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♫ The Mar­vel­lous 3D Myth Fab­ber ♫


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Ich betrete den Kor­ri­dor. Dies­mal, finde ich, hat es der Pro­fes­sor über­trieben. Alles wirkt vik­to­ri­an­isch ver­spielt: An den Wän­den sprudeln kleine Fontä­nen unter ovalen Spiegeln mit geschnitzten Elfen­bein­rah­men. Das also ist sein neuster Stre­ich, die »Mythen­mas­chine«. Irgen­det­was hat Cer­il auf den Gedanken gebracht, die Mythen der Welt hät­ten sich aufge­braucht. »Eine ›Mythonen‹-Knappheit?«, habe ich vor­witzig gefragt, aber er hat mich nur verächtlich ange­se­hen. Offen­bar geht es heute nicht um der son­sti­gen Wis­senschaft unbekan­nte Ele­men­tarpar­tikel.

Er ließ mich referieren, was ein Mythos ist, war jedoch mit meinem Wikipedia-Wis­sen unzufrieden und erk­lärte, er beschäftige sich als Freizeit-Mythen­forsch­er inten­siv mit »arche­typ­is­chen Erzäh­lun­gen, die als kollek­tives Vor­bild dienen kön­nen«. »Har­ry Pot­ter?«, schlage ich vor, und »Avatar?« Der Pro­fes­sor run­zelt die Brauen: »Das ist ja ger­ade, was mir Sorge bere­it­et: diese all­ge­gen­wär­tige Regres­sion ins magis­che Denken. Der Mythos vom edlen Wilden und der von ein­er verza­uberten Welt, die nicht so sehr den Naturge­set­zen wie dem men­schlichen Willen gehorcht – lei­der derzeit nicht sehr hil­fre­ich und zielführend, was die Zukun­ft der Men­schheit anbe­langt.«

Deshalb nun seine Mas­chine. Sie soll den Mythos für das 21. Jahrhun­dert kreieren, die uni­verselle Geschichte, die allem, was wir erleben und anstreben, neuen Sinn ver­lei­ht – und ich soll diese Kreation ans Tages­licht holen.

Die stoff­be­span­nten Türen des Kor­ri­dors sind mit wabern­den Buch­staben beschriftet. Wie im Traum lässt sich nicht richtig erken­nen, was da ste­ht, und es ändert sich dauernd. Stand da eben etwas von »die Seele dem Teufel verkaufen«? Oder »Erschaf­fung der Welt in sieben Tagen«? Oder »Kaiser Bar­barossa schläft nur«?

Mir wird ganz schumm­rig, und ich mache, dass ich aus der Mas­chine wieder rauskomme.

»Sie ste­ht mit ihren Berech­nun­gen offen­bar noch ziem­lich am Anfang«, erk­läre ich dem Pro­fes­sor mit fes­ter Stimme.

»Aber sie arbeit­et schon ganze sechs Tage lang«, erk­lärt er trau­rig. Dann zuckt er die Schul­tern: »Na schön, dann geben wir ihr noch eine Woche.« Und als er meinen Blick sieht: »Einen Monat?« Ich antworte nicht, und Cer­il meint schließlich ent­täuscht: »Gut: ein Jahr. Damit soll­ten wir auf der sicheren Seite ste­hen.« Ich nicke zufrieden. Bloß erst ein­mal nicht wieder da rein­müssen!

In der fol­gen­den Nacht bin ich im Traum auf der Flucht vor ein­er gewalti­gen Horde Märchen- und Sagengestal­ten, die alle unbe­d­ingt mein »Vor­bild« sein wollen. Ich erwache schweißge­badet. Hof­fentlich ver­fol­gt mich dieser Alp­traum jet­zt nicht Nacht für Nacht ein ganzes Jahr lang.

(Tat er nicht. Stattdessen eroberte eine ziem­lich ver­rück­te neue Mitschü­lerin meine Träume im Sturm. Aber das ist eine andere Geschichte.)