

»Das muss ein Irr­tum sein«, sage ich, aber Albo schüt­telt kaum merk­lich den Kopf: »Ich lass es von einem exter­nen Insti­tut che­cken. Steht aller­dings nicht zu erwar­ten, dass sie zu einem ande­ren Ergeb­nis kom­men.«

Ein paar Atem­züge lang sit­zen wir beide schwei­gend da. Mehr­fach setze ich an, etwas zu sagen, ver­stumme aber sofort wie­der. Ich drehe mei­nen klei­nen Sta­pel Notiz­zet­tel um, um unsere The­sen zu stu­die­ren, unser Pro­fil des Mör­ders. Davon, dass ich das Opfer bin, das drei­fa­che Opfer, steht nichts da. Mein Blick geht ins Leere.

»Uwe, ich weiß von nichts. Ich habe damit nichts zu tun. Ich bin genauso ahnungs­los wie du«, sage ich. Albo nickt. Dann beugt er sich vor und schlägt mir auf die Schul­ter. Gut, in ihm einen ech­ten Freund zu wis­sen.

»Wir gehen jetzt beide nach Hause und lesen die fünf­zig neuen Texte. Du stehst bis auf Wei­te­res unter Poli­zei­schutz.« Albo zieht einen Sta­pel Kopien aus dem Akten­ord­ner und schiebt sie mir hin. »Ich muss jetzt ein paar Anrufe machen. Wäre schön, wenn du hier mor­gen früh wie­der auf der Matte stehst.«

Albo greift zu sei­nem Tele­fon­hö­rer. Ich räume alles zusam­men.

»Es kann nicht sein«, sage ich, »es ist unmög­lich.«

Albo wählt bereits eine Num­mer, hält aber inne und blickt mich an. »Hast du jeman­den, der heut Nacht bei dir sein kann?«, fragt er. Mein Zögern deu­tet er als Nein, denn er fragt wei­ter: »Soll ich rüber­kom­men?«

Ich schüttle den Kopf. »Meine Katze passt auf mich auf«, sage ich und ver­su­che ver­geb­lich, ein wenig scherz­haft zu klin­gen.

Auf dem Heim­weg muss ich plötz­lich schluch­zen. Ein eigen­ar­ti­ges Gefühl: Eine anschei­nend tief ver­gra­bene Trauer scheint sich da kurz Bahn zu bre­chen, und dann ist der Anfall auch schon wie­der vor­über, und es wird alles dumpf, und meine Gedan­ken sind wie in Watte gepackt. Ich habe das glei­che Blut wie die drei Toten. Es ist sozu­sa­gen drei­mal mein eige­nes Herz gewe­sen. Aber wie? Was zum Teu­fel hat meine DNA mit den Mor­den zu tun?!

Ein unüber­hör­ba­res und for­dern­des Miauen emp­fängt mich, als ich auf­schließe und die Woh­nung betrete. Plu­ra­belle streicht mir hung­rig um die Beine, und wie immer mache ich ihr als Ers­tes eine Dose Kat­zen­fut­ter auf.