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♫ Skilaboð til mannkyns ♫
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Ich betrete den Korridor und höre am Geräusch eines Bohrers gleich, dass Norbu mal wieder etwas an seinem Hausboot repariert. Ich mache uns auf der Terrasse schon mal einen Wein auf und warte mit zwei Gläsern auf ihn. Wenn ich meinen Freund Norbu besuche, nehme ich mir immer genügend Zeit mit. Es ist nie vorherzusehen, wie tief wir uns in unsere Diskussionen verstricken werden.
Diesmal habe ich ein Thema mitgebracht. Ich will von Norbu wissen, was er vom Klimawandel hält.
Er ist verschwitzt und ölverschmiert, freut sich aber sichtlich über meinen Besuch, als er endlich, eine Schlagbohrmaschine in der Hand, aus irgendwelchen Kammern und Gängen unterhalb der Wasserlinie im Wohnzimmer auftaucht.
»Der Klimawandel ist nicht das Problem«, meint er leichthin. Wir stoßen an. »Irgendwann wird die Menschheit eh den Abgang machen. Und selbst wenn wir noch eine Zeitlang überleben – das Leben auf der Erde selbst ist begrenzt.«
»Das klingt nach Katastrophismus«, wende ich tadelnd ein.
»Pure Astrophysik. Die Sonne wird verlöschen. Das Problem ist nicht die Klimaerwärmung, sondern der Wärmetod. Du musst in größeren Maßstäben denken!«
Das tut mein Freund Norbu gerne. Ich dagegen muss nur für zehn Sekunden ernsthaft über die Frage nachdenken, warum es überhaupt etwas gibt und nicht nichts, und schon bin ich im Totalen Durchblicksstrudel gefangen und beginne mich aufzulösen.
»He«, sagt mein Freund Norbu, »bist du noch bei der Sache?« Das katapultiert mich aus dem Strudel wieder heraus. Ich nicke beflissen: »Wärmetod der Sonne. Sie bläht sich auf und verbrennt all ihre Planeten. Das Ende des Lebens auf der Erde.«
Doch Norbu schüttelt ungeduldig den Kopf: »Wärmetod des Universums und das Ende allen Lebens. Das ist das eigentliche Problem, und das gilt es zu verhindern.«
Ich starre ihn ungläubig an. »Du willst den Wärmetod des Universums verhindern?« Und dann: »Was ist das überhaupt?«
»Seit kurz nach dem Urknall baut das Universum ständig ab: Die Materie verteilt sich, kann wegen zunehmender Distanzen immer weniger miteinander agieren, und die Sterne brennen aus. Kalte und heiße Zonen gleichen sich immer mehr an, bis alles eine einheitliche Temperatur und Struktur angenommen hat und nur noch eine unterschiedslose lauwarme Soße ist. Aber damit wir es dazu nicht kampflos kommen lassen, gibt es ja ›Die Botschaft‹.«
Norbu weist mit einer ausladenden Geste auf die Welt um uns herum. Ich kann ihm nicht folgen. Schließlich seufzt er und setzt zu einer weiteren Erklärung an: »Die Naturgesetze sind eine Botschaft. Die kosmischen physikalischen Grundprinzipien sind wunderbar fein darauf abgestimmt, dass Leben entstehen kann, Leben, das sich selbst erkennt – als das, was es ist. Ich spreche von uns!«
»Uns beiden?«, frage ich kleinlaut, weil ich schon ahne, dass ich ihm wohl wieder nicht ganz folgen kann.
»Uns allen. Die Menschen. Und alle anderen intelligenten Zivilisationen im Kosmos. Und die Naturgesetze sagen uns, dass die von vorher dran gedreht haben.«
»Die von vorher?« Ich komme ihm gerade kaum noch hinterher.
»Manchmal stelle ich mir vor«, und damit lehnt Norbu sich zurück und blickt den Rest Rotwein in seinem Glas sinnend von unten an, »dass vor dem Wärmetod des Universums eine Handvoll intelligenter Zivilisationen es schaffen, Kontakt miteinander aufzunehmen und gemeinsam das größte Projekt der Welt zu starten.«
Er redet nicht weiter. Ich müsste jetzt fragen, was denn wohl das größte Projekt der Welt ist, aber nun bin ich bockig und schweige.
Nach einer Weile fährt er flüsternd fort: »Vor dem Ende des eigenen Universums ein neues zu schaffen, damit es wieder Leben geben kann. Damit die Kette des Seins nicht abbricht.«
Auch ich werde plötzlich ganz ehrfürchtig bei dem Gedanken, wir könnten dem nächsten Universum, den intelligenten Wesen, die uns nachfolgen, eine Botschaft hinterlassen: Naturgesetze, die ihnen helfen, sich zu entwickeln – eine zukunftsträchtige Maßnahme, die sicherlich nicht binnen einer Legislaturperiode zu schaffen ist und selbst ein 739-jähriges Orgelwerk, die zehntausendjährige Long-Now-Uhr und das möglichst sichere Vergraben von Atommüll für Hunderttausende von Jahren um einiges übertrifft.
»Natürlich nur«, sagt mein Freund Norbu jetzt plötzlich wieder ganz nüchtern, »wenn das Universum ein in sich abgeschlossenes System ist. Sonst bieten sich natürlich zahlreiche andere Möglichkeiten, weil es dann nicht unbedingt zum Wärmetod oder Big Crunch kommen muss. Aber solange wir das nicht sicher wissen …«
»… wäre es vielleicht besser, sich auf den schlimmsten Fall vorzubereiten.«
»Genau«, bekräftigt mein Freund Norbu. »640 Milliarden Jahre bis zum Wärmetod sind eine verdammt kurze Zeit, um sich soweit fortzuentwickeln, dass man in der Lage ist, ein neues Universum zu planen und in die Tat umzusetzen. Besser ist’s, wir fangen gleich damit an.«
Mir schwirrt der Kopf, und das nicht nur vom Wein. Als ich später unter einem prächtigen Sternenhimmel nach Hause radle, hebe ich den Kopf und frage das Universum, das sich über mir wölbt, ob es eine Botschaft für mich hat. Und tatsächlich. Ich kann sie nicht hören oder sehen, aber ich kann etwas spüren. Das Leben ist lebenswert.
Der Totale Durchblicksstrudel als interaktive Grafik (engl.): ![]()

