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♫ Rent-a-Monk ♫
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Ich betrete den Korridor. Sand, weißer Sand wurde hereingeweht, durch den hindurch eigenartige geometrische Spuren mit Abdrücken aus jeweils zwei rechteckigen Querbalken führen, eine Zeile einer primitiven Blindenschrift aus immer demselben Buchstaben, vergänglich in den Sand geprägt.
Der Korridor öffnet sich auf einen Strand – das Rauschen des Meeres hat das bereits angekündigt. Ich folge den Spuren in östlicher Richtung, den Blick auf den genarbten Sand gerichtet und auf die niedrig stehende Sonne.
Jetzt durchdringen leise Klagelaute das Meeresrauschen wie Messerspitzen einen wehenden Vorhang. Eine Gestalt kauert am Wasser und spielt ein Saiteninstrument, das Gesicht dem horizontweiten Ozean zugewandt.
Es ist ein Asiate. Sein Kopf ist kahlgeschoren, doch die nachwachsenden Haare verdunkeln bereits wieder die Kopfhaut. Der Mönch trägt ein blaues Gewand aus Seide und weiße Hosen. Neben ihm stehen seine Sandalen, einfache Holzplatten mit einer Schlaufe obenauf und zwei Holzstreben darunter – Ursprung der Spuren, die mich hierhergeführt haben.
Der Mönch singt, schlägt dazu mit einem spitz zulaufenden Holz auf die vier Saiten seiner Laute.
»Es ist eine Biwa«, erklärt eine Stimme in meinem Kopf, aber es ist keine Stimme. Es ist mehr ein Deja vu, längst vergessenes Wissen.
Der Mönch bricht sein Saitenspiel ab, als ob ein Geräusch seine Konzentration durchbrochen hätte, und wendet den Kopf in meine Richtung. Dann murmelt er etwas auf Japanisch, nickt, seine eigenen Worte noch einmal sich selbst bestätigend, steht auf, legt die Biwa zur Seite und verbeugt sich tief vor mir. Dann hebt er den Kopf, und ich sehe jetzt, dass er blind ist: Seine Augen sind stumm, gebrochen schon vor langer Zeit.
Trotzdem verbeuge ich mich auch und setze mich, nachdem er begonnen hat, mir eine Geschichte zu erzählen, zu seiner Linken nieder.
Ich kann mir nicht erklären, wie ich die Geschichte des Moso verstehen kann, da er ja Japanisch spricht. Aber irgendwie rührt die trockene Stimme des Alten mein Herz an und malt Tuschezeichnungen vor meinen Augen, so dass ich alles verstehe, was er mir erzählt.
Und so lausche ich ergriffen der Geschichte des Moso vom Wasser, vom Feuer, vom Holz, der Erde und vom Metall in einem Land, in dem die Menschen mit der Natur im Einklang stehen und sich die Dämonen gewogen zu machen wissen, und bin traurig darüber, nur so wenig davon mit zurück in den engen Korridor meines entfremdeten und oberflächlichen Lebens nehmen zu können.
Die Sonne ist längst untergegangen, als der Mönch sein Biwaspiel wieder aufnimmt und ich mich auf den Rückweg mache. Leider verfliegt der Zauber seiner Worte und Bilder schnell, und sie schmelzen wie Schneeflocken in meiner offenen Hand, sobald mich wieder der Lärm der Großstadt überrollt.

